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Die neue Welt · 1933-09-15 · Heft 314 (15.9.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 314 (15.9.1933)
Date
1933-09-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 MB NEUE WELT Nr. 314 J AUS PALÄSTINA Japans Eindringen in Palästina Es ist keine Frage, daß das Ergebnis der enormen Anstrengungen Japans, einen möglichst großen Teil des internationalen Warenumsatzes auf sich zu ziehen, sich auch in Palästina bemerkbar machen wird. Ein Haifaer Berichterstatter stellt im „Prager Tagblatt" diesbezüglich folgende Betrachtungen an: Der Anteil Japans an der Gesamteinfuhr Palästinas hat 1931 0,66 Prozent betragen, 1032 2,27 Prozent und im ersten Halbjahr 1933 ist er bereits auf über 4 Prozent gestiegen. Es geht nicht an, diese Entwicklung lediglich mit der Sonderkönjunktur in Zusammenhang zu bringen, die in Palästina herrscht, dehn eine ganze Reihe anderer Länder haben, prozentual betrachtet, in Palästina an Boden verloren oder diesen doch nur gerade knapp behaupten können. Tatsache ist soviel, daß ein energisches japanisches Propaganda- und Absatzsystem, unterstützt durch niedrige Preise, nicht nur in Palästina, sondern auch in Syrien, in Aegypten und im gesamten mittleren Osten mit Imponierender Zielklarheit einen möglichst großen Teil des Marktes an sich zu reißen sucht. Das geht so weit, daß die unter britischer Kontrolle stehende Polizei des Irak ihren Bedarf an Uniformstoffen in Konkurrenz zu englischen Angeboten in Japan gedeckt hat — gerade in dem Augenblick, in welchem König Feisal vom Irak sich in London um eine Anleihe bemühte. Es hat sich hiebei zwar nur um 80.000 Meter Khakistoffe gehandelt, eine Menge, die für Lancashire nicht so sehr ins Gewicht fällt, aber daneben wächst der Absatz der Japaner im Irak an Textilien, Haushaltungsgegenständen, Fahrrädern und allen möglichen anderen Waren ständig und zusehends, und da die gesamte Kaufkraft des Irak sich in letzter Zeit (aus hier nicht zu erörternden Gründen) stark vermindert hat, wächst der japanische Anteil an der Einfuhr dieses Gebietes relativ um so schneller. Am ägyptischen Markt haben die Japaner durch ihr Dumping in Textilien bereits Erwägungen über die Einführung von besonderen Dumpingzöllen hervorgerufen. Die ägyptischen Handtuchwebereien sind durch den japanischen Wettbewerb fast zum Erliegen gekommen. Drohende Gegenmaßnahmen der ägyptischen Regierung suchen die Japaner jetzt dadurch zu parieren, daß sie ägyptisches Kochsalz in ziemlich großen Mengen kaufen und auch den Bezug ägyptischer Rohbaumwolle in Aussicht gestellt haben. Damit kommen wir zu einem ganz entscheidenden Punkt des japanischen Vorgehens im Nahen und Mittleren Osten: Er. ist, darin zu erblicken, daß Britischindien auf Grund seiner immer wieder erhöhten Schutzzölle japanische Textilien und sonstige Industrieerzeugnisse fast ganz von seinem Markt ausgeschlossen hat. Dafür kaufen die Japaner weniger indische Rohbaumwolle und suchen sich in Amerika und Aegypten zu decken. Es ist klar, daß Japan für diesen Markt Ersatz suchen muß, und es liegt nahe, daß es diesen wenigstens teilweise im Nahen und Mittleren Osten findet. Aber auch hier schreitet die" Eigenindustrialisierung fort und es kann nicht lange dauern, bis an der östlichen Mittelmeerküste und ihrem Hinterlande das gleiche Wettrennen einsetzt, wie es die Japaner jetzt in Indien offenbar verloren haben. Beduinenüberfall auf van Vriesland Aus Jerusalem: Der holländische Generalkonsul in Jerusalem Sigfrid van Vriesland wurde bei einem Autoausflug zum Toten Meer von fünf bewaffneten Beduinen angegriffen und durch einen Schuß, leicht an der Schulter verletzt. Van Vriesland konnte