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Die neue Welt · 1933-09-20 · Heft 315 (20.9.1933) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 315 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 315 Hochechüler erteilt Nachhilf eunf er- 1 I II rieht in Mathematik, Darstellende II II Geometrie, Deutsch, Englisch usw. | | | | Ivtnt. Hofmeisterposten Unter „Gewissenhaft" an die Administration des Blattes, II., Untere Augartenstraße 38 ziert Und sich daher sehr schnell den Aenderungen auf dem Markt anpassen kann. . Die Großindustrie ist nicht quantitativ, sondern qualitativ bedeutend. Zu unserem Bedauern müssen wir feststellen, daß sich die Großindustrie von der jüdischen Kleinindustrie separiert hat, und es hat huch den Anschein, als ob sie mit dem „kleinen Mann" überhaupt nicht in Kontakt kommen will, dessen Schweiß und Kapital den Boden für industrielle Entwicklung Palästinas Vorbereitet hat. , Was die Klein- und Mittelstandsindustrie anbetrifft, 80 ist es erstaunlich, daß die Presse und die Juden in der Gallith die Bemühungen dieser Unternehmungen in ihrem schweren Existenzkampf nicht zu schützen wußten. Die Immigrationsäbteilung hat die Forderungen der jüdischen Industrie in ihren Verhandlungen mit der Regierung und in den internen Angelegenheiten unberücksichtigt gelassen. Man hat bei der Verteilung der Zertifikate die Förderungen der Industrie außer acht gelassen und eine Lage geschaffen, durch die der Unternehmer, der einen industriellen Betrieb gründen wollte, eine besondere Einreisebewilligung für qualifizierte Arbeiter, ohne die man auch die Maschinen nicht aufstellen ikonnte, besorgen mußte. So eine Sachlage ist vollkommen ungesund. Die Jetzige Organisation der Immigrationsangelegenheiten fordert gründliche Aenderung. Eines der größten Hindernisse der Entwicklung der palästinensischen Kleinindustrie ist die Bestimmung der Immigrationsabteilung der p a 1 ä s t i n,e n s i s c h e n Regierung, derzufolge von den Kapitalisten 1000, resp. Ö00 Pfund verlangt werden. .Um der Regierung zu beweisen, daß diese ihre Forderungen unberechtigt sind, haben wir den Direktor der Immigrationsabteilung eingeladen, , in unserer Begleitung manche Industrieunternehmungen in Tel-Awiw zu besichtigen und sich zu überzeugen, daß der Erfolg der Kleinindustriellen, die auch mit beschränktem Kapital angefangen haben, auf ihre Erfahrung, Initiative und Eifer zurückzuführen ist. Nachdem mehrere Unternehmungen von uns gemeinsam besichtigt wurden und sich der Direktor von der Richtigkeit 'unserer Behauptungen Überzeugt hatte, blieben unsere Forderungen ohne jegliche Gründe unerfüllt. Ferner hielt sich die Mandatsregierung an das Prinzip, daß nur Leute bis zu ihrem 35. Lebensjahr für die Arbeit und Immigration nach. Palästina geeignet sind.. Es ist lächerlich zu behaupten, daß Juden, die in ihrem 36.. oder höheren Lebensjahr stehen, für den Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina ungeeignet sind. Vielmehr hat der Fünfunddreißig jährige genügend Erfahrung, um seinen Betrieb sparsam zu leiten und für seine Ware Absatzmöglichkeiten zu schaffen. Bei Besprechung der Stellungnahme der Regierung gegenüber der Industrieentwicklung vervides^ärbstein auf die ZoUbefreiung für Maschinen:: für: Indust&feählagen und manche Rohmaterialien und die Zollrückvergütung für Veredlungsprodukte. Dagegen lehne die Regierung eine Erhöhung der Einfuhrzölle^. Mr, Industrieprodükte ab, obwohl die Zollsätze in den. meisten Ländern des Eitleren Ostens erhöht wurden. Sie mache geltend, daß Zollerhöhung Preiserhöhung und damit ^ichöhung der. Lebenskosten nach sich ziehen würde. '•;>•' , Ganz besonders wies Farbstein aui "die Gefahr der Hotel Smetana^ Bad Lühacovice . Mähren Gegr ü n det .18 7 2 Haus mit 50 gut eingerichteten Zimmern, fließendem Wasser, in zentraler Lage, Cafe und Restaurant im Hause, streng rituelle Verpflegung. Preise für die Vorsaison: Zimmer mit kompletter Verpflegung von Kö 40.