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Die neue Welt · 1933-07-21 · Heft 306 (21.7.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 306 (21.7.1933)
Date
1933-07-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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,o \3*^ et t*V» MVo^ VJ\e^ V Preis 35 droschen Jahrgang 7 Frefrag/ den f4f. 306 V« b« b* Zeitang vom Verleger versendet »Journal exp£die par Veditenr*« REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZÜQSBEDINQUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährifeS 16.—{Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty 8.—. Tschechoslowakei monatlich Kc6.—, vierteljährig Kc 15*—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.—: Ram&nien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—. vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire.5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs IM, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 Redaktion u, Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-£, Tel B-48-504 — Erscheint jeden Freitag . ■ i i 1 . . " i .1 Meine Antwort Von Roberl Siricker In einigen Zeitungsartikeln, welche unmittelbar »ach der Ermordung Dr. Arlosoroffs, des politischen Referenten der zionistischen Weltorganisation, erschienen, wurde auf das von mir geleitete Blatt, also auf meine Person, hingewiesen. Man erinnerte daran, daß ich immer ein Gegner Dr. Arlosoroffs gewesen sei und brachte in diesem Zusammenhange gegen die Politik Dr. Arlosoroffs gerichtete Zitate aus Artikeln, welche ich vor seinem tragischen Ende geschrieben oder veröffentlicht hatte. Damit war in einer wenig mutigen und ehrenhaften, dafür sehr bezeichnenden Art ein ideeller Zusammenhang zwischen meiner Gegnerschaft und der „Mordatmosphäre" angedeutet. Und das noch im heißen Wahlkampfe um den Zipnistenkongreß, an welchem ich an exponierter Stelle teilnehme . . . Freunde kamen empört, entsetzt zu mir. Sie verlangten, ich möge eingreifen, antworten. Sie machten-sich auch erbötig, selbst einzugreifen. Ich lehnte ab. Der Grund hiefür ist einfach: Wenn Zionisten, meine . Gesinnungsgenossen, sich im politischen Kampfe moralisch erniedrigen, so bedaure ich das, fühle mich aber nicht verpflichtet, zu ihnen hinabzusteigen. Ich war nicht einen Augenblick geneigt, meine politische Beziehung zu Dr. Arlosoroff im Zusammenhange mit der Mordaffäre und in der Atmosphäre, um sie zu erörtern. Ich rechnete seelenruhig damit, daß mein Schweigen, meine Zurückhaltung so ausgelegt werden könnten, als hätte ich etwas in meinem Verhalten gegenüber dem Verstorbenen z» b,ereuen.' Wenn ich heute über mein Verhalten zu Dr. Arlo- Bbroff, besser gesagt, ^zä^^^^r:..^'o^fi^elK?• £ätigk<eit,' spreche, so sind es nicht''perso'MIlöhe, sondern sachliche Gründe» die mich veranlassen, zu erklären, warum ich die von Dr. Arlosoroff betriebene Politik bekämpft habe. Dr. Arlosoroff war nicht der Schöpfer dieser Politik. Er' hat sie von Professor Weizmanh, als dessen Schüler er sich immer und immer bekannte, übernommen und fortgeführt. Es ist die Politik der unbedingten Nachgiebigkeit und des ewigen Zufriedenseins gegenüber der englischen Mandatarmacht. Diese Politik hat eine verhängnisvolle Situation geschaffen: Politische Sorglosigkeit in der zionistischen Weltorganisation, d*e schließlich in Unfähigkeit zu jedem wirksamen Widerstande ausartete. Uebermütige Bedenkenlofigkeit auf selten der englischen Machthaber und der Palästina-Regierung, welche auf dieser Seite schließlich zur Ansicht führte, daß man sich den Zionisten gegenüber alles erlauben darf. Um den Beweis für diese meine Behauptung zu erbringen, brauchte ich leider nicht in die Vergangenheit zurückzugreifen. Die unmittelbare Gegenwart ist traurigste Illustration des von mir gekennzeichneten Zustandes. Vor sechs Tagen hat der englische Kolonienminister dem Londoner Parlament einen von der Palästina-Regierung entworfenen Plan des wirtschaftlichen und politischen Aufbaues Palästinas vorgelegt, der bei allen Zionisten — und auch bei der' zionistischen Leitung — Entsetzen, lähmende Üeberraschung hervorgerufen hat. Dieser Plan basiert auf der totgeglaubten Lüge, daß die Juden die palästinensischen Araber verdrängen und