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Die neue Welt · 1933-06-30 · Heft 303 (30.6.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 303 (30.6.1933)
Date
1933-06-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 freilag/ den Sft*limf 1931 Nr« 301 V« b« b Zeitung vom Verlege* versend Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. REVU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUOSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, gawjähri* S16.—; Polen monatlich Zloty 2.-, viertel ----------- * " -------------- vierteljährig Dinar " ~ " f 2.-, vierteljährig Zloty 6.-. - „ 40.-; Rumänien monatlich Bulgarien monatlich. Lewa 40.—, vierteljahrif --------- ------------------------- .------—„------- ,------------------D----oder monatlich Schweizer Franc« 1^0, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, lel B-48-504 — ErscheintJeden Freitag! Am 6. Juli ist die Wahl zum Zionistenkongreß. — Entscheidet etieh für den Herzlichen Judenstaats-Zionismus, für den demokratischen Revisionismus! Wählet die Liste der Zionisten-Revisionisten! Listenführer: ä Roberl Stricker Der Sinn der jüdischen Revolution Wien, Ende Juni. Unendlich lang haben die österreichischen Nationalsozialisten, die Geduld des Staates auf die?robe gestellt. Ausgerüstet mit der Ideologie und Praktik ihrer reictisdeutschen Oesinnungsgenossen, mit Schlagworten, unter denen : das „ J uda, verrecke"- zu den beliebtesten• und v scheinbar unbestrittensten gehörte, versuchten sie «ine' Herrschaft Über die: Straße auszuüben, solange ihnen die Herrschaft über die Mächtmittel des Staates versagt blieb. Die Anmaßung, mit der sie unter dem Deckmantel loyaler Aspirationen die Bevölkerung ein-? schüchterten/ schien' ohne Grenzen; v.'"jJ "■••;«'- •> Die Iiartgmut der Österreichischen Regierung {war beA^iridernswert. Sie, die die Entschlossenheit aufbrachte, die fliegitimen Positionen der ' österreichischen Sozialdemokraten abzubauen^ ließ 'Monate hindurch das nach dem Sieg der deutschen „Revolution" tollgewordene Hakenkreuz gewähren, bis sie selbst sich in Gefahr brachte. Die Terroraktionen: erst der letzten Tage, die Leben und Eigentum der : friedlichen Bürger dieses Staates gefährdeten, die Tollkühnheit der von Deutschland kommandierten bewaffneten Naziformationen,. ihr brutaler Entschluß, selbst: durch blutige Schreckenseszesse die Macht ansich . zu. reißen,, diese Tendenzen stießen endlich auf härtesten Widerstand. Die Maßnahmen, welche die österreichische Regierung zum Schutz der allgemeinen Sicherheit und des inneren Friedens traf, machten den exzessiven , Gelüsten der österreichischen Nationalsozialisten vorläufig ein. Ende. Der; ruhebedürftige" und friedfertige österreichische Mensch, konservativ trotz seines unverkennbaren Sinnes für Freiheit und Demokratie,, die Harmonie'. des inneren und äußeren Lebens liebend,' bekam 'wieder ' ein Gefühl der Sicherheit und Vertrauen in die Festigkeit seiner Regierung. " Aber. zugleich mit der Stabilisierung der inner« österreichischen Lage durch zweckmäßige administrative und legislative Maßnahmen zeigte sich in den europäischen Kulturstaaten für die kleine Republik Oesterreich eine Teilnahme, die weit über die Sympathie zugunsten eines schwer ringenden, bedrohten, um seinen zivilisatorischen Standard bangenden Staatswesens hinausging. Die westlichen Demokratien, vornehmlich England, machten kein Hehl aus ihrer Zufriedenheit über Oesterreichs Abwehr des Hakenkreuzes; Horthy-Ungarn sprach sich für ein wirtschaftliches Zusammenarbeiten gerade mit einem unabhängigen Oesterreich aus; und Italien, mit dem bekanntlich die nationalsozialistischen. Machthaber Deutschlands am intensivsten kokettierten, zeigte sich über die Versuche, die Donaurepublik dem Prcußentum anzugliedern, gar nicht entzückt. Durch den Kampf um seine Unabhängigkeit rückte Oesterreich in den Mittelpunkt des politischen Interesses. ' . > ' " " -• ';' Die, Attacke des Hakenkreuzes, gegen die österreichische Republik scheint abgeschlagen. Die Rufe „Juda, verrecke", die Drohungen gegen das Leben und die wirtschaftliche, Existenz der Juden sind vorläufig verstummt. Das barbarische, auf den Pogromantisemitismus eingeschworene Hakenkreuz hat sich in seine Schlupfwinkel zurückgezogen. Die Autorität der Regierung wächst. . ,; Nichtsdestoweniger ist Sorglosigkeit bezüglich der weiteren Entwicklung nicht am Platze. Allzusehr sind die Instinkte gewisser Kreise und Schichten aufgepeitscht. Ein lauernder Antisemitismus ist Vielleicht noch gefährlicher als einer, der sich offen Keiner Schlagkraft brüstet, Es wäre leichtsinnig, zu glauben, daß die (gewiß nicht zu unterschätzenden) Maßnahmen der Regierung jene liberale