—aufwärts L Überschwemmung des palästinensischen Marktes durch Produkte aus Japan und Rußland, wo die Arbeitslöhne äußerst niedrig sind, hin. Was den Absatz der palästinensischen Industrieprodukte betrifft, so erklärte Farbstein, daß dieser vor allem in den Nachbarländern, wie Syrien, Libanon und Irak, gefunden werden müsse. Das Agency-Departement für Handel und Industrie habe nach Untersuchung der Verhältnisse in diesen Ländern Agenturen geschaffen. Die Jahre der Kinderkrankheiten seien vorüber. Auf den Kopf gerechnet ist die Importziffer heute dieselbe wie in den Jahren 1927 bis 1930, nämlich 8 Pfund. Unter Berücksichtigung der Zunahme der palästinensischen Bevölkerungszahl sei dies eine sehr wichtige Erscheinung. Der Export zeige dagegen eine sehr bedeutende Entwicklung. Das Departement werde an der Erschließung von Absatzmärkten arbeiten, hauptsächlich in Syrien, Libanon, Aegypten, Mesopotamien, Persien, Britisch- { Indien, Aden, den englischen Kolonien, Ostafrika, SUd- | afrika, England und den Vereinigten Staaten. An der Hand von Zahlen gab Farbstein sodann einen Ueberblick über die Entwicklung der jüdischen Industrie in Palästina in den letzten elf Jahren. Der größte Teil der jüdischen Industrie sei in Tel- Awiw und seiner Umgebung konzentriert. Nur in Haifa gebe es noch einige große Unternehmungen, in Jerusalem fast gar keine Industrie. Dies beeinträchtige einerseits infolge der Konkurrenz die Produktion und hemme anderseits die Entwicklung der Industrie im ganzen Lande. Man müsse daher die Einwanderung stärker als bisher an Haifa, Jerusalem, Afuleh, Tiberias und Safed interessieren. Zum Schluß führte Farbstein noch einige .Neugründungen an, die in nächster Zeit auf industriellem Gebiet erfolgen werden. Theater/ Mtssik und Literatur Eine neue Musiklehranstalt fUr Klavier. Der berühmte Pianist, Komponist und Pädagoge, Prof. Juliusz Wolf sohn, hat die künstlerische Leitung und den Unterricht in den Ausbildungs- und Konzertklassen in der neuen Musiklehranstalt für Klavier übernommen. Dortselbst auch ein Staatsprüfungskurs. Als besonders beachtenswert ist (den Intentionen des Künstlers entsprechend) die Berücksichtigung der Klavier- und Kammermusikliteratur der neuen jüdischen Musik im Repertoire des Unterrichtsstoffes, der ansonsten demselben der Staatsakademie entsprechen wird. Anmeldungen und Auskünfte täglich: Wien, in., Hintzerstraße 8 (Eingang Pfarrhofg. 16). Telephon Ü-16-1-32. Prospekte gratis. Revue ohne „Jideln". Wenn man zu den abgebrühtesten Revuetigern gehört, so muß man doch mit Genugtuung konstatieren, daß Kürt Robitscheks Eröffnungsrevue der Kammerspiele „Wiener Illustrierte" ohne die bis zum Ueberdruß abgegriffenen Jargonwitze und „Leopoidstadf'-Gerüche auskommt. Eine Revue ohne Jideln ist ein Novum im Wiener Theaterbereich (der leichten Muse) und schon darin dokumentiert sich das Bestreben, der Schablone auszuweichen und Dinge zu bieten, deren man sich „nach Gebrauch" nicht schämen muß. Kurt Robitscheks und Geza. Herczegs szenische und textliche Einfälle, Artur Rebners kultivierte Verse, Musik von Dr. Wilhelm Groß, der am Flügel Köstliches gibt, summieren sich zu einem vergnügten Abend. Wir schreiben keine Kritik: Karlweis, die spanische Tänzerin, Hans Moser wird man sich ansehen. Fritzi Massary spielt in der von Dr. Rudolf Beer eröffneten Scala (Johann-Strauß-Theater) die „Frau, die weiß was sie will". Operettenkunst, sublimiert durch eine Frau, deren Fingerspitzengefühl auch eine Theateralltagskomödie ä la Verneuil (Alfred Grünwald hat sie delikat abgewandelt!) zu adeln versteht. Ein Genuß für Feinschmecker auch die Musik von Oscar Straus, den Meister melodischer und orchestraler