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Die neue Welt · 1933-10-04 · Heft 317 (4.10.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 317 (4.10.1933)
Date
1933-10-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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tBsnt Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Mfttwodi/ den 4* lober N» 317 V "*«tnng vom Verleger *//Äy M exp6di6 par Sh'h,io'H BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig 84.20, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vlerteltthrtR Zloty 6.-, Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-; Romtnlen mpflttUcb Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa,«.-, vierteljlhrtf Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.-. vierteljährig Lire 14.—; Schwel« und die übr igen Länder monatlich Schweizer Franc« 1.80,',vferteC jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätssir, 6-8, lel B-48-504 .— Erstheint jeden Freitag REVUE Ein Lichtstrahl Die Judenfrage in das Licht internationaler Betrachtung und Behandlung stellen — diese Forderung Theodor Herzls, des Judenstaatlers, erscheint uns angesichts der Genfer Völkerbundversammlung als am Beginne ihrer Erfüllung stehend. Denn hier wurde und wird die Judenfrage aus dem aktuellen Rahmen der deutschen Judennot hinausgehoben und einer Erörterung unterzogen, die sich den zionistischen Prinzipien nähert. Die Diskussion in Genf bezog nämlich ihre stärksten und wirksamsten Argumente nicht allein aus den sittlich-humanitären Grundrechten, sondern auch — in bezug auf die Juden — aus der Idee, daß man es hier mit einer nationalen Minderheit zu tun habe, deren Zusammenleben mit dem „Staatsvolk" vom Völkerbund aus zu regeln sei. Dazu kam noch im gegenwärtigen Augenblick die Frage der Emigration und der Emigranten. So wurde aus der Judenfrage ein Problem internationaler Politik. Eine Reihe führender Persönlichkeiten rollte das Problem der jüdischen Minderheit in Deutschland auf. Der holländische Außenminister de Graeff befaßte sich mit dem kontreten Fall der jüdischdeutschen Emigration als einer wirtschaftlichen Angelegenheit derjenigen Staaten, nach; denen sich die Auswanderung ergießt, und verlangte vom Völkerbündrat die Einsetzung einer für die: Emigrationsregulierung bestimmten Summe in das Völkerbundbudget für 1934. Dieser Antrag, wurde dem zweiten entscheidenden Ausschuß der Völkerbundversammlung "— bei Stimmenthaltung der deutschen Delegation .— überwiesen. Aber man ging in Genf noch einen Schritt weiter. Im Anschluß an die Berichte der Mandatskommission regte der norwegische Vertreter Lange eine, Aussprache über, die Auswanderung deutscher Juden nach Palästina an. Jetzt segelte die Völkerbundtagung im Fahrwasser jener zionisti-. sehen Prinzipien, die immer und überall Englands Mandatsverpflichtung in bezug auf Palästina völkerrechtlich betont sehen wollen. Der tschechoslowakische Außenminister Dr. Bett e s und der rumänische Delegierte Antoniade Wandten sich direkt an die englische Mandatsmacht und legten ihr nahe, unverzüglich die Vorarbeiten für eine Masseneinwanderung deutscher Juden nach Palästina in Angriff zu nehmen. Auch der polnische Delegierte Radzynski sprach in diesem Sinne. Vom englischen,Vertreter erfuhr man, daß die britische Regierung im Einvernehmen mit Deutschland die Zahl der in Palästina einwandernden deutschen Juden auf tausend im Monat kontingentiert habe. Norwegen, Holland, Tschechoslowakei, Rumänien, Polen, England