Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 305 (14.7.1933)
- Date
- 1933-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Till, Universitätsbibliothek Wien, I. Preis 35 Groschen Jahrgang 7 fieftag, den 14* fall 1*33 ' Nr* 305 V* b. b. Zeitung vom Verleger versende* Journal exp^die par l'editeur/S REVUE BEZUOSBEDINGUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.-; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty6.-. Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljahrig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die Übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. viertel« jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Theodor HerzI — lebendiger denn je zuvor ... Und zum ersten Male nach zweitausend Jahren .brachte das jüdische Volk einen Mann hervor, der ein (ebenso bewundernswerter Europäer als zugleich ein begeisterter Jude war, der die radikalsten Fortschrittsideale .hatte und zugleich einen.ausgezeichneten geschichtlichen Sinn, der Dichter und Staatsmann für die jüdische Sache .war, der Präsident, Redner, Organisator, Träumer, Tatenmensch war. Vorsichtig, wo er konnte, kühn, wo er mußte, bereit zu allen Opfern und sogar zum Martyrium, soweit es sich um ihn selbst handelte, doch nachsichtig, von unerschöpflicher Geduld gegen alle anderen, stolz, edelmütig, würdevoll und dennoch bescheiden, brüderlich den Einfachsten und den Geringsten gegenüber. Dieser Mann war Theodor Herzl und er war erst vierundvierzig Jahre alt, als wir ihn verloren. * •■ . Wir wissen, was ihn getötet hat. Reden wir nicht davon. Ich will nicht bitter werden. Mein Zorn soll sich meiner Trauer nicht gesellen. Ich höre um mich herum murmeln: „Ein Mensch der Oeffentlichkelt muß eine harte Haut haben. Er muß gegen Angriffe und Verleumdungen gepanzert sein." Unglückliche! Wäre Herzl gefühllos gewesen, hätte er dann so heftig den jüdischen Schmerz empfunden, daß er darüber seine Ruhe verlor, daß er sich von der ihm zulächelnden Uterarischen Laufbahn abwendete und sich daft^r in den Glutofen des kämpfenden Zionismus stürzte? Seine ausgesuchte Empfindsamkeit hat ihn zum Urheber und Führer des Zionismus gemacht, aber sie ließ ihn auch in grausamer Weise alle Wunden fühlen, die ihm seine brutalen und hinterlistigen Feinde geschlagen haben. Und sie hat endlich das arme gequälte Herz zermalmt. Max Nordau. Schatten der Vergangenheit heraufbeschwören — das ist eines der substilsten Dinge der menschlichen Seele. Die erste Etappe: Jude sein und Jude sein wollen; die zweite Etappe: Es der Welt sagen; und die dritte: Weggenossen finden und sie verlassen müssen, bis die anderen, die Geschickteren, die Nüchternen, die Traumlosen die Idee vom Judenstaat in die Hand bekommen und ins Schubfach zu legen versuchen. Ueberflüssig zu sagen, daß Theodor Herzl der* Ausgangspunkt solcher Betrachtung ist. Mit niederzwingender Gewalt tritt seine Erscheinung in den Kreis allen zionistischen Denkens, aller zionistischen Konzeptionen. Versucht man, sich mit Kleinem zu begnügen, geistern seine dunklen Augen dem Schmälerer des großen Zieles entgegen; wird man zaghaft und skeptisch, berührt er, hochgewachsen und breit in den Schultern, die Hand jedes, der seine Unterschrift unter einen schwächlichen Pakt setzen will. Dem Redner auf der Tribüne haucht er das Stichwort zu, wenn Hoffnung, Sinken und Kleinmut obsiegen wollen. Wir alle, denen er, leibhaftig und metaphysisch, Führer war und ist, fühlen uns seinem Dämon verfallen. Es ist ein unmöglich Ding, ihn aus dem Gefühlsbereich der jüdischen Welt zu reißen. Sie verlangt ihn in jülen' ^S^ä^^f Demii^gungy uncT des' Eriöigea. Gleichnis und" Maßstab für alle zionistischen Dinge —• das ist er für die lange Reihe der "kommenden Geschlechter. Gleichnis und mahnendes Gewissen! Erinnert euch an Basel 1931, an die Herzl-Kongreß-Stadt, wo feige Hände und nicht minder feige Herzen sein gerahmtes Bild von der Saalwand herabnahmen, um es in die Rumpelkammer zu stellen. Die Tribünenwand ohne Herzl-Bildnis! Es waren einige Stunden des Schreckens, der Erbitterung, der Fassungslosigkeit; Die Verzichtszionisten mußten sich dazu bequemen, das Herzl-Bild wieder anzubringen. Es war eine jämmerliche Komödie; so jämmerlich wie die Herzen der Täter. . Der Prophet Herzl bedarf riimmermehr der Bestätigung seiner Voraussicht. Die letzten Monate des Weltgeschehens geben ihm recht für immer. Aber die „biederen" Assimilationsjuden mögen nicht glauben, COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3, Tel. B-42-5-38 Zu ROSCH-HASCHANAH nach PALÄSTINA Im Anschlußandeni8. Zionistenkongreß Reise I: 7. September 1933 mit dem Riesen-Ozean-Luxusdampfer „R o m a" (40.000 Tonnen) Reise II: 12. September 1933 mitdem Eildampfer,MarthaWa8hington'. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt» liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet daß sie den Reflex der Weltjudenheit aus den Bitter.« nissen des Tages, die Hilfsbereitschaft ihrer Brüder, immer wieder ausnützen können; daß in jeder Stund« kommender Nöte immer wieder das fühlende jüdische Herz sich bewähren werde; daß sie sündigen dürfen zu Lasten eben der Hilfsbereitschaft ihrer Brüder. Sä war es nicht gemeint. So war nicht Herzls Er* lösungstraum. Es gilt, auf die aktuelle, akute J u d e n n o t h e iH*l i s c h zu reagieren. Wir sind ein Volk, wir Ji'nd ein Volk — auch dann, wen» man dieses Volk nicht braucht. Menschen, für welche die Assimilation politische Tendenz, politischer Wille, die bewußte Negierung jüdischen Wesens isty solche Menschen mögen sich nicht dem Wahn hingeben, daß ihr Leiden die Ursache unseres zionistk sehen Wirkens ist. Wir wollen nicht, Herzl ^oUte/]ücht':äen>U4^t zum Leiden. Wir,wollen Schluß machen mit der .These, daß die Diaspora der schicks'aihäf^e' Ausdruck der den Kindern Israels zugewiesenen Aufgabe ist. Wir wollen keine Märtyrer. Wir wollen keine Märtyrer. Wir wollen unser ureigenes jüdisch - bewußtes, mit allen Zeichen, dieser Welt ^behaftetes Leben. Judenstaat,', bedeutet Normalität, Ordnung, Weisheit, Klarheit, \Befreiungw Herzls gedenken, fast 30 Jahre riach' seinem ^eiifo* gang, und seinen Willen zu dieser Befreiung nic^t^ia g a n z e n Umfang fordern; 'Zionistisches' an . Nichitzionistisches heften; den Judenstaätsgedanken nur um ein Jota einschränken — solch, einer Blasphemie wird sich der Herzl-Zionismus, der Revisionismus nicht schuldig machen. oi r. , Rew§Boni$ti§die Konferenz für tie§amtpoIen Das revisionistische Sekretariat für Polen (Großmann-Gruppe) hat im Einvernehmen mit der Exekutive der Revisionistischen Weltunion beschlossen» für den 80. und 31. Juli eine Vorkonferenz zum Zionistenkongreß nach Krakau einzuberufen. An der Konferenz sollen Delegierte aus allen Gebieten Polens teilnehmen. Neben organisatorischen Fragen sollen auf der Konferenz Gegenstände beraten werden, die den 18. Zionistenkongreß beschäftigen werden. Es sollen die Richtlinien für die Haltung der revisionistischen Fraktion auf dem bevorstehenden Kongreß besprochen und Fragen der revisionistischen Jugendbewegung behandelt werden. An der Konferenz werden sich seitens der Revisionistischen Exekutive die Herren Meir Groß mann, Ingenieur Stricker und Dr. Soskin, der eigens zu der Konferenz aus Palästina kommt, beteiligen. Die amerikanische Delegation zum 18. Zionistenkongreß Aus Chikago: Die Delegation der amerka« nischen Z i o n is t e n zum 18. Zionistenkongreß wird nicht, wie es eine Zeitlang den Anschein hatte, ausschließ* lieh aus Mitgliedern bestehen, die.sich für die Wieder«» wähl Dr. Weizmanns zum Präsidenten der Organisation einsetzen. Die Zionistische Organisation Amerikas hat nämlich bezüglich der Zusammensetzung der Kongreßdelegation ein Abkommen mit der Hadassah getroffen, demzufolge die Hälfte der Delegationsmitglieder von der Hadassah nominiert wird. Die Hadassah ist ihrerseits eine Bindung mit der Brandeis« Mack-Gruppe eingegangen und wird• als ihre .Vertreter u. a. auch Dr. Stephen W i s e, Richter Juliin Mack, Max Brodie, Robert Szold und; Jacob d,e Haas zum Zionistenkongreß entsenden. Entscheidet Euch bei der kommenden Kongreßwahl für Herzl-Zionismus "Pn"hnT»f SfriplrAT» Die Kandidatenliste lautet: l.Ing. Robert Stricker, Oberbaurat, ... i.^^ofnoH urzMai Alex I ic+P Hpr 7innistpn-Ppv?sinnistpn! Ustenführer i-VUUÜX U UtllV/IYvl Wien: 2. Dr. Tulio Dohanv. Advokat. Novisarir 3. David Snit7«r u, jüdenstaat! Wählet die Liste der Zionisten-Revisionisten: Listenführer A,VUUA v avävx Wien; 2. Dr. Julio Dohany, Advokat, Novisad; 3. David Spitzer, Kaufmann, Zagreb; 4. Dr. Vilim Schmuckler, Arzt, Osijek. Ersatz: l.Josip Elias, Kaufmann, Zemun; 2. ^" r^~,~ ----«--* -J Privatbeamter, Zagreb; 4. Egon Goldner, abs. iur,, Ogulin. Dr. Drako Fuchs, Prokurist, Zagreb; 3. Alfred Platzner, Diese Liste ist an die Weltwahlliste der Exekutive der Zionisten-Revisionisten gebunden