Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 298 (26.5.1933)
- Date
- 1933-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preif 35 Groschen Jahrgang J Ftei'ag, den M. Mal M3I Nr. S98 V.b.b J Zeitung vom Verleger versendei «Journal expediö par reditenr« REVUE BEZUOSBEDWOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljahrig S« Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; jngoslawiei Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark J.—, \ Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.-. vierteljährig Lire 14.—; Schweiz fährig Schweizer Francs 4.50 ige ...icn Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— -icijährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich „.—t Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig n Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel- HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, leL 8-48-504 — Erscheint jeden Freitag RUNDSCHAU Wie einst die Deutschen zu den Juden gesprochen haben Oleich zu Beginn des Weltkrieges, im August 1914, hat das Oberkommando der deutschen Armee nach üeberschreiten der russischen Grenze nachstehenden Aufruf in vielen hunderttausend Exemplaren unter den Juden Kongreßpolens verbreiten lassen. Der in jiddischer Sprache abgefaßte Aufruf lautete: An die luden Polens t Die heldenhaften Armeen der großen zentraleuropäischen Mächte Deutschland und Oesterreich befinden sich in Polen. Der mächtige Ansturm unserer Armeen zwang die despotische russische Regierung zum Bückzug. Unsere Fahnen bringen euch Gerechtigkeit und Freiheit: Gleichheit eurer bürgerlichen Rechte, Glaubensfreiheit, ungestörte Freiheit der Arbeit auf allen Gebieten des ökonomischen und kulturellen Lebens unter Wahrung eurer Tradition. Allzu lange habet ihr unter dem Joche Moskaus gelitten. Wir kommen zu euch als Freunde. Die barbarische Herrschaft ist gestürzt. Gleiche Rechte auf fester gesetzlicher Grundlage sollen euch gewährt werden! Lasset euch nicht, wie so oft in der Vergangenheit, durch schmeichelnde Versprechungen betrügen. Hat nicht , der Zar im Jahre 1903' den Juderf die Gleich-* berechtigüng gewährt? Wie hat erVdiese^ Verpflichtung, die er vor den Augen der ganzen Weit übernommen hat, erfüllt? Erinnert euch der Ausweisungen, durch die Tag für Tag Massen von Juden aus ihren Wohnorten, wo sie lange lebten, vertrieben wurden. Erinnert euch an die Pogrome von Kischeneff, Hömel, Blalystok, Siedlec usw. Erinnert euch des Bejlis- Prozesses, an die Bemühungen der barbarischen zaristischen Regierung, die fürchterliche Lüge zu verbreiten, daß Juden Menschenblut gebrauchen. So hielt der Zar sein Wort, das er nur gab, weil er in Bedrängnis war. Er ist jetzt wieder in Bedrängnis! Das ist der Grund seiner neuerlichen Versprechungen. Es ist nun eure heiligste Pflicht, eure Kräfte für den Befreiungskampf zu sammeln. Alle Kraft eures Volkes, eurer jungen Genera- . tfan, eurer Gemeinden, eurer Organisationen müssen dem Werke der Befreiung gewidmet werden. Wir erwarten, daß ihr uns eure Loyalität und Sympathie durch Taten beweisen werdet. Dir könnet das größte Vertrauenjn unsere militärischen Befehlshaber setzen. Bereitet uns den Weg vor, um den Feind gänzlich zu schlagen und der Freiheit und Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. ' Das Oberkommando der vereinigten deutschen und österreichischen Armeen. August-September 1914. Ein Dokument deutscher Ehrlichkeit und Treue* Das Zerrbild der judischen Assimilation Die Sorte der Assimilationsjuden, welche die nationale Zugehörigkeit zum