Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 337 (2.2.1934)
- Date
- 1934-02-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag, den 2« Februar 1934 ts? Nr« 337 V« b* b» Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par reditent% Tiil V, "'vei-. S'''Ä's"'WiotAet REVUE BEZÜOSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, ganzlährif? S16.—{Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Itaifen monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Lander monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER. ROBERT STRICKER Redaktion «. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6-8, 7et. B-48-504 — ErscheintDienstag und Freitag Zionistische Vertrauenskrise und Palä§tina*PoIitik Die gegenwärtige Lage der zionistischen Politik gibt mehr denn je Anlaß zu skeptischer Betrachtung. Denn die jüngsten Maßnahmen der Palästina-Regie rung auf dem Gebiet der Einwanderung haben selbst den an Palästina nicht unmittelbar interessierten jüdi sehen Gruppen die Augen dafür geöffnet, daß mit dem bisherigen Regime ein Vorwärtsschreiten im Aufbau eines jüdischen Palästina unvereinbar sei. Drei Jahre sind seit dem vielgenannten und vielversprechenden MacDonald-Brief ergangen, in welchem die Einwanderung von der faktischen Aufnahmefähigkeit des Landes und des jüdischen Arbeitsmarktes abhängig gemacht worden war. Die Aufnahmefähigkeit des Landes ist gewachsen, der jüdische Arbeitsmarkt leidet am Mangel von Arbeitshänden — nichtdestoweniger hat die englische Palästina-Administration, die Trägerin der Mandatsverpflichtungen, alle Maßnahmen getroffen, um dem elementaren Drang des jüdischen Volkes nach Errichtung seiner Heimstätte Einhalt zu gebieten. In dieser Situation hat sich die Weltunion der Zionisten-Revisionisten entschlossen, mit einer politischen Aktion, der sogenannten Petitionsbewegüng, hervorzutreten. Die Denkschriften, die an den König von England, an das englische Parlament, an den Ministerpräsidenten des Völkerbundstaates, dessen Bürger die Petition unterschreiben, und an das Parlament dieses Staates gerichtet sind, entsprechendem Brief, den das revisionistische Komitee an den französischen Außenminister und an sämtliche Gesandtschaften in Paris gerichtet hat, worin die Mandatarmacht beschuldigt wird, Palästina im krassen Widerspruch zum Geist und Text des Mandats zu verwalten. Wir haben im Anschluß an die Veröffentlichung dieses Briefes unserer Meinung dahin Ausdruck gegeben, daß die revisionistische Aktion eine breitere Basis und eine tiefere Wirkung gewonnen hätte, wenn ihre Urheber sich würden entschlossen haben, auf schmalspuriges Gruppenprestige zu verzichten und auch mit anderen, das Palästina-Regime mißbilligenden zionistischen Gruppen zusammenzuarbeiten und so vor der Welt einen entschlossenen aktiven Willen zu dokumentieren. Aber dieser Mangel kann kein Grund für die zionistische Exekutive sein, sich wieder einmal über „eigenmächtige, unzweckmäßige und schädliche Aktionen" zu beklagen, nachdem sie selbst bewiesen hat, daß sie ihrerseits zum Schutz der vitalsten zionistischen Interessen nichts unternimmt. Sogar die ihr sonst wohlmeinende Berliner „Jüdische Rundschau" macht im Zusammenhang mit der revisionistischen Petitionsbewegung zwei bezeichnende Feststellungen : „Die zionistische Politik der letzten Jahre leidet an vielen Unzulänglichkeiten. Sie ist meist den Tatsachen nachgehinkt, hat sich auf das Wachstum des Jüdischen Nationalheims verlassen, aber eine politische Konzeption, die auf einen Ausgleich der Interessen hinausläuft, wurde nicht geschaffen." Und weiters: „Wie immer man die Frage (der Petitionsaktion) beurteilen mag, das eine muß jedem denkenden Menschen einleuchten, daß nämlich eine politische Aktion dieser Art nur dann einen Sinn haben kann, wenn es ihr gelingt, dieenglischeöffentliche Meinung und die maßgebenden Kreise Englands für eine neue Politik zu gewinnen." Seit Jahren schon verlangt die Opposition von der zionistischen Exekutive eine Propaganda in dem Sinne, daß die britische Mandatarmacht, bzw. die britische öffentliche Meinung über die letzten Absichten des Zionismus, über ihre legitimen Tendenzen, über die zionistische Auffassung von jüdischem Anspruch und englischer Mandatspflicht informiert werde und einer neuen, diesen Aspirationen entsprechenden Politik zustimme. Wie sehr diese Aufgabe vernachlässigt wurde, ja wie der englische Bürger in den Gedankengängen der britischen Palästina-Administration festgeschraubt blieb, geht aus einer Betrachtung hervor, die das offiziöse Organ des englischen Kolonialamtes „T h e NearEast and India" (Der Vordere Orient und Indien) in der Ausgabe vom 18. Jänner über das Palästina-Problem anstellt. In seiner Kritik der revisionistischen Petition führt das Blatt aus: Dem Anspruch, daß Palästina und Transjordanien ein jüdischer Staat sein müssen, würde das Gewissen der Welt unvermeidlich sich widersetzen, und wenn man zugeben müßte, daß die Palästina-Angelegenheiten auf dieses Ziel lossteuern, dann wäre die Forderung für Beendigung des Mandates und für Uebergabe des Landes an die Araber unwiderstehlich. So weit ist es also gekommen, daß das Sprachrohr des britischen Kolonialamtes den jüdischen Anspruch auf Palästina zu beiden Seiten des Jordans eine Störung des — Weltgewissens (!) bezeichnen darf. Und so weit ist es gekommen, daß dasselbe Blatt schreiben kann, die Araber könnten schwerlich nachweisen, daß die jüdische Emigration ihnen ernste Nachteile (!) gebracht habe, und schließlich mit folgender Bemerkung protzt: „Die Juden wissen sehr wohl, daß sie das Versprechen ihres Nationalheims ausschließlich Großbritannien zu danken haben; daß, wäre das Versprechen nicht 1917, bevor die Welt die Möglichkeit eines arabischen Nationalismus begriffen hatte, gegeben worden, heutzutage fraglos eine jüdische Einwanderung gegen den Willen der Einwohner Palästinas nicht sanktioniert werden würde; und daß die einzige Hoffnung für die dauernde Entwicklung des Nationalheims in harmonischer Zusammenarbeit mit den Arabern liegt. Aber der politische Zionismus ist, trotz seiner glänzenden Errungenschaften bei der Errichtung des Nationalheims, viel mehr beschäftigt mit seinen Beschwerden gegen die Palästinaregierung, welche allein zwischen dem Nationalheim und einer tragischen Austreibung durch Araber steht, als mit der Anbahnung guter Beziehungen zu den Arabern. Solange dieser Zustand besteht, kann keine entschiedene Aenderung der Situation eintreten." Das britische Kolonialamt spielt sich also als Protektor des jüdischen Volkes und der zionistischen Bestrebungen auf, als hätte die Mandatarmacht im Vordem Orient nur das eine Interesse, den Juden Wohltaten zu erweisen. Aber schlimmer noch erscheinen die zukünftigen Perspektiven, wenn wir bedenken, daß die englische Regierung scheinbar gar nicht weiß, was die zionistische Weltorganisation will! Jahre hindurch hat die zionistische Weizmann- Exekutive — im strikten Gegensatz zur Herzlschen Formulierung und Forderung voller Offenheit in bezug auf unsere Aspirationen — eine schwächliche Beschwichtigungs- und Verkleinerungstaktik betrieben und schließlich bei mehreren Gelegenheiten, vor dem Aktionskomitee und vor dem Kongreß, jede End- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* Heben Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet zieldebatte unterdrückt. Heute können sich die offiziellen englischen Stellen auf den Kleinzionismus der Exekutive berufen und bemängeln, wie es „The Near East and India" in der zitierten Three Stars' Kohle Koks Anthrazit HMMHI HÖCHSTER QUALITÄTEN ■■■■■■■■■ Basdi/ IV, ArgentimerstraBe 22 ♦ Tel» Serie U.47-5-40 Nädisle Nummer ersdieint Dienstag früh Preis 10 Groschen «hl i Nach Palättina mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA des Abfahrten Jeden Mittwoch um 13Uhi> Ferner: Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Ceylon, Slngapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Ausk.: Lloyd Trlestino, Wien I, Kfirntnerrlng 6, Tel. U-47-5-60 Nummer tut, daß „die Juden sich nicht über ihr begrenztes Gesichtsfeld erheben können". Das begrenzte Gesichtsfeld der Engländer hat der offizielle Zionismus am Gewissen. Er darf sich nicht beklagen, wenn die lang zurückgehaltene Empörung und Verzweiflung eine Vertrauenskrise hervorgerufen hat, aus der dann die sogenannten „eigenmächtigen, unzweckmäßigen und schädlichen Aktionen" fließen. o. r. Bialik über Hitler und Judentum Der Schriftsteller A. Goldberg veröffentlicht in den amerikanischen Zeitungen den Inhalt eines Gespräches, das er mit dem berühmten Dichter B i a 1 i k in Palästina geführt hatte. Bialik sagte: „Was ich über Hitler, Hitlerismus und deren Einfluß auf unsere jüdische nationale Arbeit. denke? Ich unterscheide zwischen Hitler und Hitlerismus. Gegen den Hitlerismus, welcher uns erniedrigen will, sind wir verpflichtet, mit allen Kräften zu kämpfen. Der jüdische Instinkt spürt hier das Richtige. Aber die Mission Hitlers darf nicht nur von der negativen Seite her angesehen werden. Sicherlich hat Hitler nicht diese Absicht gehabt, dem Judentum irgendwie zu dienen, aber man kann doch nicht leugnen, daß er unserem Volke einen großen Dienst erwiesen hat. Er hat den Vorzug, eine GeiselGottes zu sein. Der Stock, mit dem er uns schlägt, hat uns von dem Abgrund verjagt, welcher uns zu verschlingen drohte. Wir wußten ja bis Hitler nicht, wie weit das Gift der Assimilation in unseren Volkskörper eingedrungen ist. Die Assimilation, welche den Menschen zur Selbsterniedrigung bringt, zum Erlöschen seiner Gottähnlichkeit führt, eine Assimilation, welche bereits das ganze jüdische Wesen umfaßt, erreichte in Deutschland ihren Höhepunkt. Unsere besten Söhne und Töchter haben sich schamlos taufen lassen, aus Bequemlichkeit, für eine „Eintrittskarte". Die Zahl der Mischehen wuchs von Tag zu Tag. Wir begannen in Deutschland hinzuschwinden, wie eben eine menschliche Gemeinschaft, die von der Assimilation befallen ist. Dieselbe Gefahr droht in anderen Teilen des Westens, und auch der Osten begann, wenn auch nicht mit Riesenschritten wie in Deutschland, denselben Weg zu gehen. In Deutschland war die Sterbezahl bereits mehr als doppelt so hoch, wie die Zahl der Geburten. Auch um andere Länder stand ea nicht viel besser. Da kam Hitler und gab unsereut Volke die richtige „Injektion". Ihn, den ungettUletal