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Die neue Welt · 1934-01-05 · Heft 330 (5.1.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 330 (5.1.1934)
Date
1934-01-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 2 DIE NEUE WELT Nr. 330!H!!n!l!!!||!!!in!!!!!l!!l!!!l!!!!!|l||l!!!l|lii!!lini:n VORTRAG Mittwoch, den 10, Jänner, um halb 9 Uhr abends im Heime der Judenstaatspartei, II, j Untere Augartenstraße 38 ROBERT STRICKER über Die politische Lage 1 ( der Juden § fl!!!!!!!!ll!!l!l!lll!llll!!!i!!l!lllll!IIIHllll!!!HI!!lllfIllllllllilHIIII!HIIIIIIIIII sehen, wie sieh Herr Ben Gurion benommen hat. Leider ist damit nicht viel geholfen. Die Feinde des Zionismus werden sich daran halten, daß der „berufene" Arbeiterführer und Vorsitzende der Palästina-Exekutive, Herr Ben Gurion, die Klagen der Zionisten in dieser wichtigen Frage als „übertriebe n" und die Tendenz der Palästina- Regierung als korrekt bezeichnet hat. So ist es um die Vertretung des Zionismus in schwerster Zeit bestellt! Das Gefühl, daß die zionistische Leitung in dieser Zusammensetzung nicht weiter bestehen darf, hat in den zionistischen Reihen allenthalben seinen Ausdruck gefunden. Als erste hat die Judenstaatspartei im November 1933 die Forderung nach sofortiger Einberufung der obersten kontrollierenden Körperschaft, des Aktionskomitees, erhoben. Es ist wiederum für den Mangel an Verantwortungsgefühl bei der Exekutive kennzeichnend, daß sie diesen selbstverständlichen, durch die politische Lage begründeten und der Konstitution der Zionistischen Weltorganisation entsprechenden Antrag verschleppen will. Unter verschiedenen Begründungen verweigert sie ganz widerrechtlich die schleunige Einberufung des Aktionskomitees und spricht davon, die verlangte Sitzung erst im März 1934 tagen zu lassen. Diese vier Monate der Verzögerung der Sitzung, das heißt der Verzögerung der unbedingt notwendigen Rekonstruktion der zionistischen Leitung, sind eine schwere Belastungsprobe für den Zionismus und für das jüdische Palästina. die Volkszählung Eine Antwort auf ungarische Mißdeutungen Vom Abgeordneten Dr. Angelo Gold st ein (Prag) Die Volkszählung in der tschechoslowakischen Republik im .Jahre 1930, deren Ergebnisse vorläufig für drei slowakische Städte, Bratislava, Kosice und Uzhorod publiziert worden sind, zeigte, daß das nichtmagyarische Element in diesen Städten gewachsen und, die magyarische Bevölkerungszahl unter die 20-Prozent- Grenze gesunken ist. Es besteht kein Zweifel, daß dieses Ergebnis in gewissem Maße auch durch den Umstand herbeigeführt worden ist, daß es der jüdischen Bevölkerung ermöglicht wurde, ohne Rücksicht auf ihre Umgangssprache sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen. Wenn jedoch von ungarischer Seite die Konstruktion der jüdischen Nationalität als eine teuflische Erfindung der Tschechen erklärt wird, die darauf abzielt, die Verringerung des zahlenmäßigen Standes der ungarischen Minorität herbeizuführen, geschieht dies entweder aus Unkenntnis oder in der Absicht, der Welt die Umstände anders darzustellen, als sie in Wirklichkeit sind. Schon in der österreichisch-ungarischen Monarchie forderten die Juden die Anerkennung der jüdischen Nationalität, da dies das Programm der jüdischnationalen Renaissance verlangt. Und am Vormittag des 28. Oktober 1918, des Tages der tschechoslowakischen nationalen Revolution, erschien im tschechoslowakischen Nationalrat der jüdische Nationalrat und unterbreitete ein Memorandum, in welchem die Anerkennung der jüdischen Nationalität gefordert wurde. Dem jüdischen Nationalrat wurde die