haben also die aktuelle und die chronische Judenfrage vor dem Forum des Völkerbundes Revue passieren lassen. Und das jüdische Volk? Die Zionistische .Weltorganisation als der Judenstaat unterwegs? Wo sind sie geblieben? Wo war ihre Stimme zu hören? Zwar konnte man lesen, daß „zionistische Vertreter", Männer der Zionistischen Exekutive in . Genf seien, um den „Gang der Völkerbundverhandlungen zu verfolgen", aber von einem aktiven Einschreiten, von einer der Not und Würde und Selbstachtung entsprechenden Initiative unserer legitimen Interessen- Vertreter war keinen Augenblick, die Rede. Der Durchbruch der Erkenntnis bei den Völkerbundvertretern, daß die Judenfrage ein Internat i o n a 1 e s Problem sei, da» international gelöst werden müsse; die Forderung einzelner Mächte an England, dem jüdischen Verlangen nach dem Aufbau Palästinas Rechnung zu tragen; die Aufrollung der jüdischen Flüchtlingsfrage in Genf und der zum Ausdruck gekommene Wunsch, sie praktisch zu lösen — all das ist ein Lichtstrahl im Dünkel der gegenwärtigen Judennot. Aber gerade diese Feststellung läßt das Fehlen der zionistischen Aktivität um so bedauerlicher erscheinen. Die Zionistische Weltorganisation als das Instrument des jüdischen nationalen Willens, als der Judenstaat unterwegs, wurde nie so sehr vermißt wie gerade jetzt, wo die Judenfrage endlich im Herzischen Sinne zur Diskussion steht. Das jüdische Volk kann gerade angesichts der internationalen politischen Situation in Genf zum Herrn seines Schicksals werden. Zweifellos? Je d o ch k ei ne sfa II s unter der Füh« rung von Parteien, in denen der Judenstaatsgedanke nicht lebendig ist. Nie war die dynamische Kraft des Judenstaatszionismus wichtiger und erfolgversprechender als gerade heute — in den Tagen der Genfer Völkerbundbesprechungen, o. r. Zum Attentat auf Bundeskanzler Dr. Dollfuß Das Dienstag, den 3. Oktober, auf Bundeskanzler Dr. D o 11 f u ß verübte Revolverattentat bat in der Österreichischen Judenschaft große Bestüjrzung hervor-*, gerufen. Zum Glück, erfuhr, man kurze Zeit; nach dem mörderischen Ueberfall, d«ß die. Verletzungen nicht gefährlich seien und mit einer baldigen Wie^erhers^Vhiirg des österreichischen Regierungschefs gerechnet werden könne. SCHLANK, GESUND, JUNGourch DIE NEUE „18 TAGE-KUR" UNTER FACH ÄRZTLICH ER LEITUNG IN OER WELTBERÜHMTEN KURANSTALT DlflNABAD WIEN TEL A-47-5-20 Diese neue Kur erzielt die erwünschte Gewichtsabnahme auf die erfolgreichst« und angenehmste Art durch ein plan« mäßiges, der Individualität angepaßtes Zusammenwirken von Diät, Gymnastik, Bädern, Massage, Bestrahlungen, Haut« und Teintpflege etc., verbunden mit einem Willens- und Atmungstraining bei ständiger ärztlicher Überwachung, des allgemeinen Gesundheitszustandes, AUF VERLANGEN AUSFÜHRLICHER PROSPEKT Die Wiener Israelitische Kultus gem e i n d e hat veranlaßt,, daß anläßlich des Sukkoth- Festes in den Synagogen Dankgottesdienste ob der. Er* rettung des Kanzlers abgehalten werden. - '• JDIe »»Jüdische Volk sparte i .Oesterr ei'c h s" hat dem Bundeskanzler die herzlichsten Glückwünsche Ubermittelt und ihren Abscheu gegen das grausige Attentat zum Ausdruck gebracht. Jüdisch-nationales Minderheitsrecht Die einzige Lösung Die jüdische Assimilation in Deutschland mit der eigenen Waffe geschlagen. — Eine ernste Lehre in letzter Stunde für das Judentum in Oesterreich Endlich hat sich im Völkerbund die Ansicht durchgerungen, daß die einzige