Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 325 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freilag/ den 1* Dei 186 Titl. Universitätsbibliothek Wien, 1. V«b*b+ iger versendet par r^dttent*« REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN Tschechoslowakei Lei 40.-, vierteljährig Lei 12 Lewa 120.—; Italien monatlich jährig Schweizer Francs 4.50 Lire 5.—. vierteljahrig Lire 14.—; Sehwelz und liährlg M die übr i gen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, •teliährig viertel- HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion tu Verwaltung: Wien IX, üniversitätsstr. 6-8, 7 et. B-48-504 -— Erscheint jeden Breitag!$}\ ■ - Jüdischer Wellkongreß im Sommer 1934 Aus Genf: Der Leiter des ZentralbUros des Weltkongresses Dr. Nahum Goldmann teilte dem J. T.A.¬ Vertreter mit, daß der jüdische Weltkongreß, dessen Abhaltung für das Frühjahr 1934 geplant war, erst im Sommer 1984 zusammentreten wird. Technische Gründe machen diese kurze Verschiebung erforderlich. In den Vereinigten Staaten, sagte Dr. Nahum Goldmann, werden die Delegiertenzum Kongreß durch demokratische Wahlen bestimmt werden, wobei zu erwarten ist, daß ungefähr eine halbe Million Juden in Amerika zur Urne gehen werden. Auch in anderen Ländern werden demokratische Wahlen stattfinden, hingegen werden in Ländern, wo öffentliche Wahlen technisch oder politisch nicht durchführbar sind, die Delegierten durch die maßgebenden jüdischen Organisationen und Institutionen nominiert werden. Dadurch, daß die Arbeiterfraktion innerhalb der Zionistischen Weltorganisation bei ihrer heftigen oppositionellen Haltung zum Jüdischen Weltkongreß beharrt, sind die Vorbereitungen zu den Kongreßwahlen in Polen und Palästina verzögert worden, doch werden diese Schwierigkeiten bald überwunden werden. Zur Opposition der zionistischen Arbeiterschaft •Die feindliche Stellung der zionistischen Linken zum Weltkongreß bildete schön auf dem letzten Zionistenköngreß den Gegenstand heftiger 'Auseinandersetzungen. - Der Präsident des jüdisch-amerikanischen/ Kongresses, Dr.' Stefen W'ise, hielt den Arbeitervertreterri vor," daß sie sich von Seiten der II. sozialdemokratischen Interr nationale, also von un jüdisch er Seite; aus die Teilnahme äm jüdischen Weltkongresse verbieten lassen und appellierte an ihr jüdisches . Solidaritätsgefühl. Die Arbeitervertreter beharrten aber auf dem ablehnenden Standpunkte. Konflikt um Palästina im Völkerbund mit Antisemiten Aus Londcu meldet die J. T. A.: Der wachsende .Gegensatz zwischen der antisemitischen Gruppe der Imperial Fascists und der von Sir Oswald Möslcy' geführten nichtantisemitischen Faschistenpartei hat in London zu einem blutigen Zu-' sammenstoß zwischen den beiden Parteien geführt. Anhänger Mosleys versuchten, eine Versammlung der Impeiial-Faschisten zu sprengen. Es kam zu einem offenen Kampf, in dem sich die Gegner mit Stühlen und Bänken bewarfen. Zehn Personen wurden bis zur Bewußtlosigkeit mißhandelt. Der Führer der Impeiial-Faschisten A. Liese und der Hauptredner der Versammlung General Blakcney wurden verletzt. Der Angriff der Mosley- Faschisten erfolgte, weil in dem Organ ihrer Gegner behauptet worden war, Mosley werde von den Juden beherrscht. Seine Bewegung werde durch Juden finanziert. In der Provinz entfalten die Imperial-Faschisten eine intensive Propaganda, insbesondere in jenen Kreisen, in denen Juden ins Parlament gewählt wurden. Vor kurzem wurde ein großes Meeting mit anschließender Straßenkundgebung in Isle Ely, das durch James Rot Ii s c h i 1 d im Unterhaus vertreten wird, veranstaltet. Der Führer Liese erklärte, ein einzelner Staat sei nicht in der Lage, die Judenfrage zu