ungeachtet seiner Verletzung die Autofahrt fortsetzen. Es steht noch nicht fest, ob es sich bei dem Ueberfall auf van Vriesland, der 1919 als Mitglied der nach Verkündigung der Balfour- Deklaration gebildeten Zionist Commission nach Palästina ging, 1923 bis 1925 Leiter der Finanzabteilung der Palästina-Exekutive war und seit 1929 Geschäftsführer der Gesellschaft zur Ausbeutung der Mineralschätze des Toten Meeres ist, bloß um einen Angriff räuberischer Beduinen oder um ein politisches Attentat handelt. Mangel an Arbeitskräften Der Vertreter der Arbeitszentrale des „Poel Hamisrachi", Herr Kalmar, wurde von der Regierung eingeladen, um die Arbeitslage beim „Poel Hamisrachi" zu besprechen. Bei dieser Besprechung, teilte Herr Kalmar dem Vertreter der Regierung mit, daß in den Städten und in den Kolonien sowohl an gewöhnlichen als auch an qualifizierten Arbeitern großer Mangel herrscht. In „Giwath-Chaim" und in „Nachlath-Haschawim" leiden die Planzungen infolge dieses Mangels. Der. Vertreter der Regierung hat versprochen, diese Mitteilungen der Regierung zu Ubermitteln. Die Schließung des Hafens in Jaffa Im Hafen von Jaffa sind so viele Waren eingelangt, daß die Behörden sich gezwungen gesehen haben, den Hafen für die Ausladung der Waren bis auf weiteres zu sperren. Sowohl die Handelskammer als auch die Stadtgemeinde von Tel-Awiw protestierten gegen diese Maßnahme. Trotz der Riesenbeträge, welche die Zölle der Regierung einbringen, hat sie es nicht für nötig gefunden, die Hafenanlage rechtzeitig so auszubauen, daß die Bürger ihre bestellten Waren nach Ein« treffen beziehen können. Ausstellung von Weintrauben Am 15. September wird eine Ausstellung von Weü> trauten eröffnet. Die Regierung hat einen Wettbewerb veranstaltet und will dem Besitzer des „best« gepflegten Gartens" einen Preis von 20 Pfund, dem zweitbesten 10 Pfund, dem drittbesten 5 Pfund zuerkennen. Es beteiligen sich elf Besitzer von Weingärten. Jtidische Aerzte aus Deutschland in Palästina Laut den Berichten der palästinensischen Zeitungen haben sich in den letzten Monaten in Jerusalem 25 Aerzte aus Deutschland ansässig gemacht, darunter zwei Professoren. Gründung einer Aerztekammer in Tel-Awiw Der Zentralausschuß der Aerzteorganisation hat ein Arbeitsnachweis- und Informationsbüro für Aerzte gegründet. Zu diesem Zweck hat er sich mit der Zentrale der Krankenkasse der Histadruth verbunden, und nur jene Aerzte werden aufgenommen, die durch Vermittlung und Zustimmung der Arbeitskammer gekommen sind. Hilfe in Palästina für russische Juden In Palästina wird jetzt eine große Aktion zugunsten der hungernden Juden in Rußland durchgeführt. Der Aufruf, der erlassen wurde, schließt mit dem Satz: „Der Hunger unserer Brüder in Rußland ist fürchterlich. Kein Mensch darf hier sein Essen genießen, bevor er nicht für die hungrigen Brüder in Rußland gespendet hat." Nicht ins Land gelassen Das bulgarische Schiff „Burgas", welches am 27. August in Haifa eingetroffen ist, brachte 90 Reisende aus B u 1 g a r i e n. Hievon sind 41 Leute, die als Touristen gekommen sind, von den Immigrationsbeamten nicht eingelassen worden. «• Deutsche Waisenkinder nach Palästina Die Hilfskomitees in der Schweiz, die sich mit der Unterbringung der deutschen Flüchtlinge beschäftigen, sind mit dem Waisenhaus Diskin in Verbindung getreten, um eine Anzahl Waisen, die von jüdischen Flüchtlingsfamilien stammen, nach Palästina zu bringen. Die Leitung hat sich hiezu bereit erklärt und die Kinder werden bald nach Palästina gebracht werden. Musiker für Palästina gesucht! Unter dem Namen „The Palestina Philharmonie Society Ltd." hat sich eine unter dem Vorsitze des Bürgermeisters D i z e n g o f f (Tel-Awiw) stehende Gesellschaft gebildet, die ein philharmonisches Orchester für den Herbst zusammenstellt. Für dieses Orchester werden noch folgende Bläser gesucht: 2 Flöten, 1 Oboe (möglichst Englisch Horn), 1 Klarinette, 1 Fagott, 3 Hörner, 1 Trompete, 3 Posaunen, 1 Tuba (mit Streichbaß). Vorzugsweise ledige jüdische Kräfte wollen sich unter Beifügung von Zeugnisabschriften an die Geschäftsstelle der Orchesterleitung Music-HouseF. Saphier, Tel-Awiw, AMenbystr. 