Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 346 (6.3.1934)
- Date
- 1934-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DmIc 10 Groschen Jahrgang 8 IHensfag, den 6« Hr. 34* %u Zeitung vom y«l^erJN^raSjH «Journal ezpedie p'ar 1 edlteui,« BEZUOSBEDINOUNQEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20. ganzjährig S16.-;Polen monatlich Zloty2.—.vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 13.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteliährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX» üniversitätsstr. 6-8, 1 et, B-48-504 — Erscheint Dienstag und Freitag REVUE Nächste Nummer Freitag früh Ruckkehr zum Judentum JÜDISCHE TOLKSPARTEI ÖSTERREICHS Mittwoch/ den 7. März 1934, um 729 Uhr abends, im großen Saale des Hotel Continental, IL, Taborstraße 4 VORTRAG Thema D'e Ld9e der Jud«1 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Dct giidisdie Weltkongreß Referent: Oberbaurat Ing. Robert Stridter Kleiner Regiebeitrag Niederträchtige anffeemiffedie Hetze gegen Aerzte Eine bis nun unerhörte Verleumdung der jüdischen Aerzteschaft Oesterreichs leistet sich die im Verlage der „Reichspost" erscheinende Zeitung „Wiener Montagblatt" jn ihrer Nummer vom 5. März. Unter der Aufschrift „Zusammenschluß der christlich-deutschen Aerzteschaft" fordert das Blatt die „S ä uberung" der Krankenkassen, Spitäler und Anstalten der Sozialversicherung von jüdischen Aerzten, also den Hinauswurf der jüdischen Aerzte, und fügt noch hinzu, daß „die Verjudung der s o n s t in Wien praktizierende 11 Aerzteschaft für die christliche Bevölkerung schlechthin unerträglich geworden ist". Während sich diese Ausfälle noch im Rahmen des gebräuchlichen Radauantisemitismus bewegen, leistet sich das Blatt einen Zusatz, der alles übersteigt. Das „Wiener Montagblatt" beschuldigt die jüdischen Aerzte Oesterreichs, daß sie systematisch auf die Ausrottung der christlichen Bevölkerung und gleichzeitig auf die Erhaltung und Vermehrung der jüdischen Bevölkerung hinarbeiten. Das Blatt behauptet, daß die jüdischen Aerzte ihre Stellung dazu mißbrauchen, die christlichen Frauen zur Abtreibung der Leibesfrucht zu bewegen, hingegen bei jüdischen Frauen den § 144 (Verbot der Abtreibung) strenge befolgen. Das Blatt schreibt wörtlich: „Niemals hätte die Propaganda für die Abtreibung ein derartiges übles Ausmaß gewinnen können, wenn die Frauen in den Spitälern der Gemeinde Wien, in den Anstauen der Angestellten- und Arbeiterkrankenkassen nicht .der- B e e i nf 1 u s s ung der jüdischen Aerzte ausgesetzt gewesen wären. Man darf nicht vergessen, daß der Arzt am Krankenbett des Patienten nicht nur als Fachmann erscheint, sondern daß er auch die Möglichkeit hat, als Freund und Berater (!) aufzutreten. Nur deshalb haben die Sozialdemokraten den Einfluß dieser Aerzte so stark werden lassen, weil von dieser Seite der geringste weltanschauliche Widerstand gegen ihre mörderische Entvölkerungspolitik zu fürchten war. Allerdings ist es eine bekannte Tatsache, daß der von den Sozialisten so heftig bekämpfte § 144 von den jüdischen Aerzten bei — Jüdinnen streng befolgt wurde." Es ist überflüssig, für die Charakterisierung dieser das Maß gemeinster Verhetzung übersteigenden Anwürfe viele Worte zu verwenden. Hier gilt es nicht nur zu reden, hier gilt es zu handeln. Was sich das „Wiener Montagblatt" zu schreiben erkühnt, bedeutet nicht nur eine blutige Beleidigung des jüdischen Acrztestandes in Oesterreich. Die Behauptung, daß der Jude als Arzt ein besonders geeignetes Werkzeug für „mörderischc Entvölkerungspolitik" ist, bedeutet eine unflätige Beschimpfung des ganzen Judentums. Es bedeutet aber auch ein Verbrechen am österreichischen Staate. Die Regierung des um seine Selbstständigkeit und die Sympathien der Kulturvölker so hart ringenden Oesterreich hat wiederholt der ganzen Welt erklärt, daß sie die Ehre und die Rechte aller, also auch der jüdischen Bürger, achten und wahren will. Es bedeutet eine schwere Diskreditierung dieser Versicherungen, wenn ein österreichisches Blatt es wagen darf, unbehindert oder unbestraft so zu schreiben wie das „Wiener Montagblatt". Wenn die österreichische Judenschaft Abstellung und Ahndung fordert, so tut sie es nicht allein um der Juden willen. Sie wendet sich gegen ein frevelhaftes Beginnen, das die Ruhe und das Ansehen des schwer geprüften Landes bedroht. Es ist an der österreichischen Regierung, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. * Die Leitung der „Jüdischen Volkspartei Oesterreichs" teilt uns mit, daß sie Schritte eingeleitet hat, den zuständigen Stellen und der Oeffentlichkeit die Haltung und die Forderungen der in ihr organisierten nationalen Jüdenschaft in dieser Frage kundzutun. Wien, Anfang März. Die Spannungen der letzten Zeit im innenpolitischen Bereich haben viele Juden dahingebracht, über sich, über ihr Schicksal, über ihr Wesen