Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 329 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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f Sfeite ft DIE NEUE WELT Nr. 320 Lebens versieh erungs-Gesellschaft PHÖNIX <Au« dem Jahresberichte 1932: Vefaicherungsbestand Primlen- und Zinsen- Einnahmen Garantiemittel Auszahlungen an d. Versicherten S 2.728,000.000-- „ 179,000.000'- „ 527,000.000*—» „ 60,000.000-- Tätigkettsgeblet: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslovakische Republik. Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei. Tunis und Aegypten. 6ouerbtmm In neuer Villa 16 eingerichtete Zimmer samt ritueller Küche, Saison 1934 zu verpa ohten Zuschriften an Max Nettmann, Wien V,'Arbeltergasse 13 ' LESET UND VERBREITET »DIE NEUE WELT« Amtliche Verlautbarungen der Ifrael« Kultusgemeinde Wien« Gastpredigt. Am Freitag, den 29. Dezember 1933, /hält im Gemeindetempel, XV., Turnergasse 22, Herr Rabr''-"Diner Dr. Augapfel (Ginsterburg) eine Gastpredigt. Stellenausschrelb ung Bei der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangt die Stelle eines Chordirigenten mit 1.- Februar 1934 zur Besetzung. Die Bewerber um diese Stelle haben nachzuweisen: 1. Die österreichische Bundesbürgerschaft, 2. ein Alter bis 30 Jahre und ihren sittlich religiösen Lebenswandel, 3. ihre musikalische, theoretische und praktische Ausbildung und. Betätigung als Dirigenten von Synagogenohören, .m, 4. die Kenntnis der liturgischen Gesänge und ihrer Literatur, 5. ausreichende Kenntnisse im Hebräischen sowie der gottesdiehstlichen Einrichtungen. / -Der Kultusvorstand behält sich vor, bei besonders guter Qualifikation die Dispens von der Altersgrenze zu erteilen, ferner die Kenntnis in der Liturgie und im Hebräischen durch eine Prüfung des Rabbinats feststellen zu lassen. Gehalt nach Uebereinkommen. Die Bewerber haben ihre gehörig belegten Gesuche bis längstens Montag, den 15. Jänner 1934, bei der Amtsdirektion der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, einzureichen. Ignaz-Blumenfeld-Widmung für Bildhauer, Maler und Musiker. (Bewerbungsausschreibung). A n zahl d e r -P I ätz e: l im Betrage, von. S 200 für einen Mu s i k e r. Be w e r b u n gs berechtigt sind: Der Musik -sich widmende . Israel. Jünglinge. (junge M ä n n e r) mit besonderen Anlagen und bereits bewährten Leistungen. Ges.uc,hsb,ei Lagen; Geburtsschein, Heimatschein, Mittellosigkeitszeugnis, Fachzeugnisse; Kunst heil a gen sind erst über Verlangen des Vorstandes zu erbringen. Letzter .Tag der Einreichungsfrist: 15. März 1934. E i n r e i c h s t e 11 e: I., Seitenstettengasse 2, I. Stock,;' Tür 16 (Fürsorge-Zentrale). Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, welche in der Fürsorge-Zentrale unentgeltlich zu beziehen sind. Die Gesuchsbogen enthalten auch nähere für die Einschreiter wichtige Bestimmungen. Dier Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien.! * Predigten und Schrifterklärungen in den Gemeinde-; und' Bezirkssynagogen. Freitag, den 29. Dezember 1933 werden bei den um 3 Uhr 55 Minuten beginnenden Abend- gottesdiensten in nachbenannten Gemeinde-.und Bezirks-. Synagogen Predigten abgehalten, und zwar: L, Seitenstettengasse 4. (Oberrabbiner;Dr. D. F.euchtwang); IL, Tempelgasse 5 (Oberrabbiner Dr. I. Taglicht); III., Untere Viaduktgasse 13 (Rabbiner Dr. K.