Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 336 (30.1.1934)
- Date
- 1934-01-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 10 Groschen Jahrgang t Dienstag/ den 30* Jfinner 1934 NEUE. Nr« 136 i Zeitung vom Verleger „Journal expldie par 189 Titl. I/j n/v, ei*il BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig 5 4.20, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—} Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—: Schwel« und die übr igen Lander monatlich Schweizer Francs IM, viertel- (ährig Schweizer Franca 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Vniversitätsstr. 6-8, lel. B-48-504—Erscheint Dienstag und Freitag REVUE Zwei Araber gestehen ArlosoroffrMord Aus Jerusalem meldet die Jüdische Telegraphen-Agentur (J. T. A.) unter dem 26. Jänner: Heute, Freitag, den 26. Jänner, gab während des Zeugenverhöres vor dem englischen Untersuchungsrichter Bodilly der Verteidiger der angeklagten Zionisten-Revislonisten Horace Samuel die Erklärung ab, er habe seitens der Generalprokuratur in Jerusalem in Erfahrung gebracht, daß zwei Araber von der Polizei verhaftet wurden, nachdem sie einigemal der Polizei Briefe geschrieben hatten, in welchen sie gestanden, den Mord an Dr. Arlosoroff begangen zu haben. Der eine Araber namens Abdul Mcdjid el Ucndi soll geschrieben haben, er habe mit einer elektrischen Taschenlampe das Gesicht Arlosoroffs beleuchtet, während der andere Araber namens Issa Darwisch el Hudi den Schuß abgegeben habe. Beide Araber wurden, erklärte Horace Samuel, auf Grund der erwähnten Briefe verhaftet. Horace Samuel stellte daher den Antrag, die Polizei möge dem Gericht die im Zusammenhang mit der Verhaftung der zwei Araber angelegten Protokolle vorlegen, da sie für den weiteren Verlauf der Untersuchung ungewöhnlich wichtig seien. Ferner verlangte der Verteidiger Samuel die Vorlage des Revolvers, der bei den Arabern gefunden wurde, um durch Waffenexperten feststellen zu lassen, ob die Kugeln, durch die Doktor Arlosoroff getötet worden sei, dem Kaliber dieses Revolvers entsprechen. Polizeivorsteher Capitain Rice erwiderte, die Akten könnten noch nicht dem Gericht vorgelegt werden, da der Gang der Untersuchung vorläufig geheim sei. Der englische Richter Bodilly erklärte, man könne die Polizei nicht zwingen, die Akten vorzulegen, hingegen habe die Verteidigung das Recht, die mit der Verhaftung und Untersuchung betrauten Polizeifunktionäre als Zeugen vor Gericht zu laden, wo sie über alle Umstände, die der Verteidigung wichtig erscheinen, verhört werden können. Warschauer Zeitungen bringen Meldungen aus Jaffa vom 26. Jänner, wonach bei den verhafteten Arabern Revolver gefunden wurden, deren Kalibe-: den Kugeln entspricht, welche im Körper Arlosoroffs gefunden wurden. Der Araber Abdul Mejd hat gestanden, er habe das Gesicht Arlosoroffs mit einer Taschenlaterne beleuchtet, ohne gewußt zu haben, daß sein Begleiter Issa Darwisch im Begriffe sei, Dr. Arlosoroff zu ermorden. Ensiisdie Spekulanten in Transjordanien Wir erhalten aus Palästina folgenden Bericht: Große Besorgnisse in jüdischen Kreisen hat hier die Nachricht hervorgerufen, daß in der letzten Zeit i n aller Stille in Transjordanien, und zwar an der Grenze Palästinas, großo Bodenkäufe vorgenommen wurden. Englische Privatleute haben von den verarmten transjordanischen Grundbesitzern große Bodenflächen zu ganz niedrigen Preisen eingehandelt. Da es ganz ausgeschlossen