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Die neue Welt · 1934-01-16 · Heft 332 (16.1.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 332 (16.1.1934)
Date
1934-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Prall 10 Groschen Jahrgang 8 Dienstag, den 16* Jänner 1934 Nr« 335 V* b» b« Zeiinng vom Verleger versendet «Journal exp&üe par l'^diteiil*« 18? Tül Vni ve«iMfebibliotliek Wien, l REVUE iährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Mächtige Entwicklung der Industrie Palästinas Aua Jerusalem wird uns berichtet: Von 50 Bewerbern um Grundstücke im Gebiet der Haifa-Bucht, auf denen Fabriken errichtet werden sollen, wurde seitens des Jüdischen Nationalfonds 40 Bewerbungen stattgegeben; mehrere Bewerber haben bereits mit der Errichtung der Fabriken begonnen. Man nimmt an, daß in diesem Gebiet hunderttausende Pfund investiert werden. Der Jüdische Nationalfonds und diePalcstine Economic Corporation, die den Boden verpachten, werden einen Jahresumsatz an Bodenzins von etwa 160.000 Pfund haben. In der Regel werden den Unternehmungen 1 bis 5 Dunum Boden (1 Dunam 1000 Quadratmeter) zur Errichtung von Fabriken zugeteilt; die neue Silikatfabrik (Kuustziegelfabrik), in die 15.000 Pfund investiert wurden, erhielt 12 Dunam. Der jetzt zur Entwicklung gelangende Bodensektor liegt zu beiden Seiten der Hauptstraße Haifa — A k k o. Die Industriezone umfaßt 10.000 Dunam, von denen jetzt 200 Duuam vergeben worden sind. Auch der Wohnungsbau schreitet rapid vorwärts. Außer den bereits errichteten 200 Häusern im Arbeiterwohnviertel Sichrori Chaim ~ dem Andenken Chaim Arlosoroffs gewidmet — werden im Jahre 1934 weitere 200 Häuser für Arbeiter errichtet werden. Unmittelbar an diese Arbeitersiedlung grenzt eine Mittelst andssicdlung, auf der demnächst 300 Häuser errichtet werden. Für Einwanderer aus Deutschland hat der NatSonalfonds ein Terrain für 100 Häuser und für gewerbliche und landwirtschaftliche Betriebe zur Verfügung gesollt. Die Pachtverträge lauten auf 49 Jahre. Pachtbedingungen sind u. a.: Beschäftigung jüdischer Arbeiter und Haltung des Sabbat und der jüdischen Feiertage. * Aus Haifa: Im Ruthenberg-Elektrizitätswerk am Zusammenfluß des Jarkon und des Jordan wurde eine dritte Turbine für 8000 Pferdekräfte aufgestellt. Die Gesamtleistung des Elektrizitätswerkes ist damit auf 24.000 Pferdekräfte gestiegen. Der Ausbau des Elektrizitätswerkes ist durch den erhöhten Bedarf an Strom für Licht und Kraft notwendig geworden. Man rechnet damit, daß in absehbarer Zeit eine vierte Turbine aufgestellt werden wird. * Aus Haifa: Im Laufe des Februar wird mit dem Bau von zehn großen Petroleumreservoirs begonnen werden, in denen die Irak-Petroleum-Gesellschaft das von den Oelfeidern in Kirkuk über 1200 Meilen durcfii die Wüste geleitete Petroleum aufspeichern wird. Die Reservoirs werden auf dem Gebiet zwischen Haifa und Akko gebaut werden. Mehrere hundert Arbeiter werden bei dem Bau Beschäftigung finden. Aus England wurden zehn Ingenieure zur TJeberwachung der Arbeiten berufen. wmmmma HBBÜBn Verzweiflung ♦ ♦ ♦ §elb$ftmörde Aus Berlin wird uns. gemeldet: Hier wurden der 65jährige Apotheker Dr. Martin Stern, seine 58jährige Ehefrau Elsbcth und deren bei ihr wohnende Schwester Emma Müller in ihrer Wohnung in Berlin-Steglitz ralt'BIausäure vergiftet tot aufgefunden. Aus ^Unterlassenen Briefen geht hervor, daß alle drei infolge der Notlage, in die sie wegen Entrechtung und wirtschaftlicher Ausstoßung der Juden geraten waren, freiwillig in den Tod