Epoche wiederbringen könnten, in der die Gesetze, die menschliche Vernunft und der Respekt vor der menschlichen Würde die . Unversehrtheit an"" Existenz, Leben und Ehre gewährleisteten. Es wäre töricht, zu glauben, daß diejenigen Faktoren, die heute mit anerkennenswerter Energie Oesterreich gegen das unheilbringende Hakenkreuz verteidigen, sich auch nur im entferntesten für die Judenfrage exponieren könnten. Und es wäre. schließlich selbstmörderisch, wollte das öS t e r r e i c h is c hi e Judentum, zurzeit der ärgsten Gefahr entronnen, sich vielleicht wiederum seligen Angedenkens an irgend eine nicht jüdIsche Partei'anbiedern und ihr die Sorge um ihr Schicksal anvertrauen. . Wie, U^er man die .Situation beurteilen jmg ,r—; die-. Epoche ^der. Abb i m i 1»t i o. h muß. endgültig yorbei sein. Kein ScMelSÄ^£:^ 1 i n k s, Die österreichischen -Jnden^' als Teil der öster-, reichischen Republik, werden ihre Interessen, wollen sie nicht jämmerlich Schiffbruch1 leiden, nur. einer das jüdische Volk vertretenden Partei, der Oesterreichischen V ol k s p a r t e i, anvertrauen. Das ist der Sinn des Geschehens unserer Tage und das ist die Konsequenz, die wir aus allen bisherigen Niederlagen zu ziehen haben. Das ist auch der Sinn der jüdischen — Revolution. BADERREISEN ÜBERFLÜSSIG DIE KURANSTALT DIANABAD WIEN DIE GRÖSSTE ALLER PHYSIKALISCHEN . HEILANSTALTEN DER WELT BIETET VOLLWERTIGEN ERSATZ FÜR ALLE KUREN IN BADEORTEN "ERFOLGREICHSTE BEHANDLUNG -.VONi ' RHEUMA TISMUS; GfGHi;iS^IAS, FRAUENLEIDEN, DARMLEIDEN ÄRZTLICHE SCHÖNHEITSPFLEGE ETC. HÖCHSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE nach dem Mörder Dt♦ Der Stand der Untersuchung Obwohl bereits 14 Tage seit der Ermordung des Exekutivemitglieds Dr. Chaim Arlosoroff vergingen, sind die palästinensischen - Behörden trotz ■• intensiver Nachforschung noch zu keinem positiven Ergebnis gelangt. Die Indizienbeweise gegen den zuerst verhafteten Abraham. S.taysky (Kaspi) scheinen nicht fundiert genug, um eine Anklage zu rechtfertigen. Stavsky hat übrigens, wie aus den weiteren Meldungen ersichtlich ist, für die kritische Nacht des 16. Juni ein Alibi angeboten, das bisher nicht entkräftet ist. Nachstehend die wichtigsten Meldungen der J. T. A.: Am 21. Juni wurde der unter dem Verdacht des Mordes an Dr. Arlosorof f verhaftete Abraham Stavsky vor den Tel-Awiwer Polizeirichter Korngrün ge- COM PASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3, Tel, B-42»5»38 Ferienreise nach JULI 1933 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet bracht. Als staatsanwaltschaftlicher Funktionär amtierte der Polizeioffizier Seiim Hana.. Er erklärte, -' Stavsky sei des Mordes an Dr. Arlosoroff verdächtig; vor Einleitung des ordentlichen Gerichtsverfahrens verlange jedoch die Polizei die Verhängung einer IStägigen \ Untersuchungshaft, um die Sammlung von Beweisen gegen den Verhafteten vervollständigen zu können. Als Zeuge wurde Polizeiinspektor G o f f e r von der Tel-Awiwer Polizei vernommen. Er erklärte unter Eid, es seien genügend Verdachtsmomente gegen Stavsky. vorhanden. Stavsky, der jiddisch sprach, beschwerte sich darüber, daß ihm trotz wiederholter Bitte kein Rechtsbeistand zur Führung seiner Verteidigung beigestellt worden sei. Als er versuchte, sein Alibi nachzuweisen» indem er erklärte, er habe den Freitagabend in Jerusalem verbracht und könne somit an dem Mord an Dr. Arlosoroff nicht beteiligt sein, wurde er vom Polizeirichter mit den Worten unterbrochen: „Wir befassen uns hier vorläufig nur mit den formalen Gründen Ihrer Verhaftung; Sie werden bei der Vernehmung späterhin Gelegenheit haben, alles, was Sie wünschen, zu sagen." Der im Auftrag des polnischen Konsulats von, TeJ- Awiw erschienene Advokat Spindel fragte, ob es ihm gestattet sei, Fragen, an den Zeugen Goffer zu richten, was der-Pölizeirichter verneinte. Richter Korngrtin verhängte sodann eine lötägige Untersuchungshaft, wje sie von der Polizei verlangt worden war, Uber Stavsky und erteilte dem Advokaten Spindel die Erlaubnis, nüt der' Polizei Uber die Bestellung eines Anwalts zur Verteidigung ' Stavskys zu verhandeln. Zu dem Verfahren vor dem ,TelTAwiwer Pölizeirichter waren als Zuhörer nur Journalisten zugelassen worden. « Die Polizei hat in Tel-Awiw In Zusammenhang mit der Ermordung Dr. Arlosoroffs eine zweite Verhaftung vorgenommen. Der Verhaftete heißt Samuel Ben Mordechai, soll Kommunist sein und sieht dem zuerst festgenommenen Revisionisten Abraham Stavsky außerordentlich ähnlich. Die bald nach der Verhaftung Stavskys seitens der Polizei abgegebene Erklärung, der Verhaftete s«| Kommunist, wird auf ein« Verwechslung mit einem Iii

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