Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 323 (17.11.1933)
- Date
- 1933-11-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freitag/ den 17* November 1931 Nr. 323 V. b* b+ Zeitung vom Verleget versendet «Journal expeclie par räditeor*« BEZÜOSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.30. vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.—;Poleni monatlich Zloty-2.-, vierteljährig Zloty 6.- T8Checho«lowakef monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 13.-: Jugoslawien monafllch Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-; Rumänien monatlich Lei 40.-. vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.-. vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, viertel ährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel* Jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, 7c/. B-48-504 — Ersdieint jeden Freitag REVUE I»' JUDENSTAATSPARTEI ÖSTERREICHS 1 VORANZEIGE s Am Samstag, den 25. November, um halb 9 Uhr abends im Festsaale des HOTEL CONTINENTAL, _ _s . ■ IL Taborstraße 4 1|| GROSSE ZIONISTISCHE KUNDGEBUNG! =I gegen die Sperre Palästinas! hbü ■■■ =2 Vnrtraorp.nrie? OtiMrhAnrM Rnhnrl S i r I c k e r.!W •» — Die Veranstaltung ist frei zugänglich Vortragende: Oberbaurai Robert Stricker, Dr.S. Wolf — Gegenstand Die Vorgänge in Palästina — Die Einwanderungsperre — Judennot überall — Programm der Judenstaatspartei Letzte Nadwidii aus Palästina Der Oberkommissär will Mandat und Balfour- Deklaration brechen! Vor Blattschluß erhalten wir von unserem Korrespondenten folgende Nachricht: Soeben ist eine Erklärung des Oberkommissärs General Wauchope bekanntgeworden, welche einen Bruch des Palästinamandates bedeutet. Nach dieser Erklärung wird die Regierung die jüdische Einwanderung so einschränken, daß an dem bisherigen Zahlenverhältnis zwischen Arabern und Juden (31/2 vi) nichts geändert wird. Auf den Vorhalt, daß mindestens 20.000 jüdische Arbeiter jetzt fehlen, erklärte General Wauchope, daß die Juden arabische Arbeiter anstellen sollen. (In letzter Zeit sind nämlich Araber unter Duldung seitens der Palästina-Regierung aus Transjordanien nach Palästina gekommen.) Auf die Frage, ob auch deutsche Juden ausgewiesen und ferngehalten werden sollen, antwortete General Wauchope mit ja. Im Lande herrscht fieberhafte Aufregung. Jagd auf judisdie Einwanderet in Palästina Aus London wird berichtet: Kolönienminister Sir Philip Cunliffe-Lister kündigte, im Unterhaus in. Beantwortung^. einer; Anfrage von Captath.' Peter BlacDonald strenge Maßnahmen gegen „illegale" Jüdische Einwanderung in Palästina an. Es gibt, sagte der Minister, zwei Kategorien von Einwanderern, die ohne Erlaubnis nach Palästina kommen: 1. Personen, die die Grenze ohne Erlaubnis überschreiten, und 2.' Personen, denen als 'Reisenden ein Aufenthalt bis zu zwölf Monaten gestattet wurde und die nach Erlöschen des Aufenthaltsrechtes im Lande verbleiben. Die Zahl der zur ersten Kategorie gehörenden Personen ist verhältnismäßig gering und wird durch Maßnahmen, die die Palästina-Regierung an der Grenze in Zusammenarbeit mit den französischen Behörden in Syrien trifft, noch weiter herabgedrückt. Bezüglich der zweiten Kategorie, die, wie festgestellt wurde, eine beträchtliche Zahl von Personen betrifft, hat der High Commissioner mit meiner Zustimmungvor kurzem folgende vorbeugende Maßnahme beschlossen: 1. Ein besonderer Beamtenstab wird mit der Durchführung genauer Erhebungen, betreffend die Zahl der als Touristen ins Land kommenden und dort illegal verbleibenden Personen, beauftragt, 2. Einem geschulten Beamten wird die Organisierung eines Ueberwachungsdienstes zur Kontrolle der Fremden, von denen angenommen werden kann, daß sie dauernd im Lande zu bleiben beabsichtigen, und zur Ausfindigmachung von Personen, die ohne Visum eingereist sind, übertragen. 3. Besondere Maßnahmen werden ergriffen werden/ um Personen, die Touristen- oder Transitvisa für Palästina erhalten, darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich im Lande nicht niederlassen, keine Arbeit annehmen und kein Arbeitsgelegenheit suchen dürfen. 4. Die britischen Konsular- und Paßkontrollbeamten bestimmter Länder werden die Instruktion erhalten, von allen .Reisenden mit Ausnahme derjenigen, die I. Klasse reisen, die Hinterlegung von 6 0 Pfund in bar als Kaution oder eine entsprechende Garantie einer angesehenen Bank oder einer anderen Institution zu verlangen. 