4 5, wenden, von wo sie die näheren Bedingungen erfahren. Zwei Sonderfahrten nach Palästina Der Lloyd Triestino läßt neben den zahlreichen fahrplanmäßigen Schiffen tnoch je ein Sonderschiff von Triest direkt nach Jaffa und Haifa abgehen. Diese Abfahrten werden am 3. und 19. Oktober stattfinden. Auskünfte beim Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6. Ein neues, großes Reisebüro Wie wir erfahren, wird dieser Tage in den ehemaligen Orendi-Lokalitäten, Wien, I., Rotenturmstraße 20 (Ecke Fleischmarkt 1), ein großes Reise-Büro installiert. Dieses Büro eröffnet unter anderem eine besondere Palästina-Abteilung mit der Aufgabe, den Bedürfnissen der Palästinainteressenten und Reisenden vollkommen zu dienen. Diese Abteilung hat sich zum Ziele gesetzt, die Transporte von Personen und von Frachten durchzuführen und durch Zentralisierung eine Verbesserung und Verbilligung des gesamten Palästinaverkehres zu erzielen und alle Reise- und wirtschaftlichen Informationen an Palästinainteressenten zu erteilen. Eine größere Gesellschaftsreise nach Palästina dürfte schon am 25. Oktober zu außerordentlich billigen Preisen stattfinden. Das Institut wird auch bestrebt sein, dem jüdischen Publikum, welches österreichische Kurorte oder Sommerfrischen sowie sonstige interessante Orte besuchen will, alle Vorteile und Erleichterungen zu bieten. Notizen Jüdische Kunststelle in Wien Um einem in allen jüdischen Kreisen stets gefühlten Mangel abzuhelfen, wurde die Jüdische Kunststelle geschaffen. Diese Stelle soll und wird mehr sein als die Vermittlerin für billige Theater-, Konzert- und Kunstausstellungskarten. Sie wird, wenn die Wiener Judenschaft ihrem Rufe Folge leistet, auch den Wünschen nach jüdischer Kunst Rechnung zu tragen vermögen. Eine Möglichkeit unseren Künstlern — insbesondere den durch den Boykott betroffenen — ist aber nicht nur damit gegeben. Die Kunststelle wird bei der Zusammensetzung des Programms jüdischer Veranstaltungen gern beratend mitwirken, auf Wunsch auch selbst Arrangements Ubernehmen. Wir fordern alle Wiener Juden zum Beitritt auf. Sie sollen sich uns aber nicht nur deshalb anschließen, weil sie nun in einer jüdischen Organisation billige" Theaterkarten bekommen, auch nicht wegen des niedrigen Beitrages (S 1.— pro Jahr). Sie sollen zu uns kommen, wenn ihnen die Kunst, wenn ihnen unsere Kunst Herzenssache ist. Das Sekretariat (II., Aspernbrückengasse 2, Telephon R-48-2-91) hat den Betrieb bereits aufgenommen« Bürozeit von 9 bis 19 Uhr. — Nachstehende Herren befürworten die Gründung der Kunststelle: Prof. Dr. V. Aptowitzer, Dr. N. Blauer, Dr. Z. F. Finkelstein, Prof. A.Freud, Dr. L. Goldhammer, Dr. R. Glücklich, Prof. Dr. M. G r a f, Siegfried G r a u b a r t, Dr. Oskar Grünbaum, Redakteur Oskar Hirschfeld, Sophie Löwenherz,Dr.LPlaschkes,Dr. D. Rothblum, Max Schiffmann, Generalmajor Emil Sommer, Ing. R. Stricker, Dr. Ch. Tartakower, Regierungsrat Dr. B. W a c h s t e i n, akad. Maler W. Wachtel, akad, Bildhauer F. W e i ß. Verein zur Pflege des jiddischen und hebräischen Volksliedes in Wien Unter obigem Namen ist ein Verein gegründet worden, der sich zur Aufgabe gesetzt hat: 1. Die Veranstaltung von jüdischen Konzerten unter besonderer Berücksichtigung von Musikstücken