Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 305 (14.7.1933)
- Date
- 1933-07-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 »IE NEUE WELT Nr. 305 m Wir bringen für Starke Herren Hemden bis Maiswei&e Nur. 50 Unterhosen bis Bauchweite 150 Kleider bis Größe Nr. 6© zu Einführungspreisen: Steife Kragen, moderneFassons.blsHalsweiteNr.^O S ©♦SO Oradel-UnSerlaosen, mit französischer Binde, bis o yin Bauchweite 150, lang S 3.90, kurz....... . . . .S »♦4fcU Cripe-Hemden, porös, Halbärmel, Modefarben, bis ß Eft Halsweite Nr. 50 . . ................ . S »♦3U Mode*Hemdent indanlhrenfaiben, neue Muster, zwei C QA separate Kragen, bis Größe .50. . ................S d»wU Touristen«Ansüge, Jägerleinen (Joppe und Haferlft Oft hose), bis Oröße 60 ...................S O*0V Bauernleinen» Hose, lang, ideal für Sport und Reise, Q Oft , bis Lelbwelte 150.............. f......S> ü*OU SchalWOBI*Jankerf ötztaler Fasson, schöne Muster. IQ QA bis Größe 60........................S iö^Uü Straßen-Anzüge, bis Größe 60, aus Kammgarn Kfl S 69.-, aus Cheviot................... S 93U- Luhacowce Während der jetzigen Hauptsaison in Bad Luhaöovice kommen täglich zahlreiche Besucher, welche die zur Verfügung stehenden Wohnungen der Villen und Hotels des Kurortes besetzen. Ueberau auf dem Kurplatze und auf den Promenaden sieht man heitere, zufriedene Gäste. Unter den für das heurige Jahr seitens der Kurdirektion getroffenen Veranstaltungen wäre zu erwähnen das am 2. Juli stattgefundene Wettschwimmen und die am 5. d. M. abgehaltene Legionärfeier. Weiters ist festgesetzt die Turnerfeier am 9. und 16. Juli d. J. Am 15. Juli findet die große Begebenheit der Tennissaison statt: Weltmeister K. KoZeluh mit seinem Bruder Alois vollführen einige Exhibitions-Tenniswettspiele. Für weitere Termine sind angesagt: Wetttänze, Wettrudern, Militär-Monsterkonzerte, Schützenfeste, große Jäger tage, ethnographische Trachtenfeste, Pferdewettrennen usw. usw. Ab 2. Juli hatten die Mitglieder des Olmützer Theaters mit regelmäßigen Spielen im Kurtheater begonnen, deren Aufführungen sich besonderer Beliebtheit seitens des Publikums erfreuen. Gleich den ersten Tag und in einigen Aufführungen nachher trat die hervorragende Künstlerin Frau J. Kronbauer des Prager Theaters auf. Die Statistische Abteilung verzeichnet einen Besuch von 16.135 Gästen gegenüber 15.745 Personen des Vor jahres. Unter den hervorragendsten Persönlichkeiten befinden sich: Dr, J. Rozkosn.,, Senator NS., General V. Luza mit Gemahlin, Musikkomponist F. Volänek usw. usw. Weiters ist der Besuch der Herren Minister Franke, Matouäek usw. usw. angekündigt. Der Kurort Luhaöovice ladet auch Sie herzlichst zum Besuche ein. Die neuen knitterfesten Phoenix-Krawatten, haben den Vorzug, sich nach dem Zerknittern wieder vollständig zu glätten, und kosten überall nur. s &5.0, E Der Kongreß und seine Aufgaben Großztigige Kolonisation — Propaganda beim Völkerbund — Ein umfassendes Memorandum Voi Dr. Jehoschua B u c h m i 1 (Tel-Awlw) Der den Allgemeinen Zionisten nahe stehende Verfasser entwirft im nachstehenden einen großzügigen Propagandaplan, dessen Details mit den Forderungen des demokratischen Revisionismus übereinstimmen. Schon aus diesem Grunde verdienen Dr. Buchmils Ausführungen das Interesse aller am Aufbau Palästinas beteiligten zionistischen Kreise. Das Gelingen unseres kolonisatorischen Werkes auf den Gebieten der Industrie, der Landwirtschaft und des Handels scheint allen sichtbar zu sein. Jedenfalls wurde klar, daß die Juden imstande sind, Millionen ihrer Volks genossen in Palästina anzusiedeln, wenn die Mandatar macht diesen Prozeß unterstützen und das jüdische Volk das erforderliche Kapital aufbringen würde. Das Beispiel Griechenlands, wo binnen weniger Jahre eineinhalb Millionen Menschen angesiedelt wurden, berechtigt uns zur Annahme, daß wir in Palästina in verhältnismäßig kurzer Zeit ähnliche