jüdischen Volke ableugnen und ihr Heil darin sehen, deutscher als die Deutschen zu sein, sich den anderen Nationen aufzudrängen, hat den Zusammenbruch Ihres Systems in Deutschland schrecklich er* lebt. Das hat manche zur Annahme verlockt, daß nunmehr die Gegner des jüdischnationalen Gedankens und Anbeter der Judenassimilation gründlich geheilt sind! "Unser Blatt hat vor diesem Glauben gewarnt und darauf hingewiesen, daß der Kampf gegen die Assimilation notwendiger ist denn je. Die jüdische Assimilation ist nicht tot, sie hat nur andere, abscheulichere Formen angenommen. Lies nachstehende Meldung aus Berlin; Nach längerer Pause ist eine Sondernummer des Mitteilungsblattes des Verbandes nationaldeutscher Juden erschienen. Der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Max Naumann, behauptet im Leitartikel, nur der nationaldeutsche Jude sei reif für das Deutschtum und versucht, die Führer des gleichfalls assimilatorischen, aber gemäßigteren „Zentralvereines" für das, was den deutschen Juden jetzt geschieht, moralisch verantwortlich zu machen. In schärfster Form greift er Zionisten und Ost juden an. Weiters enthält die Nummer den Brief eines „Zum Juden Ernannten", also eines Getauften, in dem es heißt: „Ich für meine Person möchte jedoch der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß alle diejenigen, die nach der heute amtlich angewandten Auffassung jüdischer Abstammung sind und die in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen bewußt deutschen Weg gegangen sind, also auch die Dissidenten, Getauften — soweit es sich bei diesen nicht um reine Opportunisten und Karrierejäger handelt — in ihrer inneren Einstellung wohl völlig mit den Bestrebungen übereinstimmen müssen, die von Ihrem Vier band schon seit langem vertreten werden." In einem Artikel „Ein deutsches Glaubensbekenntnis" werden Entfernung aller nicht in Deutschland geborenen und erzogenen „j ü d i s c h e n G <e i s 11 i c h e n", Abschaffung der Nationalf ei er tage Pur im und Passah und ein Einwand erungsverhot für ausländische Juden, das für die österreichischen Juden auch nach einem etwaig e n. Anschluß Oesterreichs in Kraft bleiben soll, gefordert. In der Stunde der Gefahr zeigt die Assimilation ihr wahres, häßliches Geoichf./^bm sich zu retten, hetzt sie die Antisemiten gegen jüdische Ausländer und Zionisten und läßt sich Von einem Täufling Beifall spenden; Eine gute Lehre auch für die österreichischen Assimilations juden von der Union und der Sozialdemokratie. Ist wirklich schon der Zeitpunkt gekommen, den Kampf gegen die Assimilation einzustellen? Palästina hat ein weites Herz und weite Arme. Als die ersten Nachrichten über die aus Deutschland flüchtenden Juden eintrafen, wurde unverzüglich eine Hilfsaktion organisiert — nebst würdigen Protesten moralischer Natur. Der Waad Leumi, der jüdische Nationalrat Palästinas, erließ einen Auf ruf an alle Völker, in dem unter Hinweis auf die Lage der deutschen Juden zur Mithilfe an der Errichtung des jüdischen Nationalheims aufgefordert wurde. An den Völkerbund wurde appelliert, eine internationale Anleihe zwecks Durchführung einer großzügigen Kolonisation deutscher Juden in Palästina aufzulegen. Als Protest gegen die Verbrennung jüdischer Bücher gab es während der Lag-b'Omer-Feiern große Manifestationen. Transparente mit der Aufschrift „Das Buch steht in Flammen, aber es wird nicht verzehrt*' (Anspielung auf die Bibelstelle vom brennenden Dornbusch) wurden in ganz Palästina geführt. Würdige Reflexe des jüdischen Herzens! Würdig auch die Erklärung