Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 338 (6.2.1934)
- Date
- 1934-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2711961--4162-2717605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DrAic 10 GrASthAlt Jahrgang 8 Dienstag/ den ©♦ Februar 1934 Nr* 138 V«b« b* PT«» IV yrU9in«n » » Zeitnng vom Vctlegcr versendet «Journal expe*die par Teditcnt** DIE HEUE WELT mmmKatKHtaaa^Kmmummm m R_ MM AM flHH| BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S l°^hek , Zloty 6.— ■™» MV ■ ■ Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawl monatlich ■■I MM MM MSI Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark!.- riertelUhrls ■™» MM M M M™^ Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.-. vierteljährig Lire 14.-; Schweiz unu . tyi», . 1"50viertel" ■J^l fB/ n^ai B^pj jährig Schweizer Francs 4.50 ,eb. /. HERAUSGEBER. ROBERT STRICKER Redaktion a. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6-8, 7 et. B-48-504 — Erstheim^.. d Freitag Dizengoff brandmarkt das PalastmarRegime Der englische Abgeordnete Colonel Wedgwood, ein alter Freund des Zionismus, ist in Palästina» das er Bieben Jahre nicht gesehen hatte, eingetroffen und hat bereits eine Reise über alle Kolonien und Städte gemacht. In Tel-Awiw, wo Colonel Wedgwood mit seiner Frau im Hotel Palatin wohnt, hat ihm die Stadtgemeinde einen feierlichen Empfang bereitet. Bürgermeister Mcir Dizengoff hielt zu Ehren des Gastes einen Toast, * wobei er sich auch mit der Lage des jüdischen Landes beschäftigte. „Die Palästina-Regierung", erklärte Dizengoff u. a., „schafft durch ihre belastenden Verordnungen eine schwere Situation. Es macht den Eindruck, als wäre sie daran interessiert, absichtlich eine wirtschaftliche Krisis im Lande hervorzurufen..." In seiner Erwiderung erwähnte Wedgwood den tiefen Eindruck, den das durch die jüdischen Hände großgewordene Kolonisationswerk auf ihn gemacht habe. Hlebei stellte er auch fest, daß er während seines palästinensischen Besuches eine wachsende Gegnerschaft der Juden gegen England bemerkt habe, ein Zustand, der ihn schmerzlich berühre. „Ich sehe", erklärte Wedgwood, daß die britische Regierung kein Verständnis für das hat, was die Juden hier geleistet haben, und die Juden so traktieren will wie wilde „Natlves", wilde Eingeborene in Afrika . . . Aber eine Verständigung zwischen Juden und England ist notwendig Im Interesse der ganzen Menschheit." Ein Jude im ru§§i§dien Stratosphärenballon Aus Moskau: Einer der russischen Weltrekordflieger, die nach Erreichung eines neuen Rekords, 22.600 Meter, beim Abstieg mit ihrem Stratosphärenballon tödlich verunglückten, war Moses Leib (IIja) TJ s s i r c h k i n. Ussischhln entstammte einer ukrainischjüdischen Familie, war ein bekannter Gelehrter und Direktor der militärischen Fliogcrakademie im Range eine/» Obersten. Er war der zweite Kommandant des verunglückten Ballons. Seine während des Fluges niedergeschriebenen wissenschaftlichen Beobachtungen blieben erhalten. (Bekanntlich befand sich auch unter der Besatzung des ersten russischen Stratosphärenballons, der bis über 19.000 Meter stieg und ebenfalls einen Rekord aufstellte, der jüdische Ingenieur und Professor Birnbaum als offizieller Leiter der wissenschaftlichen Beobachtungen.) Das jüdische Kanada greift ein Aus Toronto wird uns gemeldet: Dep Kongreß der kanadischen Juden, der in Toronto getagt hat, hat ein umfassendes Arbeitsprogramm angenommen. In eroter Reihe wurde beschlossen, daß das kanadische Judentum