Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 311 (25.8.1933)
- Date
- 1933-08-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 311 Dlfc aüUE Willi.! ÜCinj 9 .JÜDISCHE ELTERN I, Kauft Schulbücher für eure Kinder nur in der JflcHtchan Budibandlung Hermann Tudiner ECKE Taberstr* 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen - auch antiquarisch - zu sehr mäßigen Preisen Spasanfrtit Xiitandung abtrallhin Verzeichnisse kostenlos! Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 untersagt. Von diesem Verbot ausgenommen sind Brause-, Rannen- und medizinische Einzelbäder. Der Magistrat von Trebnitz in Schlesien hat angeordnet, daß Angehörigen der jüdischen Rasse die Benützung des städtischen Schwimmbades nur Freitag von 10 bis 12 Uhr gestattet, während der übrigen Badezeiten aber verboten ist. In Lauf (Oberfranken) ist Juden das Baden im ■tädtischen Naturbad verboten. Da nun beobachtet wurde, daß trotz diesem Verbot Juden immer wieder das Bad aufsuchen, so warnt der Stadtrat vor Uebertretung dieser Vorschrift, da jeder, der erwischt wird, mit Unannehmlichkeiten verschiedener Art zu rechnen habe. Beamtengesetz auch für öffentliche Fernsprcch- Btellen? „Frankfurter Zeitung" meldet: In den letzten Tagen erhielten die Inhaber öffentlicher Fern- Sprech s t 611 e n in Hamburg (Drogisten, Krämer usw., die gegen eine geringe Vergütung durch die Reichspost In ihrem Laden öffentlich zugängliche Fernsprechautomaten' unterhalten) Fragebogen, in denen nach der arischen, bzW. nichtarischen Abstammung gefraogt wird. Ferner sind Fragen über die frühere Zugehörigkeit zur Liga für Menschenrechte, zum Reichsbanner, zur KPD. und SPD. usw. gestellt. Gleichstellung judischer Handwerker bei Arbeitsvergebung in Oberschlesien. Der Magistrat der Stadt Gl ei witz hatte vor längerer Zeit den jüdischen Hausbesitzern die staatlichen Zuschüsse zum Zwecke von Hausreparaturen verweigert, später aber wieder unter der Bedingung zugebilligt, daß jüdische Gewerbetreibende (Handwerker) bei der Instandsetzung nicht beschäftigt würden. Der Verband der oberschlesisch-jüdischen Handwerker wandte sich hierauf an das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit sowie an die Regierung in Oppeln mft der Bitte, diese Anordnung wieder rückgängig zu machen. Auf diese Eingabe erging vor kurzem der Bescheid, daß die jüdischen ebenso wie die nicht jüdischen Handwerker bei Vergebung von Arbeiten berücksichtigt werden sollten. Staatenlose Nichtarier als Makler an der Berliner Produktenbörse nicht mehr zugelassen Der schon früher durchgeführten gleichartigen Regelung an der Berliner Wertpapierbörse entsprechend hat der preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit Vp.rachrif.te» über die Zulassung von Makleirn, und Agenten an der Berliner Produktenbörse nach dem 81. Oktober 1933 erlassen. Staatenlose Personen dürfen künftig nur dann zugelassen werden, wenn sie deutsch- Btämmig.sind. „Deutscher Rechtsanwalt". Im Anwaltsblatt, dem Nachrichtenorgan für die Mitglieder des deutschen Anwaltsyereines im Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen, wird folgende Anweisung gegeben: Den arischen Kollegen wird empfohlen, auf Schildern, Briefköpfen usw. die Bezeichnung „deutscher , Rechtsanwalt" oder „deutscher Rechtsanwalt und Notar" zu führen, den Mitgliedern des B. N. S. D. J. außerdem ein Hakenkreuz als '.Wasserzeichen in den Briefbogen. Für deutsche Emigranten (österreichische Staatsbürger) werden Posten in folgenden Berufen gesucht: Autoschlosser, Autoschlosser-Volontär, Chauffeur, Kellner, Kürschner, Schneider, Schlosser, Tischler, kaufmännisches