Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1933-06-23 · Heft 302 (23.6.1933) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 302 (23.6.1933)
Date
1933-06-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2711613-2711899-2711924--3782-2717190
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 302 UN TRIEST EMPFEHLEN WIR BEI IHREM AUFENTHALT FOLGENDE HOTELS tlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllW Savoia-Exoelsior-Palace Hotel Größtes und vornehmstes Haus Triests / Direkt an der Riva gelegen /Mit allem Komfort eingerichtet/Sehr reduzierte Preise Prospekte gratis Direkt am Meere gelegen / Durch vollständige Renovierung seines hundertjährigen Rufes würdig Modernster Komfort / Fließendes Kalt- und Warmwasser / Privätbäder Bar / Bridge-Stube / Erstklassiges, vorzügliches Restaurant mit Sommerterrasse Direktion Cav. Giullo Fano In bietet ihnen das Hotel Centrale via Roma 9 einen angenehmen Aufenthalt / Erstklassiges Haus / Modernster Komfort Fließendes Kalt-und Warmwasser Mäßige Preise HOTEL „CONTINENTAL" VIA S. NIC0LÖ 25 TRIEST Reserviert! Gediegenes Familien-Hotel / Zentral gelegen / Bei mäßigen Preisen jeder Komfort / Fließendes Kalt- und Warmwasser Zentralheizung / Lift / Bäder / Lese- und Schreibzimmer Ruhigste Lage / Erstklassiges, vorzügliches Restaurant Autobus am Bahnhof HOTEL ADRIA TRIESTcapo di Piazzal Zentralste Lage nächst Meer und Hafen, Post- und Telegraphenamt, fließendes Kaltu. Warmwasser in allen Zimmern, Zentralheizung, Aufzug, Bäder .Vollständig renoviert. Mäßige Preise Die Jumfeslwodien in Triest! Diese alljährlich im Juni wiederkehrenden Sonderveranstaltungen verdanken ihre Entstehung dem rührigen Bürgermeister dieser Stadt, Senator Dr. Pitacco, dem an der Hebung des Fremdenverkehrs in Triest und seiner reizvollen Umgehung sehr viel gelegen ist. Aus dem reichhaltigen Juni-Programm seien diesmal die feenhafte Beleuchtung der berühmten Ade 1 sberger Grotten ■und der Grotte des Timavo bei San Canziano hervorgehoben. Uni diese unterirdische'Wunderwelt, die ..ein gänzlich verschiedenes, einzigartiges ■> Karstphänomen - darstellt,\wirklich zu kennen, muß man beide Grotten gesehen haben. Aber auch die anderen Festveranstaltungen bedeuten jede für sich eine besondere Attraktion, wie man sie nur selten erleben kann. Die Jagdausstellung, das internationalerTennis- und- Reitturnier,- Motorradrennen, Motor bootrennen, Segelregatten, dann feenhafte Feuerwerke und Serenaden auf dem Meere, festliche Theateraufführungen und so weiter vervollständigen das inhaltsreiche Festprogramm. Erstklassige Hotels mit;; modernstem Komfort bieten den Fremden zu mäßigen Preisen einen angenehmen Aufenthalt'. "' Voh> Triebt führen zahlreiches bequeme Verbindungen teils per Bahn, Autobus oder Dampfer zu den an der adriatischen Küste gelegenen Seebädern, wie V e n ed i g, Grad o,: G r i g n a n 6, M i'r a m a r e, S i s t i a n a, Capo. d'Istria, Isola, Pirano, Por.torose, Parenzo, Pola, dann Ahbazia, Fiume usw. v ' ' " P. Festveranstaltungen in Triest im Juni 19?? Während der Festveranstaltungen in der Zejfe vom 15. Mai bis 30. Juni genießen die ausländischen Besucher Triests eine 70prozentige Ermäßigung auf den italienischen Bahnen. Die Zahl der Fahrtunterbrechungen (innerhalb Gültigkeitsfrist der Fahrkarte) ist für die aus dem Ausland kommenden Reisenden nicht beschränkt. Nähere Auskünfte erteilen die Reisebüros. 2. Juli, Preisschießen. - 18. Juni: Letztes Pferderennen — Preisverteilung. 18. Juni: Segelregatta Triest—-Sistiana. 24. Juni: Großes Meeresfest unter Teilnahme illuminierter Barken und großes Kunstfeuerwerk im Becken - von San Giusto.; < ' 25. Juni: Große Motorbootregatten um das Championat des nationalen Pokales für Außenbordmotore und Cruisers im Becken von San Giusto. 25. Juni: Preisschießen. 25. Juni: Abends: Preisverteilung an Gewinner der Motorbootwettbewerbe und Festlichkeiten im -Jachtklub. 