verelenden. Er basiert auf der Absicht, alle Mittel des Landes — und vor allem die Mittel der Juden selbst — für die Forderung der arabischen Kolonisation zu verwenden, nichts für die jüdische Kolonisation.; In Verbindung mit der politischen Idee, die Errichtung eines Parlaments mit arabischer Majorität in Palästina, bedeutet dieser „Wirtschaftsplan" die Ausrottung des Zionismus. Es ist charakteristisch, daß die Londoner Meldung über diesen Vorgang die Bemerkung enthält, daß die Kunde von den Ereignissen auf die zionistische Leitung „wie eine Bombe . , ." gewirkt habe. Hat doch die politische Leitung der zionistischen Organisation, welche erst Professor Weizmann und dann sein Schüler und Nachfolger Dr. Arlosoroff besorgte, beständig erklärt, daß in Kreisen der englischen Regierung und der Palä-, stina-Regierung e h r 1 i c h st e und freundlichste Tendenzen zum Zionismus herrschen. Erst Sorglosigkeit, dann Üeberraschung und Entsetzen! Das sind die Resultate einer Politik, die ich.bekämpft habe, als Professor: Weizmann sie inaugurierte und die ich bekämpft habe, als Dr. Arlosoroff sie weiterführte. Was ich an Professor Weizmann ehre und schätze, das ist die restlose Hingabe seiner hohen Talente an die zionistische Sache, an die Sache des jüdischen Volkes. In gleichem Maße brachte Ich diese Schätzung dem durch Wie eine Bombe ♦ ♦ ♦ Das Attentat auf das jüdische Naifonalheim — Die Juden sollen die Kolonisierung der Araber in Palästina bezahlen — Die Zionistische Exekutive ist Wieder einmal //überrascht" Im englischen Parlamente hat der Kolonialminister den Plan' der Palästina-Regierung, betreffend die Palästina-Anleihe und den Palästina-Auf bau, entwickelt. Der Plan gründet sich auf den sogenannten French-Bericht, das heißt, er bedeutet nicht mehr und nicht weniger als den Bruch der Balfonr- Deklar.ation, den Bruch der England vom Völkerbunde übertragenen Verpflichtung, den Aufbau des Jüdischen National he im es zu fördern. Als der Bericht des englischen Beamten French vor Jahresfrist erschien, der Bericht, der auf der Lüge von den durch die Juden verdrängten Arabern basierte, erhob sich ein Schrei der Entrüstung in der zionistischen Organisation. Der Bericht wurde von zionistischer Seite einstimmig abgelehnt. Die Gemüter beruhigten sich erst, als die zionistische Exekutive nach Verhandlungen mit der englischen Regierung und der englischen Palästina- Regierung erklären ließ, daß der French-Bericht endJ gültig begraben sei. Nun erweist es sich, wie irreführend diese Information war, die zum vorzeitigen Abbruche des Kampfes gegen den unheilvollen French- Bericht geführt hatte. Dem Jüdischen Nationalheimo droht die größteGefahr. Palästina soll mit einer Anleihe von 2 Millionen Pfund belastet werden, deren Zinsen dje Steuerträger Palästinas, also fast zur Gänze die. Juden zu tragen halben. Dafür; sollen die Araber kojqnisi^rt wqr volfstte' Untergang J droht, wenn ihnen nicht" ,die" Pforten. Palästinas geöffnet werden, ein ganz ungeheuerliches Verbrechen am jüdischen Volke! * Die J. T. A. meldet aus London: , In der am 14. Juli abgehaltenen Sitzung des englischen Unterhauses gab der Kolonienminister Sir Philip Cu nlif f e- Lister im Rahmen der Debatte über das Budget des Colonial Office eine Erklärung, betreffend die Frage der Wiederansiedlung der sogenannten „dislozierten" Ar aber in Palästina und die geplante Palästina-Anleihe ab und gab die Entscheidung der Regierung über diese Fragen bekannt. Er stützte sich hierbei auf den überraschenderweise am selben Tage veröffentlichten Bericht des Palästina- Landentwicklungsdirektors Lewis French über landwirtschaftliche Entwicklung und Landsiedlung in Palästina. In zionistischen Kreisen hatte man damit gerechnet, daß im Zusammenhang mit der angekündigten Erklärung Sir Philip Cunliffe-Listers über die Verwendung der geplanten Palästina-Anleihe Palästina-Fragen eingehend besprochen werden würden, und hatte sich darauf vorbereitet, die jüdischen Ansprüche auf Verwendung eines Teils der Anleihe zu jüdischen Aufbauzwecken entsprechend geltend zu machen. Die unerwartete Veröffentlichung des French-Berichtes aber wirkte auf die zionistischen Führer wie e i n e B o m b e, da sie alle Ursache gehabt hatten, anzunehmen, daß die