Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 311 (25.8.1933)
- Date
- 1933-08-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freilag/ den 2S« Aiigiiit 1933 Nr« 31t V« Ii. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par re'diteur*« 18? Titl. Un»v iversHätsbibUothck Wien, 1 REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN t -Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, eanjiähriaS 16.-«; Poleni monatlich Zloty 2.-, vlerteHährla Zloty 6.-. Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vlerteJjährlR Kc 15.-} Ingoslawleo monatlich Dinar U.-, Vierteljahr!* Dinar 40.-: Roman!«,, monatlich Lei 40.-» vierteljährig Lel.120.-r Deatscbland monatlich Mark I.-. vierteljährig Mark 3.--: Bulgarien monatlich Uwa_40—, vleHelttfnif Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire U.-j Sehwelz und die übr Igen Länder monatlich Schweiler Francs IJjo, vtotcP Jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion o. Verwaltung: Wien IX, Universitätssir. 6-8t leL B^t8-504 — Erscheint jeden Freitag Auftakt zum Prager Zioni'§ien-Kongreß 1.50 FürS ■ Weekend im Dianabad Samstag oder Sonntag den ganzen Nachmittag Im We 11 e n - Schwi m m bad mit Freiluf(«Sonnenbad Vorzügliches Dachgar ten-Res tauran i Famllicnbad in baidan Schwimmhallen und in einer Abteilung des Sennenbades Schwim m und S onn enbäder auch Nontag offen! MARIE NB Ai i » Marienbader Muhle « Bestempfoblenes Haus mit allem Komfort 1 Marienbafl Hotel Leipzig Direkt neben der Kurpromenade, günstigste Lage. Fließendes warmes und kaltes Wasser in allen Zimmern. Zeitgemäße Preise. MAX STINGL, Besitzer Kurhaus »Flora« Telephon Nr. 2607 / Besitzer M. 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Das Stück jüdischer Geschichte, das nun folgen soll — als Resultat des zionistischen Gedankens, wie Herzl ihn verstand und lehrte, ist Männern anvertraut, von denen man nicht weiß, wie sie sich unter dem Druck der Verhältnisse — allgemeine Judennot und Einschnürung des palästinensischen Aufbauwillens durch die britische Mandatsmacht — bewähren werden. Bisher hat die jüdische und zionistische Welt nur von dem Glauben an eine bessere Zukunft gehört, sowohl in der Eröffnungsrede Nahum Sokolows, der zum erstenmal in seinem wirkungsreichen Leben einen Zionistenkongreß als Präsident eröffnete, wie in dem politischen Referat des Exekutivmitgliedes Professor Brodetzky, dem scheinbar die Gleichsetzung der Juden mit den Arabern im jüdischen Nationalheim genügte. Aber wir wollen nicht skeptisch und nicht mißtrauisch sein. Die großen Arbeitssitzungen stehen noch bevor. Vielleicht haben wir das Glück, daß der Geist Theodor Herzls, von dem man an den zwei ersten Tagen nicht viel verspürte, doch noch eine Gaststätte im Prager Repräsentantenhaus findet und den Sinn der zionisti« sehen Völksvertretung zu jener Form des Gemein* wesens hindrängt, den man einfach als Judenstaat bezeichnet. An beiden Abenden fiel das Wort „Appell an den Völkerbund"; es fiel aber auch das Wort vom „Schatten von Beschlüssen und Projekten der englischen Regierun g". Hier die nötige Festigkeit zeigen, die allerdings nur im Rahmen des großen Zieles möglich ist, hieße die Bedeutung der Stunde verstehen. Nahum Sokolows Eröffnungsi ede Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* (loben Notizen sind durch ein beiflefüflte-* E bezeichnet Aus Prag wird unter