Versicherung zuteil, daß dieser Forderung Rechnung getragen werden wird. Als Tatsache bleibt weiter bestehen, daß im Jahre 1919 zur Zeit der Pariser Konferenzverhandlungen die Vertreter desselben jüdischen Nationalrates nach Paris fuhren und mit dem Delegierten der tschechoslowakischen Republik, Dr. B e n e s c h, neuerdings über die Forderung nach der Anerkennung der jüdischen Nationalität verhandelten. Sie erhielten die verpflichtende Zusicherung, daß diese Forderung verwirklicht werden würde. Mit Rücksicht darauf, daß die Aktion des jüdischen Nationalrates und die Entstehung der tschechoslowakischen Verfassung in eine Zeit fallen, in der man ohnehin an eine Volkszählung nicht dachte, halte ich es als der gewählte Vertreter der jüdischen Minderheit für notwendig zu erklären, daß die Auslegung, als ob die Konstruktion der jüdischen Nationalität in der tschechoslov/akischen Verfassung darauf abzielte, die Juden aus der Slowakei und Podkarpatska Rus von der ungarischen Minorität abzutrennen, vollkommen aus der Luft gegriffen ist. Die Juden in der Tschechoslowakei haben aus Gründen ihrer vitalen Interessen diese Errungenschaft begrüßt und schufen in der Tschechoslowakei die jüdisch nationale Partei, deren Erfolge bei den Kommunal- und Abgeordnetenwahlen bekannt sind, und es mir jetzt, ermöglichen, im Namen der jüdischen Minorität in der Tschechoslowakei und besonders für die jüdische Minorität in Karpathorußland zu sprechen. Wenn von ungarischer Seite behauptet wird, daß die Muttersprache der Juden in Karpathorußland und in der Slowakei die ungarische und deutsche, und keinesfalls die hebräische ist, so muß ich demgegenüber erklären, daß die jüdische Bevölkerung dieser Länder ein ihr eigenes Idiom spricht, nämlich „Jiddisch". Weiters muß erwähnt werden, daß die im östlichen Teil der Tschechoslowakischen Republik und hauptsächlich in Karpathorußland siedelnden Juden sich nicht nur durch ihre Religion, sondern auch durch ihre ganze Lebensweise und vor allem durch ihre Sprache von der Bevölkerung der übrigen Nationalitäten und darum auch von der ungarischen unterscheiden. Wenn es gelungen ist, ein Netz von hebräischen Elementarschulen in Karpathorußland auszubauen und ein eigenes hebräisches Gymnasium zu errichten, so ist daraus zu ersehen, daß die Anerkennung der jüdischen Nation in der Verfassung nicht nur theoretische Bedeutung hat, sondern zu ernsthaften Konsequenzen im Leben der jüdischen Minorität in der Tschechoslowakei führt. FAMILIEN - PENSION Täglich 5-Uhr-Tec Telephon 11, Hochstraße 4' tiefen Hotel Panhans Restauration, Kaffee taus SEMMESING Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.- Aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm und Kaliwasser in jedem Zimmer. Auskunft unter Telephon U-'27-fi-2l Jakob Wassermann Der bekannte Schriftsteller ist am 31. Dezember im Alter von 60 Jahren in Alt-Aussee (Oesterreich) gestorben. Jakob Wassermann, der aus Fürth bei Nürnberg stammte und sich immer wieder auf den fränkischen Nährboden seines dichterischen Schaffens berief, ist das, was ihn seit dem ersten Tag seines Schriftstellertums begleitete — die Angst, irgend einmal in den ,Schoß des jüdischen Ghettos zurückgestoßen zu werden, woher er metaphysisch stammte — zum unentrinnbaren Schicksal geworden. ' Seine Schriften sind die Niederschläge dieser Angst. Je größer die Angst war, desto mehr entfernte er sich stofflich von seiner seelischen jüdischen Heimat, die er in eine volklich deutsche verwandeln wollte. Wenn es ein Besinnen gab, kamen Werke wie die „Geschichte der jungen Renate Fuchs" oder „Die Juden von