gegangen sind. — Das ist eines der vielen erschütternden jüdischen Dramen, die eich jetzt abspielen. Die Zahl jüdischer Selbstmörder ist groß und wächst. von Tag zu Tag. Aber die Regierung v.e.r bi e te t. den Zeitungen, hierüber zu berichten. Nur dank einem „Versehen" ist der Fall Stern der Oeffent- Bchkelt bekannt geworden. Aus Saloniki: Die gegen die weitere jüdische Einwanderung gerichtete Politik der englischen Palästina-Regierung, welche auch auf Familienbande keine Rücksicht nimmt, bat bei der schwere Not leidenden, nach Palästina drängenden griechischen Judenschaft Verzweiflung hervorgerufen. Im Palästina-Amt von Saloniki haben stürmische Kundgebungen von Frauen, die infolge der beschränkten Zahl der zugewiesenen Zertifikate keine Einreiseerlaubnis nach Palästina bekommen können, stattgefunden.1 Eine Gruppe von Frauen besetzte das Palästina-Amt und erklärte, nicht früher weichen am wollen, als bis die Leiter die Zertifikate, die sie offenbar nur versteckt hätten, ausgegeben haben würden. Es kam zu erregten Szenen, viele Frauen verfielen in Schrei krumpfe. Das Palästina-Amt mußte infolge der Kundgebungen auf einen Tag geschlossen werden. Die Mitglieder der Zuteilungskoramlssion erhalten ständig Drohbriefe. Der Vorsitzende der Kommission und ihr Vertreter beim britischen Konsulat haben demissioniert. Eine weitere Meldung: Einen Selbstmordversuch wegen Nichtzuteilung eines Palästina-Zertifikats hat in Saloniki eine Frau, die seit Monaten d a r a u f wartet, sich zu ihrem nach Palästina ausgewanderten Gatten begeben zu können, verübt. Das Palästina-Amt in Saloniki hat vor kurzem von der Exekutive der Jewish Agency 80 Arbeltcr-Einwandcrungs- Zertifikate zugeteilt erhalten, während 2000 Bewerber um Zertifikate in Griechenland vorhanden Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet sind. Nach Verteilung der 30 Zertifikate kam es zu erschütternden Verzweiflung^sausbrüchen der Zurückgewieseneu. Eine zweite Frau warf sich nach dem Verlassen des Palästina-Amtes vor einen Wagen und wurde in schwer verletztem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Weitere Einsdfofänkung der Palästina» einwanderung Aus Warschau: Das Warschauer englische Generalkonsulat hat mitgeteilt, daß es von der Palästina- Regierung neue Instruktionen betreffend die Einwanderung von Personen der sogenannten „H a n d w e rkerkategorie" (KieLngewerbetreibende mit einem Eigenvermögen vou mindestens 250 Pfund) erhalten hat. Personen dieser Kategorie, die im Alter von 18 bis 85 Jahren stehen, werden Einwanderungsorlaubnisse nicht mehr wie bisher unmittelbar von der Palästina-Regierung bekommen können, sondern müssen ebenso wie ArbeitereinWanderer um Zertifikate ansuchen. Nur Handwerker, die älter als 35 Jahre sind, können sich wie bisher unmittelbar an die Palästina-Regierung wenden, müssen jedoch den Nachweis erbringen, daß sie in Palästina einen selbständigen Handwerksbetrieb errichten werden. Kinder von „Kapitalisten" mit einem Eigenvermögen von mindestens 1000 Pfund, die im Alter von 1 8 b i s 3 5 Jahren stehen, werden nicht mehr wie bisher auf Grund der Einreiseerlaubnis ihrer Eltern nach Palästina kommen können, sondern werden um eigene Zertifikate ansuchen müssen. Diese Mitteilungen ergänzt das Palästina-Amt mit dem Bemerken, daß seine Anträge in letzter Zeit von der Palästina-Regierung fast durchwegs abgelehnt werden. Die Palästina«Regierung gestattet Kund' gebungen gegen Judens Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat ihre Zustimmung zur