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Die neue Welt · 1933-07-21 · Heft 306 (21.7.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 306 (21.7.1933)
Date
1933-07-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 306 <£<: pllHIIMIIIHIIIIIIHIM^ IINTRIESTEMPFEHLEN WIR BEI IHREM AUFENTHALT FOLGENDE HOTELS 11 Savoia-Excelsior-Palace Hotel Größtes und vornehmstes Haus Tfiests / Direkt an der Riva gelegen /Mit allem Komfort eingerichtet/Sehr reduzierte Preise Prospekte gratis Direkt am Meere gelegen / Durch vollständige Renovierung seines hundertjährigen Rufes würdig Modernster K o m f o 11 / Fließendes Kalt- und Warmwasser / Privatbäder Bar / Bridge-Stube / Erstklassiges, vorzügliches Restaurant mit Sommerterrasse Direktion Cav. Giulio Fano HOTEL „CONTINENTAL" TRI EST ^L^j^^ Gediegenes Familien-Hotel / Zentral gelegen / Bei mäßigen Preisen jeder Komfort / Fließendes Kalt- und Warmwasser Zentralheizung / Lift / Bäder / Lese- und Schreibzimmer Ruhigste Lage / Erstklassiges, vorzügliches Restaurant Autobus am Bahnhof JJftit zirka 5000 Schilling gesucht. Auskünfte erteilt der ' Austrq-Palästinensische Wirtschaftsdienst. Pälästihareise des Austro-Palästinensischen Wirtschaf tsdienst. Die vierte Gesellschafts- und Studienr.e i s e des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes: findet in der ersten Hälfte des Monates Sep-: tember statt. Die Prospekte werden in zirka zwei bis drei Wochen fertiggestellt sein und können dann kosten- ' frei angefordert werden. Levanfe*Märkfe Technisierung des Orients — Sprunghaft steigender Import — Kein Devisenproblem — Exportmöglichkeiten — Levante-Messe Tel-Awiw 1934 Von Dr. J. A d 1 e r (Tel-Awiw). Der Einfluß der internatioalen Depression stößt auf dem östlichen Mittelmeergebiet auf eine starke Gegenbewegung, die sich im wesentlichen als „Investie-i rungs-Konjunktur" kennzeichnet. Die Länder:vom Nil bis zum Euphrat, von der Südspitze Arabiens bis zu den Dardanellen sind Jahrhunderte hindurch vernachlässigt gewesen. Nun sind sie heute, dank der weltge- \ schichtlichen Geschehnisse, erwacht und suchen das Ver-; säumte in ungestümem Tempo nachzuholen.. Natürlich sind Zeitmaß und Rhythmus der Technisierung des Orients von Land zu Land verschieden. Am erstaunlichsten geht der Aufbau wohl in P a1ä s t in a vorwärts, seit Jahren ein Schauplatz einer / kühnen und großartigen Kolonisation, die gerade in allerjüngster Zeit durch den Zuzug von . tausenden kapitalkräftiger, arbeitsamer und unternehmungslustiger Juden einen neuen Antrieb von außerordentlicher Reichweite er-'' .halten hat. Vor den Augen der erstaunten Umwelt verwirklicht sioh hier ein alter Programmpunkt der zionistischen Bewegung: Palästina.als Industrie- und Handelszentrum des Nahen Ostens, als aktivster aller Levantemärkte. Sprunghaft steigen die Warenbedürfnisse in diesem Lande der Verjüngung und Modernisierung. Von 1931 bis 1932 hat sich Palästinas Gesamtimport von 5,9 auf 7,8 Millionen Pfund Sterling erhöht. Die Bautätigkeit in . Stadt und Land, die Anlegung neuer Pflanzungen und Werkstätten, die den unablässig zuströmenden jüdischen Einwandererscharen Unterkunft und Arbeit gewähren sollen, hat einen förmlichen „Hunger" nach Importwaren erzeugt. Man braucht Maschinen verschiedenster Art, Elektromaterialien, Automobile, Baugeräte, Haus- und Küchenutensilien, Textilwaren, Papierwaren— ebenso wie man Absatzmärkte für die eigene Produktion an Orangen, Grape-fruits, Olivenöl, Weinen, Frühgemüsen sucht. Nebenher geht ein Austauach in der Touristik: Der Palästinenser ist sehr reiselustig und ' besucht von Zeit zu Zeit immer wieder gern das alte Europa; nicht minder wünscht er, Reisende aus aller Welt in seiner schönen Heimat zu sehen. Würdigt man dies alles, so kommt man unausweichlich zu der Frage: Haben die Kreise, denen die Initiative der Exportwerbung und der Fremdenverkehr s f ö r d er ung anvertraut ist, die levantinische und im besonderen palästinensische Chance schon voll erkannt? Zähe ringt heute der europäische Exporteur selbst um relativ kleine Absatzquoten, die sich fast unnahbar