ist, daß die neuen Besitzer diesen Boden selbst in Arbeit nehmen werden, handelt es sich augenscheinlich um eine wirtschaftliche und politische Spekulation gegen die palästinensischen Juden, denen der Erwerb von trausjordanischem Boden auf B et reiben der ongischen Palästina- Regierung verboten wurde. Die Erregung in jüdischen Kreisen wird begreiflich, wenn man die Vorgeschichte dieser Käufe kennt. Ostpalästina, jetzt Transjordanien genannt, ist der landwirtschaftlich wertvollste Teil des historischen Palästina. Unter der verräterischen Mitwirkung des ersten jüdischen Gouverneurs von Palästina, Herbert Samuel, wurde es von Palästina losgetrennt und den Juden verschlossen. Durch die Abtrennung des Landes, welches äußerst fruchtbar, mehr als doppelt so groß wie das der jüdischen Kolonisation verbliebene Westpalästina und nur ein Fünftel so stark bevölkert ist, wurde die jüdische Kolonisation ihrer größten Möglichkeiten beraubt. Aber auch die Araber Transjordaniens, des Segens jüdischer Arbeit und Kapitals beraubt, verfielen in tiefstes Elend, während ihre Brüder in Westpalästina an den Juden wohlhabend wurden. Unter dem Drucke dieser unhaltbaren Zustände wandte sich der Herrscher des Landes, Emir Abdallah, im Vorjahre an die Zionistische Organisation und bot große Grenzländereien zum Kaufe an. Der Vertrag wurde bindend abgeschlossen und eine Anzahlung geleistet. Da griff die englische Palästina-Regierung ein und zwang den Emir, den Vertrag zu brechen und die Auslieferung des Bodens zu verweigern. Sie drohte ihm mit Entzug der ihm zugestandenen Jahrespension, aus welcher er seine Staatsausgaben bestreiten muß, weil die halbverhungerte Bevölkerung keine Steuern zahlen kann. Als Vorwand für diesen Gewaltakt diente der Palästina- Regierung die Behauptung, daß die Ueberlassung von Boden an „Fremde" unter den „Patrioten" große Aufregung hervorrufe. (Dabei hatte das Parlament dem Emir mit großer Majorität zugestimmt.) Jetzt, ganz plötzlich, wird Boden an „Fremde" verkauft, allerdings nicht an Juden, sondern an Engländer, und niemand regt sich auf. Was geht da vor? Besorgnis und Entrüstung der Juden sind nicht unbegründet. Schwere Bestrafung jüdischer Demonstranten Im Anschluß an die Razzien der Palästina-Regierung gegen die sogenannten „illegalen" jüdischen iilmvanderer und deren Deportation in der ersten Dezemberwoche haben das jüdische Palästina und die Weltjudenhelt ihrer Erbitterung in Protesten und Versammlungen Ausdruck gegeben. Am 9. Dezember gab es stürmische Kundgebungen in Tel-Awiw, wobei jugendliche Zioiüsten durch die Straßen zogen und Zusammenstöße mit der Polizei hatten. Bei dieser Gelegenheit wurden sowohl Demonstranten als auch Polizisten verwundet. Eine Reihe junger nationalzionistischer Demonstranten wurde .verhaltet. Die Gerichtsverhandlung fand am 23. Jänner statt. Das Urteil gegen die Verhafteten ist sehr streng ausgefallen. Sechs Monate Gefängnis erhielten: Galili, Portugal und Kaspi; fünf Monate: Schuschny; vier Monate: Perkai, Liebermann und Linski; drei Monate: Litermann; zwei Monate: Hadschim, Rapapolski, Weinberg, Kaparskl und Schwalbe; einen Monat: Katzenelson und Misrachi. Nach der Verhandlung stimmte das Publikum zusammen mit den Verurteilten die „Hatikwah" an, worauf der Richter, von dieser Demonstration überrascht, eiligst das Gerichtsgebäude verließ. Das Urteil hat im jüdischen Palästina tiefe Erregung hervorgerufen. Nächste Nummer Freitag