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Die neue Welt · 1934-02-27 · Heft 344 (27.2.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 344 (27.2.1934)
Date
1934-02-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT IN BILLIGKEIT FÜHRENDI - Sehenswerte Dekorationen: „MÄRCHEN IN WEISS" Provinzversand per Nachnahme. — FahrtvergQtung. Bis Samstag, de» 3, März verlängert! Seftcftnaren Ii * TA BORSTRASSE 48 Jeder nütze diese Kaufaeleaenheit ohnegleichen aus! Spanien, jüdische Flüchtlinge, Nazi Von Anna Berber (Tarragona) Die Straßen von Barcelona sind voll von Juden, die sich scheuen einzugestehen, daß sie Juden sind. Die Spanier lächeln. Drei von ihnen, bei einem Kaffeehaustisch sitzend, messen einen sephardischen Jungen, der hofft, ihnen eine billige Krawatte zu verkaufen. Seine Schultern sind schief, sein Hut übers Ohr gezogen, sein Gesicht nicht zu verkennen. Er besteht darauf, daß er Grieche sei. Ja, aber, sagen die Spanier, wie kommt es denn, daß du Spanisch sprichst?, Der Junge erwidert, daß viele Griechen Spanisch sprechen. „Ja, jüdische Griechen", antworten die Spanier. Der Junge gibt zu, in Griechenland in einem jüdischen Milieu gelebt und dort Spanisch gelernt zu haben. Weder durch Ueberzeugung, noch durch Zwang, noch durch Last kann er dazu gebracht werden, zu sagen, daß er Jude ist. Wenn er es täte, wäre das Geständnis genau so wie das Geheimnis, das der Jude in der altbekannten Geschichte seinem Freunde, dem Buckligen, anvertraute. Als der Jude flüsterte; „Ich bin ein Jude, mein Freund", entgegnete )hm der Bucklige in feierlichem Flüsterton: „Und ich bin ein Buckliger." Die sphardischen Juden in Barcelona — es müssen deren mehrere Hundert sein — kommen aus Marokko und dem übrigen Umkreis des Mittelländischen Meeres. In Marokko Jude zu sein, ist kein Geheimnis, und da die meisten Spanier um das 30. Lebensjahr an den marokkanischen FeldzUgen teilgenommen haben, sind ihnen die Ostjuden vertraut. Sie finden es amüsant, sagen sie, daß im breiten Licht des 20. Jahrhunderts und in einer Republik der Schatten der Inquisition noch immer schwer auf den Geist eines Jungen, der für 10 Cent Krawatten verkauft, drückt und auch dem erwachsenen Mann, der mit billigen Füllfedern und allerlei Tand hausiert, Furcht einflößt. Und besonders in Barcelona, einer Weltstadt, von der die ganze Welt oder zumindest Spanien weiß, daß sie von Menschen bewohnt ist, die eher an Wohlstand, Komfort und individuellen Freiheiten Interesse haben als an Theologie und Tradition* Barcelona ist eine Stadt des Liberalismus. Sie liebt weder Madrid noch das, was Madrid vorstellen möchte, Sie ist das Rückgrat der. Republik, ebenso wie sie das Rückgrat der ersten Spanischen Republik 1873/74war. Ihr Volk hat einen langen Kampf gegen Intoleranz und Tyrannei geführt, denn Kastilien war nie fähig, Katalonien zu erlauben, daß es Katalonien sei. Es hat seinen Institutionen Gewalt angetan, hat versucht, seine Sprache zu unterdrücken, hat den Kataloniern strenge zugerufen, zu sprechen wie die Christen und ihnen selbst verboten, ihre traditionellen Tänze zu tanzen und ihre Lieder zu singen. Ihre Dichter, Schriftsteller und Führer sind um kleinerer Dinge willen Ins Gefängnis geworfen worden« Kataloniens Volk ist daher gegen Ungerechtigkeit aufgebracht und ein geschworener Feind von Verfolgung. Alle Anteilnahme und Sympathie, die in Spanien den Juden entgegengebracht wird, Ist in Barcelona zu finden. Die Verdächtigung, die in dem Wort „Jude" steckt, ist durch zu viele Volkserzählungen, zu viele Riten, zuviel Gelehrsamkeit verursacht, wo immer eine Kirche die Oberhand hat. Das Gespenst der Inquisition ist eher in Kastilien als in Katalonien zu Hause. Die Katalonier