Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 341 (16.2.1934)
- Date
- 1934-02-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag, den 16* I IfiS Tin Nr* 341 V* b* b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par re'ditenr*« BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährig S 16.—;Polen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig Zloty 6.-. Tschechoslowake! monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, viertel ährig Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel» jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6-8, 7eL B-48-504 — ErscheintDienstag undFreitag REVUE Zum Jüdischen Weltkongreß Zustimmung in aller Well — Ohnmächtige Wühlereien Als die Anregung zu der Einberufung eines jüdiachen Weltkongresses ausgegeben wurde, traf sie auf Zustimmung seitens aller nationalen, auf Ehre und Existenz des jüdischen Volkes bedachten Kreise. Es war der von nationalen Juden geführte amerikanische Jewish Congress, der mit der ganzen Wucht seines Prestiges die Parole von der Bedeutung einer solchen Instanz in die Welt rief und auch administrativ die ersten .Vorbereitungen in die Wege leitete. Man kann sagen, daß von keiner ernsten Seite sich gegen die Idee des Kongresses ein Widerstand erhob, zumal die Grenzlinien zwischen dem Zionistenkongreß und dem Jüdischen Weltkongreß deutlich gemacht wurden. Aber wie immer in Fällen, wo es um grundlegende Fragen der Judenheit geht, haben auch hier störende und hemmende Tendenzen eingesetzt. Dieselben Elemente in Amerika, die in nationaljüdischen Fragen gegen den von Rabbi Stephen W i s e geführten Jewish Congress Sturm laufen, versuchen, die Bestrebungen des Jüdischen Weltkongresses in ein falsches Licht zu stellen und sie von einem assimilatorischen Gesichtspunkt aus in der jüdischen Gasse zu diskreditieren. Die Gründe für diese Haltung liegen im Mangel an Solidaritätsbewußtsein, an Verantwortungsgefühl und an dem rein jüdischen Empfinden, das ein Zusammengehen ta allen Fragen des jüdischen Schicksals gebietet. Wir haben die Herren rings um den New-Yorker Bankier Felix War bürg am Werk gesehen, als sie für die bolschewistischen, also entjudenden Kolonisationsbestrebungen in der Krim und B i r o- Bidschan ungezählte Dollarmillionen hergaben, um gleichzeitig Palästina mit einem Almosen abzuspeisen. Heute, in der tragischen Epoche des deutschen Judentums, da Pläne für dessen Errettung gemacht werden, treiben sie ihr Spiel im sogenannten FlÜchtlingskomittee des Völkerbundes, dem der Amerikaner MacDonald als Hochkommissär vorsteht, unvermindert weiter. Die Herren der „erweiterten" Jewish Agency mit Felix Warburg an der Spitze haben auf der Londoner Flüchtlingshilfekonferenz einen Betrag von 25 Millionen Dollars in Aussicht gestellt, gleichzeitig aber erklärt, daß Palästina nicht in den Tätigkeitsbereich der Auswanderungsaktion einbezogen werden dürfe. Schon diese Tatsache allein läßt eine antizionistische Offensive seitens jener Kreise erkennen, um die Prof. Wcizmann sich seinerzeit jahrelang bemüht hat. Prof. Weizmann, vom Prager Zionistenkongreß mit der Aufgabe betraut, den jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland den Weg in ihre Heimat Palästina zu bahnen, sieht sich jetzt von seinen erweiterten Agency-Herren sabotiert, ja mehr noch: verraten. In seinem Unglauben an die Kraft des nationalen Judentums hat Weizmann dickbörsige Nichtjuden zu Hilfe gerufen, jetzt versagen sie sich ihm und seinen zionistischen Aspirationen, Aber all das sind vorübergehende Erscheinungen. Der Jüdische Weltkongreß ist zur Tatsache geworden. Die Männer, die eino permanente Vertretung des gesamten jüdischen Volkes und seiner Interessen zu schaffen gewillt sind, lassen sich in ihren Bestrebungen von da und dort auftauchenden Störungen nicht behindern. Die Sitzung des Exekutivkomitees für die Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses und des Comitedes Del<§- gations Juives in Prag hat bereits die erforderlichen Richtlinien vorgezeichnet. Ueber diese Sitzung liegt uns folgender Bericht vor: An den Sitzungen, die vom Vorsitzenden des Comite' des Delegations Juives, Dr. Nahum Goldmann, geleitet wurden, beteiligten sich die folgenden Vertreter der mittel- und osteuropäischen Länder: der frühere Senator Schereschewsky, Sejmdeputierter Doktor Rosmarin und Dr. Rottenstreich aus Polen; der Führer der Jüdischen Partei in Rumänien und frühere Senator Dr. Mayer Ebner aus Rumänien; der Präsident der Wiener Isr. Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann und der Führer der Judenstaatspartei Baurat Robert S tric ker aus Oesterreich; der Führer der jüdischen Minderheitenbewegung Dr. Emil Margulies (Leitmeritz) aus der Tschechoslowakei; Sejmdeputierter Rabbiner Nurok aus Lettland; der Präsident des Zentralkonsistoriums der bulgarischen Juden Haim F a r c h y aus Bulgarien; ferner Dr. Benzion Mossinson aus Tel-Awiw. In der Sitzung erstattete Dr. Goldmann einen Bericht Über die laufenden »politischen Aktionen des Comite des Delegations Juives, Insbesondere soweit sie mit der deutschen Judenfrage zusammenhängen. Eingehend besprochen wurde dann die Frage der Beziehungen der jüdischen Minoritäten zum Europäischen Minderheitenkongreß. Der Präsident des Minderheitenkongresses Dr. W i 1 f a n war zu diesem Teil der Besprechungen eigens aus Wien nach Prag gekommen und legte den Standpunkt des Ausschusses des Minoritätenkongresses bezüglich der weiteren Mitarbeit der jüdischen Minoritäten dar. Nach einer eingehenden Diskussion, an der sich insbesondere die Vertreter der jüdischen Minoritäten aus den verschiedenen Ländern beteiligten, wurde beschlossen, die Frage durch die Instanzen der verschiedenen jüdischen Minoritäten erörtern zu lassen, damit auf Grund einer klaren Stellungnahme derselben ineiner-für Mai in" Aussicht genommenen neuen Sitzung über die Beziehungen der jüdischen Minoritäten zum Minoritätenkongreß definitiv Beschluß gefaßt werden soll. Ein großer Teil der Verhandlungen galt den Fragen der Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses. Da am 25. Februar in Paris eine Sitzung der westeuropäischen Mitglieder des Exekutivkomitees für den Jüdischen Weltkongreß stattfindet, werden die definitiven Beschlüsse bezüglich Ort und Zeit des Weltkongresses sowie Tagesordnung und Wahlmodalitäten erst nach der Pariser Besprechung gefaßt werden. Die Vertreter der verschiedenen Länder äußerten sich sehr eingehend zu den verschiedenen erwähnten Punkten. Es steht schon jetzt fest, daß der Weltkongreß im Sommer 1934, etwa im August, stattfinden wird. Es wurde ferner eine grundsätzliche Uebereinstimmung darüber erzielt, daß gemäß den Beschlüssen der Genfer Vorkonferenz grundsätzlich demokratische Wahlen in den Ländern, aus denen die Delegierten des Weltkongresses hervorgehen werden, stattzufinden haben. Die Tagesordnung wurde eingehend erörtert und das Zentralbüro des Exekutivkomitees beauftragt, Verhandlungen wegen der definitiven Festsetzung der Tagesordnung einzuleiten. Die Vertreter der Länder berichteten über den Stand der Weltkongreßbewegung und es wurden für die einzelnen Länder konkrete Maßnahmen beschlossen, um die Wahlbewegung zum Weltkongreß in die Wege zu leiten. Aus den Berichten der Ländervertreter ergab sich, daß mit einer starken Wahlbeteiligung zu rechnen ist. Ueber die Vorbereitungen zur Durchführung der Wahl in den Vereinigten Staaten lag ein Bericht des American Jewish Congress, der die Leitung der Bewegung innehat, vor. Die Leitung des American Jewish Congress, die im Begriffe ist, eine sehr groß angelegte Wahlpropaganda durchzuführen, rechnet damit, daß einige Hunderttausend Juden und Jüdinnen in den Vereinigten Staaten sich an den Wahlen beteiligen werden. Die Poale-Zionisten der Vereinigten Staaten haben beschlossen, sich an den Wahlen zu beteiligen. Auch hat sich unter dem Vorsitz von Dr. Chaim Shitlowski ein Komitee von prominenten Führern der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika gebildet, um die Beteiligung der jüdischen Arbeitermassen an den Wahlen zum Weltkongreß zu organisieren und für die Durchsetzung ihres Programms für den Weltkongreß einzutreten. Der erste Jüdische Weltkongreß wird höchstwahrscheinlich nach einer Stadt in der Schweiz einberufen werden. Alle Im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* IlcHen Notizen