Finessen. Dr. B e e rs Regie tändelt geschickt mit Farbe, Tempo, Geist. Ein Abend, der bezeugt, daß der Begriff Theaterkultur lebt, wenn er auch noch so banalisiert wurde. Die Scala hat glücklich und erfolgreich begonnen, Gertrud Kraus neue Schule für Gymnastik, Rhythmik und künstlichen Tanz wurde in den Räumen, IX., Währingerstraße 15, eröffnet. Auskünfte und Anmeldungen tägl. von 11 bis 13 Uhr und von 8 bis 16 Uhr. Telephon A-10-9-91. Hakoah-Orchester. Die Orchester-Sektion des Sport-Club „Hakoah" hat ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Damen und Herren, die Interesse haben und sich betätigen wollen, werden gebeten, ihre Anschrift dem Sekretariate, I., Wiesingerstraße 11 zwecks Einladung bekanntzugeben. Einziger jüdischer Liederabend J. Segal-Bosenbach (Tenor). Samstag, 7. Oktober d. J., im Konzertsaale des Hotel Post, I., Fleischmarkt 24. Programm: „M1 s i m r a t haarez" (nationale, palästinensische Lieder und Volkslieder (hebräisch und jiddisch). Eintrittspreise von S —80 bis 2.50 inklusive Lustbarkeitssteuer. Beginn präzise 8 Uhr abends. J. W. u. S. V. „Haganah". Anmeldungen und Amtsstunden Montag bis Donnerstag von 19 bis 21 Uhr in der Zentrale, II., Obere Donaustraße 89. Die Leitung entbietet allen Freunden und Mitgliedern zum Jahreswechsel die besten Wünsche. Zu dem diese Woche angesagten Dienst haben alle Kameraden pünktlich und zuverlässig zu erscheinen. Kameraden, die beurlaubt sind, haben ihren Urlaub abzubrechen. Jüdische Eltemi Der Jüdische Hochschulausschuß, Wien, IX., Alaerstraße 26, Tel. A-25-2-28, gibt folgendes bekannt: Alle Arten Nachhilfeunterricht (Hofmeister- I posten, Einzelstunden, Maturavorbereitung, Musikunter- ' rieht, Nachhilfe auch für Hochschüler) werden kostenlos und schnellstens durch den Jüdischen Hochschulausschuß vermittelt. Telephonischer Anruf genügt. Unterstützt daj i durch den jüdischen Studenten in seinem schweren Kampf j 1 ums DMotn! 1 Zwei Vorfragsabende David Yellin in Wien Ueber Einladung der Histadruth Iwrith spricht Samstag, den 23. d. M., 8 Uhr abends, im Saale des Handclsmuseums, IX., Berggasse 16, der berühmte hebräische Sprachenforscher und Schriftsteller, Dozent der. hebräischen Universität und Direktor des Lehrerseminars in Jerusalem Herr Dr. D. Yellin über das Thema: Die hebräische Universität in Jerusalem. (Der Redner spricht hebräisch und deutsch.) M. M. Ussischkin im Großen Musikvereinssaal Ueber Einladung des Keren Kajemeth und der Histadruth Iwrith spricht der bekannte Zionistenführer M. M. Ussischkin am 26. September, halb 8 Uhr abends, im Großen Musikvereinssaal, über das Thema: Die Lage im Zionismus und die Perspektiven in Palästina. — Bekanntlich hat Ussischkin sein 70jähriges Jubiläum gefeiert. Programm des Abends: Eröffnungsreden: Präsident der Histadruth Iwrith Doktor David Rothblum (hebräisch), der Präsident des Keren Kajemeth Herr Adolf Boehm (deutsch), dann folgt der Vortrag Ussischkin (deutsch). Vor und nach den Vorträgen singt der Jüdische Gesangverein. Kartenvorverkauf im Keren Kajemeth, I., Kärntnerstraße 28, Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20, und in allen Kartenbüros. Judifdie Sport« und iiiiiiiiiiiii Turnbewegung»; Hakoah gegen Sportklub. Im Rahmen einer Doppelveranstaltung spielt Hakoah am kommenden Sonntag auf dem neueröffneten Platze des S. C. Donau in Kaisermühlen (Linie 24) gegen Sportklub. Die Begegnungzwischen diesen beiden Klubs verlief bisher immer sehr interessant. Da sich beide Mannschaften in guter Form befinden, dürfte das Spiel guten Sport bringen. Wir rechnen mit einer Punkteteilung. Hakoah im Ausland Sieger. Hakoah trug in Mährisch-Ostrau und Oderberg zwei Propagandaspiele aus und konnte beide Kämpfe überlegen gewinnen. Am ersten Tag fertigten die Wiener nach prachtvollem Spiel den S. C. DSlnicka Unie 2:0 ab. Die Tore