lösen; aber alle faschistischen Staaten zusammen könnten sich darüber einig werden, wohin die Juden gebracht werden sollen. Bis es so weit ist, sollen die englischen Juden kein Staatsbürgerrecht haben, vom Staatsdienst ausgeschlossen bleiben und kein Recht haben, Grund und Boden zu erwerben. Jüdische Einwanderung und Palästina-Finanzen Wie aus einer in der letzten Nummer der „Palest i n e Gazette" veröffentlichten Statistik hervorgeht, hat die Palästina-Regierung in den Monaten April bis September 1933 einen Verwaltungsüberschuß von 593.595 Pfund erzielt; im September allein betrug der Ueberschuß fast 85.000 Pfund. Die Einnahmen betrugen 1,774.052, die Ausgaben 1,180.457 Pfund. Die Zolleinnahmen allein erreichten in diesen sechs Monaten 818.400 Pfund. Der größte Ausgabenposten war der für Polizei, Gefängnisse und das transjordanische Grenzkorps. Für diesen letzten Zweck wurden in der ersten Hälfte des Finanzjahres 59.000 Pfund ausgegeben. Bei gleichbleibenden Finanzverhältnissen ist also damit zu rechnen, daß Ende März, bei Schluß des Finanzjahres, ein Verwaltungsüberschuß von 1 Million Pfund frreicht sein wird, Aus Genf: Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, besteht eine starke Meinungsverschiedenheit zwischen dem vom Völkerbund ernannten Hochkommissär für deutsche Flüchtlinge James MacDonald und der britischen Regierung in puncto Palästina. Die englische Regierung hat bei Gelegenheit der Schaffung des Amtes eines Emigranten-Hochkommissärs die Bedingung gestellt, daß Palästina aus dem Tätigkeitsbereich des .Hochkommissärs auszuschließen sei, da England seine Befugnis, als Mandatarmacht über den Umfang der Einwanderung in Palästina allein zu bestimmen, gewahrt wissen will. Der Völkerbundrat hat sich in einer vertraulichen Sitzung mit Englands Bedingung einverstanden erklärt und zugestimmt, daß Palästina aus dem Rahmen der Resolution, betreffend die Schaffung eines Flüchtlingsamtes herausfällt. James MacDonald war zu der Zelt, als er seine Zustimmung zu seiner Nominierung gegeben hat, über diesen Punkt noch nicht informiert. Nunmehr erachtet MacDonald den vertraulichen Beschluß betreffend Palästina als eine Beschneidung seiner Befugnisse und als eine Beeinträchtigung der ihm einzuräumenden Möglichkeiten, zugunsten der Flüchtlinge zu wirken. Er besteht auf seinem Recht, der britischen Regierung Forderungen betreffend Seßhaftmachung einer gewissen Zahl deutscher Flüchtlinge in Palästina unter einer besonderen Quote zu unterbreiten. Die zionistischen Kreise stehen in dieser Forderung hinter dem Hochkommissär. England steht auf dem Standpunkt, daß sich außer der Mandatskommission des Völkerbundes keine andere internationale Körperschaft in die Angelegenheiten Palästinas einzumischen hat. Das Jüdische Palästina im Abwehrkampf Die konstruierte „Illegale" Einwanderung (Von unserem palästinensischen N.-S.-Korrespondenten) J e r.u s a 1 e m, Ende NQyember; . . Die Araber haben vorläufig ihren Zweck .erreicht: Die palästinensische Regierung hat die blutigen arabischen Demonstrationen mit einer Einschränkung -der jüdischen Einwanderung honoriert und' damit den Arabern ' den weiteren Weg gewiesen. Sowohl in Palästina als auch außerhalb des Landes sahen gewisse Kreise die Zusammenstöße zwischen den arabischen Demonstranten und der palästinensisch-britischen Polizei als eine rein arabisch-englische Angelegenheit an. Heute denkt man anders. Man erkennt, daß der Zweck der Unruhen darin bestand, die Entwicklung des jüdischen Nationalheims zu stören. Aus dem scheinbaren Konflikt zwischen den Arabern und der britischen Administration hat sich eine Kooperation der beiden Faktoren herauskristallisiert, wie