Veranstaltung arabischer Kundgebungen gegen jüdische Einwanderung im ganzen Lande am Dienstag, den 16. Jänner, auf Grund der den Behörden vorgelegten Aufmarschpläne der palästinensischarabischen Organisationen gegeben. Bisher hatte man allgemein damit gerechnet, daß die Kundgebungen ohne Erlaubnis der Regierung Nächste Nummer erscheint Freitag in doppeltem Umfange. Enthält u. a. die herrliche Er« Zählung „Marinka" von N. Bialik, neueste Situationsberichte aus aller Welt, Artikel und Glossen, politische und wirtschaftliche Palästina-Rundschau usw. Bei Kolporteuren, in Trafiken und Verschleißstellen. Vorfrag Mittwoch, am 17. Januar, um halb 9 Uhr abends im Heime der Judenstaatspartei, II, Untere Augartenstraße 38 spricht Robert Stricker über Die Juden in Oesterreich und Palästina Regiebeitrag 20 g stattfinden, somit illegalen Charakter tragen und deshalb von der Polizei unterdrückt werden würden. Der Araber-Führer Jamal Hussein! hatte sich im Laufe der Propaganda, die er für die Beteiligung der arabischen Bevölkerung an den Kundgebungen am kommenden Dienstag geführt hat, dessen gerühmt, daß er und die übrigen arabischen Führer sich in der Vorbereitung dec—blutigen Oktoberkundgebungen nicht beirren l.ießen, obwohl es ihnen bekannt sei, daß diese Kundgebungen ungesetzlich sind und Gegenmaßnahmen der Behörden auslösen müssen. * Dieser Vorgang, welcher schwere Folgen nach sich ziehen kann, enthüllt die auf Störung der jüdischen Einwanderung gerichteten Absichten der Palästina-Regierung. Sie bewilligt eine gegen das Gesetz und das Mandat gerichtete Demonstration, denn Gesetz und Mandat schreiben der Regierung die F o rderung der jüdischen Einwanderung vor. §tawfeky — ein Jude? Französische und englische Zeitungen bringen die Meldung, daß der Rekord-Gauner S t a w i s k y, welcher ganz Frankreich beschwindelt und halb Frankreich korrumpiert hat, ein Jude ist. Sein Vater soll Abraham geheißen haben und aus dem .Judenghetto Kiews nach Paris gekommen sein. Darob geht natürlich ein Triumphgeheul durch alle antisemitischen Blätter und Gewinsel und Zähneklappern durch die jüdischen und halbjüdischen. In letzteren bemüht man sich, aus Stawisky einen waschechten Nichtjuden zu machen, indem man den seligen alten Herrn Abraham in einen Alexander umtauft. Und für den Fall, als das nicht ausreichen sollte, führt man ins Treffen, daß es rieht nur jüdische, sondern auch christliche Großgauner gibt, z. B. Ivar Kreuger, Madame Hanau usw. Diese Methode der Abwehr ist nicht nur untauglich, sondern auch für uns Juden entehrend. Wer sich ihrer bedient, anerkennt damit in aller Form dio Berechtigung der Kampfesweise jener Antisemiten, welche das jüdische Volk nach seinen Verbrechern beurteilen wollen. An welches andere Volk der Welt wagt man sich mit solchem Maßstab heran? Wenn ein Deutscher betrügt, stellt man ihn vors Strafgericht. Niemand wagt, um seinetwillen das deutsche Volk vors Weltgericht zu schleppen, an den Weltpranger zu stellen. Wir Juden aber sollen uns in eine Haftung für alle jüdischen Zuchthäusler hinein- 23or allem ben Samen, eine prächtige ©elegenljeir, ihre Sparlunft prctttlfä) $u beroetfeit . . . ben yeitfaitoneKen ,,3nDentur*9?äumimQ9*iBerllauf" in üBiens populärem „SBarenhaus her Sparfamen". Sitte Abteilungen firib oerüftet unb bringen „100 Dilationen ohnegleichen" in dttueflen SBebarfsmaren Jeher Slrt, für bic Same, ben S>crrn unb unb bos Äinb. ftömmen Sie rafäjeft ju 6d)iffmonn II, Soborftr. 48

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