früh in doppeltem Umfange. Enthällt u. a. die herrliche Erzählung „Marinka" von N. Bialik, neueste Situationsberichte aus aller Welt, Artikel und Glossen, politisch» und wirtschaftliche Palästina-Rundschau usw. Bei Kolporteuren, in Trafiken und Verschleißstellen. Rmmmmmmmmmmmlmmmml Reicht des Papstes Wort bis nadi Oesterreich? Wien, 29. Jänner« 1 Die sittlichen Grundsätze des Judentums sind es, die von antijüdischer Seite als verderblich und verwerflich bezeichnet werden. Das Hakenkreuz beruft sich bei seiner Entrechtung der jüdischen Staatsbürger auf die Untergrabung des völkischen Gemeinschaftslebens und der staatlichen Wohlfahrt durch die jüdische Moral. Der Münchner Kardinal Dr. Faulhaber, in Dingen jüdischer Ethik und Lebenshaltung zweifellos kein geringerer Sachverständiger als die zahllosen nationalsozialistischen Führer und Unterführer, ist anderen Sinnes. Kürzlich wieder machte er in einer „Rufende Stimmen in der Wüste" betitelten Predigt (auch gedruckt erschienen) . auf den einzigartigen Wert der Zehn Gebote aufmerksam, und zwar „als Sittenspiegel des völkischen Gemeinschaftslebens und als Heilquell der staatlichen Wohlfahrt". „Kulturgeschichtlich", heißt es in der Predigtsammlung des reichsdeutschen Kardinals, „ragen diese wie in Stein gemeißelten Sätze des mosaischen Gesetzes berghoch über alles hinaus, was die Kultur der alten Völker auch nach neuen Ausgrabungen in rechtlichen und sittlichen Urkunden aufzuweisen hat." Solch eine Beurteilung und öffentliche Deklarierung durch einen hohen katholischen Führer verweist die „Erkenntnisse" des Dritten Reiches in bezug auf die sittliche Substanz des Judentums in das Reich der Verleumdung, der Verfälschung, der Infamie. Aber Kardinal Faulhaber steht innerhalb der Kirche mit seiner Glaubens- und Anschauungslehre nicht vereinzelt da. Der Münchner Kirchenfürst findet beim Papst in der Stadt des Vatikans Unterstützung. Das päpstliche Organ „Osservatore Romano" meldet nämlich, daß die katholischen Diözesen in Deutschland angewiesen wurden, das berüchtigte „Handbuch zur Judenfrage" des berüchtigten Pogromantisemiten und Herausgebers der blutrünstigen Zeitschrift „Der Hammer" Theodor Fritsch aus allen katholischen Bibliotheken und aus den Privatbibliotheken katholischer Familien zu entfernen. Damit wäre seitens der autoritativen Persönlichkeiten für die Katholiken eine Richtschnur bezüglich der: Auffassung des Judentums gegeben. Papst und Kardinal, Rom und München haben also eindeutig ihre Stellungnahme gegen die Verleumder des Judentums kundgetan* Man sollte glauben, daß diese Deklarationen für alle der katholischen Kirche angehörenden Kreise bindend seien, vornehmlich aber für die Kirchenhirten. Das kleine Oesterreich im weltumfassenden katholischen Reich macht hier eine Ausnahme: Kürzlich erschien im Verlag „S t y r i a" (Graz) unter, dem Titel „Das Judentum und der Schatten des Antichrist" eine von Beleidigungen und Verleumdungen strotzende Schrift, die in hunderttausenden Exemplaren in der österreichischen Provinz verbreitet wird. Der Autor gehört nicht etwa zu der Gilde haken- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelte liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Staras Mmtem finden Sie auch in dieser Woche in allen Abteilungen des „Warenhauses der Sparsamen", denn Ungewöhnliches bieten ist die Spezialität, welche alle Sparsamen veranlaßt, zu kaufen bei 6tf)iffmaitn II, Zaftotftr. 48