Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 303 (30.6.1933)
- Date
- 1933-06-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 303 Industrie Palästinas und die neue Einwanderung Von Leo Schöner (Tel-Awiw) Hier beschäftigt sich unser Freund und Mitarbeiter, ein bekannter Industrieller Palästinas, mit einem der wichtigsten Probleme.. Der Einwanderungsstrom der letzten Wochen hat zwei Arten von Menschen ins Land gebracht, mit denen man sich, soweit die Industrie in Betracht kommt, befassen muß.. Die eine Sorte ist die der Projekt e» mache r und Glücksritter; die zweite die, welche sich ohne Berücksichtigung der bestehen den Möglichkeiten" industriell einrichten will. Beide' bringen Gefahren mit sich. Man muß diese, rechtzeitig abwenden, bzw. die Tendenzen in die richtigen Bahnen lenken. Betrachten wir zunächst den Typ der Projektemacher. In den letzten Monaten brachte die jüdische und nicht jüdische Presse de3 Auslandes die Nachrichten, - daß sich, in den palästinensischen Banken. Millionen, Pfunde Einlagegelder befinden und daß für diese Gelder keine Anlagemöglichkeiten bestehen. Die Nachrichten bezüglich der EinlagegelSer sind richtig. Aber sie haben bei Menschen, die bisher nicht das geringste Interesse für > Palästina hatten, ganz eigenartige -Gedanken und Pläne hervorgerufen, die nun, da diese „Faiseure" -im Lande sind, verwirklicht werden sollen. Diese Projektemacher waren — in Unkenntnis der Verhältnisse—.der' Meinung, es mit Asiaten zu tun zu bekommen, die nicht wissen, wie man Kapital zweckmäßig anlegt. Gemeinsam ist diesen Glücksrittern das eine, daß sie keinen Piaster besitzen und in den meisten Fällen auch keinerlei Fachkenntnisse für die von ihnen vorgeschlagenen industriellen Neugründungen. Aber nichtsdestoweniger kann man erleben, daß sie mit riesigen Projekten herumlaufen, mit 100.000 Pfunden jonglieren und ernsten Menschen die Zeit rauben. Er gibt hier zur Zeit Projekte für ein halbes putzend Papierfabriken, Bierbrauereien, Ziegelei- und (Glasfabriken u. dgl. mehr. * i. Es wäre erforderlich, daß die maßgebenden Wirtschaftsstellen und Banken diese Elemente, die eine Gefahr für eine solide ökonomische Entwicklung der' Industrie bilden, so rasch" wie möglich; abschütteln. Allzuleich't könnten Menschen, die mit Geld- und Fachkenntnissen herkommen, durch die schaumschlägerischen Projekte Irritiert werden und das Land wieder verlassen; oder sie könnten ihr Kapital in Häusern und Boden anlegen, was zwar nicht unterschätzt werden draf, aber nicht so viel Arbeitsmöglichkeiten schafft wie die Investierung in Industrie. Die zweite Sorte der I n d u s t r i e -1 n t e r e s s e nten ist ernster zu nehmen und wert, daß sich die für den Aufbau verantwortlichen Stellen — sofern es solche, bei uns gibt — intensiver mit ihnen befassen. Es sind dies kleine oder mittlere Industrielle, die sich mit mehr oder weniger Kapital eine Existenz schaffen wollen, ohne zu fragen, ob Bedarf an, solchen Unternehmungen ist, ob nicht eine Ueberproduktion entstehen könnte, ob nicht schwere Konkurrenz zu befürchten wäre, ob der Markt genügend aufnahmsfähig sei, Hier macht sich der Mangel einer wirtschaftlichen Führung im Lahde fühlbar; Wir besitzen keine Informationsstelle, der der neue Ankömmling sein Schicksal anvertrauen kann oder die ihm den entscheidenden Fingerzeig gibt. Wir haben wohl eine Reihe von Informationsstellen auch für Industrie, man kann in einem Atem Ratschläge für Eisen und' Papier, Leder und Textil, Metalle und Bier mit zauberhafter „Sicherheit" erhalten, aber der wirkliche Kaufmahn merkt gleich das Oberflächliche an der Information und geht seinen eigenen, individuellen Weg. Er zieht Analogjen aus der Existenz bereits bestehender Unter« nehmungen, vom Grundsatz ausgehend, daß eben neben acht Fabriken der gleichen Branche auch noch eine neunte bestehen kann, Und so gibt es schon z. B. ungefähr 30 Trikottage- und 8 Trikotfabriken, die mit großen Opfern an Geld und Nerven errichtet wurden und wobei die letzten Gründungen die schon bestandenen untergraben, ohne selbst sich eine Existenz zu schaffen. Anderseits müssen diese neuen Industriellen, die nur unter dein Drang der Not und nicht mit dem Prinzip HOTPENsioN KIRSCHBAUM UDO-VENEDIG