-Kupfer); V., Siebenbrunnengasse la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer);' VI., 1 Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky); vm., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); X., Hum- ,fcoldtgasse 27. (Rabbiner. Dr. A. Weiner); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XDC., Dollinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankfurter);; XX., Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Mürmelstein); XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). Samstag, den 30. Dezember 1933, beim Hauptgottesdienste Schrift-. Wochen-Kalender Dezember 1933 Tino! Tebeth 5694 29 Freitag 11~H> Sabbateingang 4.05 30 Samstag 1Ä-3» Sabbatausgang 5.05 yn ,o'1 nip»! meen wi -b 31 Sonntag 11-3» 1 Montag 14—P % Dienstag ll—D 3 Mittwoch 16-TIÄ 4 Donneretag 17-r Msrinka 3) \ Erzählung von (Uebersetzt von III. Nur zwei Menschenseelen mischten sich niemals in die Händel. Das waren: Marinka, Skuripintschichas Mädel, und Chanine Lipes Einziger, Noach, ein Junge, in gleichen Jahren. Jedesmal während eines Streits pflegten sie zur Seite zu gehen, zu schauen und zu schweigen. Schon in den Kinderjahren, sogleich nachdem sie Nachbarn geworden waren, schlössen die zwei Kinder nahe, innige Freundschaft miteinander. Sie, Marinka, war damals doch so elend, so einsam! Anfangs als der „Djadja" Serafim noch in jener Gegend wohnte, war es nicht so traurig: die Tante pflegte sie oft zu ihm zu schicken, einen Topf oder ein Sieb leihen, und dabei pflegte sie im Sand mit Serafims Jungen zu spielen, dem kleinen Makarka. Der Djadja selbst erwies ihr auch oft Gutes: an Feiertagen pflegte er ihr vom Markt ein Eierbretzel zu bringen, und wenn die Tante sie schon zu sehr schlug, kam er und entriß sie ihren Händen. Aber seitdem der Djadja weggezogen war und Haus und Hof verfallen ließ — wölbte sich eine schwarze Wolke über sie. Kein Djadja mehr da, kein Makarka, gar nichts. Geblieben ist nur eine zornige Tante, die immer zickt, und Püffe und Hunger und Versperrtsein im Hof wie in einem Gefängnis. Zur Frühlingszeit, wenn im Garten und Feld am heißesten gearbeitet wird, pflegte die Tante in aller Früh, wenn die Sonne aufgeht, zu ihren Arbeiterinnen zu laufen und, wenn es schon stockfinster war, der Himmel besternt, zurückzukehren. Beim Weggehen überließ sie allemal den ganzen Hof Marinka und schärfte ihr mit fistelnder Stimme, doch mit derben Worten ein, nicht zu wagen, den Hof auch nur für eine Minute zu verlassen. Marinka folgte und ging keinen Schritt vom Hof. Ganze Tage pflegte sie abgeschlossen zwischen den vier Wänden zu sitzen und den Hof zu hüten. Ein Glück V-ach, daß der kleine Hund Skuripin sich gerade damals zu ihr gesellte und sie herzlich lieb bekam — sonst wäre idie Langeweile nicht auszuhalten gewesen. Einen teuren Schatz hatte sie bei sich im Rocksack verborgen — eine Schnur eingetrockneter, hartgewordenen kleiner Bretzeln, die der Onkel ihr vor der Uebersiedlung als Geschenk zurücklassen hatte. Wochenlang gönnte sie sich nicht, sie ^aufzuessen. Und allemal, allein geblieben,, zog sie sie hervor, und spielte mit ihnen. Jeden Tag schienen sie ihr ganz, ganz neu und immer wieder mit neuen Vorzügen,, wie sie liebgelb sind, liebrund wie die Ringelein, glitzern wie Steinchen. Wie sie feinklein sind und doch feindick, sieh nur, wie feindick... kaum daß man die Oesen zu sehen bekommt. Zehnmal im Tag pflegte Marinka sie. an den Fingern, zu zählen — und seltsame Sache, immer kommen neun heraus, nicht mehr und nicht weniger. War sie:; aber (einmal sehr hungrig gewesen — konnte der bösen Versuchung nicht widerstehen und aß alle Bretzeln auf. Von da ab «blieb ihr nur der eine, Skuripin; itmd noch — die Erinnerung an den guten Onkel. Besonders erinnert sie sich genau an des guten Onkels letzte Worte. . In den hohen Stiefeln, die Peitsche in der Hand, kam er zur Tante Abschied