sie bisher in so krasser Form nicht zutage getreten ist. Man vergegenwärtige sich die Situation! Seit vielen Monaten führt die Zionistische Exekutive mit der Palästina-Regierung Verhandlungen bezüglich der Regelung der Touristenimmigration. Diese Verhandlungen haben nun ihren Abschluß gefunden — in einer Erklärung des Oberkommissärs an eine arabische Delegation. Die „Regelung" der jüdischen Immigration ist somit zum erstenmal auf Grund englisch-arabisch e r Abmachungen erfolgt. Die Regie hat tadellos geklappt. Die arabische Delegation wurde zu einer Besprechung eingeladen, sie unterbreitete dem Oberkommissär ihr Memorandum,, worauf dieser einen fertiggestellten Text als Antwort herunterlas. Das Memorandum der arabischen Delegation sowie die Antwort des Oberkommissärs sind in vieler Beziehung lehrreich und wert, näher betrachtet zu werden. Das arabische Memorandum stellt fest, daß im Mandat mehrere Stellen vorhanden seien,. wonach die Palästina-Regierung verpflichtet wurde, die Selbstverwaltung des Landes zu fördern, „damit das Land so selbständig werde wie Irak, Syrien und Transjorda-: nien". Die Gerechtigkeit ihrer Forderungen haben die arabischen Vertreter mit den Resultaten der seinerzeitigen Berichte von Sh a w und Simpson motiviert. Und nun, gestützt auf die Erklärung Wauchopes, daß die, jüdische Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeh* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Einwanderung sich nur "na'ch, der Auf nahm, s- •fähigkelt^des L ä n d e s vollziehen könne, bestreiten die Araber, daß eine weitere Einwanderung möglich sei. Die Lage der Juden in Deutschland und in Osteuropa könne keinen ' direkten Einfluß auf Palästina1 ausüben. Aber die das Wohlwollen der britischen Verwaltung fühlenden arabischen Nationalisten gingen noch weiter. Sie behaupteten, daß der jüdische Einwanderer, der mit 1000 Pfund ins Land komme, seih Geld nach kurzer Zeit verbrauche, die Zahl der Arbeitsuch enden vergrößere und daher dem Land keinen Nutzen bringe. Eine neue, unter der Aegide Wauchopes entstandene Taktik der Araber! Während sie bisher das Mandat als solches bekämpften, wollen sie jetzt durch Interpretation des Mandatstextes die jüdischen Bestrebungen untergraben. Auch hier haben sie wohlwollendes Entgegenkommen bei der Palästina-Regierung gefunden. Der Oberkommissär hat sich ihre Thesen zu eigen gemacht, verlangt bloß Ruhe und Geduld. Die beiden Faktoren, Oberkommissär und arabische Delegation sind voneinander mit der Zusicherung gegenseitiger Hilfe geschieden. Das Resultat der arabisch-englischen Unterredung wurde in Form eines Kommuniques veröffentlicht. Der jüdische Jischuw sah sich vor eine vollendete Tatsache gestellt. Er war überrascht, im Innersten getroffen, aber gleichzeitig zur Abwehr bereit. Ungefähr 14 Tage vor der arabisch-englischen. Konferenz hatte eine Sitzung des Waad Leurai (Jüd. Nationalrat) stattgefunden. Hiebei referierten die Vertreter der Zionistischen Exekutive über ihre Verhandlungen mit der Regierung, wobei zu ersehen war, daß diese ihre Maßnahmen gegen die „illegale Einwanderung" in Bälde zu verwirklichen beabsichtige. Die Vertreter des jüdischen Jischuw verlangten die Bekanntmachung der bevorstehenden Verordnungen, um die Möglichkeit zu einem Kampf gegen diese Verordnungen zu geben. Aber die Exekutive bestand auf der Geheimhaltung, mit der Motivierung, „daß sie noch mitten in Verhandlungen stehe, die nicht gestört werden dürfen". Aber die Tatsachen wurden bekannt. In die Oeffentliehkeit drangen Nachrichten, die ein ^anz eigen« „Three Stars' Kohle Koks Anthrazit mmmmmm höchster Qualitäten muh Bäsch/ IV/ Argentinierstraße 82 * Tel« Serie 11-47-5-40;'i i