Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 302 (23.6.1933)
- Date
- 1933-06-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Urals 15 Groschen Jahrgang 7 Freitag/ den 83* Jon! 1933 Nr* 308 V« b« b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expetlfö par l'lditeur*« REVUE Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.—Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich BEZUOSBEDINQUNQEN: Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-; Balgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—: Schweiz und die Uhr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. viertel» jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, 7 ei. B-48-504— Erscheint jeden Freitag IlmOII der ZfoniSten-ReVl§ioni§len Oesterreichs Saawtag, den 24, Juni 1933, 8 Uhr abends, Hotel Post (ElelsdimarkO Vortrag Meir Großmann Vizepräsident der Weltunion der Zionisten-Revisionisten »Der Weg zum Judenstaat« (Die jüdische Tragödie und die historische Aufgabe des 18. Kongresses) Karten von S 2.-, 150 und 1.- bei: Papierwarenfabrik Jos. Grubner, IX, Wasagässe 7 (A-l 1-0-10) - „Neue Welt", II, Untere Augartenstraße 38 (A-45-6-34) - Paula Stricker, II, Hollandstraße 10 (A-48-1-89) Sichern Sie sich rechtzeitig Karten I Dr* Chaun Arlosoroffs tragisches Ende Der Mord am Exekutivmitglied Dr. Chaim Arloftoroff hat die ganze jüdische Welt in tiefste Trauer und Bestürzung versetzt. Die Presse brachte aus Palästina die Meldung, daß eich der Verdacht der Täterschaft gegen den polnischen Staatsangehörigen Abraham Kaspi richte, der von der palästinensischen Polizei in Haft genommen worden ist. In den ersten Meldungen wurde Kaspi als Mitglied der kommunistischen Partei bezeichnet. Vierundzwanzig Stunden später kam die Version, daß Kaspi dem palästinensischen revisionistischen Kreis um Dr. Achi- IMEeir angehöre. Die polltischen und taktischen Tendenzen dieser extrem-radikalen Gruppe wurden schon anläßlich der vorjährigen revisionistischen Weltkonferenz in Wien Im August 1983 von der überwältigenden Majorität abgelehnt. Innerhalb der revisionistischen Union übte diese Gruppe eine Tätigkeit aus, die nicht zuletzt, die bekannten Krisen im Revisionsausschuß forcierte und schließlich, die bis zur. Spaltung der Organisation führenden Konflikt» verschärfte. - ........ ■■V.'\ JEin Geständnis des verhafteten Kaspi liegt .bis* äur'Stunde nieht Vor. \' *;' ■ ' Angesichts des Todes eines Mannes, der mit stürmischem . Elan die Stufen zu elper dominierenden zionistischen Position aufwärtsgeschritten war, die psychologischen ^Hintergründe zu beleuchten, aus denen die Tat eines so schwer irrenden Menschen erklärt werden kann, angesichts dieses tragischen Augenblicks ist ein Abwägen moralisch-politischer Grundsätze zwecklos. Niemand wird bestreiten, daß die Tat, sollte sie ein palästinensischer Jude begangen haben, ein Attentat nicht nur gegen den Arbeiterführer Arlosoroff war, sondern auch gegen den Zionismus und alle seine großen sittlichen Prinzipien. Der Wille zu nationaler und eigenstaatlicher Wiedergeburt, wie Theodor HerzI ihn lehrte und betätigte, birgt zweifellos auch jene Kräfte in sich, die gegen jede extreme, eigenmachtige Handlung einen Damm errichten. Galt und gilt doch gerade in jenen Reihen, .'die der zionistischen Organisation immer wieder neue Impulse geben, das Gesetz der Selbstbeherrschung als das wichtigste in der Erwerbung weiteren Aufbauterrains. Nichts unzionistischer, nichts unjüdischer, als das Ringen um die Seele der Nation in niedrigen Kampf mit der Waffe zu verwandeln! Die Tat . ist sinnlos, abscheulich, niedrig. Die Art, wie sie begangen