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Die neue Welt · 1933-11-03 · Heft 321 (3.11.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 321 (3.11.1933)
Date
1933-11-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 321 Jüdische Unternehmer werden verjagt Aua Deutschland wirft uns geschrieben: Die Hitler- Regierung gibt in Erklärungen und Erlässen kund, daß sie in Handel und Gewerbe den Juden freie Lebensmöglichkeit läßt. Ein Teil des Auslandes ist auch geneigt, diesen Versicherungen Glauben zu schenken. In Wirklichkeit liegen die Dinge so, daß man die kleineren jüdischen Firmen wohl bestehen läßt, aber durch Boykott und Steuerdruck ausblutet. Großen, kräftigen Unternehmungen aber rückt man direkt an den Leib und geht mit mehr oder minder verhüllter Enteignung vor. Die jüdischen Inhaber großer blühender Firmen werden genötigt, ihre Geschäftsanteile zu „verkaufen". Man kann sich leicht vorstellen, unter welchen Bedingungen. Nachstehend zwei Meldungen über solche „Gleich- und Umschaltungen". So nennt die Hitler-Presse diese Beutezüge gegen jüdische Unternehmungen. Das Wort Enteignung ist verpönt. Aus, Breslau wird gemeldet: Der.Inhaber der jüdischen Firma B i e 1 s c h o w s k y G. m. b. H., Breslau, Beuthen OS., Gleiwitz, eines der bedeutendsten Leinenhäuser Deutschlands, hat Veranlassung genommen, den bereits seit längerer Zeit gefaßten Plan einer U m s c h a 1t u n g zu verwirklichen. Dieser Entschluß erfolgte. auch, um eine große Arbeitsstätte des Ostens und damit 70 0 Arbeitnehmern den Arbeitsplatz zu erhalten. (Wie bereits gemeldet, wurden alle jüdischen Angestellten der Firma Bielschowsky unter dem Vorwand, daß sie die Klosetts mit Anti-Hitler-Parolen beschmiert hätten,-fristlos und entschädigungslos entlassen.) Zur „Ueberbrückung" der für die „Um- Schaltung" notwendigen Zeit ist ein arischer Wirtschaftsf.ührer beauftragt, die hiezu erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Dieder Wirtschaftsführer, hat das alleinige Verfügungsrecht in der Firma und die Aufgabe, das Geschäft im Sinne einer Umschaltung in arische Hände zu überführen. Herr Bielschowsky und seine sämtlichen Famienmitglieder sind von der Leitung des Betriebes zurückgetreten. Die Familie S c h a t z k y, Gründerin und Besitzerin der seit fast 50 Jahren bestehenden Firma „Großdruckerei und Verlag der Th. Schatzky. Aktiengesellschaft" nebst der im vorigen Jahre eingegliederten S c h e n k a 1 o w s k y- Aktiengesellschaft, hat ihren Aktienbesitz an Herrn Fabriksdirektor Dr. Sommer, einem A r i e r, verkauft. Zwei Brüder Aus Berlin: Hier starb nach schwerer Krankheit Dr. Heinrich Joachim, einer der besten Kenner der ärztlichen Rechtsbeziehungen. Er verfaßte eine Reihe von wissenschaftlichen Werken auf ärzterechtlichem Gebiet, u. a. gemeinsam mit Justizrat Korn das zweibändige „Deutsche Aerzterecht". Das älteste Buch über Heükunde, den Papyrus Ebers, hat er zum ersten Male aus dem Aegyptischen übersetzt. Bis zum März war Dr. Joachim Schriftführer der Berliner. Aerztekammer und leitete bis dahin auch die Berliner Aerztekorrespondenz seit ihrer Begründung im Jahre 1896. Sanitätsrat Dr. Joachim war im März. d»: J. zusammen mit seinem Bruder, dem Rechtsanwalt Dr. Joachim, von SA.-Leuten ve r sch 1 eppt und erst nach mehreren Tagen freigelassen. worden. Rechtsanwalt Dr. Joachim erlag kurz darauf den in der SA.