Erfolge erzielen könnten. Die jüdische Einwanderung in Palästina hat den Export vergrößert, das Pflanzungsterrain erweitert, eine Industrie geschaffen, die Basis für eine gesunde Entwich lung gelegt. Einerseits hat die Sterblichkeit abgenommen, andererseits nimmt der Wunsch zu, nach Palästina auszuwandern. Daraus ergibt sich die Folge, daß nur eine großzügige Kolonisation auf beiden Sei ten des Jordans die Judenfrage ihrer Lösung näherbringen kann. Unsere Tage verlangen den Zusammenschluß aller Kräfte zum Aufbau unseres Heims. Wir müssen unverzüglich einen großzügigen Plan für ein Massenkolonisation entwerfen. Hiezu einige Punkte: 1. In den nächsten Monaten muß ein jüdischer Weltkongreß einberufen werden» dessen einzige Auf gäbe in der Ausarbeitung eines Massenimmigrationsplans bestehen muß. 2. Erforderlichenfalls muß der Zionistenkongreß diesen Plan ausarbeiten —. in Form eines detaillierten Memorandums. 3. Das Memorandum hat im Sinne des Mandats alle juridischen, finanziellen und verwaltungstechnischen Forderungen zu enthalten, die wir an die für den Aufbau ver antwortliche Behörde, die Mandatarmacht, zu stellen haben. Das Memorandum muß an alle Im Völker' bund vertretenen Staaten, an -alle jüdischen; Gemeinden, an die II. Internationale und an die Universitäten gesandt werden. Die Forderungen an die Mandatarmacht müssen beinhalten: Die Erweiterung der Rechte der Jewish Agency als beratender Körperschaft derbritischen Regierung. — Die Uebergabe des Einwanderungsdepartements an die Jewish Agency unter der Kontrolle der Palästina- Regierung. — Sofortige Uebergabe der Regierungsböden an das jüdische Volk. — Anullierung aller Maßnahmen, die den Kauf, Verkauf und Tausch von Boden erschweren. — Ausdehnung des Mandats auf Transjordanien. — Teilnahme der Regierung am Budget der jüdischen Gesundheits- und Erziehungsinstitutionen entsprechend der jüdischen Steuerquote; Einstellung jüdischer Beamter, Arbeiter (Polizei, Militär), ebenfalls entsprechend den jüdischen Steuerleistungen. — Höchstausmaß von Sicherheit jüdischen Lebens und Eigentums. — Schwere Besteuerung der nichtbebauten Böden in Palästina auf beiden Seiten des Jordans. — Das Recht der Jewish Agency, die jüdische Bevölkerung für den Keren Kajemeth und Keren Hajessod zu besteuern. — Unterstützung unserer Bestrebungen, eine Völkerbundanleihe für den Aufbau Palästinas zu eflangen. Vom Völkerbund muß das Memorandum verlangen: a) Die Unterstützung zwecks Durchsetzung der oben angeführten Forderungen an die britische Regierung; b) die Unterstützung in der Frage der jüdischen Anleihe für den Aufbau des jüdischen Nationalheims; o) diev Unterstützung zwecks Schaffung einer jüdischen Welt-Klassenlotterie, deren Ertrag für den Palästina-Aufbau verwendet werden soll. Unter den Forderungen des Memorandums an die einzelnen Länder will ich erwähnen: 1. Die Möglichmachung der Besteuerung der Juden für den Aufbau Palästinas; 2. das Rechts, die Gelder der beiden Fonds (K. K. _Hotel Smetana Bad Luhaöovice Mähren Gegründet 1872 Haus mit 50 gut eingerichteten Zimmern, fließendem Wasser, in zentraler Lage, Caf 6 und Restaurant im Hause, streng rituelle Verpflegung. Preise für die Vorsaison: Zimmer mit kompletter Verpflegung von Kc* 40.— aufwärts Chorsänger (erstrangiges Männerquartett) werden aufgenommen / Schrift!. Angebote! Brig. isr. Tempel, Wien XX, Kluckygasse 11 und K. H.) auch aus Ländern mit Geldausfuhrverbot nach Palästina zu Uberweisen; 3. das Recht der Auswanderer, ihr Kapital nach Palästina mitzunehmen. Die Jewish Agency, bzw. die zionistische Organisation muß mit einer großzügigen Propaganda in der ganzen Welt beginnen und die Unterstützung der Völker zu erringen trachten. Zum Judfedhen Wellkongreß Stefen Wises Referat auf dem amerikanischen „Jewish Congress" Als im Vorjahr vom Jüdisch-amerikanischen Kongress unter der Führung seiner Ehrenpräsidenten der Plan