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Die neue Welt · 1933-12-29 · Heft 329 (29.12.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 329 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 329 iti*^ TV^X* FÜR DIE JUGEND Gedanken über Brith Hakanai'm (Brak) Aus einem Notizbuch Von Dr. R. Ben Schein Brak ist die chaluzisch-nationale Jugendbewegung der Judenstaatler, welche danach streben, die Grundlagen des jüdischen Lebens umzubauen und den Jüdischen Staat wieder zu errichten. Brak anerkennt sieben Hauptprinzipien als Voraussetzungen für den Aufbau des Landes und für den Umbau des Volkes: 1. Produktivität. — 2. Nationale Disziplin. — 3. Selbstschutz und Wachsamkeit. — 4. Hebräisierung. — 5. Soziale Gerechtigkeit. — 6. Solidarität aller bauenden Kräfte. — 7. Enge Verbindung mit der Tradition. Brak soll den jungen Juden zu einem konsequenten Kanaim erziehen, zum Chaluz für das Volk und das Land, unter allen Bedingungen bereit, sein Bestes herzugeben. * Brak erblickt in der Wiederaufrichtung des jüdischen Staatswesens in Erez Israel die volle politische, kulturelle und soziale Lösung der Lebensfrage der jüdischen Gemeinschaft im allgemeinen und jedes jüdischen Individuums im besonderen. * Brak lehrt seine Mitglieder Körperkultur, Sport und Selbstverteidigung. Das sind die Elemente der physischen Renaissance eines Volkes, eine Vorbereitung für Schutz in Erez Israel und in der Galuth. * Jeder Backai ist verpflichtet, vier Hachscharoth durchzumachen: kulturelle Hachscharah, fachliche Hachscharah, chaluzische Hachscharah, wehrsportliche Hachscharah. * Brak erzieht seine Mitglieder zu wirklichen Dienern des Volkes. Sie sollen auch gegen Finsternis und Unwissenheit in der jüdischen Gasse kämpfen. Brak strebt nach Aufklärung und fortschrittlichen Formen des jüdischen Lebens. * Brak weckt und entwickelt den Sinn für Aesthetik, Kunst, Musik und Liebe zur Natur. * Brak verpflichtet zu Maß undTaktim Verhältnisse zum Gegner, ja auch zum Feinde. Man darf keine Fahne entweihen, auch nicht die Fahne des Gegners. Mit ethischen Mitteln muß man mit dem. Gegner kämpfen; man darf Eltern nicht beleidigen und muß älteren Leuten mit Achtung begegnen, den Frauen Ritterlichkeit entgegenbringen. Man muß Maß in der Freude halten und in Leiden Geduld zeigen; man darf nicht die Ruhe eines anderen stören; man darf nicht öffentlich den Sabbat entweihen. Das grundlegende Erziehungssystem im Brak ist das skoutische. Das skoutische System besteht in der Erziehung zu Charakter, Selbständigkeit und Disziplin; es ent- .wickelt den Orientierungssinn, die moralischen Sinne und idie Harmonie beim Menschen. Gleichzeitig lehrt es, an die höheren Gefühle in der menschlichen Seele glauben. * Die Backaim werden organisatorisch (aus pädagogisch-erzieherischen Gründen) in drei Dargoth eingeteilt. Darga Aleph — von 9 bis 12 Jahren. Darga B e t h — von 13 bis 17 Jahren. — Darga Gimel — von 18 bis 20 Jahren. Der Brak erzieht auch Jugendliche unter 9 Jahren In einer speziellen Gruppe, die Ephrochim (Küchlein) oder Ankorim (Sperlinge) heißen. Die erste Darga heißt „S y e j n r i m" (Wölfe). Das Erzie.hungssystem ist rein skoutisch, der Unterricht erfolgt durch Veranschaulichung, Ausflüge, Sammlungen [(von Gewächsen, Zeitungsausschnitten, Marken usw.) und Handarbeit (Flechten, Schnitzen, Malen, Sägen, Tischlerei usw.). Das Ziel: Im Kinde Volksliebe erwecken, Sehnsucht nach Erez Israel, Wissensdurst, Ehre und Pflichtgefühl, Geschicklichkeit, Sinn für Körperpflege. Die zweite Darga heißt „Zofim" (Wächter); Erziehungssystem: skoutisch-wehrsportlich. Unterrichts- Crhiffhtflilii tt^pllll I II INI IUI ILI&BORSTRASSE 4Ö methode — entsprechend dem Muster der Arbeitsschule. Erziehung zu Selbständigkeit, physischer Arbeit, physischem Verteidigungssport. Das Ziel: Ausbildung des Charakters, Arbeit (in speziellen Werkstätten), Verantwortlichkeitsgefühl, Vorbereitung für die Alijah. Die dritte Darga heißt „Chaluzim". Erziehungssystem: chaluzisch-kanaisch. Alles wird mit dem Fach verbunden, das sich der Bundesbruder gewählt hat. Der wehrsportlichen Hachscharah wird eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet.. Das Barkaische Prinzip ist: Vollständiger