sind ein schwer arbeitendes, sachliches, plumpes, stummes Volk, das In Ruhe gelassen werden und sich sein Leben angenehm gestalten will. In Katalonien Ist viel Jüdisches Blut. Man sieht hier drei Typen von Gesichtern! Romanen, Kelten und Juden. Katalonien war immer die fleißigste und einheitlich reichste Region Spaniens. Katalonien war unter den Römern die kaiserliche Zone, weil einer ihrer Hafen, Tarragona, das römische Capitol in Spanien war. Der Palast, den Augustus bewohnte, ist noch erhalten. Er wird als Gefängnis benützt. Man sagt, daß Pontius Pilatus, nachdem er Palästina verlassen hatte, hier gelebt habe. Das, was früher ein prachtvoller Zirkus war, dient jetzt als Festungsbezirk. Jüdische Grabsteine tauchen unweit des römisch-katholischen Friedhofes außerhalb der Stadtmauern auf. Einige Meilen von Tarragona ist eine Stadt — Brafim — welche Ibrahim genannt wurde und die, wie man sagt, eine jüdische Stadt war. Aber die Inquisition beklagte sich darüber, daß Tarragona selbst „die Hauptstadt der Juden" sei. * Spanien hat das Theater im Blute. So fand die Republik Wohlgefallen an ihrer Gebärde und genoß die Ironie ebenso wie die Juden selbst, das 16. Jahrhundert mit dem 20. Jahrhundert auszugleichen, indem sie sie wieder willkommen hieß. Sie haben nichts zu fürchten von der spanischen Republik. Aber in Barcelona sieht man die Nazi-Swastika (das Hakenkreuz) in den Zeitungen und hört davon in Gesprächen. In Barcelona ist eine große und gedeihende deutsche Kolonie. Man bekommt Münchner Bier in Münchner Behältern. Zwei lokale Nazizeitungen sind bei jedem Zeitungsstand erhältlich und werden von mindestens dreitausend Mitgliedern der Barcelonaer Sturmabteilung gekauft. Nazigeld durchsickert die Lokalpresse mit antijüdischen, antifranzösischen und antimarxistischen Artikeln. In Madrid erscheint eine illustrierte Wochenschrift („El Duende"), welche eine heftige antisemitische, antifranzösische und antikatalonische Kampagne führt; natürlich auch eine antirepublikanische. Nicht sehr viele Juden haben das spanische Willkomm ernst genommen. In Spanien gibt es sehr viele Hindernisse für deutsche Flüchtlinge, Erstens die Sprache. Dann, was kann denn schon ein deutscher jüdischer Rechtsanwalt in Barcelona anfangen?] Aerzte müssen Spanisch lernen und ihre Prüfungen von neuem machen. Arbeiter wagen es. Doch es sind immerhin mehr Nazi in Barcelona als Juden in ganz Spanien. Warum die Kampagne?, Hier ist die Antwort: Vorbeugung; Spanien vor der Invasion zu warnen, so daß die Juden ebenso rasch hinausgejagt werden, wie sie hineingekommen sind. Aber das ist eine akademische Frage für die meisten Spanier; und überdies sind die Spanier den Nazis unsympathisch, Barcelona sehen sie feindlich an. Spanische Zeitungen widmen den deutschen Nachrichten, welche das Naziregime kritisieren und verurteilen, hübsch viel Platz. Einer oder zwei der Herausgeber, deren Sympathie verdächtig war — und denen man nachgewiesen hat, daß sie bezahlt waren —, wurden kaltgestellt. Auf dem Zeitungsstand in Barcelona befindet sich unmittelbar neben dem Naziblatt eine Zeitung, genannt „Der Anti-Faschist". Es ist ein kleines kämpfendes Blatt, wird aber zumindest von den Zeitungsleuten gelesen und zur Aufklärung verwendet. Die Regierung selbst ist den Nazis nicht freundlich gesinnt, da sie sozialistisch und linksrepublikanisch eingestellt ist. Eine der beliebtesten Warnungen in öffentlichen Reden ist: „Seht auf Deutschland!" Die deutschen Juden, die sich nach Spanien durchkämpfen, ziehen nach Barcelona. Hier ist eine Rettungs- Insel, durch einheimische Juden organisiert; irgendwie bringen es diese — nicht mehr als 300 Juden — zuwege» eine Anzahl von 200 big 300 Flüchtlingen monatlich