PIAZZAIE 5. M. Eltsabftta 20 * Gut bürgerliche Famüienpenaion, mit direkter Sicht nach Venedig / Fließendes Wasser in allen Zimmern / Vorzügliche Wiener Küche / Terrasse mit großem, schattigem Garten / Eigene Badezelte Sehr mäßige Preise / Prospekte auf Verlangen / SchiUing'Einzahlung auch in Wien Gegen den Klassenkampfterror in Palästina Die freudigen Meldungen Uber den Aufschwung des wirtschaftlichen und nationalen Lebens in Palästina werden ständig von Berichten unterbrochen, welche schwere Sorgen um die Zukunft hervorrufen. Es sind Berichte über den Terrorj welcher von selten der in Palästina übermächtig gewordenen Histadruth, der Klassenkampforganisation der linken Arbeiterschaft, ausgeübt wird. Wer der Histadruth nicht gefügig ist, wird gesellschaftlich'und wirtschaftlich boykottiert. Anläßlich der letzten Feiertage \vurde berichtet, wie Histadruth-Leute einen r e v i s 1 o n i s t i s c h e n'" K l h der z u ig in den Straßen Tel-Awiws mit Steinen, und Stöcken überfallen haben. Jetzt, wenige' Wochen,, später, -erfahren wir .von einem' hoch scheußlicheren tJeberfall in Haifa. Dort' haben Hlstadruth-Leute einen Zug junger Revisionisten, welche vom Erntefeste heimkehrten, angegriffen, mit Steinen und Eisenstücken bombardiert. Diesmal waren aber die Histadruth-Leute nicht allein. Araber, die des Wegs daherkamen, schauten erst belustigt der Judenschlägerei zu. Dann gesellten sie sich den Histadruth-Leuten zu, ergriffen gleichfalls Steine und Prügel und gingen im trauten Vereine mit den jüdischen Arbeitern gegen die revisionistischen Juden los. :E 1 ne schmachvo 11 o arabisch-jüdische Verbrüderung!. Noch ernster müssen aber die Nachrichten vom Arbeitsmarkte stimmen. Mit Gewalt will die Histadruth den Grundsatz zur Geltung bringen, daß nur jene jüdischen Menschen in Palästina arbeiten und leben dürfen, welche sich klassenkämpferisch organisieren lassen. AUzuviele Unternehmer haben sich dem Terror der Histadruth gefügt und beschäftigen nur Angehörige dieser Organisation. Dafür kommt es in den wenigen landwirtschaftlichen und industriellen Betrieben, welche national organisierte Arbeiter einzustellen wagen, zu ständigen Krawallen. Nur mit Hilfe der englischen und arabischen Polizei kann man sich der Gewaltakte und Arbeltsstörungen seitens der verhetzten Histadrüth- Arbeiter erwehren. Jetzt sind wieder Meldungen eingelangt, wonach in Tel-Awiw, Petach-Tikwah und Bne Brak Mitglieder der Histadruth gewaltsam die national organisierten Arbeiter an der Arbeit verhindert haben. Daß unter solchen Umständen die Stimmung im Lande in einem Maße gereizt ist, daß es jederzeit zu einem Ausbruche kommen kann, ist begreiflich. Schwere Anklagen werden gegen die zio nistlscheLeitu n g gerichtet, welche nichts unternimmt, um die Störer der Ruhe und des Arbeltsfriedens in die Schranken zu verweisen. Wer die Verhältnisse in der Leitung der Zionistischen Weltorganisation kennt, der begreift allerdings diesen Zustand. Ist es doch der Histadruth gelungen, fast den ganzen Beamtenapparat in die Hände zu bekommen und die wichtigsten Ressorts in der Leitung selbst mit ihren Leuten und ihr ergebenen „Freunden" zu besetzen. In dieser Hinsicht Ordnung zu schaffen, ist eine der Hauptaufgaben des XVIH. Zionlstenkongresses. Wenn der Kongreß hier wieder versagt und den Vertretern des Klassenkampfes und jenen „allgemeinen" Zionisten, welche der Histadruth Gefolgschaft leisten, die Herrschaft über die zionistische Organisation läßt, dann ist die Entwich' long des jüdischen Nationalhelmes ernst In frage gestellt. Daran sollen alle Zionisten denken, wenn sie in den nächsten Tagen zu den Wableu zum XVDX Zionistenkongresse schreiten. . AUS PALÄSTINA liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiniiiiiiiiiiiin des Aufbaues ins Land gekommen sind, in die bestehende Wirtschaft eingeordnet werden. ,Spll diesem unhaltbaren Zustand abgeholfen werden^ so muß man eine, branchenmäßig..gegliederte Stelle schaffen. Diese muß den Ankömmling mit dem nötigen Informationsmatetial versorgen, mit den Import* und Exportziffern Palästinas und der Nachbarländer, mit den Produktionsziffern des Landes, mit Hinweisen-auf noch nicht erzeugte Artikel innerhalb einer? bereits bestellenden Branche usw. Das ist die Aufgabe der verantwortlichen industriellen Informationsstelle. Und der neue Einwanderer seinerseits soll gut überlegen, bevor er ans Werk geht. Es gibt noch eine große Zahl von Industrien, die im Lande errichtet werden können und sichere Existenz bieten. Die neuen Unternehmer sollen auch Pioniere, Chaluzim nfeuer Branchen sein und nicht »bloß vom Schweiß der ersten industriellen Chaluzim leben, indem sie diese kopieren. Gründung eines Nagel- und Drahtwerkes in Palästina Aus Jerusalem: Mit einem,Kapital von iunächst . 