nehmen; und vor dem Weggehen aus der Stube sagte er zu ihr: „Sieh zu, Alte" (genau mit diesen Worten), „sieh zu, Alte, zu sehr sollst du das Kind nicht schlagen. Sie ist doch ein unglückliches Geschöpf, hab' Gott im Herzen!" Diese guten, lieben, herzlichen Worte hatte sie, Marinka, selbst mit eigenen Ohren gehört. Sie saß damals gerade auf der Schwelle und schnitt Kürbisfutter für die Schweine. Ein Gefühl heißer Dankbarkeit machte ihr Herz süß beklommen. Und als der Djadja beim Hinausgehen die Schwelle übertrat, warf sie sich, wie ein Pfeil vom Bogen, auf alle vier und küßte ihm die Stiefel so rasch und still, daß er es gar nicht bemerkte____Zwar folgte ihm die Tante gar wenig und schlug sie wie vorher. Aber Marinka wiederholte bei sich im Herzen jeden Tag des Djadja Worte: „Sieh zu, Alte" ... Gh. N. Bialik. Oskar Rosenfeld) Einmal konnte sie sich nicht zurückhalten und übertrat der Tante Verbot. Es zog ihr Herz zu des Oheims Haus, das verlassen dastand, und sie stahl sich vom Hof weg dorthin. Drinn' im Haus befiel Marinka ein schweres Bangen. Die ganze Wohnung stand ledig, öde, irgendwie fremd. Die Tante sagte, die Juden hätten sie abgekauft« Was für Juden können sich da einnisten? Und wohin ist der Oheim übersiedelt? — Darob setzte sie sich in einen Winkel auf die Erde nieder und begann zu weinen. Es weinte sich so süß, so innig. Sie möchte sich wünschen, so ihr Leben lang im Winkel zu sitzen und zu weinen..« Plötzlich traten zwei sonderbare Männer ein: der eine, niedrig, rund, bärtig, in einem Kaftan, eine Peitsche in der Hand; und der andere, ein schwarzer, hagerer, mit roten Fingernägeln, einen Maßstab in der Hand. Durch die warmen Wassertropfen hindurch, die noch in ihren Augen zitterten, erschienen-ihr deren Gesichter seltsam wild und fürchterlich. Marinka war erschrocken, schmiegte sich im Winkel an die Wand und ward still. Die Personett besichtigten eine Weile genau die Wände, die Decke, die Fenster — und gingen dann gleich hinaus. Bald hernach verfiel Marinka wieder in Weinen. Aber das plötzlich gestörte Weinen war jetzt schon ohne Innigkeit. Erst am Abend fand die Tante sie dort im Dunkel schlummernd •—• und zerrte sie an den Haaren nach Hause. Von da an tat sie nie mehr einen Schritt aus dem Hof. Elend und traurig pflegte sie ganze Tage auf der Mauerbank zwischen dem Haus und der Baumallee zu sitzen und zu ihren Füßen hingestreckt Skuripin, damals noch ein kleines Hündchen, das einzige Wesen, das ihr Herz verstand und ihr ergeben war mit Leib und Leben. Da lag nun der Hund neben Marinka, blickte ihr auf den Mund und einer blickte dem andern in die Augen. Von ferne, von dort, wo die Gärten mit den Kastanienbäumen sind, kommen abgerissene Töne von Liedern hergetragen, die Mädchen, die dort arbeiten, singen mit saftiger, klarer Frühlingsstimme und beide, Marinka und Skuripin, spitzen plötzlich die Ohren. Der Hund beginnt unruhig zu zittern, und plötzlich reißt et sich auf und stellt sich auf die Beine, schlägt mit dem- Schweif um sich und richtet ein Paar glühende Augen aut Marinka, als wollte er sagen: Gehen wir, Marinka, und das sogleich! Doch sie nimmt ihn herauf auf ihre Knie und drückt ihn an ihr Herz: „Man darf nicht, Skuripin, man darf nicht. Die Tante schlägt ..." Einmal an einem solchen Tag hob irgend etwas im nachbarlichen Hof zu rumoren an. „Die Juden sind schon da", sagte die Tante ihr. Von jenem Tag an wurde der Tante Verbot, beim Weggegen, strenger und ihr Kneifen heftiger. Sie begann noch viel mehr achtzugeben als früher. Alles, was man mit Verschlüssen versehen kann, bemühte sie sich so weit als möglich zu