des Exekutivmitgliedes Emanuel N e w m a o, daß das jüdische mit den vorzögt Saloosthiffen des Lloyd Triestino Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner: Wöchentliche Expreßllnje nach Istanbul; wöchentliche LuxuaellUnle nach Alexandrien; zweimal monatlich Luxuselllinie nach Bombay; monatliche Expreülinie nach Ceylon, Singapore, Shanghai; Postumen nach der Levante, Schwarzes Meer, Indien, China, Japan Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt» liehen Notizen sind durch «in beigefügtes E bezeichnet 1.50 . Weekend im Dianabad Samstag oder Sonntag den ganzen Nachmittag Im Wellen-Schwimmbad mit Freiluft-Sonnenbad Vorzügliches Dach garten-Restaurant Familienbad In beiden Schwimmhallen und in einer Abteilung des Sennenbades Schwimm- und Sonnenbäder auch Montag offen! Palästina alle Schöpfungen des jüdischen Genius willkommen heiße und sich liebevoll aller jüdischen Autoren annahmen werde . . . aller Autoren, hieß es weiter in def Erklärung Newmans, auch ,,der Werke von Schriftstellern, die ' bisher die' Zuge hörig kelt zum jÜ~di'schen/V - ' '• Wahrlich, Palästina hat ein weites Herz;. Es will sich auch der Schriftsteller annehmen, die ihr Judesein verleugneten, sich anderen Nationen anbiederten, vielleicht gar dort schmarotzten und jene Attacken hervorriefen, die das Hakenkreuz als Abwehr bezeichnet . . . Jakob Wassermanns, der die von Kriegsnot gejagten Ostjuden als beutegierige, verwahrloste Horden bezeichnete . . .? Karl Kraus', der in seiner Schrift „Eine Krone für Zion" HerzI und den Zionismus zu ver-; unglimpfen versuchte . . .? Kurt Tucholskys, der Inder linken „Weltbühne" das „arme chancenlose" Palästina dem Sowjetparadies entgegenstellte? Und aller jenerV' die sich nicht zu erkennen geben wollten, aller jener' würdelosen AUerweltsbeglücker, die sich glücklich' schätzten, vor dem deutschen Geist' Habtacht stehen zu dürfen und jetzt an den Wassern der Moldau und der Donau sitzen und weinen? Palästina will alle diese Autoren* an sein Herz drücken. Wie? Durch Verbreitung und Uebersetzung ins Hebräische, zum Schaden der schwer ringenden hebräischen Autoren? Aufklärung täte hier not. Enttäuschte Irgendwie ist die Legende entstanden, daß Hitler sein antisemitisches Programm preisgegeben oder doch ganz verdünnt hat. Vielen Meldungen über krasse Fälle von Judenverfolgungen in Deutschland wurde, allerdings von jüdischer Seite, die Bemerkung beigefügt, daß alles eigentlich gegen den Willen des Kelchskanzlers geschehe. Unterstützt wurde diese Meinung durch den Umstand, daß Hitler längere Zelt hindurch über die Judenfrage nicht gesprochen hat. Nun hat er das Versäumte gründlich nachgeholt. Aus New York wird gemeldet; In einem in der „New Yorker Staatszeitung" veröffentlichten Interview erklärt Reichskanzler Hitler, daß bisher noch geheimgehaltenes Material schon jetzt den Beweis für die Aufdeckung eines kommunistischen Weltkomplotts gibt. Bezüglich der Pressefreiheit erklärte er, daß er den Polyp der jüdisch-marxistischen Presse ausrotten wird. Er sagte weiter: Weshalb beweint die Welt .mit Krokodilstränen das hundertfach verdiente Schicksal einer kleinen jüdischen Minderheit? Wo war das Weltgewissen, als Millionen in Deutschland Hunger litten, entbehrten und in Not verbluteten? Ich frage Boosevelt, ich frage das amerikanische Volk: Seid ihr bereit, diese Brunnenvergifter » der deutschen wie der christlichen Weltseele bei euch aufzunehmen? Wir würden jedem einzelnen ein Frei« blllett und einen Tausendmarksche!» ali 'V. <r " * * £r> * * V ' 'v^» \ * V^jifr&j