-Haft'. erlittenen grauenvollen Mißhandlungen.' .; Minister Goebbels hetzt weiter. , Aus B r e s 1 au:. Reichsminister Dr. G o e b b e 1 s hielt in der Jahrhundert-Halle in Breslau eine große Rede, in der er zur Lösung der Judenfrage unter anderem folgendes sagte: „Die Kritik des Auslandes hat sich über die Lösung der Judenfrage laut beschwert. Wir haben ihnen aber in den acht Monaten nicht so viel angetan, wie sie uns in den. vergangenen vierzehn Jahren. Die Völker des Westens berufen sich immer auf ihre Demokratie. Demokratie heißt nichts anderes, als daß der Wille des Volkes oberstes Gesetz ist. Was wäre geschehen, wenn wir die Lösung der Judenfrage dem Volk selbst nach diesen demokratischen Gesetzen Uberlassen hätten? Denn das Volk ging in seinen Wünschen viel weiter, als die Regierung es getan hat. Verdient haben unsere jüdischen Mitbürger unsere Nachsicht nicht. Sie ist ihnen zuteü geworden aus unserer übergroßen Anständigkeit. Ob sie von Bestand sein wird, hängt von den Juden ab." Aus Dresden: Reichsminister Dr. Goebbels eröffnete die Reichstagswahlprogaganda mit einer großen Rede in Dresden, in der er auch auf die Judenf rage zu sprechen kam. Er erklärte, die Regierung hätte den Juden in den letzten acht Monaten weniger angetan, als diese dem deutschen Volk in vierzehn Jahren. Im Bericht des „Berliner Tageblatt" wird mitgeteilt, Dr. Goebbels habe in seiner Besprechung der Judenfrage gesagt: „Wir haben an dieser Frage das gelöst, was zu lösen war, und sie ad acta gelegt." Juden sollen aus dem Handwerk hinausgestoßen werden Aus Berlin: Auf der Deutschen Handwerkerwoche, die vom 15. bis 22. Oktober dauerte und von der das jüdische Handwerk ausgeschlossen war, hielt der Vorsitzende der Deutschen Handwerkskammer, Loh mann, eine Ansprache, in der er es als das Ziel des deutschen Handwerks hinstellte, dieses von Juden tu säubern, Oeges das Sindlingen des zerstörenden ERFOLG R EICH/TER KLAVIERUNTERRICHT Spezialistin für Unbegabte, Schwerlernendc s 3.—_ üeDungsgeicflennelt _ Nach bester, modernster Methode Ria Hahn, Wien II, Obere Donaustraße 19/35 jüdischen Einflusses in das Handwerk müssen die schärfster. Mittel eingesetzt werden. Zum Schluß erklärte Lohnmnn, seine Ausführungen basieren auf den Lehren Adolf Hitlers und Theodor Fritschs. Auswirkungen der Nazi-Herrschaft in Danzig Aus Danzig: In Danzig wurde nach dem Muster des Kulturbundes der deutschen Juden ein jüdischer Kulturbund geschaffen, für den die früher in Danziger Kunstinstituten tätig gewesenen jüdischen Künstler, die wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum entlassen wurden, wirken werden. Die Eröffnungsveranstaltung fand in der großen Danziger Synagoge in Anwesenheit von 2000 Personen statt. * Auf dem gesamten Gebiet der Freien Stadt Danzig" wird nach deutschem Muster eine Winterhilfsaktion durchgeführt. Auf einer in Zoppot abgehaltenen Versammlung erklärte der Kommissär für die Winterhilfe, Senator Batzer, jüdische Hilfsbedürftige würden durch die offizielle Winterhilfe nicht bedacht werden, ihre Unterstützung sei Aufgabe der jüdischen Oeffentlichkeit.— Aber die Juden müssen für die „offizielle«« Winterhilfe zahlen! Nach dem Austritte Deutschlands aus «dem Völkerbund Aus London: In maßgebenden jüdischen Kreisen befürchtet man, daß der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund die Position der Juden in Deutschland neuerdings verschlechtern wird, weil nunmehr der Völkerbund nicht in. der Lage ist, einen moralischen Druck auf die deutsche Regierung zugunsten der entrechteten und verfolgten Juden auszuüben. Eine Erleichterung sieht man darin, daß Deutschland auch nach seiner Austrittsanmeldung noch zwei Jahre lang Mitglied des Völkerbundes bleibt, so daß die Völkerbundinstanzen während dieser Periode die Kompetenz haben, die deutsche Judenfrage zu behandeln und nötigenfalls in Aktion zu treten. Doch ist man sich darüber klar, daß der von den Juden in außerdeutschen Ländern zur Wiederherstellung der Rechte der deutschen Juden geführte Kampf von jetzt ab sich nach völlig neuen Richtlinien vollziehen müsse. ,Die Presse in England und in verschiedenen anderen Ländern macht sich die Ansicht Genfer Kreise zu eigen, daß zwar die