10.000 Pfund, das voll eingezahlt ist, wurde in Tel- Awiw Anfang Juni die Barsalith Ltd. gegründet, deren Zweck die Erzeugung von E i s e n d r a h t, Nägeln, Sieben, Drahtnetzen und sonstigen Drahtwaren aller Art ist. Die Gesellschaft will mit ihrer Erzeugung den gesamten Bedarf Palästinas an den fragliehen Erzeugnissen decken. Sie hat .bei Tel-Awiw ein umfangreiches Grundstück erworben, mit der Errichtung der Fabriksgebäude wird demnächst begönnen werden, JDie Betriebseinrichtung wircMn Europa und Amerika beschafft werden;' l ■■. V '<''■ Hotel Corso, Triesl Via S- SpiHdione im Zentrum gelegenes vornehmes #Famflienhotel / jeder Komfort Fließendes Kaltu. 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In Oesterreich haben wir eine große Fahrpreisermäßigung — als Urlaubsgeschenk von den Bundesbahnen. So ist nun "Tirol auch für den Wiener erschwinglich geworden. Statt 80 Schilling und -mehr, wie es früher war, kostet die Reise bei lOtägigem Aufenthalt nur mehr 40 bis 50 Schilling für die Hin- und Rückfahrt (mit dem D-Zug natürlich, billiger wäre es noch mit dem Personenzug)1 'Diese Gelegenheit sollte man doch nicht Versäumen. Wer weiß, wann man wieder so billig während der Hauptsaison riach Tirol fahren kann. ' "Die Wahl 'des 'itü^erith'äitsöries'' macht vielleicht noch scheinbar Schwierigkeiten. Denn „billig" soll, es . sein. Im:kleinsten wie' im größten Ort kann man schon von 6 Schilling an volle Verpflegung und Unterkunft erhalten. Wer Wert legt auf fließendes Wässer in seinem Zimmer, muß noch 1 bis 2 Schilling zugeben. ' Die Wähl des Aufenthaltes richtet sich neben der Preisfrage auch noch nach der persönlichen Einstellung und nach dem Geschmack des Urlaubs1 gastes. Der Bergsportler zum Beispiel hat dre Möglichkeit, von einem festen Standquartier aus rund herum die Bergwelt systematisch zu durchforschen, oder er kann „nomadenhaft" durch die schönsten Ger genden der Fels- und Eis weit von Ort zu Ort, von Hütte zu Hütte streifen.! Es ist nicht jedermanns Sache, mehr oder weniger beschwerliche Bergbesteigungen vorzunehmen. Man ist es . gewöhnt, von früheren Jahren her,, irgendwo am blauen -Wasser sich in behaglichem Dolce far niente von den bräunenden Sonnenstrahlen liebkosen zu lassen.' Die Bade m ö g 1i c h k e i t e n in Tirol sind — was vielleicht zu wenig bekannt sein, dürfte — sehr groß. Tirol hat nicht nur seine Berge, es hat auch seine Seen. Tiefblau, smaragdgrün oder schwarz spiegeln sie in kristallklaren Wassern die Farben und Formen bizarrer Felsenberge, grünender Wiesen und Wälder. Strandbadbetrieb herrscht am Achensee in Pertisau, am Schwarzsee bei Kitzbühel, am Walchsee, bei Innsbruck in Schönruh und an mehreren Seen, bei Kufstein am Stimmersee und Hechtsee, am Tristacherseein Osttirol, in Westendorf im Brixental und im neuen heilr kräftigen Moorstrandbad Kirchbichl bei Wörgl. Außerdem sind noch fast 100 Tiroler Orte, die an einem der zahlreichen Seen oder in Badeanstalten Schwimm- und Badegelegenheiten bieten. Daß natürlich auch der Fünf- Uhr-Tee und Tanzbetrieb nicht fehlen, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden. Wer aber Jazz und Tango meiden will, der mag in die herrliche Umgebung (jeder Ort hat in Tirol eine herrliche Umgebung) hinaus* wandern oder '-fahren und dort zwar nicht einen „Espresso", wohl aber seine Jause, den Kaffee mit Schlag, wie ihn kein echter Wiener missen möchte, einnehmen. Frische Gebirgsluft, warme Höhensonne, reizende Idyllen im Naturpark der Wiesen,' Almen und Wälder, der Zauber der Natursymphonie in Fels und Eis, frohe Gemütlichkeit mit Musik und Tanz — das sind die Grundelemente eines richtigen Erbolungsaufehhaltes in Tirol. «SET UND VERBREITET '' //DIE NEUE MTElfT^f