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Die neue Welt · 1933-09-29 · Heft 316 (29.9.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 316 (29.9.1933)
Date
1933-09-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 fftffag, de» is? <«*3 Tf«. Vn Nr* IIA V* b« b» Zeitung vom Verleger versendet —» exp&iie par i'editetir*. ,V0""'ttfaWWiott BEZUOSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, ttanziährle S16.--;Polen monatlich Zloty'2.—, vierteljährig Zloty6.-, Tschechoslowake! monatlich Kc 6.-, viertel ährig Kc 15.-; jngoslawlen monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-: Rntntnlen .monatlich Lei 40.-. vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.-, viertel ährig Mark 3.-; Bolgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 120!-; Italien monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14,-; Schweiz und die übr lgea Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag REVUE Der nationale Charakter des Versöhnungstages Von Dr. Israel Zwi Kann er. Seit dem Beginn der zionistischen Aera begnügt man sich nicht mehr mit dem religiösen Charakter der Feste. Man hebt auch ihre nationale Bedeutung hervor. So kam es, daß alle Feste sowohl den religiösen als auch den nationalen Juden Befriedigung brachten. Jedes Fest erhielt zwei Mäntel. Manchmal erwies sich der nationale Mantel als der berechtigtere, und man sah keinen Grund, einen zweiten Mantel zur Bekleidung bereit zu halten. Purim, Pessach, 9. Ab und Chanukah erwiesen sich als historische nationale Schöpfungen. Andererseits gab es Feiertage, die man zwar wegen ihres religiösen Kerns feierte, aber auf keinen Fall in ihnen einen Zusammenhang zwischen Mensch und Mensch, Volk und Volk zu erblicken vermochte. Schon zur Zeit, da die anderen Völker keinen Verkehr mit Menschen,, sondern .mit Tieren kannten, täglich mit dem Gewild des Feldes kämpften, würde Irael am Sinai der Versöhnungstag gepredigt. Der Laie sieht.in ihm einen,|X!ag; des Fastens und langen Betens. Der Orthodoxe, bekennt an ihm die Sünden .des ganzen Jahres und; versucht, durch inbrünstiges Flehen sich mit Gott zu versöhnen. Doch war . man auch schon über, diese beiden. Stadien der Auffassung •.des: ■Versöhmingsf estes;;. .hj^{|;^sge)^ojapten; aus der hebräischen Pluralform deg; Horief,,XJj^/ffippurüii.- Tag der Versöhnungen)..'lehnte man Iml^ sowohl, eine .Versöhnung mit Gott lals auch: .eine. Versöhnung; mit .den«. M.ensohen,v omit-:denj:]«diyji(|uien. Da traten die Propheten auf; und. lehrten .jenen Tag als den Tag, den die Völker ersehnen, den sie wie aufgehendes licht erwarten, an dem kein Volk gegen das andere das Schwert erhebt.; . . . Sonderbar : Man hatte viele Feste dem Judentum entlehnt, — vor dem Versöhnungstag scheute man zurück. Das Christentum hat einen jüdischen Kalender. Man wird jedoch , darin vergeblich den 10. Tischri suchen. Der ■ Versöhnungstag blieb eben eine spezifisch jüdisch-nationale Institution. Die anderen waren noch nicht reif für diesen Gedanken und wußten mit ihm nichts anzufangen. Nicht böser Wille, sondern psychisches Unvermögen brachte es mit sich, daß der jüdische Versöhriuhgstag nicht transponiert wurde. Erst im zwanzigsten Jahrhundert erreichten die' anderen Völker jenen seelisch-ethischen Kulturgrad, den die Juden bereits am Anfange ihrer Staatsgründung kannten: Der Völkerbund wurde gegründet als Ausfluß biblischer Ethik. Völkermorden hat es immer gegeben. Waffenstillstand bildete den Abschluß des Schlachtens. Nachdem der schwächere Teil zermürbt worden war, wurde .