5. Künftighin werden Personen* die bloß N a n s e n- P ä att-e; oder gleichartige Personaldokumente haben, nur in Ausnahmefällen Visa, erhalten. Ich möchte hinzufügen, daß die Berechnung der Halbjahrsquote für Arbeitereinwanderung auf der Basis der Aufnahmefähigkeit des Landes erfolgt. Der High Commissioner hat betont, daß er bei seiner Entscheidung den Faktor der unerlaubten Einwanderung mitberücksichtigt hat. Man wird bald einsehen, daß die Herabdrückung der unerlaubten Einwanderung auf ein Minimum im Interesse aller liegt. Die Zahl der zuzulassenden Einwanderer muß von der Aufnahmefähigkeit des Landes abhängig sein und diese zu beurteilen, ist Sache des High Commissioner. Es leuchtet ein, daß es wünschenswert ist, daß zur Einwanderung solche Personen zugelassen werden, die nach dem normalen Ausleseprozeß den erlaubten Weg einhalten. Ich bin überzeugt, daß der High Commissioner bei Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Palästina mit den vorzüglichen, großen Salonschlffen der direkten Eillinie TRI EST—JAFFA des LLOYD TRIESTINO Abfahrten Jeden Mlttwooh um 1 3 U hr Ferner: Luxuselllinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Ceylon, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Au3k.; Lloyd Trlestlno, Wien I, KSrntnerrlng 6, Tel. 47-5-60 —■■—■—— 11 1 .; 1 111 11 1 ———— der Durchführung dieser Politik von allen: Seiten. unterstützt werden wird. Diese :— anscheinend unter dem Drucke der arabischen Exekutive —- vom Koloninlminister'•• angekündigten Verfügungen gegen die jüdische Einwanderung müssen, wenn' sie tatsächlich durchgeführt werden, zu einer Katastrophe in Palästina und in der Galuth führen. Man braucht nur in Betracht zu ziehen, daß von den 50.000 Menschenf welche in den letzten zehn Monaten nach Palästina gekommen, mindestens 40.000 als „illegale" Einwanderer anzusehen sind. Sie haben sich im Lande eingeordnet, fallen niemandem zur Last, arbeiten schwer und erfolgreich. Jetzt sollen sie wie „Verbrecher" bespitzelt und verfolgt werden. Und in der Galuth werden durch die Absperrungsmaßnahmen Hunderttausende * zur Palästina-Fahrt bereite Juden in Verzweiflung versetzt. Im Monat September allein sind über 4000 Juden ins. Land gekömen." Die Palästina-Regierung aber hat für dienächsten sechs'Monate lediglich 3 0 00 Zerti-: fikate bewilligt. Kaum den zehnten Teil des vorauszusehenden Bedarfes. Die Wirkung der neuen Verfügungen ist schwer vorstellbar. Wir, England und das Weltgewissen Von Meir Großmann (London-Tel-Awiw) Ohne Unterlaß schreibt und spricht man allorten' über die tragische Lage der jüdischen Massen. Aber erst wenn man in direkte Berührung mit der jüdischen Gasse kommt» versteht man das Drama» das sich hier abspielt. Worte verwandeln sieh in lebendige Menschen« Publizistik in tiefe, persönliche Erlebnisse. Es genügt, einige Tage in einer polnischen Provinzstadt zu verbringen, um in sich den Drang nach irgend einer Tat, vielleicht nach einem lauten Schrei zu verspüren. Hunderte Menschen gehen an einem vorbei, alte und junge, unter deren Füßen der Boden schwindet. Der Lebensraum wird immer mehr eingeengt. Und in jedem jungen Menschen reift der Entschluß, wegzugehen, weil er hier nichts mehr zu suchen hat. Natürlich geht das Leben seinen Gang. Man ißt und trinkt und arbeitet ein wenig oder sucht Arbeit. Es fehlt aber diesem Leben das Bewußtsein irgend einer Stabilität, einer gewissen Sicherheit für den morgigen Three Slars // Kohle Koks Anthrazit ■WM HÖCHSTER QUALITÄTEN IMnaanaanaaV Basdi, IV, Argenti'm'erctraße 22 ♦ Tel. Serie U-47-5-40 Tag. Jausende junge Menschen, voll von unausgenützter, Energie, die zu jeder Arbeit entschlossen sind, gehen müßig und mit leeren Händen herum, versunken in eine Lethargie, von deren Tiefe man sich keine Vorstellung machen kann. Aber wie immer bei uns Juden ist irgendwo eine Hoffnung verborgen, die den Lebensmut erhält. Zur Zeit ist es Palästina. Alles, buchstäblich alles bückt jetzt mit träumenden Augen auf Palästina. Von dort wird die Erlösung kommen. Nicht bloß für die Gesamtjudenheit, sondern eben auch für jeden einzelnen Juden. Die Briefe, die — oft Ubertrieben und naiv — „von dort'« kommen, wirken wie ein Narkotikum. Alle persönlichen Projekte werden mit der Auswanderung nach Palästina verbunden,, wo man sich endlich einordnen wird. Der Glaube, daß es dort besser, sicherer, stabiler sein werde, ist felsenfest. Man ist zu jedem Opfer entschlossen, um nur das seidenweiche, gelbe Ufer von „Erez" unter die Füße zu bekommen. Würde man heute die Tore Palästinas ein wenig breiter öffnen, würde sich ein mächtiger menschlicher Strom nach Palästina ergießen: Die halbbankrotten Kaufleute, die arbeitslose Jugend, die chancenlose professionelle Intelligenz, der kleine Händler ... All das wäre, „wenn" und „falls". Inzwischen erstickt man, wie Menschen in einer zugeklappten Falle. Der Druck konzentrierter Aussichtslosigkeit bringt dit Nerven zum Zerreißen, Und die himmelschreiende Utt-«