dem 21. August gemeldet: Lange vor der festgesetzten Stunde strömten Scharen von Zuhörern und Neugierigen dem Lucerna-Saale zu, um dem feierlichen Akt der Eröffnung des XVIII. Zipnistenkon|fresses beiw^ohnen zu können. Bald war der riesige Raüm: in allen seinen Rängen dicht gefüllt. Auf d#r*S4ira^e"~sa^ -in dem -schoii längst ausverkau$t%:#^ chen zu ergattern. Die Kongreßeröffnung mußte, lim der großen Menge von Interessierten die Möglichkeit zu geben, sie anzuhören, durch das Radio übertragen werden. Inzwischen hatten sich im Parterre des Lucerna- Saales die Delegierten versammelt. Punkt 8 Uhr 30 Minuten abends kündigte der Leiter des Kongreßbüros durch die traditionellen drei Hammerschläge den Einzug der Exekutive an, die kurz darauf mit dem Präsidenten Sokolow an der Spitze das Podium betrat. Begeisterte Oyationen des ganzen Hauses begleiteten die Führer. An dem Tisch, wo die Exekutive ihre Sitze einnahm, war ein Stuhl, schwarz drapiert, unbesetzt geblieben. Er erinnerte daran, daß einer unserer Besten, der dieser Exekutive angehört hatte, Dr. Chaim Arlosoroff, diesen Kongreß nicht mehr hatte erleben dürfen. Als die Exekutive Platz genommen hatte, brauste Lewandowskis „Hallelujah", vom „Hanigun", einem Chor von dreißig jüdischen Sängern, angestimmt, mächtig durch den Saal. Präsident Sokolow begann seine Eröffnungsrede in hebräischer Sprache. Er führte aus: Hochgeehrter Kongreß! Ich habe die Ehre, Ihnen einen tiefempfundenen Schalom zu entbieten! Meine nächsten Worte gelten dem herrlichen und gastfreundlichen Lande, in dem wir jetzt weilen, Sie gestatten, daß ich mich zu diesem Zwecke der bevorzugten Sprache des internationalen politischen Verkehrs, nämlich der französischen Sprache, für einige Minuten bedienen werde. An die Tschechoslowakische Republik (in französischer Sprache) Indem ich Sie alle, meine Damen und Herren, Mitglieder des Zionistenkongresses, willkommen heiße in dieser schönen Hauptstadt, die mit unserem Jerusalem den glorreichen Namen einer goldenen Stadt — „Zlatä Praha" — teilt und die eine der ältesten jüdischen Gemeinden der Welt besitzt, möchte ich unserem Gefühl der Ehrfurcht und Bewunderung für das tschechische Volk, für die Tschechoslowakische Republik und für das ehrwürdige Haupt dieses Staates, den großen Verteidiger des Rechtes, Se. Exzellenz Präsident Masaryk, zum Ausdruck bringen. ' Wir bewundern die Tschechoslowakei als die vollkommene Inkarnation des Triumphes des unzerstörbaren und heiligen nationalen Rechts. Die Ehre wahrer Zivilisation ist es, daß die Schwäche durch die Kraft respektiert wird und daß die ewige Moral selbst unter den Spießen und Bajonetten besteht. Die jüngste Geschichte der Tschechoslowakei, hat gezeigt, daß weder Gewalt noch Zeit einem Volk sein Erbe zu entreißon vermögen. Das tschechoslowakische Volk-hat über die zahllosen Schwierigkeiten triumphiert. Es hat alle seine Kräfte zusammengenommen und dabei zugleich an das Wohlwollen der gesamten Wlet appelliert. Und da ist es nun teIa arbeitendes und freies Volk in seiner nationalen Heimstätte! Wie wir Zionisten, wir Sänger der „Ha- Tikwah", so sang das starke tschechische Volk, getreu seinen Traditionen, seine Hymne der Hoffnung: „Kde domov muj". Glücklicherweise kann es jetzt schon das i . Halleluja seiner Befreiung ertönen lassen. Wir rufen ihra den Glückwunsch zu: „Na zdar!" v An den englischen Botschafter (in englischer Sprache);'; Und nu|t ijöchte ich einige Worte herzlicher Begrüßungän den Botschafter Sr. ^äjpstät des-Königs von England in englischer Sprache richten: / . Sir! Bei dieser feierlichen Gelegenheit, der Eröffnung des 18. Zionistenkongresses in Prag, ist es mir eine Ehre und eine Auszeichnung, Ew. Exzellenz im Namen des Kongresses begrüßen zu dürfen. In dieser Zeit der Prüfungen und des Leides für uns sind wir hier versammelt, um alle Probleme zu diskutieren, die mit dem jüdischen Volk und der Nationalheimstätte in Zusammenhang stehen. Es braucht kaum weiter ausgeführt zu werden, in welchem Ausmaße alle unsere Pläne und Wünsche bezüglich des großen Experiments von der Weisheit und dem Wohlwollen der Mandatsmacht abhängen. Wir betrachten Ihre wertvolle Hilfe in voller Würdigung der Autorität Großbritanniens. In den tiefsten Sorgen unserer gegenwärtigen Situation in den Ländern der Unterdrückung war es uns ein. wirklicher Trost, zu sehen, wie Ihr größter Mann sich gegen Unrecht, Greuel und ungezügelte Rassenleidenschaften erhob. Ich bitte, Ew. Exzellenz den Ausdruck unserer ewigen Verehrung ausdrücken zu dürfen. An die anderen Regierungen (in französischer Sprache) Ich begrüße ehrfürchtig und in tiefster Dankbarkeit die verehrten Vertreter der Französischen Republik und der Polnischen Republik. Wir werden niemals vergessen, daß die große französische Revolution, die eine wahrhafte, ihres Namens würdige Revolution gewesen ist, als erste die Emanzipation der Juden proklamierte und daß Frankreich auch das erste Land war — ich hatte selbst .jäas Dokument in Händen — das uns seine-Mitwirkung bei der Schaffung der jüdischen Heimstätte \m Lande Israel zusicherte. Das gastliche Frankreich, inspiriert von einem Geiste der Menschlichkeit, hat in seinem großen Lande stets der Gerechtigkeit und Gleichheit Widerhall verliehen. Und was das ritterliche Polen anbetrifft, dessen Regierung mir eine klare, freundschaftliche Erklärung über den Zionismus gegeben hat, das Land einer politischen Renaissance, mit der größten jüdischen. Bevölkerung unter den europäischen Ländern, das uns auch die große Mehrheit unserer Pioniere für das Land Israel gibt, so ist dies in letzter Zeit zu einer Stätte der Zuflucht für unser unglückliches Volk geworden. Ich begrüße Sie, den Herrn Vertreter Italiens, dessen Regierung uns in außerordentlicher Güte und Großzügigkeit eine Reihe von Zufluchtsstätten, besonders für-unsere studierende Jugend, angeboten hat. Und Sie, meine Herren Vertreter der anderen Länder, vor allem Sie, die Sie die edlen Vereinigten Staaten vertreten mit ihrer freien und generösen jüdischen Bevölkerung, die so zahlreich und der großen Mission ihres Vaterlandes so ergeben ist — seien Sie willkommen und gegrüßt mit dem hebräischen Gruß „Söhalom", das bedeutet: „Frieden". Unser Werk des Friedens und der Zivilisation braucht nur eines: es braucht Sympathie, aufmerksame Beachtung und ein wenig Geduld seitens der Welt.' Ich hoffe, daß Sie uns Ihr Wohlwollen gewähren. Hoher Kongreß! Wir versammeln uns diesmal in einer Zeit der Not und des Leidens. Die ganze Tragödie des zweitausendjährigen Galuth hat sich unseren entsetzten Blicken entscheiert. Der Antisemitismus hat letztens unserem Volke in der Diaspora einen Stoß ins Herz versetzt. Die Fund«ymente der Emanzipation sind wie von einem Erdbebeft S3B9B1 ■