„Frieden" geschlossen. Der Keim des Hasses blieb zurück. Durch den sogenannten Friedensschluß wurden nämlich in der Regel nicht Gegensätze ausgeglichen, sondern dag, was man durch eiserne Waffen und Blut nicht erreichen konnte, durch geschriebene .Verträge erreicht. Es fehlte, was die. Geister nicht befriedigen, sondern versöhnen sollte. Es war notwendig, daß die Menschen einander nicht tolerieren, sondern verstehen lernten. Nachdem ein Weltkrieg unsägliches Leid über die Menschheit gebracht hatte, da wurde endlich ein Forum geschaffen, das die Aufgabe haben sollte, die .Völker zu. versöhnen: Der Völkerbund, seinem Wesen nach ein Ergebnis biblischer Ethik. . Die Juden waren die Einzigen,. die den Völkerbund schätzen lernten. Von allen Seiten .wird er verspottet und verhöhnt. Man hält ihn für einen Bund ohne Macht. Wir aber wissen, was wir ihm zu. verdanken haben! Er hat als erster" unser Recht: auf Palästina * anerkannt. Gerade in unseren Tagen, da ein furchtbarer Schlag , das deutsche Judentum; ge-1 troffen hat, hoffen wir, daß der'Völkerbund uns helfen wird, durch eine großzügige Aktion nicht nur die Juden Deutschlands, sondern auch Rußlands dorthin zu verpflanzen, wo wir nicht Immigranten, sondern Remigranten, Söhne des Lahdes, sind. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet Der mdisdie Weltkongreß spring! ein Die Männer, die anfangs September in Genf die ersten Bausteine zum jüdischen Weltkongreß legten, können mit Genugtuung den Weg überblicken, den ihre große Idee zurückgelegt hat, und die Hindernisse verzeichnen, die sich dem Durchbruch dieser Idee entgegenstellten. Der Jüdische Weltkongreß wird nun Wirklichkeit. Dafür bürgen die Energie der Initiatoren und die Pointe eines historischen Prozesses. Der Glaube an die Autorität des Völkerbundes, an das Vorhandensein eines Weltgewissens, an die eiserne Notwendigkeit eines jüdischen Solidaritätsbcwußtselns — diese drei Komponenten führten zu jenen wuchtigen Resolutionen, die die jüdische Weltkonferenz, die Organisation und Vorläuferin des Weltkongresses, gefaßt hat.. In den Kreisen der Trennungsorthodoxie, der; liberalen und roten Assimilation, machte man sich über die Idee eines jüdischen Weltkongresses nur insoweit Gedanken, daß man ihn entsprechend dem Verhältnis zum nationalen Judentum ablehnte. Besonders die Durchschnittsassimilation distanzierten sich voh einer nationaljüdischen, alle Gäluthländer umfassenden Tribüne, vorschützend, .die Welt könnte, solch eine Manifestation als internationale jüdische Verschwör u n g auslegen. Inzwischen•• hat die deutsche Katastrophe vielfach eine Wandlung in. den Gemütern herbeigeführt. Sogar das dem nationalen Judentum fernstehende! Organ der Union ,:österreicbis«her ^-andentf'- j)Die Wahrheit«}- versucht ' die' bisherige negative Haltung, seiner ' Anhänger zu revidieren, wenn es im Anschluß an eine Besprechung, der Genfer jüdischen Weltkonferenz und Zitierung der drei Resolutionen schreibt: „Diese drei Beschlüsse der Weltkonferenz können von ziemlicher Tragweite sein. Was zunächst den ersten Beschluß auf Einberufung einer jüdischen Weltkonferenz anbelangt, so ist tatsächlich seit August 1932, * da auf der damals ebenfalls in Genf stattgehabten ersten jüdischen Weltkonferenz dieser Gedanke propagiert wurde, eine gewisse Wandlung in den Ansichten der Weltjudenheit über die Zweckmäßigkeit eines solchen Kongresses eingetreten. Zu viel ist seit damals geschehen, das die Zulässigkeit einer solchen Zusammensetzung erhärten würde. Und deshalb sind auch anscheinend jene Kreise, die im Vorjahr noch skeptisch . dem Projekte gegenüberstanden, in der gegenwärtigen Situation dem Gedanken eines jüdischen Weltkongresses nähergeruckt, ohne damit die Priorität ihrer eigenen inner jüdischen Einstellung aufgegeben zu haben. Wenn die ansonsten so zersplitterte Judenheit zu internationaler Abwehr greift, so kann aus diesem naheliegenden Beginnen nur antisemitische Böswilligkeit Schlußfolgerungen gegen die Juden ziehen." ' .v ■ - Wie verschnörkelt und einschränkend auch die Möglichkeiten des jüdischen Weltkongresses hier betont