Zirndorf" oder „Alexander in Babylon" hervor. Den äußersten Versuch eines Durchbruchs nach der deutschen Sphäre hin bezeichnen die Romane „Gänsemännchen" und „Caspar Hauser". Die Vielfalt der Figuren, die Reichhaltigkeit der intellektuellen und geographischen Orte, die Fülle der durch das Gehirn kontrollierten Erlebnisse aller seiner Helden bezeugen aber im wesentlichen nichts anderes als das Nachzeichnen bereits bestehender Typen und Bereiche bei anderen Romanciers, wie Dostojewski, Balzac, Flaubert, mit einem Schuß hartgekneteter Sentimentalität. Darum sind alle Gestalten Wassermanns übertrieben in ihren Dimensionen, in ihrem Wortfall, in ihrem morphologischen Habitus. Wassermann rang um die Form, suchte Vergessen in ihr. Die Dämonen trieben ihn. Zwangsläufig vorhandene Risse verstopfte er mit einem Mythos, an den er selbst nicht glaubte, übersteigerte sich in allen Gefühlen und Trieben seiner Helden, bis diese schließlich wie aufgeblasener Kautschuk auf den Wellen der Erzählung dahinschwammen. Hinter ihm standen Segen und Fluch des Jude- Seins im gegenwärtigen Zeitalter und darum flüchtete er mit seinen Figuren in den Kosmos. Er nannte ihn „Humanität". Einigemal in seinem Leben hatte er Gelegenheit, durch das Gestrüpp seines Intellekts in die wunderbaren Kammern des jüdischen Seins, der jüdischen Volks- und Schicksalsgemeinschaft durchzudringen. Die Fürsorge für seine literarische Sphäre ließ es im letzten Augenblick nicht zu. Die Stimme des Blutes, die andere seines Metiers rauschen hörten, wehrte er mit der Motivierung, dem dichterischen Genius allein verpflichtet zu sein, ab. Die Deutschen des nationalen Aufbruchs verbrannten seine Werke. Die Juden der gesitteten Assimilation verschlangen sie. Als Ringender, Sich-Verlierender, schöpferisch NÄCHSTE 16. Jänner Februar PALASTINAREISEN Auskünfte: Reise- Und Verkehrs-Ges. (Orendi-Lokal) —— Wien I, Rotenturmstraße Nr. 20 (Fleischmarkt Nr. 1), Telephon R-24-5-25 Wenn bei der letzten Volkszählung in der Tschechoslowakei im Jahre 1930 die Zahl der Juden, die sich in der Slowakei und jn Karpathorußland zur jüdischen Nationalität bekannt haben, gegenüber den früheren Volkszählungen vermehrt hat, so hatte dies ernsthafte Ursachen. Im Jahre 1919, zur Zeit des Einfalls ungarischer Truppen in die Slowakei, war es nur begreiflich, wenn viele Juden aus Angst vor der Rückkehr des magyarischen Regimes und an den ungarischen Druck gewohnt, sich als Ungarn bekannten. Sie waren nicht politische demokratische Freiheiten gewöhnt. Sie standen darum zu Anfang mißtrauisch, sowohl zum Regime als auch zu den Erneuerungsbestimmungen der jüdischnationalen Bewegung, aber schließlich bekamen sie Zutrauen und die jüdischen nationalen Bestrebungen gewannen langsam bei ihnen immer mehr Boden. Das streng antisemitische System, das nach dem Fall des Bolschewikenregimes in Ungarn zur Herrschaft gelangte, die Verfolgung der Juden im öffentlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben Ungarns vollendeten diese neue Orientierung der Juden. Ich muß konstatieren, daß mir keine einzige Beschwerde eines Juden zugekommen ist, der gezwungen worden wäre, sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen, obwohl er sich zur ungarischen hätte bekennen wollen. Es ist wahr, daß viele Juden, die sich unter dem ungarischen Regime zur ungarischen Nation bekannten, sich nun als Juden melden. Es ist aber ebenfalls wahr, daß eine nicht unbeträchtliche Anzahl Juden, deren Muttersprache Tschechisch oder Slowakisch ist, die Möglichkeit, die ihnen die tschechoslowakische Verfassung gibt, wahrgenommen und