und technisches Personal (männlich und weiblich), Erzieherinnen, Hilfsarbeiter. Zuschriften erbeten an den Jüdischen Angestelltenverband „Emunah", Abteilung „Arbeitsbeschaffung für deutsche Emigranten", Wien, I., Jordangasse 7, Telephon B-27-4-86. Das Palästina-Amt Wien teilt mit: Dienstag, den 29. August, und Dienstag, den 5. September, reisen je 300 Chaluzim aus Polen durch Wien nach Erez Israel. Die Ankunft in Wien erfolgt auf dem Nordbahnhof um 5.25 Uhr früh, die Weiterfahrt nach Triest um 5.45 Uhr früh. An beide Transporte schließen sich Palästina-Auswanderer aus Wien an. Die durchreisenden Chaluzim werden wie bisher mit einem warmen Frühstück betreut. Hebräisches Pädagogium. Die Einschreibungen für das 16. Unterrichtsjahr 1933/34 haben bereits begonnen. Anmeldungen neuer Hörer und Hörerinnen werden entgegengenommen im Sekretariat, Wien, II., Tempelgasse 3, jeden Donnerstag von 11 bis 12 Uhr vormittags. WitMiS für olle Palästina-Interessenten! 2. Auf läge i. „Das Palästina-Informiationsbuch Im Urteile der sachkundigen Kritik: Das beste Buch seiner Art! Präzise Beantwortung aller Fragen über Palästina, Verwaltung, Steuer-, Rechts-, Verkehrs- und Zollwesen; Touristen- und Uebersiedlungsbesttairaungen; Existenzmöglichkeiten; Zionismus; zugleich erprobter Führer durch Palästina und hebräisches Vokabularium (in Lateinschrift)! — 116 Oktavseiten. Text; nur Tatsachen und Ziffern! Eine Landkarte. Preis S 4.— (exkl. Versandspesen); im Auslande inkl. Versandspesen, nur bei Vorauszahlung (eventuell in internationalen Portosobeinen) RM. 2.50, tsch. K 20.—, Dinar 45.—, Schweizer Fr. 8.—, Zloty 5.—. — Zu beziehen durch „PAß", Wten, m., Landstraßer Gürtel 9. Letzte Nachrichten Sokolows politisches Referat Aus Prag wird unterm 28. d. M. gemeldet: Auf dem Trager Zionlstenkongreß hat heute vormittag der Präsident der zionistischen Organisation, Sokolow, sein Referat über die Lage der Juden in der Welt gehalten. Den breitesten Baum nahmen seine Ausführungen über Deutschland ein. Es werde vielleicht notwendig sein, sagte* er, daß ein erheblicher Teil der deutschen Juden mit Hilfe der Regierung und des Völkerbundes in geordneter Auswanderung nach anderen Ländern, vor allem nach Palästina gehe. Ein solcher offener Exodus sei einer langsamen Proletarisierung vorzuziehen. Er verwahrte sich dagegen, daß man von der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse und Ehre spreche. Der Kongreß wolle die innere Entwicklung Deutschlands, das durch den Krieg schwer gelitten habe, nicht kritisieren, aber man müsse „eine ungehemmte antisemitische Propaganda zurückweisen, die nicht einmal vor dem Ritualmordmärchen zurückschrecke". Man habe die Legende erfunden, die deutschen Juden seien Feinde des deutschen Volkes. Die vaterländische Oesinnung und Treue der deutschen Juden sei so echt, daß sie keiner Versicherungsbeteuerungen bedürfe. Als das Volk der Bibel und der zehn Gebote sind die Juden Uber die These von der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse erhaben. Im Namen der Menschenwürde, die gerade deutsche Geister und Philosophen proklamiert haben, verlangen auch wir gleichgeachtet und gleichberechtigt zu sein. Die Juden protestieren gegen den Mißbrauch gefälschter Schriften, in denen man ihnen phantastische Pläne zur Last legt. Es sei ein Wahn, von Plänen einer jüdischen Weltherrschaft zu sprechen. Zur Lage der Juden in Polen erklärte Sokolow, die Zeiten hätten sich geändert. Für viele Unglückliche sei ein polnischer Paß ein Talisman geworden. Gegenwärtig seien die Verhältnisse relativ günstig. Die polnische Regierung sei gegen Pogrome und