volkstümlicher Prägnanz. — 2. Gründung einer „Kleinkunstbühne", in deren Aufgabenkreis auch die Inszenierung von jiddischen und hebräischen Volksliedern liegt. — 3. Mit jüdischen Vereinen und Körperschaften Verbindungen anzuknüpfen zum . Zwecke der Vermittlung von Kunstkräften aus dem Ensemble des Vereines und Verständnis für das Volkslied beim jüdischen Publikum zu wecken. — 4. Förderung und Unterstützung aus Deutschland geflüchteter jüdischer Künstler nach Maßgabe der vorhandenen Möglichkeiten. — 5. Systematische Sammlung von alten jiddischen und hebräischen Volksliedern. — Derzeitiger Sitz des Vereines: Cafe" „Rembrandt", II., Untere Augartenstraße 11. Hinein in die lachende Front! Die Eröffnungspremiere „Tanz um Mitternacht" findet im Simplicissimus allabendlich die begeisterste Aufnahme. Das Publikum bilden vornehmlich Fremde und kürzlich bot der intime Raum einen ganz besonders anheimelnden Eindruck, der durch den Besuch zahlreicher Tiroler, die in ihren Nationaltrachten erschienen waren, hervorgerufen wurde. Hans Olden und Lotte Lang sowie das übrige Ensemble der Prominenten sorgen für die animierteste Stimmung* Bereits in den nächsten Tagen wird die Simpl-Revue ihr erstes Jubiläum feiern. Gratulationen Zur Verlobung seines Freundes des Herrn Markus gratuliert herzlichst Hermann Sobel. Zur Vermählung seines Freundes H. Adolf Majermit Fräulein Berta Dreier gratuliert herzlichst Samuel Bloch, Wien. _ Aus der Filmweltr Dienstag: „Unser Kaiser" Die Premiere des großen Wiener Films „Unser Kaiser" („Liebe bei Hof") wurde auf Dienstag, den 19. September, festgesetzt, an welchem Tage die Uraufführung im Opern-, Imperial- und Maria-Theresien- Kino beginnt, der sich am darauffolgenden Freitag das Löwen-, Wienzeile- und Flieger-Kino anschließen. Bekanntlich zeichnet sich der von J. und L. Fleck inszenierte Film durch ein hervorragendes Wiener Ensemble aus: Hansi Niese, Gretl The im er, Georg Alexander, Leo Slezak, Susi Lanner, Lizzy Holzschuh u. a< spielen die Hauptrollen. Die Musik wurde von Max Niederberger komponiert, der insbesondere in dem von Leo Slezak kreierten Lied „Man nehme zwei Herzen und lasse sie glühen" einen Schlager mit der Anwartschaft auf höchste Popularität geschaffen hat. „Der Hahn im Korb" Der letzte Mann auf Erden, um dessen Gunst Millionen auserlesener Schönheiten aus allen Ländern der Welt kämpfen, erlebt lustige und prickelnde Abenteuer. Ein Massenaufgebot internationaler Frauenschönheiten gibt dieser Ausstattungskomödie größten Formats einen besonderen Reiz. Der Film erscheint ab heute, 15. d. M., im Burg- und Schottenring-Kino. Karin Hardt zwischen sieben Männern Karin Hardt erscheint zum ersten Male als pikante, hübsche Stenotypistin in der Titelrolle des Films „Das Mädchen mit dem gewissen Etwas", der demnächst im Burg-, Elite-, Schottenring-, Lustspiel-, Sascha- und Flotten-Kino zur Uraufführung gelangt. „Das hohe Lied" — der neue Marlene« Dietrich-Film Die Wiener Uraufführung des neuen Marlene- Dietrich-Films der Paramount steht vor der Tür. Marlene Dietrich in ihrer Rolle als Lilly Czepanek aus Hermann Sudermanns Roman „Das hohe Lied'* stand in diesem Film zum erstenmal unter der künstlerischen Leitung des Regisseurs Rouben Mamoulian. „Panik im Zoo" — ein neuer Paramount-Film Der neue Paramount-Tonfüm „Panik im Zoo", der demnächst in Wien zur Uraufführung gelangen wird, stellt als abenteuerlicher Kriminalfilm ein neues Genre dar. Die Hauptrollen spielen Charlie Ruggles, Lionel Atwill und Kathleen Burke, das „Panther-Weib"* Regie: Edward Sutherland. Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon R-41-4-20. E Werbe! üb die arteif

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