sich ebenfalls zur jüdischen Nationalität bekannt haben. Daß ich als jüdischnationalcr Abgeordneter in g eheiraer "Wahl von einer großen jüdischen Majorität gewählt wurde, ist allein ein Beweis für die Korrektheit der Ergebnisse der Volkszählung, soweit sie die Juden betreffen. Eine wirkliche Demokratie enthält und bildet selbst die Mittel zur Kontrolle ihrer Einrichtungen und ermöglicht es so, daß letzten Endes-die Wahrheit siegt. CHAU Besessener wird Jakob Wassermann hohe Wertung genießen. Das Zwiespältige, „Interessante" seiner Erscheinung wird für viele reizvoll sein. In der Welt des transzendentalen Seins, in der beispielsweise Dostojewski und Kafka schweben, wird man ihn vergeblich suchen. Aber die Literaturgeschichte wird ihn konservieren. o. r. Professor Weizmann über die Araberfrage Auf der Schlußsitzung der Konferenz der englischen Zionisten hat der frühere Präsident der Zionistischen Organisation, Prof. Weizmann, eine Rede über das arabische Problem in Palästina gehalten. Er sagte int wesentlichen: „Man beschuldigt uns, arabische Arbeit zu boykottieren, und gibt uns zu verstehen, daß unsere Einwanderungsziffer wegen der großen arabischen Arbeitslo sigkeit beschnitten wurde. Ich möchte da zwei Dinge klarstellen. 1.: Wo in jüdischen Kolonien arabische Arbeiter beschäftigt werden, geschieht dies nicht aus humanitären Gründen, sondern weil arabische Arbeit billiger ist. 2.: In den meisten jüdischen Kolonien werden Lohnarbeiter überhaupt nicht beschäftigt, weil die ganze Arbeit von den Kolonisten getan wird. Unter der palästinensischen Judenheit gibt es oine „nationale" und eine „private" Sektion. Die „private" Sektion beschäftigt arabische Arbeiter, die kleinere „nationale" Sektion nicht, weil deren Fonds zu dem ausdrücklichen Zweck aufgebracht wurden, Juden auf dem Lande anzusiedeln. Was die „britische" Sektion, d. h. die Regierungsarbeiten, anbetrifft, so werden innerhalb derselben Juden lange nicht in dem Verhältnis beschäftigt, wie es ihrem finanziellen Beitrag zum Staatshaushalt — über 40 Prozent — entsprechen würde. Daß aber ein Araber einmal einen gelernten jüdischen Arbeiter beschäftigt, gehört zu den seltensten Ausnahmen. Es kommt einmal der Tag, da Araber und Juden einsehen werden, daß es ein gemeinsames Ziel gibt, für das sie arbeiten, — dann werden solche Unterscheidungen aufhören. Seit vielen Jahren wirke ich für eine jüdisch-arabische Zusammenarbeit, aber immer waren es die Araber, die die ihnen entgegengestreckte Hand zurückwiesen. Auch das wird sich ändern, aber nur, wenn wir den Arabern klargemacht hüben, daß wir sie nicht beherrschen wollen, aber auch nicht von ihnen beherrscht werden wollen, und daß Palästina ein Land ist, in dem wir kraft eines Rechts siedeln. Die Ansicht, wir müßten noch mehr Araber beschäftigen, ist hinfällig; wir würden dadurch nur eine neue Reibungsflächc schaffen. Der einzige Weg zur Lösung des Problems ist, den Lohn- und Lebensstandard der Araber zu heben. Die Regierung sollte die arabische Landwirtschaft, die sich zu 65 Prozent auf die Hügelregion konzentriert, verbessern. Sie sollte den Fellachen von dem drückenden Zins befreien, den seine Wucher h er ren ihm auf- Die. schönste Palästinas! eise führt über Rom und Neapel mit dem Riesen-Ozeandampfer „Conto d i Savoia" zu P u r i m nach T e 1- A w i w und bietet Gelegenheit, auf der Rückreise Aegypten zu besuchen. Billige Pauschalpreise. Auskünfte und Prospekte durch das Reisebüro „Marienbrücke" (Palästina-Dienst), I., Rotenturmstraße 26, Tel. R-24-2-86 und R-24-2-87.

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