29. Juni: Grandioses) .pyrotechnisches, Schauspiel im Hyppodrom zu Montehello. Während der Monate Mai und Juni finden auch Festaufführungen (Singspiele und Prosa), in den Theatern statt. AUS DEUTSCHLAND Bodenständig! Aus Frankfurt a. M>: E?er Frankfurter Juwelengroßhändler Moritz N. Oppenheim, Inhaber der international angesehenen Firma N. M. Oppenheim Nachf., hat gemeinsam mit seiner Gattin Selbstmord verübt. Oppenheim, der im 85, Lebensjahre stand, hat die Tat in einem Zustand seelischer Depression infolge der neuen Verhältnisse in Deutschland, in die er sich nicht mehr finden konnte, verübt, Die Nachricht von seinem Freitode wurde in der Frankfurter Presse zunächst ohne Namensnennung veröffentlicht, es hieß bloß: „Ein hochbetagtes Ehepaar, das früher im kaufmännischen Leben der Stadt eine große Rolle gespielt habe, sei infolge seelischer Depression freiwillig aus dem Leben geschieden/' Anläßlich des Be- &#bnjgses Qpp<goftfiUns und selaeE Eiau würdigt die „Frankfurter Zeitung" die hohen Verdienste Oppenheims als Förderer der Naturwissenschaften, bringt aber keinerlei Hinweis auf die Todesart des Ehepaares. Moritz N. Oppenheim entstammte einer Familie, die seit nahezu 300 Jahren in Frankfurt im Juwelenhandel tätig war. Das besondere Interesse des i Verstorbenen, der für den Fortschritt auf allen Gebieten der Wissenschaften einen offenen Sinn hatte, galt den ' Naturwissenschaften. Die Universität Frank«; f u.r t verdankt ihm den Lehrstuhl für theoretische Physik, die Sternwarte ihren großen, nach dem Ehepaar Oppenheini genannten Kuppelrefraktor. Die Neigung zur Astronomie ging besonders auch von Frau i Oppenheim aus, deren. Bruder eine, eigene Sternwarte errichtete. Zu Ehren von Moritz Oppenheim wurde sogar einer der' kleinen Planeten?-„Mauritius" genannt. Weiter war die Meereskund'eein ,-.besonderes Interessengebiet .-.des. Verstorbenen..& Helgol and hat er große.Beträge für das dortige Aquarium gestiftet; er wurde in Anerkennung 'dessen zum Ehrenbürger der Insel ernannt. Die Stadt,.Frankfurt verlieh ihm an seinem 80. Geburtstag die silberne. Ehrenplakette, Keine Schulgeldermäßigung für jüdische Schüler Aus Berlin: Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer Sitzung vom 13. Juni, .bei Stimmenthaltung d e r S o z i avl d.e m o k r a t e n, den im Mal d< J.-vom Magistrat gefa^j^en Beschlußbe- stätigt, daß Schülern und Schülerinnen der städtischen; höheren Lehranstalten und Mittelschulen, die von j üdi- 'schen Eltern oder , Groß eitern abstammen, jkeine Schulgeldermäßigung gewährt werden isoll, solange die Zahl der Schüler jüdischer Abstammung iüber den Beteiligungssatz der jüdischen Einwohner an der Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches hinaus« geht. Es genügt, wenn ein Eltern- oder Großelternteil jüdisch ist, insbesondere der jüdischen Religion angehört hat. Die neue Bestimmung soll erst am 1. Oktober d. J. in Kraft treten, weil die Schuldgeldveranlagungen bereits vorgenommen sind und gegen eine Aenderung innerhalb des Schulhalbjahres „verwaltungstecbnische" Bedenken bestehen. Sämtliche Insassen eines jüdischen Zöglingsheims ins _ Konzentrationslager gebracht. Aus Berlin: Wie die Conti-Agentur mitteilt, wurden sämtliche Insassen des jüdischenZöglingsheimsinWolzig (Mark) nach Vornahme einer Durchsuchung des Heims, bei der verschiedene Waffen (?) und belastendes Schriftenmaterial gefunden wurden, auf An-» Weisung des Landrats auf Lastauto verladen und. nach dem Konzentrationslager Oranienburg geschafft. Die Durchsuchung des Heims wurde durch Land^gerei mit Unterstützung der SA. vorgenommen. Die jüdischen Volksschulen in Württemberg scheiden aus dem staatlichen Schulsystem aus — St#ttssubvention an die Israelitische Religionsgemeinschaft eingestellt ».'