sind duich ein beigefügtes E bezeichnet Three Stars' Kohle Koks Anthrazit HHHHMi HÖCHSTER QUALITÄTEN ■HMHHHI Basdi, IV, Argentimerslraße 22 Tel« Serie U-47-5-40 Die Juden in Oesterreich Es ist keine Ueberschätzung, zu behaupten, daß sich jetzt das Interesse der Juden in aller Welt der Lage der \ Juden in Oesterreich zuwendet. Man weiß, daß die mit den stärksten und raffiniertesten Mitteln arbeitende Propaganda des nationalsozialistischen Deutschland vor allem das so volks- und nationsverwandte Oesterreich und ganz besonders die österreichischen Juden bedroht. Wird der höllische Hitler-Antisemitismus unmittelbar oder mittelbar auf Oesterreich übergreifen und damit nicht nur die Juden. dieses Landes in Elend und Rechtlosigkeit stürzen, sondern auch der Judenschaft in vielen anderen Ländern bedrohlich nahekommen? Das ist die eine Frage. Und die zweite: Wie berühren die so ernsten, erschütternden Vorfälle, deren Schauplatz Oesterreich in diesen Tagen war, die österreichische Judenfrage? Die Antwort auf diese ernsten, das ganze Judentum intensiv berührenden Fragen liegt in nüchterner, keiner gegebenen Tatsache ausweichender Betrachtung der Judenfrage in Oesterreich. * Es gibt mehrere Momente, welche die Situation der österreichischen Juden von vornherein günstiger ge* staltet haben als diejenige der deutschen Juden. Die politische und bürgerliche Gleichberechtigung der Juden ist in der österreichischen Verfassung viel gründlicher festgelegt und garantiert, als sie es in der Verfassung des Deutschen Reiches war. Die österreichische Verfassung enthält das nationale und religiöse Minoritätenrecht, welches allen Minoritäten, also auch der jüdischen, die Gleichberechtigung unter allen Umständen sichert. Dabei tragen diese Bestimmungen einen außerordentlichen Charakter. Sie sind nicht Gesetzes« artikel, welche den Gegenstand einer einfachen parlamentarischen Abstimmung bilden können, sondern sind Gegenstand von Verträgen mit dem Völkerbund und anderen Mächten, an deren Verletzung wohl kein verantwortungsbewußter österreichischer Staatsmann denken kann. Dann ist die Mentalität der führenden Männer Oesterreichs anders zu werten als der maßgebenden Männer in Deutschland. Der Bundeskanzler Dr. Dollfuß und der Vizekanzler Major Fey haben wiederholt — vor der österreichischen und internationalen Oeffentlichkeit — nicht nur den rüden Antisemitismus reichsdeutscher Art abgelehnt, sondern betont, daß sie die Gleichberechtigung der jüdischen Bürger zu respektieren gewillt sind. Der Kanzler und der Vizekanzler sind Männer, denen man zutrauen kann, daß sie mit ihrem Wort kein zweideutiges Spiel werden treiben lassen. Schließlich erweist sich auch die Denk- und Gemütsart der österreichischen Bevölkerung zu moralischen und physischen Ausschreitungen gegen eine schwächere Minderheit weniger geneigt, als sich dies leider bei einem großen Teile der Reichsdeutschen erwiesen hat. Anderseits sind Momente da, welche mit Besorgnis zu betrachten sind. Scharf antisemitisch eingestellte Elemente sind bei vielen Gruppen am Werke, einen Vorstoß gegen die Judenschaft und ihre Rechte vorzubereiten, Immer und immer wieder sind diese Elemente daran, in Versammlungsreden und Artikeln gegen die Juden zu hetzen und ihre Entrechtung zu fordern. Ihr Treiben wird durch den von Deutschland herüberwehenden Wind begünstigt. Dazu gesellt sich die schwere wirtschaftliche Lage, die Not, welcher die OeSterreicher so stark ausgesetzt sind. Jedes Volk in Not ist geneigt, einen Verantwortlichen, einen Sündenbock zu suchen. Und überall haben sich Hetzer gefunden, welche das leidende Volk auf dre Juden zu verweisen trachten. Das ist jetzt auch in Oesterreich der Fall und die bewegte Zeit erleichtert das bösartige Spiel. * Welche Stellung sollen die österreichischen Juden diesen Vorgängen gegenüber einnehmen? Sie haben un- PALÄSTENAREISEN des Reisebüros Compass Tours Wien, IX., Spitalgasse 8 Telephon B-42-5-88 Offizielles Propagandabüro der Stadtgemelnde Tel-Awiw 12. März: Osterreise auf M.S „Vulcania" 17, April: Offizielle Messereise der Kollektiv-Ausstellung Oesterreichs auf der Levante-Messe unter dem Prolektorat der Wiener Handelsu. Gewerbekammer