Individualismus, angepaßt der Form des kollektiven Lebens, fiach welcher wir streben. Jüdische Jugend Oesterreichs! Vor einem halben Jahre gründeten einige Zionisten den „Hechaluz Haleumi". Der Hechalzu Haleumi ist jene Institution, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die national fühlende jüdische Jugend für die Arbeit in Palästina Im Geiste des Herzischen Zionismus geistig und körperlich zu erziehen. Viele Jahre kämpfte die jüdische Jugend im „Hechaluz", um denselben auf den Weg des judenstaatlerischen Zionismus zu bringen, mußte aber erkennen, daß die Führer den „Hechaluz" unter Vorspiegelung von Unparteilichkeit im Geiste des Klassenkampfes und marxistischer Unduldsamkeit führen. Nachdem die nationale Jugend es nicht länger mitansehen konnte, daß unter dem Druck dieses sich „allgemein" nennenden Hechaluz die nach Palästina wandernden jüdischen Menschen gezwungen werden, In die klassenkämpferische, daher den Palästina-Aufbau schädigende „Histadruth" einzutreten, verließen sie den „allgemeinen" Hechaluz und entschlossen sich zur Gründung des judenstaatlerischen Hechaluz, des „Hechaluz Haleumi". Diese Jugend wendet sich nun an alle jungen jüdischen Menschen, für die der Zionismus die Errichtung des Judenstaates in Palästina bedeutet und die sich in diesem Geiste für die Ueberwanderung vorbereiten wollen und fordert sie zum Eintritt in den Hechaluz Haleumi auf. Jüdische Jugend, hinein in den nationalen Hechaluz! Wir werden bestrebt sein, euch für die Alijah nach Erez Israel mit allen Mitteln zu unterstützen, wir werden bestrebt sein, euch geistig und physisch für den Judenstaat vorzubereiten. Jüdische Jugend denke an deine Zukunft, komme zu uns! Die Leitung des Hechaluz Haleumi: Theodor Grubner (Vizepräsident der Palästina-Amtskommission), Mendel Hager (Obmann der Judenstaatsjugend), Rabb. Dr. Zwi Kanner (Oberführer des Brith Hakanaim), Moschel Kerzner (Mitglied der Palästina- Amtskommission) . Restaurant Tonello II, An der Marlen brücke Renoviert — reformiert — Preise reduziert! Normalkost-Menü 1.50 und 2— / im Abonnement 1.35 und 1.80 SVJtiSS Vegetarische und Rohkost Heu eröffnet! | Zionisf i§die§ Jugendseminar Veranstaltet von der Judenstaatsjugend Dienstag, den 2. Jänner 1934, findet um halb 8 Uhr abends im Heim, n., Untere Augartenstraße 38, der siebente Seminarabend statt. Gegenstand: Colloquium verschiedener Themata unter Leitung von Dr. I. Z. Kannner. — Gäste unterschiedslos willkommen. Von der Juden§f aatspartei Das Organisationsdepartement (Wien, IX., Universitätsstraße 8) teilt mit: Die deutsche Propagandaschrift: „Was will die Judenstaatspartei?" von Robert Stricker ist erschienen und zum Preise von 40 Groschen pro Exemplar erhältlich. Bei Abnahme von mindestens 50 Stück durch Vereine und Organisationen pro Exemplar 20 Groschen. Bestellungen an obige Adresse richten. Die deutsche Broschüre „Der Weg des Barkai" (Brith Hakannaim) erscheint in zirka vier Wochen. Die Blocks für den „Mass Miflagti" sind an die Landesleitungen abgesendet worden. In einem besonderen Schreiben wurden die Leitungen aufgefordert, unverzüglich mit der Mitgliederwerbungsaktion und dem Verkauf des „Mass Miflagti" einzusetzen. Deutschland. In den letzten Wochen fanden in Berlin und in verschiedenen Städten der Provinz große Versammlungen statt, in denen zu den Vorgängen in Palästina Stellung genommen wurde. Es sprachen die Herren: Dr. Justus Schloß, Ernst Hamburger, Dr. Hubert Pollack und Doktor Boris Silbert. Der eifrigen Arbeit gelang es, in Kassel, Stettin, Zwickau und Duisburg Ortsgruppen zu gründen und werden in den nächsten Wochen noch weitere Ortsgruppen der Judenstaatspartei geschaffen werden. Außerdem stehen unseren Mitgliedern eine Anzahl von Hachscharahplätzen zur Verfügung, wo sie in ausgezeichneter Weise für die Auswanderung vorbereitet werden. Einen besonderen Erfolg hat die Judenstaatspartei durch den Beitritt des Herrn Direktor Georg Kareski» Präsident der jüdischen Volkspartei und früherer Präai- IflNOPROGRAMME 1% DIESER WOCHE KREUZ-KINO I, Wollzeile 17 Tel. R-24-2-16 Vom 29. Dezember 1933 bis 1. Jänner 1934: „Das Haus des Unheils" mit Miriam Hopkins u. Jack Lara« Vom 1. bis 5. Jänner 1934 „Zum Leben verurteilt" mit Joan