zu Herrai, die in der Pratergegend wohnen, gehen zum Friseur JOSEF TELLER, U, Molkereistraße 7 Billige Preise bei erstklassiger Bedienung Rasieren 40 Groschen Haarschneiden 1 Schilling verköstigen, zu bequartieren und ihnen zu helfen. Das Wohltätigkeitskomitee ist ständig in Bedrängnis. Paris bezahlt dessen Sekretär, der ebenfalls ein Flüchtling ist. Das Komitee selbst spendet „heldenhaft" (denn nicht alle Einheimischen können teilnehmen) 500 bis 1000 Dollar monatlich. Sein Hauptquartier ist ein Raum in der Synagoge, welchen man in eine Schule umgewandelt hat. Flüchtlinge gehen hier den ganzen Tag ein und aus. Ein Musiker singt ein Lied, das vielleicht von einer einheimischen Operettengesellschaft erworben werden könnte. Ein Student ist da, der jetzt gemeinsam mit einem Bankierssohn mit Eiern hausiert. Ein Arzt bringt sich durch, indem er Arzneien für einen einheimischen Arzt mixt. Es gibt Flüchtlinge, die keine Juden sind, bloß bedürftige Deutsche. Kommunisten? Der Sekretär zuckt mit den Achseln. Vielleicht Sozialdemokraten? Er fragt nicht nach der Politik, die sie betreiben. Er hilft, Gegen die „Illegalen" Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Palästina- Regierung hat soeben eine Verordnung erlassen, die ausschließlich gegen jene Juden gerichtet ist, welche sich „illegal" im Land aufhalten. Sie hat nämlich allen Regierungsstellen, die Konzessionen für Handel, Gewerbe und Industrie erteilen, „empföhle n", von den Petenten den Beweis zu fordern, daß sie sich „legal" im Land aufhalten. Hakoah gegen Vienna 1*1 Vienna, die stark favorisierte Mannschaft, mußte einen Punkt an die Hakoah abgeben, bei welcher eine deutliche Formverbesserung seit den letzten Spielen zu konstatieren ist. Die Hakoah-Verteidigung war gut wie immer, die Halvesreihe hat ihre frühere gute Form wieder erreicht. Hier ragte besonders B r c i t f e 1 d hervor, der die beste Leistung bot. Zur angenehmen Ueberraschung agierte der Hakoah-Sturm sehr energisch und auch erfolgreich. Ehrlich 1 war vorzüglich. Vienna bot eine matte Leistung. Die wenigen planmäßigen Angriffe, die sie inszenierten, wurden von der Hakoah-Verteidigung schon im Keime unterdrückt. Die ersten Angriffe führte Hakoah durch und Vienna hat schwere Minuten zu überstehen. In der 16. Minute bringt Ehrlich 1 die Hakoah in Führung. Wiewohl Gschweidl das Spiel in der 23. Minute ausgleicht, bleibt Hakoah bis zur Pause überlegen. In der zweiten Hälfte lassen beide Mannschaften sehr nach. Die zweiten 45 Minuten waren ein Leerlauf. Hakoah stellte folgende Mannschaft: Löwy; Feldmann, Donnenfeld; Breitfeld, Stroß, Weiß; Ehrlich 1, Zwiebel, Ehrlich 2, Mausner, Reich. Erfüllte Frauenwunsdie! Den Wünschen zahlreicher Kunden entsprechend, haben wir uns entschlossen, die AusnahmspreJse unserer „Weißen Woche" noch eine Woche gelten zu lassen. Bis Samstag, 3. März, bekommen Sie Qualitäts-Weißwaren jeder Art zu den bekannt billigen Schiffmann-Preisen. Weißwaren-Reste, sowie angestaubte, leicht beschädigte Weben, Gradel, Tischtücher, Bettwaren, Damen- und Herrenwäsche usw. (Dekorationsstücke aus den Schaufenstern haben wir im Preise bedeutend herabgesetzt.) In unserer Abteilung für Damen- und Herren-Konfektion finden Sie Damen-, Herren- und Kinderkleidung zu billigen Preisen. Alle Frühjahrsneuheiten in Wrasch-, Woll-, Seidenstoffen usw. sind bereits eingelangt. Kommen Sie zu Schiffmann, II., Taborstraße 48. Fahrtvergütung. Provinzversand per Nachnahme. EJge_n.tujner, Verleger, Herausgeber, und y.eraniwoEtliojiej; Redakteuc: Oberbaurat Robert Stricker. Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G, Ignaz Steinmann, beide Wien, Dt, Univeraltatsatraße

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