Möglichkeit, die Juden'—- vor allem die Juden Deutschlands — vor antisemitischer Barbarei zu schützen, darin zu suchen ist, daß man die Juden unter nationales Mi nderheitsrecht, garantiert durch den Völkerbund, stellt. Die Richtigkeit dieser Auffassung ist auch daran zu erkennen, daß sich die Delegierten Hitler-Deutschlands mit allen Kräften gegen diese Auffassung wehren. Sie wollen sich ihr jüdisches Opfer nicht entreißen lassen. Leider können sie sich bei diesem Kampf auf ein Zeugnis berufen, das ihnen die assimilierte deutsche Judenschaft selbst ausgestellt hat. Sie berufen sich darauf, daß die deutschen Juden selbst keine Nation sein wollen, daß ihnen daher keine Minderheitsrechte gebühren. Hier tritt die Sinnlosigkeit und Schädlichkeit der jüdischen Assimilation kraß zutage. Die jüdischnationale Lösung erweist sich als die einzig mögliche! Aus Genf wird berichtet: Mit einer Sensation erregenden Erklärung eröffnete der deutsche Vertreter v. Keller die Minderheit'end e b a 11 eu in der sechsten Kommission mit einer grund- AUe im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes < E bezeichnet Three Stars' Kohle Koks Anthrazit ■■■■■■■■ HÖCHSTER QUALITÄTEN HHM Bäsch/ IV/ ArgenliniefStraße 22 ♦ Tel. Serie U-47-5-40 sätzlichen Erklärung, die bestimmt ist, den zu erwartenden heutigen Ansturm gegen Deutschland von vornherein abzuschwächen. Er sagte, wenn man an da» Problem der Minderheiten herangehe, sei eine grundsätzliche Auseinandersetzung Uber das Nationalitätenproblem notwendig. Diese Auseinandersetzung, habe sich in Deutschland besonders stark vollzogen, wo man das Bekenntnis zum Volkstum, das heißt zur Zusammengehörigkeit aller, die 'durch gemeinsame» Blut, gemeinsame Sprache sowie durch die gleiche Kultur und Sitte verbunden sind, in den Vordergrund stellt. Dr. v. Keller erinnerte an die Worte Hitlerg, daß das deutsche Volk sich mit den in aller Welt lebenden Deutschen unlöslich innerlich verbunden fühle. Es habe darum für die gleichen Gefühle und Lebensintereasen anderer Völker volles Verständnis. „Wir lehnen grundsätzlich", sagte v. Keller, „jede Assi'milierung ab. Wir kennen den Begriff des Germanisierens nicht." Er wandte sich dagegen, daß man die Judenfrage verschiedentlich mit der Minderheitenfrage verquickt habe. Es gehe nicht, an, dieses besonders gelagerte Rassenproblem ohne weiteres mit der sonstigen Minderheitenfrage zu verquicken. V Die Juden seien in Deutschland weder eine sprachliche noch eine nationale Minderheit und hätten nie den Wunsch geäußert, als solche behandelt zu werden. Es handelt sich in Deutschland in erster Linie um ein bevölkerungspolitisches und soziales Probien}, verschärft durch die starke Wanderung des Judentums von Osteuropa nach dem Westen. Es ist ein Problem, das als solches auch eine besondere Lösung werde erfahren müssen. Keller meinte feststellen zu können, daß dies auch außerhalb Deutschlands anerkannt werde« Deutschland sei bereit, den Gedanken der Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes unter den Auspizien des Völkerbundes zu erörtern, aber nie h/t mit Bezug auf die Juden. Gegenüber dieser bösartigen und hinterhältigen Erklärung des Vertreters Deutschlands stellte der französische Delegierte Beranger mit aller Schärfe einen Wandel in der Haltung der Deutschen fest, die nach ihrer früheren Einstellung in Genf doch daran interessiert sein sollten, die Kompetenz des Völkerbundes lft

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