Crawfford u. Gary Coopar Sonn- und wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDEN - KINO ¥ÄÄJ Vom 29. Dezember 1933 bis 5. Jänner 1934: »Meine Küsse lügen« mit Llllan Harvoy Beginn wochentags: */,5, 7, 7410 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr dent der Berliner Judengemeinde, zu verzeichnen, der sich uns angeschlossen hat, um den Vorsitz der Partei in Deutschland zu übernehmen und für die Verbreiterung der staatszionistischen Front tätig zu sein. Litauen. Die für den 23. und 24. Dezember angesetzte Landeskonferenz mußte bis Mitte Jänner verschoben werden, da es weder Herrn Großmann, noch Herrn Ing. Stricker möglich war, zum genannten Zeitpunkte eine Reise nach Litauen zu unternehmen. Religiöse Zionisten schließen sich der Judenstaatspartei an Aus Warschau: Hier fand eine Versammlung religiöser Gesellschaften und Gruppen statt, um über die letzten Ereignisse in Palästina und über die Parole der Judenstaatspartei, eine Einheitsfront in der Zionistischen Organisation zu bilden, zu diskutieren. Nach einer längeren Aussprache beschlossen die Anwesenden, sich der Judenstaatspartei unter dem Namen „R e 1 igiöse Judenstaatspartei Hasmonäa" anzuschließen. Die Versammlung wählte einen Organisationsausschuß, welcher sofort eine Werbeaktion in Warschau und in der Provinz einzuleiten hat. Die Judenstaatspartei in Litauen Aus Kowno: Hier fand ein Massenmeeting der Judenstaatspartei statt: Als Redner traten auf: Dr. J. A. Dubdovitsch, Dr. L. Heschelsohn, Stud. Sch. Dorer, Stud. N. Sax, Stud. C. Sohubitsch und Dr. H, Rosenblum. Die Redner protestierten gegen die Palästina- Verwaltung,' welche scharfe Maßnahmen gegen die jüdische Einwanderung unternommen hat und verlangten die sofortige Einberufung des A. C., welches eine neue politische Linie vorzuschlagen habe. Das jüdische Volk habe größere Sorgen als sozialistische Experimente in Palästina. Eine sozialistische Exekutive ist jetzt nicht am Plätze. Sie muß zurücktreten, einer neuen Exekutive der nationalen Konzentration Platz mache. Die Reden wurden von der Menge mit großem Beifall aufgenommen. Die Versammlung nahm schließlich einstimmig folgende Resolution an: „Die Judenstaatspartei Kowno protestiert aufs schärfste gegen die Einwanderungsbegrenzungen. Diese Begrenzungen treffen das leidende jüdische Volk und sind als P r ä m i e für arabische Hetzer und Mörder aufzufassen. Die zionistische Masse wird mit der größten Entschiedenheit für ihr heiliges Recht, einen Judenstaat in Palästina zu errichten, kämpfen. Gleichzeitig forderte die Versammlung, daß eine Sitzung des A. C. einberufen werde, vor welcher die jetzige, einseitig-parteiische Exekutive abzudanken hat. Das soll die erste Antwort auf den englischen Angriff sein. Der Zionismus kann nicht durch die Exekutive einer Klasse oder Schichte vertreten sein, sondern nur durch eine Exekutive der nationalen Konzentration» welche alle Kräfte der Zionistischen Organisation zu umfassen hat." „Der Judenstaat — die letzte Chance des jüdischen Volkes" Aus Berlin: Der Verband Deutscher Judenstaatszionisten (Ortsgruppe Berlin) veranstaltete in den Räumen des „Hackeschen Hof" eine große Propagandaversammlung, verbunden mit einer Protestkundgebung gegen die Beschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina. Nach Ansprachen des Vorsitzenden des Verbandes, Herrn Dr. Justus Sc h 1 o ß, und des Leiters der Berliner Ortsgruppe, Herrn Ernst Hamburger, nahm, von der Versammlung begeistert begrüßt, Herr Direktor Kareski das Wort. Er führte aus: Die Judennot ist so alt wie die Golah. Aber das Besondere der jetzt akut gewordenen Judennot, für welche man parallele Fälle in der bisherigen Geschichte nicht zum Vergleich finden könne, liegt in der Tatsache, daß den Juden, die heute aus politischen oder wirtschaftlichen Verhältnissen ihre bisherigen Heimatländer verlassen müssen, kein vorläufiger MIT DER MARIENBRUCKE AUF DEM CONTE DI IAVOIA NACH PALÄSTINA 20. Februar bis 14. März 1934. Zehn Tage Palästina, zweieinhalb Tage Aegypten, Rom und Neapel. Auskünfte und Prospekte durch Reisebüro „Marlenbrücke'* (Palästina-Dienst), I., Rotenturmstraße 26, Telephone R-34-3-86 und R-34-&-87.

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