hinter Zoll- und Devisenmauern verschanzen. Weiß er auch, daß es in Palästina eine Devisenreglement i e r u n g überhaupt nicht gibt? Vielleicht scheut mancher vor den ungewohnten Modalitäten des Orientgeschäftes zurück. Er sei darüber aufgeklärt, daß die Großkaufleute Tel-Awiws, Jaffas und Haifas nach durchaus europäischen Normen arbeiten und daß Palästinas Bankwesen und Spedition jedem Vergleich mit Westeuropa gewachsen sind. Mit Recht wird man Aufschluß wünschen, auf welchem Wege der europäische Exporteur am sichersten mit leistungsfähigen Firmen Palästinas und seiner Nachbarländer in Verbindung kommt. Die Antwort darauf wird man sicher finden in der Levantemesse in Tel-Awiw. pie nächste Tel-Awiwer Messe — sie findet alle zwei Jahre statt — wird, im Frühjahr 1934 veranstaltet * werden, ■ » Ein paar Zahlen dürften zum Nachdenken anregen: Pie vorletzte Tel-Awiwer Levantemesse (1929)- zählte 330 Aussteller und 120.000 Besucher, die letzte (1932) bereits 1226 Aussteller und 285.000 Besucher, Für 1934 sind die Erwartungen so bedeutend, daß. man erstmalig ein permanentes Messegelände (mit einem Aufwand von 50.000 Pfund) bereitstellen wird. Insbesondere rechnet man mit einer weiteren Vervielfachung der Zahl der Auslandsaussteller. ' Exporteure und Industrielle dürfen sich die Chance nicht entgehen lassen, mit verhältnismäßig geringen 'Kosten tausende neuer leistungsfähiger Auslandskunden 1 zu gewinnen. Sabbatschutz in Palästina. .Aus Tel-Awiw: Zur Frage des Sabbatschutzes in,Palästina nahm eine von über 6000 Personen besuchte, ^Massenversammlung Stellung. Der Dichter Chaim Nachman Bialik, der im letzten Augenblick verhindert war,' seine, für diese Versammlung angekündigte Rede , zu halten, hatte ein Schreiben , geschickt, das zu Beginn der Tagesordnung verlesen wurde. In diesem Schreiben fordert Bialik die Vorkämpfer der Sabbatschutzbewegung, auf,,in. ihremrKampf um vollständige Beobachtung des Sabbat durch den . Jischuw nicht zu erlahmen, denn ohne Sabbatbeobachtung sei ein volles jüdisches Nationalleben nicht möglich. Das Vorgehen derjenigen, die den .Sabbat öffentlich entweihen, verurteilt Bialik aufs schärf'sjte.. -Nach Ansprachen. von Bürgermeister Meir Dizengoff, den Rabbinern G.old und Uziel und dem Vertreter des Misrachi P i n c o s wurde eine . Reihe von. Resolutionen gefaßt, in denen . g e gen Sabbat etjfrt^|ph u n g ^nf T.e i -A w i „w pro«; testiert und die Regierung ^aufgeforde^ tigung. des: von der Stadtgehjeinde 4Tel-Awiw angenommenen Sabbatschutzgesetzes zu beschleunigen« Die Versammlung beschloß, den Gemeinderat von Tel-« Awiw und das Rabbinat aufzufordern, eine Delegation zum High Commissioner zu entsenden, um ihm die Bitte der jüdischen Bevölkerung zur baldigstmöglichen Inkraftsetzung der Sabbatschutzverordnung vorzutragen. 50 jüdische "Familien aus Deutschland werden in Wadi Hawarith angesiedelt Aus Jerusalem: Der Jüdische Nationalfonds hat eine Parzelle, von 1000 Dunam im Wadt Hawarith-Gebiet zur Anlage einer Siedlung für. 50 jüdische Familien aus Deutschland bestimmt. Die Zuteilung dieses Bodens an deutsche Juden wurde durch die von den palästinensischen Gerichten jüngst getroffene Entscheidung zugunsten des Nationalfonds in dem um die Wadi Hawarith-Ländereien entstandenen Bodenstreit ermöglicht. Das über 5000 Dunam umfassende sogenannte „strittige Gebiet" in Wadi Hawarith, das nach der endgültigen gerichtlichen Entscheidung als Eigentum des Keren Kajemeth anerkannt wurde, wurde noch in derselben Woche dem Eigentümer zu freier Verfügung überlassen. Die jüdischen Siedler, denen das Land zugeteilt worden war, nahmen es durch Umpflügen der Grenzraine und Errichtung einer Beracke in Besitz. Der Keren Kajemeth hat den früher auf diesem Gebiet angesiedelten Beduinen für die nicht mehr eingebrachte Melonenernte eine angemessene Entschädigung bezahlt. Den Beduinen wurden von der Regierung bewässerte Grundstücke , in Tel Shok bei . Beisan, die für 25.000 Pfund angekauft worden waren, zur Verfügung gestellt. Warum sind wir «gegen kam iont Von B* Elise Das Betreten Palästinas durch den ersten jüdischen