wurde, kennzeichnet die frivole Kopflosigkeit des Täters; die Art, wie er den armen Arlosoroff Stellte, der sich in Regleitung seiner Gattin befand, das Beleuchten seines Opfers, das Losknallen und Verschwinden — wer könnte in solchem Tun etwas anderes sehen als die Brutalität eines törichten Desperados, der nicht die geringste Chance hatte, eine Genugtuung über den Mord zu genießen! In einer Atmosphäre höchster Spannungen, die sich zeitweise zu einem gewitterschwülen Druck verdichteten, fiel der tätliche Schuß gegen Arlosoroffs Herz. Er hat getroffen, zu unser aller Schmerz und Trauer. Jedes Wort der Teilnahme an dem tragischen Schicksal eines zionistischen Führers — und gerade noch In den tragischen Schicksalsstunden des jüdischen Volkes — erscheint uns klein und nebensächlich. Groß ist die Entscheidung und groß die Pflicht, die auf unser aller Schultern liegt. Einige Wochen vor dem 18. Zlonistenkongreß, '■ ■■' der so vieles liquidleren und so vieles neu gestalten soll, können wir, denen der Aufbau des Judenstaates über alles geht, nur wünschen, daß die Nebel unfruchtbaren Hasses verschwinden und die Realität, das jüdische Palästina, erstrahlen lassen. Nationale Front und nationale Geschlossenheit, das Ist. ein Begriff, ein Prinzip, ein Ziel. Mußte durch die Tat eines Unseligen der kostbare Mensch Chaim Arlosoroff dahingehen, so möge dieses Geschehen den Sinn des Erwachens zur Befriedung haben. Auf dem Weg zur nationalen Erhebung fallen' Opfer. So cei dieses schreckliche Opfer der letzte Meilenstein auf dem schweren Weg. Wie der Mord vor sich ging Tel-Awiw, 16. Juni. (J. T. A.) Der Leiter: des politischen Dezernats bei der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Dr. Chaim Arlosoroff ist am 16. Juni »bends in Tel-Awiw das Opfer eines Revolveran schlags geworden. Dr. Arlosoroff befand sich, zu später Abendstunde mit seiner Gattin auf einem Spaziergang am Strande von Tel-Awiw, als zwei unbekannte Männer in der Nähe des .mohammedanischen Friedj hofs auf ihn zutraten und ihn fragten, wie spät es sei. Dr. Arlosoroff antwortete: 11 Uhr. Daraufhin fragten ihn die Leute, ob er Dr. Arlosoroff sei und gaben, als er diese Frage bejahte, zwei Revolverschüsse auf ihn ab. Schwer verletzt sank Arlosoroff zu Boden, während die Attentäter die Flucht ergriffen. Auf die Detonation hin eilten zwei jüdische junge Leute, die sich in'der Nähe befanden, herbei und brachten den Verwundeten in "das Hospital der Hadassah. Gegen Mitternacht erlag Doktor Arlosoroff, während die Aerzte Vorbereitungen zu einer Operation trafen, seinen Verletzungen. Einer der Schüsse hatte das Herz verletzt. Der Gattin Dr. Arlosoroffs war es aufgefallen, daß zwei Männer ihr und ihrem Gatten seit einiger Zeit auf ihrem Spaziergange in verdächtiger Weise folgten, und sie hatte 5 Minuten, vor dem Attentat ihren Mann darauf aufmerksam gemacht. Ädamoit |üb«)r5.^ ^lifitjba^ ,-(_..«lio§^p f Warnung keine Beachtung gesohenkt. Dife Polizei hat eine Prämie von 1500 Pfund für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Die Persönlichkeit des Ermordeten Dr. Chaim Viktor Arlosoroff, einer der bedeutendsten Führer und maßgebendsten Theoretiker der jüdischen Arbeiterbewegung Palästinas, wurde i. J. 1899 in Romny COM PASS TO URS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3, Tel. B«42-5»38 Ferienreise nach PAUKSTINA 11. JULI 1933 I -——■-— (Ukraine) geboren. Er war Mitbegründer der aus: dem Zusammenschluß der jüdischen Arbeiterparteien Hapoel Hazair und Zeire Zion entstandenen Hitachduth, eines Sonderverbandes der Zionistischen Weltorganisation, der sich in letzter Zeit in vielen Ländern