Veröffentlichung des Berichtes erst im Herbst erfolgen würde. Mehr als 18 Monate, hatte man die Veröffentlichung dieses Berichtes hinausgezögert; es hieß, diese Verzögerung sei auf den Wunsch des High Commlssloners zurückzuführen, die Einwände der Juden und der. Araber zum Bericht zu erhalten und auf Grund dieser Einwände sowie des Berichtes selbst Schlüsse zu ziehen. Es war. beabsichtigt, daß diese S c h 1 u ß f o 1 g e r u n g e n des, höchste geistige Fähigkeiten und die gleiche Hingabe ausgezeichneten Dr. Arlosoroff, ' seinem Schüler, entgegen, dessen Ermordung ich aufs tiefste bedauere und als greulichstes, sinnlosestes, feigstes Verbrechen'verdamme. Aber ich bekenne mich als einer, der den politischen Weg Dr. Arlosoroffs als Irrweg betrachtete und vor dessen Beschreiten gewarnt hat und immer warnen wird. Ich fühle mich verpflichtet, das zu erklären. Ich glaube, durch dieses offene Bekenntnis als politischer Gegner dem Toten mehr Ehre zu erweisen als jene, die angesichts einer großen, erschütternden Tragödie kleine Stirn» müngsmache betreiben« High Commlssloners und nicht der French« Bericht selbst die Grundlage der Regierungserklärung über die Landentwicklung in Palästina bilden würden. Die plötzliche Veröffen111chun g; des Berichts hat daher die führenden zionistischen Kreise helllos überrascht. 889 arabische Familien werden wieder angesiedelt Kolonienminister Sir Philip Ounliffe-Lister befaßte sich in seiner Erklärung zunächst mit der Wieder» a n s i e d 1 u n g,s f r a g e. Hiezu führte er aus: Die Regle-; rung hatte nunmehr Gelegenheit, die vom High Commls^ sloner für Palästina gemachten Vorschläge sorgfältig* ztt prüfen. Sie hat diesen Vorschlägen zugestimmt; nach folgenden Richtlinien wird vorgegangen werden: Es gatthier das Problem; der dislozierten Ar aber. Das zur Prüfung der Ansprüche dislozierter Arabereingesetzte Gericht hat seine Arbeiten beinahe vollendet. Es hat be«* schlössen, jene Araber als auf Hilfe an Spruchs* berechtigt anzuerkennen, die von dem Boden, auf dem sie saßen, dadurch entfernt worden waren, daß dieser Boden in andere Hände übergegangen ist/' und die keine neue, gleichermaßen zufriedenstellende Beschäftigung erhalten hatten. Die britische Regierung, erklärte, Sir Philip, hat den Entscheidungen des. Gerichts zugestimmt; die Palä3*. .stiqa-Regierung: /wurde ermächtigt, an. die Wieder*' änsiedlnng d;er dislozierten(. arab.fsp h e.n Pächter entsprechend den Entscheidungen des Gerichtes heranzugehen; ' Auf eine Zwischenfrage des Abgeordneten Golonel W e d g w o o d, um wieviel dislozierte Araber es sich handle, antwortete'Sir Philip, es seien 889 Familien vom Gericht registriert worden. Er fuhr dann fort: Wir hatten uns mit dem Problem des Arabers zu befassen* der von seinem Boden entfernt wurde und wieder angesiedelt werden soll. Da wir erkannt haben, daß dieses Problem vorhanden ist, müssen wir Schritte ergreifen, um. zu verhindern, daß es wieder auftauche. Der High. Commissioner empfiehlt, die Regierung möge, die Notwendig* keit von Sicherungen gegen die Wiederkehr ähnlicher Probleme im Verordnungswege feststellen; die Regierung hat den High Commissioner ermächtigt, die Pächterschutzverordnung so' abzuändern, daß sie vollen Schutz für die Pächter bietet. Nach einem kurzen Ueberblick über die landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung'Palästinasging der Kolonienminister zur Besprechung der Landentwick« lungs- und Anleiheprobleme über. Im Jahre 1980, erklärte er, habe die Regierung angekündigt, sie beabsichtige, für die Zwecke der Landentwicklung in Palästina ein Darlehen auf mehrere Jahre zu geben. In Fühlungnähme mit dem High Commissioner habe die Regierung die Läge im Lichte der finanziellen Verhältnisse in England und in Palästina überprüft und sei zur Ansicht gekommen, daß es unter den augenblicklichen COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3, Tel. B-42-5-38 Zu ROSGH-HASCHANAH nach lmAnschlußandeni8.Zionistenkongreß Reise I: 7. September 19.33 mit dem Riesen-Ozean-Luxusdampfer „Roma4' i40.000 Tonnen) Reise II: 12. September 1933 mitdem Eildampfer,MarthaWa8hingtonl Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes £ bazeichmt

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