verwahren; hing Schlösser vor den Keller, an den Dachboden, an den Schuppen, brachte von irgendwo einen neuen Hund auf den- Hof; „Gib acht mit beiden Augen" — pflegte sie Marinka von damals an zehnmal im Tag einzuschärfen. —- „Hörst? Juden und Zigeuner sind allesamt Diebe, hörst?, Wird ein Jude hierher riechen — sollst du sogleich die Hunde auf ihn reizen, die Hunde, hörst? Vor Hunden haben die Juden Angst, hörst? Hier hast du für dich ein - Stückchen Brot mit Zwiebel, und bleib sitzen auf einer Stelle, hörst? Wenn auf dem Hof etwas verloren geht, werd' ich dir die Haut herunterschinden, hörst? . . ." „Hörst, hörst!" — oh, wie Marinka dieses „Hörst, hörst", das am Herzen zerrt, verabscheut! Ihr kommt es vor, daß bei ihr über dem Herzen an der Achsel eine runde Wunde, wie eine Münze groß, entstanden ist, die ihr das „Hörst" dort aufgerieben hat, und als würde jedesmal das „Hörst" genau dieselbe wunde Stelle treffen. (Fortsetzung folgt.) erklärung: XX., Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein). Gastpredigt: Freitag, den 29. Dezember 1933 hält im Gemeindetempel, XVi, Turnergasse 22, bei dem um 3 Uhr 55 Minuten beginnenden Abendgottesdienste Herr Rabbiner Dr. Augapfel (Insterburg) eine Gastpredigt ab. Israelitischer Jugendgottesdienst. Samstag, den 30. Dezember 1933, findet üvallen Gemeinde- und Vereins- Synagogen der Jugendgottesdienst um 3 Uhr nachmittags statt. Die Kleiderstelle der Fürsorge-Zentralo bittet dringendst um Zuweisung von brauchbaren Bekleidungsgegenständen jeder Art, Wäsche, Schuhe usw. für Männer, Frauen und Kinder. Telephonische oder schriftliche Benachrichtung erbeten an die Fürsorge- Zentrale der isr. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, Tel. U-25-5-85, welche die Abholung veranlaßt. Aenderungen im Partelenverkehr der Fürsorgezentrale. Aus organisatorischen Gründen hat das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde Wien verfügt, daß bis auf weiteres der Parteienverkehr in der Fürsorgezentrale nur an den Tagen: Montag, Mittwoch un d Freitag in der Zeit von 9 bis 1 Uhr stattzufinden hat. „Zum Leben verurteilt" Der Metrofilm „Zum Leben verurteilt", der bekanntlich kurz vor der Premiere inhibiert wurde, erscheint nunmehr nach restloser Beseitigung der Einfuhrschwierigkeiten am Neujahrstag (1. Jänner) im Kreuz-Kino. Die Hauptrollen dieses Films sind mit Joan Crawford und Gary Cooper besetzt, die zum erstenmal als Partner zu. sehen sind. „Es gibt nur eine Liebe'4 Der Louis-Graveure-Film „Es gibt nur eine Liebe'1 gelangt heute im Apollo zur Erstaufführung. Maurice Chevaliers neuer Schlagerfilm mit Filmschlagern „Der Fremdenführer von Paris" ist der neue Schlagerfilm der Paramount mit Maurice Chevalier in der Hauptrolle betitelt, in dem Maurice wieder am Ziel seiner Filmwünsche ist. Premiere demnächst im Schweden-Kino, Eddie Cantor in „Torero6" Der berühmte amerikanische Revue- und Filmstar Eddie Cantor wird sich dem Wiener Publikum in dem Großlustspiel „Torero" ("The Kid from Spain") vorstellen, Eddie gelangt in diesem Film nach Mexiko und muß sich dort unfreiwillig als berühmter Torero ausgeben. Premiere (in englischer Originalfassung mit deutschen Titeln und einer neuen „Silly Symphonie" im Beiprogramm) demnächst im Burg- und Rotenturmkino. „Glückliche Reise" Am 5. Jänner 1934 erscheint in den Lux-Premieren- Theatern die große Tonfllmoperette „Glückliche Reise". Die Hauptdarsteller sind: Magda Schneider und Max Hansen. BigentUmer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. - DC., Universttfttsstraße 6*^8, Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinraann, beide Wien,