Uneinigkeit in der Abrüstungsf rage für Deutschland den Ausschlag zum Austritt aus dem Völkerbund gegeben hat, daß aber schon die Einmütigkeit der Vertreter aller Länder im Völkerbund in der Behandlung der deutschen Judenfrage und die hiedurch zutage getretene vollkommene Isolierung Deutschlands befc der deutschen Regierung den Entschluß hat reifen lassen, aus dem Völkerbund auszuscheiden. Mit einiger Besorgnis sieht man dem Schicksal der deutschen Juden im Zusammenhang mit denkommenden Wahlen und der Volksabstimmung entgegen, doch sind die englischen Blätter , der Meinung, daß sich die Propaganda anläßlich der Wahlen einzig und allein auf die Abrüstungsfrage konzentrieren und die innerpolitischen Aspekte, die Judenfrage eingeschlossen, außer Betracht lassen wird. Maßgebende jüdische Persönlichkeiten teilen diesen Optimismus nicht. (Anm. d. Red.: Der Verlauf der . Wahlkampagne in Deutschland beweist, daß die Optimisten unrecht haben. Er vollzieht sich im Zeichen erhöhter Judenhetze.) * Aus Berlin: Graf Ernst zu Reventlow widmet in der soeben erschienenen Nummer 41 der von ihm herausgegebenen Wochenschrift * „Reichswart" dem „Judenproblem in Genf* eine Betrachtung und kommt zu der Schlußfolgerung,, daß die Regierungen aller Länder durch Aufrollung der deutschen Judenfrage zwar Deutschland Unbequemlichkeiten bereiten wollten,, selbst aber die Zumutung von sich weisen, deutsche Juden aufzunehmen. „Im ganzen," schließt Reventlow, „stellen wir mit Genugtuung fest: Das sogenannte jüdische Problem steht zur internationalen Erörterung und wird sicher niemals wieder dauernd aus ihr verschwinden. Daß Deutschland seinen Weg zur Ausmerzung des Judentums unentwegt verfolgt in dem den jeweiligen Verhältnissen angemessenen Tempo, versteht sich von selbst. Das ist in der Tat eine innerdeutsche Angelegenheit und „die Menschheit" wird Deutschland einmal für seine Initiative danken. Ein großes Legat für Hachschara der jüdischen Jugend Jugoslawiens Aua Belgrad: Der vor kurzem in Zagreb verstorbene Direktor der größten Lederfabrik auf dem Balkan, Edmund Friedfeld, setzte die jüdische Gemeinde in Zagreb zum Erbverwalter seines Unterlassenen be träcbUicnen Vermögens ein, das aus mobilen und ünmo bilen Werten besteht und das samt Zinsen zur produktiven Ausbildung der jüdischen Jugend Jugoslawiens, hauptsächlich für ein Arbeitsleben in Palästina, dienen soll. Die jüdische Gemeinde in Zagreb hat die Erbschaft angenommen und wird das Legat seinen Zwecken gemäß verwalten. Deutsch-antisemitische Propaganda in Südafrika Aus London: Der Korrespondent der „Times'* in Kapstadt weiß zu melden, daß unter den Juden Südafrikas Erregung und Beunruhigung über die im Bundesstaat auf deutschen Einfluß hin betriebene antisemitische Propaganda herrschen. Auf großen Maueranschlägen sowie auf kleinen Zetteln von der Größe einer Briefmarke, die von unbekannter Hand auf die Bücher der öffentlichen Bibliotheken geklebt werden, werden die nationalsozialistischen antisemitischen Grundsätze verbreitet. Die Propaganda geht von der Organisation der „G r a u h e m d e n" aus, die ganz unter deutschem Einfluß stehen. Eine nationalsozialistische Schutzstaffel unter Befehl eines Sturmtruppführers kommt nach Südwestafrika, angeblich um die Spaltung im Deutschen Schulverein beizulegen. Die Mehrheit des Schulvereins hatte nämlich seinen Vorsitzenden Dr. Brenner, der als überzeugter Nationalsozialist aus Deutschland zurückgekehrt war, abberufen. Der vorbereitete Gesetzentwurf, der den Nationalsozialismus für illegal erklärt, ist vom Generalgouverneur Südwestafrikas noch nicht unterzeichnet worden, so daß der Nazipropaganda kein gesetzliches Hindernis entgegensteht. Jüdische Kaufleute erhalten durch die Post mit Hakenkreuzen bemalte pöbelhafte Briefe. Ein Jude