sein mögen, immerhin lassen sie eine Veränderung der Einstellung erkennen. Die jüdischen „linken" Blätter allerdings und auch zionistische Gruppen um Weizmann bemühen sich nach wie vor, eine Sabotierung des Kongresses in die Wege zu leiten. Es ist natürlich leicht, sich auf den Zionistenkongreß zu berufen und ihn als das repräsentative Forum für alle jüdischen Volksinteressen hinzustellen. Leider aber hat der 18. Frager Kongreß in dieser Hinsicht — zunächst durch die verderbliche Taktik der Unken — versagt und dem inaugurierten jüdischen Weltkongreß jene Aufgaben überantwortet, die er, der Zionistenkongreß, legitimerweise hätte bewältigen sollen. Der nationalen Bewegung wurden Fesseln angelegt, der nationale» hundertprozentig nationale Gedanke wurde preisgegeben. Nicht allein die Erweiterung der Jewlsh Agency durch nichtzionistische Elemente trägt Schuld an diesem Zustand. Die Direktiven der H. Internationale an die zionistische Arbeiterpartei, die am letzten Kongreß das numerische Uebergewicht hatte, brachten es mit sich, daß diese Partei ihr zionistisches Gewissen auch in bezug auf die'jttdische Weltsolidarität gemuteruhig an den Nagel hängte und in bezug auf den jüdischen Weltkongreß dort steht, wo jene, die ihr Judesein kaum an den hohen Feiertagen deklariert zu sehen wünschen. Als Rabbi Stephen Wise, der amerikanische Zionistenfttbrer, den Herren von der Poale Zion in Prag auf den Kopf) zusagte, sie stünden in bezug auf ihre außenjüdischen Entschließungen unter dem Diktat ihrer Genossen von der II. Internationale, mußten die Herren diesen Hinwels mit einem Nicken der Zustimmung quittieren. Damit fand das, was alle denkenden Zionisten wußten, auch äußerlich seine Bestätigung. Es hat keinen Sinn, sich bei dieser peinlichen Betrachtung noch länger aufzuhalten. Entscheidend für die Entwicklung der Dinge ist nicht das egoistische Miesmachtertum, sondern der positive Bekennermut und der Wille, „unsere potentielle latente nationale Kraft zur kinetischen Tatkraftzu mache n". (Oberrabbiner Rubinstein auf der Genfer Weltkonferenz.) Wo der Prager Kongreß versagt hat, muß der Genfer jüdische Weltkongreß demonstrativ und faktisch die Initiative ergreifen. o. r. Pogromdeiitsdiland vor dem Volkerbund Aus Genf wird uns unterm 27. September ge« '-schrieben: vw Heute wird hier zum erstenmall offiziell die Juden« frage aufgeworfen werden. Der griechische Delegierte Fra ng wl'i s-wird eih^n/ Resolutipnsentwurf einbringen^ worin die Ausdehnung .des Minderheitenschutzes auf alle Staaten und alle Rassen gefordert wird. Frangulis verlangt, daß „jedem Bürger eines jeden Staates das Recht auf absolute Sicherheit seines Lebens und seines Eigentums zugestanden wjird und daß jeder Bürger ohne Unterschied der Rass e,\ der/ Sprache oder Religion vor dem Gesetz die. gleichen politischen und zivilen Rechte besitzt". Dieser Schutz und dieses Recht sollen durch eine Weltkonvention unter den Auspizien des Völkerbundes garantiert werden. Inzwischen soll beim Völkerbund eine besondere Auswandererstelle geschaffen werden, welche den Schutz der deutschen Emigranten übernimmt. Auch die holländische Delegation wird einen ähn« liehen Antrag einbringen, wonach die deutschen Juden und die Emigranten lirekle Eillinie mit den vorzögl. Salonsdiifieo des Lloyd Tiiestina Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Ulli Ferner: Wöchentliche Expreßlinie nach Istanbuls wöchentliche Luxusellllnle nach Alexandrien;- zweimal monatlich Luxusellllnle nach Bombay; monatliche Expreßllnle nach Ceylon. Slngapore, Shanghai; Postumen nach der Levante, Schwärzet Meer, Indien, China, Japan H,K»ßfiing6,Tei.y^7-5-6] rThree Stars // Kohle Kok§ Anthrazii ■■■■■■■■I HÖCHSTER QUALITÄTEN ■■MBmMH Basdi, IV, Argeiitimerstraße 22 ♦ Tel« Serie U-47-5-40

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