erzielten Mausner und Weißkopf. Die Blau-Weißen haben überdies zwei Elfer vergeben. In Oderberg war das Resultat 6 :2. In die Torehren teilten sich Mausner (3), Reich (2) und Weißkopf. Die Handballsektion der Hakoah weilte mit ihrer: Kampfmannschaft vor vier Wochen in Budapest und konnte dort schöne Erfolge erringen. Nach der Rückkehr begannen die Vorarbeiten für die Meisterschaft. Die Hakoah erkämpfte sich die Erstklassigkeit und wird heuer die allergrößte Mühe haben, sich diesen Platz zu wahren. Das Training steht unter der bewährten Leitung des Herrn Moßböck und spielen derzeit regelmäßig drei Herren-, eine Jugend- und eine Damen-Elf. Die Hakoah sucht zur Ergänzung ihrer Mannschaften (Damen und Herren) neue Mitglieder über 14 Jahre, welche sich beim Training jeden Mittwoch und Freitag ab 4 Uhr auf dem Hakoahplatz oder jeden Donnerstag ab . 7 Uhr abends im Klubtieim, I., Wiesingerstraße 11 (Souterrain) melden wollen. Aeußerst niedrige Beiträge. — Amkommenden Sonntag tritt nun die Hakoah zum ersten Male: auf eigenem. Platz zum Meisterschaftsspiel gegen die berühmte Mahnschaft des Wiener Sportklubs an. Das Spiel beginnt um 11 Uhr und vorher spielen die beiderseitigen Reservemannschaften. Touristik- und Skiklub Hakoah. Sonntag, den 24. September, Treffpunkt 9 Uhr Mauer, .Führer: Paul Schwarz. Parapluieberg—Höllenstein—Gaisberg—Rodaun— Mauer. Sonntag, den 1. Oktober, Treffpunkt 9 Uhr Pötzleinsdorf, Endstation der Linie 41. Führer: Ernst Grab; Jeden Freitag finden in unserem Klubheim, I., Wiesingerstraße 11, unsere geselligen Abende statt und sind Gäste herzlich willkommen. Ein Jude Tennismeister von Polen Aus Warschau: Im Finale des internationalen Tennisturniers um die Meisters c h aft Polens trafen der österreichische Tennismeister Matejka und der tschechisch-jüdische Tennisspieler Josef Hecht auf-' einander. Hecht konnte den Kampf für sich entscheiden und errang damit die polnische Meisterschaft im Tennis sowie den vom Staatspräsidenten gestif-. teten Preis. Hasmonea-Makkabi spielte in der Meisterschaft .gegen Renz 2:2 unentschieden. Gesellschaftsreise Die 6. Gesellschaftsreise des Reisebüros „Compaß Tours" geht am 1. November von Wien ab. Die großen Erfolge, die das weltbekannte Luxus-Motorschiff „V u 1cania" bei seinen zwei Sonderfahrten nach Palästina zu Ostern und zu Schewuoth erzielt hat, veranlassen die Cosulich-Linie, nunmehr wieder eine Sonderfahrt mit diesem sonst auf der Strecke Triest—New York verkehrenden Schiff zu veranstalten. Dem Reisebüro „Compaß Tours" ist es gelungen, wie bei den früheren Sonderfahrten auf diesem modernen, mit allen Bequemlichkeiten ausgestatteten Schiff eine Anzahl von Kabinen in der 2. und 3. Klasse zu reservieren. Bei dieser Reise wird wieder <Jie Gelegenheit geboten, die Wiegestätten unserer Zivilisation: Rom, Athen, Jerusalem und Kairo, zu sehen. Da dem Reisebüro „Compaß Tours" nur eine beschränkte Anzahl von Kabinen in der 2. und 3. Klasse zur Verfügung steht, wird eheste Anmeldung empfohlen. In den Tagen der Sammlung In den Tagen der Sammlung, da jeder Jude bemüht ist, Uber sein Tun und Lassen in religiöser und ethischer Beziehung im abgelaufenen Jahre sich Rechenschaft zu geben, ist es üblich, daß er sich auch auf sein persönliches Leben und auf das seiner Familie gründlicher als sonst besinnt. Diese Bilanz dürfte heuer in den meisten Fällen eine traurige sein. Die allgemeine Wirtschaftskrise wirkt sich im Leben der Juden zerstörender aus, als im Leben der allgemeinen Bevölkerung. Die Atmosphäre in den Völkern, unter denen die Juden leben, wird immer mehr und mehr mit Feindseligkeit und wildem Haß vergiftet. Es würde aber der jüdischen Mentalität widersprechen, in dieser tristen Lage den Kopf hängen zu lassen. Es soll deshalb in den Tacea 44£

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