Bürgermeister in Kapstadt Aus Kapstadt: Zum Bürgermeister von Kapstadt wurde vor kurzem Louis Gr an der, ein Jude, gewählt. Die Einführung Granders in sein Amt vollzog sich in einer großen Zeremonie. Grander, der in allen «Bevölkerungskreisen Kapstadts sehr populär ist, wurde in Bialystok geboren und wanderte als fünfjähriges Kind mit seinen Eltern nach England und von dort nach Südafrika aus, wo er seit 35 Jahren ununterbrochen wohnt. Auch seine Frau, eine geborene Reinhold, wufde in Bialystok geboren. Judis«Jie Kunststelle II., Aspernbrückengasse 2, Tel. R-48-2-91, Bürostunden: 9 bis 19 Uhr. Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten zur Verfügung: Burgtheater: Sonntag, 5. November, „König Ottokar". Staatsoper: Samstag, 4. November, „Boris Gudonow". ~ Sonntag, 5. November, Balletabend. - Deutsches Volkstheater, Scala, Kammerspiele, Theater an der Wien, Moulin Rouge, „Der liebe Augustin". Samstag, 4. November, 8 Uhr, Künstlerspiele „P an". Abend jüdischer Kunst (Szene aus Ernst Hardts „Saiomo", Gertrud Kraus, J. Stutschevsky, „Das jüdische Lied im Bild". Dienstag, 7. November, Großer Saal des Konzerthauses: „Hanigun", jüdischer Männerchqr aus Deutschland. Sensationskonzert! :l . . Eröffnung der Jüdischen Bühne in Wien. Der bekannte jüdische Schauspieler Adolf Bell hat die Direktion der jüdischen Bühne übernommen. Der Theatersaal, Wien, II., Praterstraße 60, wurde renoviert und Künstler von Rang wurden aus dem Ausland für die ganze Spielzeit verpflichtet. Es wurde alles getan,' um dem jüdischen Theaterpublikum Gediegenes zu bieten. Die Direktion und die Schauspieler der Jüdischen Bühne, IL, Praterstraße 60, erhoffen nunmehr vom Wiener Jtidentum einen regen Besuch. Jüdischer Lieder- und Violinabend. Hilda Dulizkaja und Adolf Leibovici. Die bekannte Künstlerin wird am 19. November 1933 im Festsaale des Hotel Continental nach einer längeren Pause wieder vor das Wiener Publikum treten. Die Künstlerin bringt eine Reihe neuer Volks-, hebräischer, synagogaler und Palästina- Lieder. Gleichzeitig tritt auch der Geigenvirtuose Leibovici auf. Karten für diesen Abend sind zu haben: Bücherstube Rath, Taborstraße 24, „Jüdische Kunststelle" n., Aspernbrückengasse 2 und im Hotel Con* tinental. „Hanigun", die dreißig jüdischen Sänger Dreißig jüdische Sänger, ehemalige Mitglieder deutscher Opernhäuser, haben sich zu einem Chor vereinigt, der unter Leitung Gh. Winawers synagogale Gesänge sowie jüdische Volkslieder zur Aufführung bringt. Der Chor hat bereits in verschiedenen Städten des In- und Auslandes konzertiert und hat überall geradezu sensationelle Erfolge errungen. Das erste Wiener Auftreten des Chores findet am 7. November, J^S Uhr abends im Großen Korizerthaussaal statt. Karten für das Konzert am 7. sind an der Konzertkasse Dr. Hohenberg, I., Oper (Operngasse), sowie an der Konzerthauskasse und in der Jüdischen Kunststelle erhältlich. ■ Folgen Sie dem Beispiel vieler Tausender kluger und sparsamer Frauen ... wählen auch Sie Ihren Wintermantel unter den vielen entzückenden Mantelschlagern, die jetzt Schiffmanns „Warenhaus der Sparsamen" bringt. Jeder Mantel — vom einfachsten bis zum feinsten Genre — ist in seiner Art eine unerreichte Höchstleistung in Qualität, Eleganz, tadelloser Paßform und Tiefpreis. Auch das Wollstoff- und Seidenkleid für die Straße, für den Abend bietet Ihnen Schiffmann in neuesten Fassons, geschmackvoller Ausführung und in den modernsten Farben zu Preisen, die Sie angenehm überraschen werden. Die Vorzugspreise der „Schlager-Woche" bleiben auch in allen anderen Abteilungen (Stoff- und Seidenabteilung, Strickwaren« abteilung, Schuhabteilung uswi) weiterhin in Geltung« Sparsame aller Bezirke eilen zu Schiffmann, II., T&bor* straße 48, s

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