>. Aus Stuttgart: Das württembergische Staats« ministerium hat in einer unter dem Vorsitz des Reichsstatthalters abgehaltenen Sitzung ein Gesetz Uber die israelitischen Volksschulen beschlossen, nach dem die allein noch übrigen zwei israelitischen Volksschulen im Sinne von Art. 13 des Volksschulgesetzes und ebenso die wenigen israelitischen freiwilligen Ktfnfessjongschulen im Sinne von Art, 14 des Volksachulgesetzea au« den württembergischen Volksschulen ausscheiden. Diese israelitischen Schulen können jedoch ajg ÜPrlyatschuien .weiter, bestehen, Des weiteren wurde beschlossen, die Staäta-i leistungen an die Israelitische Religionsgemeinschaft« die, wie betont wurde, von jeher in vollem Umfang frei*1 willige gewesen seien, von nun ab einzustellen, Die Leiter von Privatschulen müssen arische AK- 1 stammung nachweisen* . Aus Berlin: Einer soeben erschienenen Verordnung zufolge haben die Leiter sämtlicher Privat« s c h u 1 e n (allgemein bildende Volks-, Mittel- und höheren Schulen; Sprachschulen, Vorhereitungsäristalten, Kunstschulen; Tanz», Ballett:, Gymnastikr, Turn-, Theater- und Filmschulen) sowie alle Inhaber von Unterrichts* erlaubnisscheinen bis zum 1. August dem zuständigen Schüirat" ihre ar i sc he oder. nichtarische Abstammung sowie ihre deutsche oder nicht deutsche Staatsangehörigkeit Inacbiüweiseri.\Der^Nachweis;.- hat durchs-Vori$gepd>? Geburtsurkunde «sowie der Geburtsurkunden-' oder Heiratsurkunden der Elter n zu erfolgen.* Boykottiert und — eingesperrt Aus K o 11 b u s: Das „Lausitzer Kampfblatt für Adolf Hitlers Aufbauarbeit" veröffentlicht in seiner Ausgabe für die zweite Juniwoche einen Bericht über Vorgänge beim Kottbuser Kaufhaus Schocken, in deren Verlauf der.. Geschäftsführer des Kaufhauses Manasse und der. jüdische Einzelhändler Krebs in Schutzhaft genommen wurden. Der Schriftleiter des „Lausitzer Kampfblattes" hatte sich vor ** einem der Eingänge des Kaufhauses aufgestellt, um „herauskom m-ende Parteineulinge, die das Kaufhaus besucht haben sollten, zu beobachten und zu belehren." Dieses Verhalten rief Unruhe unter den im Kaufhaus befindlichen Kunden hervor. Der Geschäftsführer Manasse wollte die Personalien des Beobachters feststellen lassen. Hiebei soll er, dem Bericht des nationalsozialistischen Blattes zufolge, provozierende (!) Worte gesprochen haben. Ebenfalls provozierende Bemerkungen werden einem früheren An-» gestellten des „Deutschen Schuhwarenhauses", Krebs, zugeschrieben. „Ferner bemühten sich die J u d e n", heißt ea im Bericht des Kampfblattes, „in völliger Umkehrung der- Lage eine Anzeige gegen den nationalsozialistischen; „Provokateur" bei der Polizeiwache zu erstatten". Der Ba« obachter verharrte bis fünf Minuten vor KaufhausschlulS auf seinem Posten. Auf Grund von Zeugenaussagen ordnetej der Polizeidezernent die Inschutzhaftnahme Manasses und Krebs' an. Manasse, der an einem Herzfehler leidet, wurde! in seinem Heim belassen! Krebs in Hatt genommen. Das Lausitzer Kampfblatt droht für den Fall, daß! gegen nationalsozialistische Aktionen abermals in ähnlicherweise vorgegangen werden sollte, scharf« Maßnahmen an, um „den jüdischen Angriff abzubiegen und die angreifenden Juden vernichtend zuf sehlagen," Urteile des Berliner Sondergerichts; i Aus Berlin: Das Berliner Sondergericht verurteilte den 81jährigen Tischler Richard Bjhlert zu zwei Monaten Gefängnis, weil er behauptet hatte, führende Deutschnationale hätten ihm gesagt, es; bestünde im Ausland aus Anlaß der Judenfrage k ein e Hetze gegen Deutschland. Alle Behauptungen über die ausländische Hetze . habe: sich der Reichsminister; Goering aus den Fingern gesogen, — Der Druckerei« besitzer Paul O p p 1 e r wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er sich geäußert hatte, er kenne einen Fall» in dem ein J u d e v e r p; r ü g e 11, in ein Auto geladen, in den Grunewald gefahren, dort hinausgeworfen und hilflof liegen gelassen wordta mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.