für die friedliche Entwicklung. Furchtbar seien jedoch die Verheerungen, die die Wirtschaftskrise unter den Juden Polens verübt habe. PoaleffZionfstensFührei» als Helfer der Missionäre Man hört in der letzten Zeit wieder vielfach von Judenchristen. Auch in Palästina gibt es solche; einige von ihnen erfreuen sich der Unterstützung „nichtarischer" Kreise ... Der Missionär Sir Leon L e w y s o n (früher Leibischl) aus Safed kaufte bei. Gaza zur Anlegung einer Kolonie für Judenchristen 2250" Dunam Boden, wobei er für das Dunam rund 3 Pfund mit allen Zuschlägen gab. Der Vermittler erhielt 2 Prozent, so. daß sich das Dunam auf rund 2.90 Pfd. stellte. Diese Bodentransaktiön wäre an sich, nicht interessant, hätte hier nicht, seine Hand ein Mann im Spiel, dessen Aufgabe es keinesfalls sein sollte, Palästinabodenkäufe zu.vermitteln.- •Wir^rf^hiien^ njämlich, daß der getaufte Jude Lewjsöri-LeiTilschl:< durch" den Jerusalemer Judenchristen Goldstein beim Grundstückagenten Seewi eingeführt wurde und daß dieser Seewi es war, durch dessen Mitwirkung der Bodenkauf zustande kam. In der judenchristlichen Zeitschrift (Organ der Missionäre) „The H e b r e w C h r i s t i a n" vom Juli 1933 erzählt Herr Lewyson Vom engen Verhältnis des Jerusalemer Bischofs zum Großmufti und macht bezüglich des Bodenkaufs folgende Bemerkung: „In Jerusalem führte mich der Judenchrist Goldstein beim Grundstückagenten Seewi ein, einem sehr angesehenen Mitglied der Jerusalemer Gemeinde, in welchem ich einen Menschen von offenem und biederem Charakter fand. Mr. Seewy zeigte mir in Begleitung des Mr. Goldstein ein Grundstück in der Nähe von Gaza ..." Es ist dies eine harmlose Bemerkung, solange man nicht weiß, wer der brave und tüchtige Agent ist. Dieser Seewi ist — laßt euer Haupt zu Boden sinken — Mitglied der Poale Zion in der Assefat Haniwcharim, Vertreter der Poale Zion in der Jerusalemer Kehilla und Vorstandsmitglied der „Mapai" (polit. Organ, d. Poale Zion) in Jerusalem. Und erst vor kurzem hat ihn die Poale Zion ins Szold-Kommittee für die deutschen Juden entsandt. Wahrlich ein forscher Genosse, ein wackerer Klassenkämpfer ... AUS PALÄSTINA Neue amerikanische Investition** gesellsdiaft für Palästina Wie aus Berichten, die bei der Palästina-Exekutive der Jewish Agency eingelaufen sind, hervorgeht, ist es dem Mitglied der Exekutive Emanuel Neuman gelungen, in den Vereinigten Staaten die Gründung einer neuen großen Investitions-Gesellschaft für Paläs t i n a in die Wege zu leiten. Die neue Gesellschaft findet aktive Unterstützung durch Richter Louis Brandeis. Ihre Hauptätigkeit wird die Gesellschaft, deren Kapital 250.000 Pfund betragen soll, auf Investitionen in der palästinensischen Landwirtschaft richten. Grundsteinlegung zu den Ausstellung«« gebäuden der LevantesMesse in TelWIitiw Am 16. August nahm der High Commissioner von Palästina die Grundsteinlegung zu den Ausstellungsgebäuden der Levante-Messe in Tel-Awiw vor. Der Zeremonie wohnten zahlreiche hohe Regierungsbeamte, ausländische Konsuln und andere hervorragende Persönlichkeiten der wirtschaftlichen und politischen Kreise bei. An die Feier der Grundsteinlegung schloß sich ein Tee im Ritz-Hotel. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Meir Dizengoff, hielt eine Ansprache, in der er erklärte, die Levante-Messe werde sich jetzt, da sie ein j dauerndes Heim erhalte, zum Handelszentrum des | gesamten Mittleren Ostens entwickeln. j High Commissioner Sir Arthur Wauchope kündigte die Errichtung eines ständigen britischen Pavillons > auf der Tel-Awiwer Messe an. Er wies darauf hin, dall 66 Prozent des Palästina-Exports von England auf« genommen werden. Er versprach, daß die Regierung in jeder möglichen Art die Entwicklung der Messe fördern werde, und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß dl« Levante-Messe des Jahres 1934 einen Markstein in der Entwicklung von Tel-Awiw bilden und ganz Palästina zum Vorteil gereichen werde. Auf einer vor einigen Wochen in Tel-Awiw abgehaltenen Versammlung des Levante-Messe-Komitees berichtete dessen Vorsitzender Bürgermeister Dizengoff, er habe anläßlich seiner vor kurzem unternommenen Europa- Reise mit den Vertetern des Regierungs-Departements fü* Ueberseehandel und des englischen Industrieverbandes Fühlung genommen und hierbei festgestellt, daß diese Körperschaften lebhaftes Interesse für die Levante-Messe zeigen. Grundsätzliche Regelung der jüdischen Beteiligung an öffentlichen Arbeiten Das Departement für öffentliche Arbeiten bei de< Palästina-Regierung hat seine Unterabteilungen bei den einzelnen Distrikten angewiesen, von nun an bei allen durch Regierungsstellen zu vergebenden öffentlichen Arbeiten jüdische Arbeiter in einem Ausmaß zu beschäftigen, daß ein Drittel der für Löhne bestimmten Gelder an jüdische Arbeiter zur Auszahlung gelangt. lllllllllllllllllll PetitffPoHitSfiTaschen in neuer Form Eine erfolgreiche Wiener Modeneuheit auf dem Weltmarkt. Aus dem Wiener Kunstgewerbe, das mit Fug und Recht zu den vornehmsten Aktiven unseres verarmten Landes zählt, kommt frohe Botschaft! Immer wieder bringt es in schöpferischem Gestalten neue Ideen, immer wieder läßt es das Ausland aufhorchen, weiß es die internationalen Modezentren für seine Neuheiten zu interessieren. Die Wiener Petit-Points-Stickerei, die in den Nachkriegsjahren mit ihren unendlich feinen, mühsam gearbeiteten Kunstwerken die Welt eroberte, wurde durch die geniale Idee einer führenden Wiener Kunstgewerblerin in ganz neue, den heutigen Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen besser entsprechende Bahnen gelenkt. Die Leinentasche mit Indanthren handgestickten Petit-Points ist eine wunderbare, aus dem Geist der heutigen Mode geborne Neuheit, die nicht nur im Fluge das Herz der Wiener Dame erobern, sondern auch dem Weiße wnä pastellgetönteLeinentaschen mit Petit-Point«- Stickerei altbewährten Ruf des Wiener Kunsthandwerks auf dem Weltmarkt wieder neue Lorbeeren eintragen wird. Die Pariser Haute Couture hat diese entzückende Neuheit mit großer Begeisterung aufgenommen und diktiert bereits: Im Leinenjahr die Leinentasche! Diese neuen Modelle, künstlerisch in Farbgebung und Zeichnung, werden dabei um vieles billiger sein können, da sie nicht wie früher auf Millergaze, sondern auf pastellfarbigen oder schwarzweißen Leinengrund gearbeitet werden. Viele geschickte Hände dürfen sich wieder regen, und lassen in die reizenden Muster des Barocks, der Renaissance und des Wiener Biedermeier den ganzen Charme der lebensfrohen österreichischen Kunst mit einfließen. Die aparten Verschlüsse und Formen geben den. Modellen Abwechslung und individuelles Gepräge. Mit patriotischem Stolz wird die Wiener Dame ihrer Leinen- Petit-Point-Tasche das gleichartige Set von Utensilien entnehmen können: Flapjack, Geldbörse, Visitiere und Tabatiere — alle im gleichen Stil —, die der österreichischen Qualitätsarbeit, dem vollendeten Geschmack des Wiener Kunstgewerbes wieder ein glänzendes Zeugnis ausstellen... äjiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiigiiiiiiiiiiiuiiiii Die skizzierten Taschen i sind Originalmodelle des | | Studio J. Jolles j | Wien VII, Andreasgasse 6 1 IM —■ «M —■■ 55 5*?iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiii§