Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 309 (11.8.1933)
- Date
- 1933-08-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 303 Herren <jesu Wir bringen jeden Samstag während der Sensationswochen für starke Herren Hemden bis Halsweile Nr. 50 Unterhosen bis Bauchwelte ISO cm AnsUge bis Größe Nr. 60 zu Sensati ons-Einführungspreisen: Herren*Kragen( steif, moderne Fasson, bis Halt« weite. So cm, per Stück................S -.59 Strapas«Knie*HOSe, französische Binde, bis 4 QO Saudiwefte 150 cm..................S JUtfO 2.50 5.90 7.90 Poröses Crgpe-PolO-Hemd mit Ausschlagkragen, Modefarben Halbärmel, bis Halsweite 50 cm . 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Eine gleichzeitig vorgenommene Aenderung des ärztlichen Reichstarifs für das Versorgungswesen bestimmt, daß die Kassenärztliche Vereinigung in der Reichsversorgung mit Wirkung vom 1. September ab die Zulassung der nichtarischen Aerzte für beendet zu erklären hat. Ausscheidung von nichtarischen Richtern und Rechtsanwälten Aus Berlin: Im Laufe der letzten Woche wurden zahlreiche Richter, Staatsanwälte, Notare, Rechtsanwälte und Gerichtsassessoren entlassen. In Berlin sind neuerdings 2 Senatspräsidenten am Kammergericht, 5 *< Kammergerichtsräte, 17 v Landgerichtsdirektoren und 56 Land- und Amtsgerichtsräte ausgeschieden. Der frühere .Ministerialdirigent im Justizministerium, Doktor Rosenfeldt, wurde in den Ruhestand versetzt. 36 Justizbeamte traten mit Ruhegehalt, .124, darunter eine große Anzahl von Assessoren,. o h n e R.u h e g e h alt in den,Ruhestand. ' Femer. wurden 21 Notare, .davon 10 in Berlin, aus "dem Amt entlassen. In' der Liste der Rechtsanwälte wurden 18 5 Reehtsanwälte gelöscht. Davon wären 47 Notare, so daß mit der Löschung als Rechtsanwalt gleichzeitig ihr Amt als Notar erloschen ist. Unter den 185 gelöschten Rechtsanwälten sind etwa 130 aus Berlin. Selbstmord eines jüdischen Anwalts Berlin, 7. August. (J. T. A.) Wie die „Vossische Zeitung" meldet, wurde von Anglern aus der Reglitz, einem Nebenarm der Oder, die Leiche des Stettiner Rechtsanwalts und Notars Dr. Marcuse an Land gebracht. Aeußere Verletzungen konnten nicht festgestellt werden, so daß wohl mit Sicherheit Selbstmord anzunehmen ist. Badeverbot für Juden in Erlangen Aus Erlangen; Der Bürgermeister von Erlangen A. Groß hat folgende Kundmachung erlassen: „Das städtische Röthelheimbad ist bisher im wesentlichen von dem Besuch von Juden verschont geblieben, so 4aß sich ein Verbot des Betretens des Badegeländes durch Juden erübrigte. Da aber nunmehr in Nürnberg und anderwärts den Juden der Zutritt zu Bädern verboten wurde, ist zu befürchten, daß aus der Umgebung in das Röthelheimbad Juden kommen. Ich ordne deshalb an: Zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ist Juden der Zutritt zum Röthelheimbad mit sofortiger Wirkung verböten." Polizeiliche Schließung eines jüdischen Geschäftes Aus Frankfurt a. M.: Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Stuttgart: In Rottwell am Neckar wurde das jüdische Schuhgeschäft Oko polizeilich geschlossen und der Inhaber in Schutzhaft genommen, nachdem eine große Menschenmenge vor dem Geschäft wegen des Verkaufes billiger Schuhe eine Protestdemonstration veranstaltet hatte. „Eine deutsche Frau tanzt nicht mit einem Juden" Aus Berlin: Die Verwaltung des Nordseebades Norderney hat im Gesellschaftssalon des Kurhauses ein Schild mit folgender Inschrift anbringen lassen: „Eine deutsche Frau tanzt nicht mit einem Juden!" Juden dürfen die Nürnberger Schwimmbäder nicht besuchen Aus Nürnberg: Als erste größere Stadt hat Nürnberg angeordnet, daß Juden der Zutritt zu den Schwimmbädern der sämtlichen städtischen Badeanstalten verboten ist. Auf die Wannen- und Brausebäder erstreckt sich das Verbot nicht. Juden wird das Betreten fränkischer Ortschaften verboten Aus Nürnberg: Wie die vom Reichstagsabgeordneten Julius Streicher herausgegebene „Fränkische Tageszeitung" meldet, hat der Gemeinderat von Oberroßbach, Bezirk A. Neustadt a. d. Aisch folgende vom Bürgermeister Low gezeichnete Bekanntmachung veröffentlicht: „Es wird hiermit zur Kenntnis gebracht, daß Fremdrassige die Ortschaften Oberroßbach, Unterroßbach und Rimbach nicht mehr zu betreten haben, es sei denn, sie haben die Genehmigung des Unterzeichneten. Die Gemeinde wird sich bei Uebertretung dieses Beschlusses zu schützen wissen. Handel mit Juden untersagt Aus Nürnberg: Die „Fränkische Tageszeitung" berichtet aus Deberndorf, daß der dortige Gemeinderat einstimmig beschlossen habe, der gesamten Gemeinde öffentlich bekanntzugeben, daß der Handelmit Juden untersagt ist. Beschwerde gegen das Schächtverbot in Oberschlesien Aus Warschau: In Deutsch-Oberschlesien wohnende polnische Juden haben der Schiedsgerichtskommission in Beuthen eine Beschwerde gegen das Schächtverbot überreicht. Das polnische Ministerium des Aeußern hat nach einer Intervention des Abgeordneten Rabbiner Lewin versprochen, die in der Be^ schwerde erhobenen Forderungen zu unterstützen. Was „reindeutsches Erzeugnis" ist Aus Berlin: Die. -.Berliner Handelsk a m m e r hat gütacht^ch^festgestellt, daß eine Ware: auch dann als refedieut^shes Erzeugnis festgestellt .werden, kann, wenn das 'Herstellungsmaterial und die deutsehe n Arbeitsk räfte. mit jüdischem oder ■ ausländischem K a p i t a 1 bezahlt worden sind und ein Teil des Erlöses in jüdischen oder ausländischen Besitz übergeht, vorausgesetzt, daß. die Herstellung durch deutsche, das heißt durch arische Arbeitskräfte erfolgte. AUS PALÄSTINA Arbeit für deutsche Juden in Palästina Aus London: Frau Per sitz, die Tochter Hillel Zlatopolskis,' Besitzerin eines Druck- und Verlagshauses in Palästina, .hat den Vorschlag gemacht, ein großes VerlagsHaus zu gründen, in' dem deutsche Juden beschäftigt .werden sollen und das die Aufgabe haben soll, ', die Werke jü^discher Gelehrter " aus Deutschland zu publizieren. Die Vorbereitungs-i 'arbeiten zur Gründung dieses neuen palästinensischen1; Verlägsh'aüses wurden mit Unterstützung des Präsidenten der Palestine Electric Corporation, Pinchas Ruthenberg, bereits in Angriff genommen. In dem Programm des Unternehmens, für das ein Kapital von 100.000 Pfund aufgebracht werden soll, heißt es,' Aufgabe der Anstalt sei, Juden aus Deutschland die Existenz und die Erhaltung ihres Judentums zu sichern sowie jüdische Religion und Kultur zu fördern. Der Rat der United Synagogue von England hat 10.000 Pfund unter der Bedingung, daß die übrige Kapitalsumme aufgebracht wird, für das neue Unternehmen gezeichnet und dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß das Unternehmen sobald als möglich zu funktionleren beginne, da es sicherlich einer großen Zahl wissenschaftlich qualifizierter Kräfte Beschäftigung bieten und der jüdisch-kulturellen Entwicklung große Dienste leisten werde. . 100.000 Pfund für den Aufbau von Safed Aus Jerusalem: Frau Sarah Levi aus Singapore, die sich gegenwärtig in Palästina aufhält, hat beschlossen, ihr gesamtes, etwa 100.000 Pfund betragendes Vermögen für den Wiederaufbau der Stadt Safed, die während der Unruhen von 1929 schwer gelitten hat, zu verwenden. Ein neues Wohnviertel, eine Synagoge und eine große Mittelschule sollen auf dem bei der Stadt liegenden Berg Kanaan errichtet werden. Zur Durchführung dieses Planes wurde ein Komitee eingesetzt, dem Frau Levi als Ehrenpräsidentin angehört. Konferenzen Hedschas-Transjordanien Aus Jerusa 1 em: Dieser Tage ist in Palästina der enghjofc^ Resident< yo-n> *Teohadda; '•' (Arjtbjeä) Sir Andrew Reeman eingetroffen, um Unterhandlungen mit dem Königreich Hedschas (König Ibn Saud) und Transjordanien zu führen. Der Oberkommissär von Palästina hat zu Ehren des Gastes einen Empfang veranstaltet, zu dem die Hedschas-Delegation mit dem Außenminister Fuad Bei el Hamsa, die transjordanische Delegation, die Departementchefs der Palästina-Regierung und von dem palästinensischen Konsularkörper bloß der polnische Generalkonsul in Jerusalem Dr. Kurnikowsky eingeladen waren. Ein päpstlicher Delegierter in Palästina Aus Jerusalem: Am 2. August ist hier als apostolischer Delegierter für Palästina, Aegypten und Arabien der Erzbischof Bartolini angekommen. Bialik für Schaffung einer Einheitsfront auf dem Zionistenkongreß Aus Jerusalem: Der berühmte Dichter Chaim Nachman Bialik, der als Delegierter Argentiniens an dem bevorstehenden Zionistenkongreß teilnehmen wird, erklärte vor seiher Abreise von Palästina nach Prag in einem Gespräch mit dem Vertreter der hebräischen Tageszeitung „Haaretz", auf dem Kongreß müsse eine Einheitsfront von links bis rechts geschaffen werden. In diese nationale Koalition sollten die hervorragendsten Führer aller Parteien eintreten; jedem von ihnen solle ein Tätigkeitsgebiet entsprechend seinen besonderen Fähigkeiten eingeräumt werden. Bialik sprach sich gegen die Liquidierung der erweiterten Jewish Agency aus und erklärte, dafür eintreten zu wollen, daß im Gegenteil neue Kräfte in die Agency einbezogen werden. Ferner sprach er sich für die Schaffung eines besonderen Kulturfonds aus. * Bialik wird nicht, wie allgemein angenommen, auf dem Prager Zionistenkongreß das Kulturreferat erstatten. Er hat einen diesbezüglichen Antrag abgelehnt mit der Erklärung, daß die Interesse- und Verständnislosigkeit der offiziellen zionistischen Führung in Fragen der hebräischen Kultur den Grund zu seiner Absage bilde. Hebräisches Pädagogium in Wien Die Einschreibungen für das 16. Unterrichtsjahr 1933/34 haben bereits begonnen. Anmeldungen neuer Hörer werden entgegengenommen im Sekretariat, .II., Tempelgasse 3, jeden Donnerstag von 11 bis 12 Uhr, Daselbst auch Auskünfte über die erforderliche Vorbildung, Studiendauer und dergleichen. udifdie §p«fIf lind illillllllllil T u r ro h € w e q u n s», Zur Prager Makkabiade Außerordentlich zahlreich sind die Meldungen zur Prager Makkabiade eingelaufen. Die palästinensisch e Mannschaft ist mit 63 Aktiven bereits auf dem Wege nach der Tschechoslowakei. Sie bringt je eine komplette Fußball-, Handball- und Wasserballmannschaft mit, ferner Turner und Leichtathleten, unter denen sich der frühere tschechoslowakische Meister Frankl befindet. Bulgarien beteilige sich: mit 15 Turnern, Polen entsendet insgesamt 1000 Mann. Doch nur 400 werden sich aktiv beteiligen, 300 Mann bei den Freiübungen, 100 Mann in den verschiedensten Sportdisziplinen. Aus Ungarn kommt Särkäny, einer der besten Turner der Welt, dazu,eine Turnermannsohaft, die kaum zu schlagen sein, wird, eine starke.. Wasserball- und Schwimmanschaft. L b n d,ö.n stellt 70 Wettkämpfer, unter denen die Tennisspieler, Leichtathleten und Schwimmer hervorragen. Aus London kommt '■ auch D a n i e 1 P r e n n, der Weltranglistenspieler, der früher Deutschland im Tennis vertrat* Deutschland hat 100 Mann, gemeldet, darunter die ausgezeichneten Berliner. Bär-Kochba-Leichtathleten. Sehr stark werden die Wiener vertreten sein, die mit den Gesellschaft^ und Studienreise nadi Palästina Am 6. September 1933 findet im Anschluß an den XVIII. Zionistenkongreß von Wien aus eine interessante Gesellschaftsreise nach Palästina statt. Mit dem bekannten Lloyddampfer „Vienna" wird zunächst eine Mittelmeerrundfahrt veranstaltet, welche die Reisegesellschaft von Triest über Venedig, Konstantinopel, Athen, Rhodos, Zypern usw. nach Palästina bringt. Nach einem 151 ä g igen Aufenthalt in Palästina — Rogch-Haschanah wird in Jerusalem zugebracht — wird sich die Reisegesellschaft über Kairo, wo mehr als zwei Tage verbracht werden, nach Alexandrien begeben, um die Rückreise mit dem Lloyddampfer „Helouan" anzutreten. Ein längerer Aufenthalt in Syrakus, Neapel und Genua bildet eine angenehme Unterbrechung der Seereise. Am 11. August findet außerdem eine Sonderfahrt nach Palästina statt. Die Seereise wird mit dem Lloyddampfer „Adr ia" in der III. Klasse spezial (vereinfachte II. Klasse) zurückgelegt und führt Uber Alexandrien nach Palästina. Ein eintägiger Aufenthalt in Venedig, mehrere Stunden in Athen usw. bereichern das Programm. Die Zuteilung der Kabinen auf den Dampfern erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen. Es liegt daher im Interesse der Reiseteilnehmer, solche ehestens vorzunehmen. Anmeldeschluß für die Augustreise 7. August. Das Gesamtarrangement der Reise liegt in den Händen von Frau Berta Taubes, während die technische Durchführung vom Reisebüro „Marienbrücke" (Palästinadienst), I., Rotenturrastraße 26, besorgt wird« Xei. R-24-2-86 und R-24-2-87. Verlangen Sie Proanekts.