mit den dort bestehenden poale-zionistischen Gruppen vereinigt hat und ohne Betonung des marxistischen Klassenkampfgedankens die Verwirklichung eines „konstruktiven Sozialismus" in Palästina, einer freien arbeitenden jüdischen Gesellschaft auf der Grundlage sozialer Gemeinwirtschaft/sowie Erneuerung' des .'jüdischen -Volkslebens in den Ländern der Zerstreuung-auf der Grundlage produktiver Arbeit und hebräischer Kultur anstrebt. In den Jahren 1905 bis 1924 lebte Arlosoroff in Berlin, seit 1924 in Palästina. Im Jahre 1923 wurde er Mitglied des Finanz- und Wirtscha'ftsrates; der Zionistischen Organisation. Auf dem 17. Zlonistenkongreß i. J. 1931 wurde er als Nachfolger "von Colonel Kisch zum politischen Leiter der Palästina- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt» lieben Notizen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet BADERREISEN ÜBERFLÜSSIG DIE KURANSTALT DIANABAD WIEN DIE GRÖSSTE ALLER PHYSIKALISCHEN HEILANSTALTEN DER WELT BIETET VOLLWERTIGEN ERSATZ FÜR ALLE KUREN IN BADEORTEN ERFOLGREICHSTE BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS, G'C -IT, ISÖHlAS, FRAUENLEIDEN, DARMLEIDEN ÄRZTLICHE SCHÖNHEITSPFLEGE ETC. HÖCHSTER : ■ KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE Exekutive bestimmt. In dieser Stellung versuchte er ihsK besondere eine politische Annäherung zwischen Judejni und Ära b e r nherbeizuführen. So brachte er vor einiger Zeit in Jerusalem eine Besprechung mit transjordanischen Scheichs zustande. Im Mai d. J. weilte Dr. Arlosoroff in Deutschland und entwarf auf Grund seiner Beobachtungen einen großzügigen Plan zur Ueberf ührung jüdisch e r Kinder aus Deutschland in palästinensische Schulen und zur ländlichen und städtischen Ansiedlung deutscher Juden in Palästina. Das Begräbnis Tel-Awiw, 18. Juni. (J. T. A.) Am.Sonntag, den 18. Juni, 11 Uhr vormittags, wurde der am 16. Juni erschossene Leiter der Palästina-Exekutive der jewish Agency Dr. Chaim Arlosoroff in Tel-Awiw unter ungeheurer Beteiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen. Die Straßen, durch die sich der Leichenzug vom Hause des Waad Hapoel, wo die Leiche Arlosoroff s i aufgebahrt worden war, zum Friedhof; bewegte, waren von dichten Menschenmassen eingesäumt. 30.000 Menschen, unter ihnen hohe Regierungsbeamte und das gesamte Konsularkorps von Tel-Awiw, folgten dem Sarge. Zum Zeichen der Trauer war eine eintägige Arbeitsruhe angeordnet worden, auch sämtliche Schulen blieben geschlossen. Am offenen Grabe hielten der Arbeiterführer Berl Katzenelson, der Bürgermeister von Tel-Awiw Meir Dizengoff und der Direktor des Jüdischen Nationalfonds M. M. Ussischkin Ansprachen. * London, 18. Juni. (J. T. A.) Die Nachricht von der Ermordung Dr. Arlosoroffs hat in ganz Palästina und in den zionistischen Kreisen all erLänder der Diaspora tiefste Erschütterung und Erregung hervorgerufen. Die Büros der Jüdischen Telegraphen-Agentur werden ununterbrochen mit Anfragen über den Vorfall von persönlichen und politischen Freunden des Ermordeten bestürmt. Die führenden Persönlichkeiten der Zionistischen Organisation und der Palästina-- bewegung stehen mit dem Londoner Hauptbüro der JTA. in .dauernder Verbindung, um sich über den Fortgang des von' der palästinensischen Polizei eingeleiteten Ermittlungsverfahrens und die sonstigen mit dem erschütternden Ereignis in Zusammenhang stehenden Vorfälle zu informieren. Die Londoner" Exekutive der Zionistischen Organisation ist am Abend des 17. Juni zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten, um zu; der durch den Tod des Leiters der Palästina-Exeta4» tive geschaffenen Lage SteUtiBf zu nehmen,