Arbeiter war ein Fest für jeden Zionisten, unabhängig davon, welche politische Anschauung dieser Arbeiter vertrat. Wir wußten, daß es ohne den jüdischen Arbeiter kein jüdisches Palästina geben kann. Wir waren niemals der Ansicht Achad Haams, daß der jüdische Arbeiter ungeeignet sei und daß wir beim Aufbau - des Landes fremde Arbeitskräfte werden einstellen müssen. Wir glaubten, der zionistische Gedanke werde aller Schwierigkeiten Herr werden und der zionistische Enthusiasmus werde Kaders jüdischer Arbeiter schaffen; Dieser unser Glaube ist verwirklicht worden. Die Eroberung der Arbeit war ein sehr schwieriger Prozeß. Der jüdische" Bauer, der in der Jugend selbst Idealist war, ist allzu praktisch geworden. Er ist vom jüdischen Arbeiter abgerückt. Denn der jüdische Arbeiter konnte sich anfangs schwer an. die Lebensbedingungen des Landes gewöhnen. Der jüdische Bauer mußte dem jüdischen Arbeiter einen höheren Lohn als dem arabischen zugestehen. Auch das kulturelle Niveau des jüdischen Arbeiters ließ eine Behandlung — wie die dem arabischen: Arbeiter gegenüber — nicht zu. All dies erschwerte den Weg des jüdischen Arbeiters im Lande. Es mußte ein langer, ermüdender Kampf geführt werden. Aber die zionistische Oeffentlichkeit in- und außerhalb Palästinas stand auf Seite d e s A r b e i t e r s. Und dieser begann eine Position nach der anderen zu erobern. Besonders schnell, ging dieser Prozeß vor sich, als neue Kolonisten ins Land kamen, die die arabische Arbeit nicht kannten, und als der Aufbau Tel-Awiws begann. Den Hauptfaktor für die Festigung der Position der Arbeiter im Lande spielte der zionistische Gedanke und die Sympathie der peffentlichkei t den Arbeitern gegenüber. Diese beiden Faktoren zwangen , auch den Bauern, jüdische Arbeiter zu beschäftigen und ihnen höhere Löhne zu zahlen. Die zionistische Oeffentlichkeit freute sich nicht nur /über die Eroberung der,, Arbeit dui*qh jüdische Arbeiter, sondern unterstützte auch jede neue Schöpfung der- Arbeiter«. Wir alle freuten uns über neu gegründete dek (TdUAwhv) Kwuzoth und Moschäwoth-Owdim. Wir alle wollten, daß Palästina im Geiste der Gerechtigkeit und Freiheit aufgebaut werde. Auch im Jüdischen Natiohalfonds sahen' wir ein Stück Fortschritt und Gerechtigkeit verwirklicht. Wir waren stolz auf den Emek, weil wir in'ihm die Verwirklichung unserer nationalen Freiheit sahen. Im Emek-Siedler sahen wir den Menschen, der mit dem Boden verwurzelt ist und der das Brot seiner Arbeit ißt. Plötzlich ist jedoch eine große Aenderung im Lager der Arbeiter eingetreten. Wir glaubten, daß der, zionistische Gedanke den jüdischen Arbeiter, nach Palästina bringt. Dieser zionistische Gedanke ver* langt aber die Einheit des ganzen Volkes, Ver« :ständnis für alle Klassen. Wir glaubten, daß wir Schulter, an Schulter mit; dem jüdischen Arbeiter unser Heim auf« bauen; werden. Aber mit dem Beginn der dritten Ein« Wanderungsperiode hat sich die Lage von Grund auf geändert. Unter dem Einfluß der russischen Revolution und der Führer, die aus Rußland kamen, begann der sozia 1 istisch.e Gedanke den Platz des zionistischen Gedankens einzunehmen. , Die „Achduth- Haawodah", die sozialdemokratische politische Organisation,' wurde gegründet, welche den Klassencharakter scharf formulierte. Schon der Arbeiter» führer A. D. Gordon sagte, daß bei der Achduth» .Haawodah. die sozialistische Idee:den Zionismus begraben habe. Nach kurzer Zeit verließ auch der anfangs den Klassenkampf und. Marxismus ablehnende „H a poel-Haz a i r" die Lehre seines. Meisters, A. D< Gordon und trat in die Achduth-Haawodah ein. Später, wurde die Histadruth geschaffen. Diese Hiptadruth, die ja eine unpolitische Gewerkschaft . hätte sein sollen, begann den wütendsten Klassenkampf. Ihr Arbeitsv,ermit.tlungsb,üro wurde zum Herrscher, über den ganzen Arbeitsmarkt im Lande. Ihre Jugend begann die Histadruth im Sinne des Hasses gegen den jüdischen Unternehmer und im Sinne der Liebe zum arabischen Arbeiter zu erziehen. Zur selben Zeit/ als die Herren der Histadruth Hai*

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