an dem Jüdischen Weltkongreß, der in diesem Jahre zusammentritt, teilnehmen wird. Ferner wurde beschlossen, die Pal ästina-Aufbauarbeit zu unterstützen. Gegen die Einschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina wurde protestiert. Mit Begeisterung wurde ein Entschluß angenommen, daß der Kongreßausschuß die kanadische Re- Was soll der jüdische Weltkongreß? Programmvorschlag der amerikanischen Juden Unser New Yorker Mitarbeiter berichtet uns: Die Bewegung für den Jüdischen Weltkongreß, welcher im Frühsommer 1934 in Europa stattfinden soll, macht in den Vereinigten Staaten riesige Fortschritte. Der Leitung der jüdischnationalen Organisation „Jewish Congreß", deren Gründer und Ehrenpräsident Dr. Stephen W i s e und deren Präsident Richter Bernhard Deutsch ist, ist es gelungen, eine große Zahl repräsentativer Organisationen, zuletzt die jüdischamerikanische Arbeiterorganisation zum Anschluß an den Jüdischen Weltkongreß zu bewegen. Man rechnet schon heute, daß sich mindestens eine Million jüdischer Wähler an den Wahlen zum Weltkongreß beteiligen werden. Auf der letzten Konferenz der Nationalen Exekutive für den Weltkongreß wurde ein großes Manifest an die amerikanische Judenschäft erlassen, der auch den Programm- Entwurf der amerikanischen Juden für den Jüdischen Weltkongreß enthält. Dem Entwurf selbst wird der Beschluß der Jüdischen Weltkonferenz Genf 1932 vorausgeschickt, welcher lautet: „Der Jüdische Weltkongreß beruht auf dem Grundsatze, daß das jüdische Volle in der ganzen Welt einen einheitlichen nationalen Organismus bildet. Der Jüdische Weltkongreß soU die legitimierte Repräsentanz des jüdischen Volkes bilden, insbesondere im Kampfe für die Erlangung und Aufrechterhaltung der bürgerlichen und nationalen Gleichberechtigung. Die Konferenz bringt folgendes Programm für den Jüdischen Weltkongreß in Vorschlag: gierung dahin informieren soll, daß die kanadische Judenheit die Verantwortung für die zur Einwanderung nach Kanada geflüchteten deutschen Juden übernehme, daß diese dem Lande nicht mehr zur Last fallen. Weiter wurde beschlossen, 250.000 Dollar unter der kanadischen Judenheit für Hilfsarbeit aufzubringen. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, in der die Judenheit Kanadas zum Kampfe gegen den Hitler-Antisemitismus aufgefordert wird. Dem Kongreß wohnten 250 Delegierte aus allen Teilen Kanadas bei. Der Bürgermeister von Toronto, Stewart, und Mitglieder der Provinzialregierung wohnten dem Kongreß bei und hielten Ansprachen. 1. Verteidigung der Rechte der jüdischen Minoritäten. 2. Organisierung und Leitung der Wanderung aus den Ländern, wo die Juden durch politische, wirtschaftliche und andere Ursachen zum Verlassen des Landes gezwungen werden. 3. Umbau des wirtschaftlichen Lebens in jenen Ländern, wo die jüdischen Massen trotz Entrechtung und Bedrängnis bleiben müssen. 4. Politische und jede andere Unterstützung des Wiederaufbaues des jüdischen Nationalhoiras in Palästina, unter der Voraussetzung, daß die Leitung dieses Aufbauwerkes den zuständigen zionistischen Körperschaften gewahrt bleibt. 5. Kampf gegen die antisemitische Propaganda in allen Ländern. 6. Repräsentanz der Juden als Volk vor dem Völkerbund. 7. Einrichtung des Jüdischen Weltkongresses als ständiges Parlament des jüdischen Volkes. Für die Wahlen zum Jüdischen Weltkongreß, an welchen alle volljährigen Juden und Jüdinnen teilzunehmen berechtigt sind, werden schon jetzt durch Bildung von Ortsausschüssen in allen Städten der Vereinigten Staaten Vorbereitungen getroffen. Palästina*Wanderung im Dezember Aus Jerusalem: 4. Februar. (Z. T. A.) Im Dezember 1933 wurden 1826 Personen, unter ihnen 1737 Juden, zur Einwanderung nach Palästina zugelassen. 