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Die neue Welt · 1934-03-09 · Heft 347 (9.3.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 347 (9.3.1934)
Date
1934-03-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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DrAic 90 GrASihAII Jahrgang 8 Freitag/ den 9* Marx 1934 Nr« 347 V« b« b» rreis *v * * * vom VerIcger verecndci «Journal exp&lie par r^ditenr*« DIE HEUL .; ' LT R_am m m m mwm BEZUOSBEDINQUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20. ganzjährig S16.-;Polen monatnch Zloty 2.—. vlerteliährii! Zloty 6.— ^kmm mm ■ ■ m^m Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Km MM II mwm Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig ^mu mm l_l m^^ Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr Igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel- Im m9mW ■BB iähriK Schwelzer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6-8, 7 et. B-48-504 — Erscheint Dienstag und Freitag Eine große jüdische Demonstration in Wien Zum ersten Male nach den erschütternden Vorgängen in Wien und Oesterreich, welche die Umformung eines Staates eingeleitet und die ganze Welt in Spannung versetzt haben, sind die Juden Wiens zusammengetreten. Die Jüdische Volkspartei hat sie gerufen, um zur neugeschaffenen Lage Stellung zu nehmen, und sie sind in hellen Scharen gekommen. Die Versammlnug im großen Saal des Hotel Kontinental war eine der eindrucksvollsten und würdigsten Kundgebungen, welche das jüdische Wien jemals geboten hat. Da haben sich in schwerster Zeit nicht eingeschüchterte, sondern aufrechte, ihrer Pflichten und Rechte bewußte Männer und Frauen zusammengefunden, um als Bürger und Juden dem Staate ihre treue Mitarbeit anzubieten und von ihm und von der Gesellschaft Wahrung ihrer politischen, wirtschaftlichen und moralischen Gleichberechtigung zu fordern. Es soll vor allem hier verzeichnet werden, daß die österreichische Regierung der Einberufung dieser Kundgebung nicht den geringsten Widerstand entgegengesetzt und der Jüdischen Volkspartei völlige Versammlung s- und Redefreiheit gewährt hat. Ohne Einschränkung, ohne Zensur, ohne Bedingungen irgend welcher Art. Sie hat damit in wirkungsvollster Art gewisse in Oesterreich und besonders im Auslande verbreitete Meldungen widerlegt, welche von einem gegen die Juden geübten T/error sprachen/ Die Regierung hat damit bewiesen, daß sie die Meinungsfreiheit ihrer jüdischen Bürger respektiert. Das mögen in erster Reihe alle jene zur Kennt« nis nehmen, welche, wenn auch aus den lobenswertesten Motiven, glauben, zum Schutze der österreichischen Judenschaft alarmierende Rufe ausstoßen zu müssen. Eine Gelegenheit zu Alarm ist nicht gegeben. Wenn eine Bedrohung ihrer Menschen- und Bürgerrechte eintritt, dann wird die volksbewußte österreichische Judenschaft nicht schweigen. In ausführlicher und eingehender Weise ging der Referent des Abends, der Obmann der Jüdischen Volkspartei Robert Stricker, auf alle wichtigen Probleme ein. Er schilderte vor allem die politische Verirrung, welcher das österreichische Judentum, gegen die eindringliche und unermüdliche Mahnung der Jüdischnationalen, jahrzehntelang gefrönt hat. Jahrzehntelang hat die Majorität der österreichischen Juden einer fremden Partei, der jetzt zertrümmerten sozialdemokratischen, willenlos Gefolgschaft geleistet. Sie hat getauften und ausgetretenen Juden ihre Stimmen gegeben und sie den jüdischen Kandidaten verweigert. All der Haß, den diese Partei und ihre Führer ausgelöst haben, wurde dadurch auf das österreichische Judentum konzentriert. Diesem Umstand ist es in erster Linie zuzuschreiben, wenn heute von manchen Seiten der Versuch unternommen wird, mit den Juden die Sünden, eines früheren Regimes, einer dem Judentum in ihrem Wesen ganz fremden Partei, abzurechnen. Diesem gefährlichen Versuche müssen die österreichischen Juden gerüstet und widerstandsbereit entgegentreten. Sie können es nur dann, wenn sie mit der jüdischen Assimilationspolitik endgültig brechen. Diese Politik beruht auf dem verderblichen Grundsatze, den Bestand der Judenfrage zu verschweigen, die nationale Eigenart der Juden wie eine beschämende Krankheit verstecken und sich immer dem Stärkeren von heute anbiedern zu wollen. Diese negative Art der Judenpolitik hat Unheil gestiftet, sie hat die Juden aller Achtung beraubt und Haß, Verachtung und Verdächtigung erzeugt. Mit dieser Politik muß Schluß gemacht werden. Wir Juden müssen unser Recht verlangen, als Juden, nicht aber in einer Verkleidung, die jeder durchschaut. Wir haben bei voller Respektierung der Eigenart unserer nichtjüdischen Mitbürger und strikter Enthaltung von Einmischung in ihre nationalen und weltanschaulichen Angelegenheiten Respekt vor unserer Eigenart und unserem nationalen und religiösen Innenleben zu fordern. Das ist der unverrückbare Grundsatz jüdischer Volkspolitik und muß es bleiben. Nur in einer Organisation, welche unverbrüchlich, unbeirrt durch Lockungen oder Drohungen von irgend einer Seite an diesem Prinzip festhält, findet der Jude in schwerer Stunde seinen richtigen Platz. Diese Organisation ist die Jüdische Volkspartei. Die Spannung, mit welcher die Masse den Ausführungen des Redners folgte und ihre begeisterte Zustimmung kundgab, ist ein Zeichen dafür, daß sich die Einsicht Bahn bricht. Der Aufforderung zum Beitritt zur Jüdischen Volkspartei, welche der Vorsitzende, Ing. E. Buchbinder, zum Abschluß ergehen ließ, folgten viele. . ■ Sfawsky des Mordes - Äii|Mil^||t Aus Jerusalem wi*il Unter dem 7. d. gemeldet: Nach achtmonatiger Voruntersuchung hat die Staatsanwaltschaft gegen die Verhafteten Abraham Stawsky und Zwi Bosenblatt die Anklage wegen Mordes an Dr. Chaim Ar.losoroff und gegen Abi Achimeir wegen Mitschuld am Morde die Anklage erhoben. Verfolgung der Bne Brilh^Logen in Deutschland Aus Berlin wird gemeldet: Der Vizepräsident und Geschäftsleiter der Großloge Deutschland des Unabhängigen Ordens Bne Brith, Dr. Benno Walter, ist, wie seitens der Behörden angegeben wird, im Zusammenhang mit einer Bede, die er am 8. Jänner in München-Gladbach gehalten hat, verhaftet worden. Es wird angenommen, daß nicht etwa allein seine Ausführungen in Gladbach, die überdies gewiß mißverstanden worden sind, da nicht anzunehmen ist, daß ein Mann wie Dr. Benno Walter irgend welche verfänglichen Aeußerungen tun wird, der Grund zu der Verhaftung Dr. Walters sind, sondern daß die Behörden im Zuge der Aktion gegen die Freimaurer auch die Bne-Brith-Bewegung treffen wollen. Es scheint den Behörden nicht bekannt zu sein, daß die Bne-Brith-Logen nichts mit Freimaurerei zu tun haben, sondern eine rein jttdische Brüderorganisation ohne Geheimriten sind, deren Tätigkeit sich im Sozialen und Kulturellen erschöpft. Bereits vor mehreren Wochen wurde gemeldet, daß das Haus der Bne-Brith-Loge in Stettin von den Behörden beschlagnahmt worden ist, während die Ritualien usw. der Loge zur Verfügung gestellt worden sind. Seither sind In Königsberg, Nürnberg, Elbing, Alienstein, Aschaffehburg und Kottbus die Logenhäuser samt Inneneinrichtung beschlagnahmt und die Logen selbst für aufgelöst erklärt worden. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt» liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet JUDENSTAATSPARTEI Donnerstag, den 15. März 1 J., V«9 Uhr abends, im Klublokale des Cafe Neptun. XX, Gaußplatz 7 VORTRAG Rabbiner Dr. Z. W. KANNER The^: jmffsemltlsmus u. Zionismus Gäste willkommen 1 Nächste Nummer erscheint Dienstag früh Preis 10 Groschen Verhaftungen sind aber in diesem Zusammenhang nicht erfolgt. Großpräsident der Deutschland-Loge Bne Brith ist der Präsident des deutschen Babbinerverbandes Dr. Leo Baeck, gleichzeitig Präsident der Reichsvertretung der deutschen Juden. Haussuchung in der Bne Brith in Berlin Aus Berlin: Die Politische Polizei erschien unvermutet im Berliner Logenhaus in der Kleiststraße, in dem der Tempel und die Büros der Großloge Deutschland des Unabhängigen Ordens Bne Brith sowie die Büros einer Anzahl Berliner Zweiglogen der Bne Brith untergebracht sind, und nahm eine g r ü n d 1 i c h e H a u ssuchung vor, die mehr als zwei Stunden dauerte. Zählreiche vorgefundene Dokumente wurden zur Durchprüfung mitgenommen. Warum Dr. Walter verhaftet wurde Aus Berlin: Dr. Benno Walter, der Vizepräsident und Geschäftsleiter der Deutschland-Loge des U. O. B. B. ist nun aus dem Polizeipräsidium am Alexande/- platz nach dem berüchtigten Columbia-Haus, einem von der Politischen Polizei unterhaltenen speziellen Gefängnis für politische Häftlinge, gebracht worden. Dr. Walter soll in München-Gladbach gesagt haben, daß die Juden in Deutschland niemals-freiwillig auf ihre Bürgerrechte verzichten werden. Diese Aeußerung ist, wie nun offiziös zugegeben wird, der Grund für seine Verhaftung gewesen. Selbstmorde—Gräber* §dhändung Aus Karlsruhe: Die Agentur „Inpreß" meldet: Der jüdische Arzt Dr. Wagner aus Triberg hat sich, seine Frau und sein Kind mit Morphiumeinspritzungen zu töten versucht. Das Kind ist inzwischen gestorben. Der nationalsozialistische „Führer" stellt dazu fest: „Vom Ortsgruppenleiter wird ausdrücklich bestätigt, daß irgend eine Bedrohung oder Verfolgung Dr. Wagners in gar keiner Weise in Frage käme." Einige Zeilen vorher schreibt der „Führer" dagegen, daß Dr. Wagner „infolge u ngesetzlicher verbotener Handlungen" nach Offenbach gebracht werden sollte. Die „Handlungen" des Arztes werden mit keinem Wort präzisiert. * Aus Saarbrücken: Man schreibt der „Deutschen Freiheit" aus Köln: In der ersten Woche des Monats Februar wurden durch Nazihände in Köln auf dem jüdischen Friedhofe in Deckstein 191 Grafast eine zertrümmert. Mehrere Angehörige der Verstorbenen wurden bei dem Herrn Regierungspräsidenten vorstellig. Der erklärte: „Es ist unmöglich, daß Naziangehörige so etwas machen." Er lehnte jede Wiederherstellung des Friedhofes ab, verlangte vielmehr, daß die jüdische Gemeinde unverzüglich die Aufräumung vornehme. Jugendliches Opfer Aus Istanbul: Der sechzehnjährige Sohn des aus Deutschland vertriebenen, jetzt an der Konstantinopler Universität lehrenden jüdischen Professors Kantorowicz hat Selbstmord begangen. Er war in Deutschland zusammen mit seinem Vater in einem Konzentrationslager interniert und hatte damals einen Nervenschock erlitten, von dem er sich nichl mehr erholen konnte, so daß er nun in den Tod fing. NACH PALÄSTINA MIT DER COMPASS TOURS OFFIZIELLES PROPAGANDABÜRO DER STADTGEMEINDE TEL-AWIW AM 19. MKRZ: Osterrelse mit dem Luxus schiff „Vulcania" über Rom, Neapel, Athen, Beirut AM 17. APRIL: Offizielle Masserelse der Kollektiv- Ausstellung Oesterreichs auf der Levante-Messe inTel-Awiw unter dem Protektorate der Wiener Handels« u. Gewerbekammer Von 530 Schilling aufwärts Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien IX, Spitalgasse 3, Telephon Nr. B-42-5-38

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