ausging, eine jüdische Weltkonferenz zu veranstalten, die den „Jüdischen Weltkongreß" einberufen sollte, fand dieses Projekt allerorts die wärmste Anteilnahme. Alle jüdischen Kreise, soweit sie national fühlten, stellten sich unverzüglich in den Dienst der Idee. Die Konferenz in Genf im August 1932, von den Repräsentanten der großen jüdischen Organisationen beschickt, hat bekanntlich die nötige Vorarbeit geleistet und findet im heurigen September, nach dem Zionistenkongreß, ihre Wiederholung. Gerade die Vorgänge in Deutschland haben die Notwendigkeit erwiesen, ein Forum zu schaffen, von dem aus die jüdischen Interessen durchberaten und gewahrt werden könnten. Grundlegende Richtlinien hat bereits die erwähnte Jüdische Weltkonferenz in Genf gegeben. Angesichts der auch in anderen Ländern drohenden Gefahr wird der nächsten Tagung große Bedeutung beigemessen. Wie wir in der vorigen Nummer berichtet haben, findet demnächst die vom englisch-jüdischen Rat für Handel und Industrie einberufene Wirtschaftskonferenz in London statt. Es ist dies ein Ereignis, das geeignet ist, den in Rede stehenden jüdischen Weltkongreß auf wirtschaftlichem Gebiete vorzubereiten und eine Kooperation der ökonomischen Fachleute mit den politischen Faktoren in die Wege zu leiten. * Anläßlich der Tagüng des amerikanischen „Jewish Congress" hielt dessen Ehrenpräsident Rabbiner Dr. Stefen Wise am 21. Mai ein Referat, in welchem er sich mit der tragischen Situation des jüdischen Volkes, vornehmlich mit der Lage der deutschen Juden beschäftigte, gleichzeitig aber feststellte, daß die im August 1932 in Genf abgehaltene Konferenz für die Anteilnahme aller Juden an dem Geschick ihrer Brüder in den einzelnen Ländern von besonderer Wichtigkeit war. Das unerwartete Ergebnis dieser Konferenz, führte Stefen Wise aus, bestand darin, daß eine gemeinsame jüdische Plattform gefunden wurde und daß diese Plattform ihre Existenz den zionistischen Kräften zu verdanken hat. Der jüdisch-amerikanische Kongreß hatte jeweils die Tendenz, alle jüdisch-amerikanischen Kräfte für dieses Ziel zu einigen, was auf dem Kongreß 1929 in Atlantic City in Erscheinung getreten ist. Nachdem Stefen Wise den Zusammenhang aller jüdischen Teile als einen nationalen dargelegt hatte, wendete er sich der Lage der deutschen Juden zu und zeigtedie Tendenzen, die den heutigen Hitlerismus beherrschen. Als Hindernis für eine durchgreifende Lösung betrachtete er den Umstand, daß sich die deutschen Juden noch immer nicht ihrer fragwürdigen Assimilation&neigungen, ihrer „pseudoarischen Existenz" bewußt geworden seien, obwohl der Zusammenbruch ihrer. Ideologie noch nie so kraß zutage trat, wie eben heute. So haben erst kürzlich deutsch-jüdische Führer erklärt, sie wollten selbst mit der deutschen Regierung verhandeln, und gebeten, Amerika möge von einer Intervention Abstand nehmen. Stefan Wise zeigte den Irrtum in dieser Einstellung auf und weist darauf hin, daß eben die deutsche Regierung die jüdischen Bürger außerhalb des Gesetzes gestellt, ja vogelfrei gemacht habe. „Wir kämpfen nicht", rief Stefen Wise aus, „für die deutschen Juden allein, sondern für die Juden schlechtweg. Wir werden nicht eher ruhen, bis nicht die deutschen Juden in ihre Rechte zurückversetzt werden. Deutschland würde nicht wagen, gegen andere Nationalitäten so vorzugehen." Nach einer Darstellung der physischen, seelischen und materiellen Not ging Stefen Wise auf die Rolle über, die Amerika zugunsten des Weltfriedens und der antideutschen Sanktionen gespielt habe, und erwähnte die Bedeutung des amerikanischen Präsidentan, dessen Prestige mit der Befriedung Europas verbunden sei; Amerika sei in den Krieg gezogen, um die Demokratie zu schützen und werde dieser Mission auch weiter treu bleiben. * Dr. Stefen Wise ist am 6 Juli nach Europa abgereist. Er wird zuerst in London kurzen Aufenthalt nehme» und sich dann nach Genf begeben.