283 Einwanderer gehörten der Kapitalistenkategorie an und brachten 299 Angehörige mit. In die Gesamtzahl der zugelassenen Einwanderer sind auch 26 Personen eingeschlossen, die als Touristen ins Land gekommen waren und jetzt Niederlassungserlaubnis erhalten haben. Elf von diesen gehören zur Kapitalistenkategorie. 95 Personen wurde die Einwanderungserlaubnis verweigert. Im November 1933 betrug die Zahl der jüdischen Palästina-Einwanderer 3873, im Oktober 4449. JUDEN/TA AT/P ARTEI Mittwoch, den 7. Februar, um V,9 Uhr abds. im Heime, II, Untere Augartenstraße 38 VORTRAG GegenstandrHordprozeBArlosoroff Referent: Dr. Oskar Rosenfetd Gäste willkommen! Regiebeitrag 20 Groschen Nächste Nummer Freitag früh in doppeltem Umfange. Enthällt u. a. die herrliche Erzählung „Marinka" von N. BiaJlk, neueste Situationsberichte aus aller Welt, Artikel und Glossen, politische und wirtschaftliche Palästina-Rundschau usw. Bei Kolporteuren, in Trafiken und Verschleißstellen, Die HitlerffTonart der * „Reidispost" Das Hauptorgan der österreichischen Christlichsozialen „Reichspost" behandelt seit geraumer Zeit die Judenfrage in Formen und nach Methoden, die sich im Grunde nur wenig von denjenigen der Hitler-Leute unterscheiden. Die „Reichspost" begnügt sich nicht damit, Entrechtung der Juden auf gewissen Gebieten und ihre Verdrängung aus vielen Berufen zu fordern, sondern ergeht sich auch in Verhöhnungen und Beleidigungen und verschmäht es nicht, sich unrichtiger Ziffern zu bedienen. Augenblicklich hat sie sich auf das Gebiet des Hochschulstudiums geworfen. Sie verlangt für die Juden in Oesterreich den Numerus cl a u s u s. (Was sie allerdings nicht hindert, im selben Atemzuge über den Numerus clausus für. Katholiken in Deutschland Wehrufe anzustimmen. In ihrer Nummer vom letzten Sonntag appelliert sie in einem spaltenlangen Artikel an das Weltgewissen, weil man in Deutschland die Katholiken mittels des Numerus clausus am freien Studium behindert.) In der Ausgabe vom 29. Jänner läßt sie sich wieder unter dem fetten Titel „Die Verjudung unserer Hochschulen" über ihr neuestes Lieblingsthema aus. Eine Ziffer in diesem Aufsatze beweist schon genügend, wie gewissenhaft die „Reichspost" vorgeht. Sie schreibt: „Zieht man in Erwägung, daß in Oesterreich rund 40 0.0 00 Juden leben..." Tatsache ist, daß die letzte amtliche Zählung, vor mehr als zehn Jahren, rund 215.000 ergeben hat und daß in der Folgezeit ein jährlicher Abgang von zirka 2000 einwandfrei festgestellt wurde. In einer vor kurzem erschienenen Publikation des Präsidenten des Bundesamtes für Statistik, Prof. Pater Drexel, wird die seitherige Abnahme der jüdischen Bevölkerung sogar mit 40.000 beziffert. Die „Reichspost" hätte sehr leicht Erkundigungen einziehen können, denn Präsident Drexel ist christlichsozialer Führer, also engster Parteifreund der „Reichspost". Aber die „Reichspost" verzichtet eben in Judensachen gerne auf Genauigkeit und zieht es vor, ihre Leserschaft dadurch in die richtige Stimmung zu versetzen, daß sie die wirkliche Zahl der Juden ungeniert verdoppelt! Sie bringt dann Angaben über den Prozentsatz der jüdischen Hörer an den Fakultäten der Wiener Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Oberall erhältlich Schl1llclIBHlaZZOth Sind die beSten Überall «MltlM