in der nichtjüdischen Umwelt nachzudenken. Die Schlüsse aus dieser Gedankenfolge waren zwingend: Nur das Bewußtsein einer innigen, historisch lückenlosen Verantwortungsgemeinschaft gab ihnen schließlich die innere Ruhe und daneben das Glücksgefühl, Jude zu sein. Ueber alle aktuellen Geschehnisse hinaus verbleibt dieses Gefühl, dies Ewigkeitsbewußtsein als unzerstörbares Positivum. Die anderen, die Nicht-mehr -Juden, die Entlaufenen und Ausgetretenen, müssen wohl in diesen Tagen schwere seelische Erschütterungen mitgemacht haben. Sie glaubten seinerzeit, sich ohne viel Mühe aus dem Ring der Ahnen loslösen zu können. Der Austritt aus der Judengemeinde bedeutete ihnen eine Kleinigkeit neben der Chance, sich im internationalen und interkonfessionellen Raum verlieren zu können. Es war wie der Austritt aus einem Verein, der einem nichts zu bieten hat. Sie kehren zurück. Die Wiener Kultusgemeinde hat eine lange Reihe von Wiedereintritten zu verzeichnen. Juden, die dem Judentum schon längst entfremdet schienen, wollen sich wieder an ihre Volksgenossen anschließen. Wir kennen die Ursachen dieser Erscheinung. Wir wissen, daß alle Versuche, in fremder Volksgemeinschaft aufzugehen, Fiasko gemacht haben. Wir wissen auch, daß das Anhängen an fremde Parteien, Gruppen und Weltanschauungen sich im Aspekt der Neuordnung des österreichischen Staates nicht bezahlt macht. Und wir wissen schließlich, daß die Existenz der Judenfrage sich nun auch den Entferntesten mit intensiver Dringlichkeit aufdrängt.. Unter all diesen Umständen ist eine Rückkehr der „Verlorenen" begreiflich. Wir, denen die Judengemeinde den Zusammenschluß aller Volkgenossen bedeutete; wir, die den Austritt aus dieser Gemeinde als schändliche Fahnenflucht empfanden, werden nichtsdestoweniger die Juden, die heimkehren wollen, gern aufnehmen. Aber wir glauben, daß die Heimkehrenden des Segens dieser Heimkehr nicht teilhaftig werden können, wenn sie auch nur den geringsten Rest ihrer bisherigen Mentalität mitbringen. Die Judengemeinde ist kein Verein, dem man nach Belieben den Rücken kehren und wieder angehören kann. Der Wiedereintritt in die Judengemeinde muß mit dem rückhaltlosen Bekenntnis zum Judentum mit all seinen sittlichen, nationalen und staatsbürgerlichen Pflichten verbunden sein. Es darf sich hier nicht etwa um ein Konjunkturjudentum handeln, das man plötzlich wie ein schlechtsitzendes Gewand anzieht, weil ein anderes gerade nicht zur Hand ist oder nicht viel Ehre einträgt. Und noch eines: Aus der Ungewißheit über ihre materielle und soziale Sicherheit scheinen die rückkehrenden Juden die eine Gewißheit zu erhoffen, daß sie im Schoß der jüdischen Volksgemeinschaft gegebenenfalls allen Schicksalsschlägen besser werden entgegentreten können. Auch wir hoffen es. Wir sehen nämlich in der Geschlossenheit des jüdischen Volkstums die einzige Möglichkeit einer legitimen Front gegenüber Versuchen, unsere Rechte anzugreifen. Aber gerade darum müssen diejenigen, welche zu uns zurückkehren, es in dem Bewußtsein tun, daß sie von nun ab keine Gäste mehr sein können, sondern Mitglieder einer Schicksals-, Verantwortungs- und Volksgemeinschaft. Araber§iedlung in Trairejordanien Unentschuldbare Kurzsichtigkeit der „linken" zionistischen Führer Aus Jerusalem wird gemeldet: Der Ex-Khedivo von Aegypten AbbasHilmi bat vor kurzem Transjordanien besucht und den Landstrich Char-el-Chabad vom Emir Abdullah gepachtet. Abbas Hilrai beabsichtigt, auf diesem Boden eine große Arabersiedlung zu errichten. * Es ist gerade ein Jahr her, daß es den intensiven Bemühungen der damaligen Exekutivmitglieder Partatein und Newmann gelungen ist, vom Emir Abdullah von Transjordanien einen Pachtvertrag auf den oben genannten Landstrich zu erlangen. Eine Erweiterung des jüdischen Kolonisationswerkes nach Transjordanien hin hätte für die zionistische Sache ungeheure Bedeutung gehabt. Zunächst wäre dadurch die unrechtmäßige Ausschaltung Transjordaniens aus dem Bereich judisch-palästinensischer Siedlung für alle sichtbar geworden. Damals war es die englische Palästina-Administration, die bei den Arabern eine künstliche Protestbewegung gegen jüdischen Bodenerwerb in Transjordanien inszenierte. Nicht weniger Schuld an der Sachlage tragen die linken Herren der Zionistischen Exekutive, die das Verhandlungswerk der Herren Farbstein und Newmann sabotierten, ja diesen beiden zionistischen Patrioten in den Rücken fielen. Der Wühlarbeit der britischen Verwaltung, den extrem-nationalistischen arabischen Hetzern und den kurzfristigen Histadruthführern gelang es, den jüdischtransjordanischen Pachtvertrag zu annulieren. So ging der wertvolle Landstrich Char-el-Chabad für die zionistische Kolonisation verloren. Das jüdische Recht auf Bodenerwerb und Siedlung in Transjordanien muß nun wieder propagiert werden. Überall erhältlich ScIllllicll-MaZZOth Sind die bOSteil Überall «hXttli*