Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 296 (12.5.1933)
- Date
- 1933-05-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 296 Ein neues jüdisches Viertel in Saloniki Die neue tsaldaristische Regierung in Griechenland hat den Wiederaufbau des im Juni 1931 anläßlich der damals stattgefundenen antisemitischen Unruhen zerstörten jüdischen Campbell-Viertels und den Ausbau des nach der großen Feuersbrunst von 1917 errichteten provisorischen Lagers zu einem neuen großen jüdischen Viertel in Angriff genommen. Mit Hilfe einer von der Regierung garantierten 10-Millionen-Drachmen-Anleihe sollen zunächts im Viertel R6gie Unterkunftsmöglichkelten ,für 400 jüdische Familien geschaffen werden. Der rumänische Ministerrat zur Bekämpfung der antisemitischen Agitation. In Bukarest fand unter dem Vorsitz des stellvertretenden Ministerpräsidenten Mironescu eine Sitzung des Ministerrates statt, in der der Bericht des nach Czernowitz zu einer Untersuchung im Zusammenhang mit den vor kurzem dort vorgefallenen anti.aemitischen, Ausschreitungen . entsandten Regierungsvertreters entgegengenommen wurde. Der Bericht ergab einwandfrei die Schuld der Czernowi.tzer Ortsbehörden an der widerstandslosen Ausbreitung der Unruhen. Es wurde beschlossen,-eine durchgreifende Veränderung, im Personalstand der leitenden Czernowitzer Polizeiorgane, vorzunehmen. Gleichzeitig wurden strenge Anweisungen gegeben, der antisemitischen Agitation,, die in letzter Zeit in vielen Dörfern der Bukowina und in der Gegend von Akerman in Südbessarabien, wo deutsche Kolonien liegen, besonders heftig betrieben wird, schärfstens entgegenzutreten. . . ^Eidgenössische Front" gegen Judetthetze. Die Vor1 einiger Zeit gegründete konservative Vereinigung „E i dgenössische Front" veröffentlicht eine Erklärung, in der sie von der von gewissen konservativen kreisen der Schweiz seit einiger Zeit betriebenen antisemitischen Propaganda entschieden abrückt und jede demagogische Judenhetze mißbilligt. Jüdenfeindliche Unruhen in Ostgalizien. In zahlreichen Ortschaften Ostgalizieris, insbesondere in der Stanislauer Wojwodschaft, ist es zu Ausschreitungen von Ukrainern gegen Juden gekommen. Man nimmt an, daß die judenfeindlichen Unruhen auf ausländische Einflüsse zurückzuführen sind. Jüdische Lehrer aus den Lemberger deutschen Schulen entlassen. Aus den vom deutschen Schulverband erhaltenen Schulen in Lemberg wurden sämtliche jüdischen Lehrer entlassen. Ausbreitung der Sabbatschutzbeweguhg in Holland. Im Laufe dieses Jahres wurden fünf neue Ortsgruppen der Organisation Schemiras Schabbos in Holland gegründet, und zwar in Zutfen, Deventer,. Haarlem, Groningen und s'Hertogenbosch. Die Organisation umfaßt nunmehr 14 Ortsgruppen. Die an der Landung in Palästina verhinderten jüdischen Touristen nach Rumänien zurückgekehrt. In Konst anz a ist der Dampfer „Ardealul" mit den 123 jüdischen Touristen, denen die palästinensischen Behörden die Landung in Jaffa nicht gestattet haben, eingetroffen. Die Zurückkehrenden wurden von der jüdischen Bevölkerung Konstanzas aufs wärmste empfangen. Die zionistische Landesexekutive wird von der Exekutive der Jewish Agency verlangen, daß denjenigen ,, Mitgliedern der Touristengruppe, die dies wünschen, außerhalb der Landesqüote Palästinazertifikate zugewiesen werden. Jiddisch als Lehrgegenstand in amerikanischen Schulen. Im Pennsylvania Hotel zu New York fand eine Konferenz jüdischer Organisationen statt, in der beschlossen wurde, eine Kampagne zur Einführung des Unterrichts in jiddischer Sprache und Literatur an den amerikanischen Schulen einzuleiten. Das Hauptreferat auf der Konferenz, an der Vertreter von etwa 50 Zweigverbänden des Arbeiterkreises, ferner Vertreter des Landesverbandes jüdischer Arbeiter (Jewish National Workers' Alliance), der jüdischen Kulturgesellschaft, der Poale Zion und verschiedener Arten jiddischer Schulen teilnahmen, wurde von dem jüdischen Kulturpolitiker Dr. Chaim Schidlowski erstattet. Moses Raih's Jfnt flmenu" Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selniunterricht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis mit deutscher, ponticher, ungarischer, rumft« nUcher oder englischer Unterrichtssprache / Einzige Methode zur vollständigen Erlernung derhebr. Sprache in Wort u. Schrift auch ohne Lehrer. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträft nur S3 6 der englischen Ausgabe Dollar 1.- / Buchhändler, Schulen, Organisationen u Lehrer erhalten einen hohen Rabatt / Zu beziehen bei M. Rath, Verlag RUNDSCHAU M'^^i^^^^MW^^^^ 11 tf'-'rt;^;V*'^\.i '■'■} V$> '$k$'*^\0^?ffi Herr Alfred Rosenberg der Schriftleiter des;,Völklschen Beobachters" und Pressechef der Hitler-Bewegung, wurde nach London geschickt, um dort mit führenden Politikern in Verbindung zu treten und das Hakenkreuz-Deutschland reinzuwaschen. Die Lloyd George nahestehende „News C h r o n i c 1 e" vom 6. Mai führt in einem „Etwas Neues für die Nazis" betitelten Leitartikel aus: „Man sagt, daß Herrn Hitlers Agent nach England gekommen ist mit der Absicht, die Engländer über die Aktionen der Nazi-Regierung aufzuklären. Wir hoffen, daß er diesbezüglich rasch und genauestens von uns unsere Meinung erfahren werde. Man kann die Wahrheit In einem Satz zusammenfassen: Die Aktionen der Nazi-Regierung haben in den letzten drei oder vier Wochen die wiedererwachende Freundschaft zwischen Deutschland und England, die so mühsam In den letzten zwölf Jahren aufgerichtet wurde, vollständig zerstört. Drei Ursachen sind e3 vornehmlich, die dazu beigetragen haben: Vor allem natürlich hat die verdammens-, werte Verfolgung der Juden in England einen empörenden Ausbruch gefunden, der trotz der halben und nicht überzeugenden Entschuldigungen gegenwärtig nach wie vor besteht. Herr Rosenberg wird sehr schwer eine Lücke in der öffentlichen Meinung finden, die nicht vollinhaltlich und unterschiedslos die brutale Explosion dieses kleinlichen Rassenhasses auf das Entschiedenste verurteilt." Die zwei anderen Ursachen beziehen sich auf die militärische Jugenderziehung und die Ausbrüche der deutschen Delegierten auf der Genfer Abrüstungskonferenz. Nimmt man diese eindeutige Abfuhr als Ergänzung zu den Reden im englischen Unterhaus und den beiden Reden Lloyd George3 und Lord Greys (worüber an anderer Stelle berichtet wird), so bleibt kein Zweifel übrig, daß die englische öffentliche Meinung sich von Herrn Rosenberg nicht wird beeinflussen lassen. Das pogromantisemitische Deutschland ist und bleibt in England verfemt. Noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf Der C, V.-Mann, der Centraiverein der deutschen Staats- 5 bürger jüdischen Glaubens. Die nationalsozialistische Peitsche hat ihn ins Gesicht getröffen, geistige Betätigung ihm Unmöglich gemacht, die Ehre ihm abgesprochen — und. jetzt sieht er sich gezwungen, „irgendwo" nach neuer Existenz Umschau zu halten. Irgendwo ist schließlich auch;P-a 1 ä s t i n a, das jüdische Palästina. Für ein paar hundert Familien wurde sofort Platz gemacht. Diese Be^ei^h^f|; Widerhall ' . . . ... .;. . " ,jber drohend verengte-:^ebensraüm"'y'Mr''unsere Menschen wird wie in früheren Epochen dazu zwingen, Existenzmöglichkeiten auch außerhalb des Väterlandes zu suchen Es spricht nicht gegen die deutsche Gesinnung eines Menschen und es bedeutet keine Anerkennung nationaljüdischer Gedanken, wenn er auf der Suche nach einem Existenzraum für seinen Sohn oder seine Tochter das Land Palästina ebenso wertet wie England oder Spanien oder Nordamerika." Die Herren vom CentralrVerein< sind um ihre gegenwärtigen Sorgen zu beneiden, vor allem weil sie glauben, man könnte ihre deutsche Gesinnung bezweifeln, wenn sie nach Palästina gehen! Welch fürchterliche Verwüstung hat doch die Aufklärungsideologie in den Hirnen tausender deutscher Juden angerichtet! Sie begreifen — heute in höchster Not — nicht, daß Palästina ein jüdisches Volksleben besitzt, daß der Einwanderer j ü d i s c h e, Verpflichtungen auf sich nimmt, daß der nach Palästina übersiedelnde Jude kein Zufallsgast sein kann, sondern nur ein Mensch, durch dessen Mitarbeit eben Palästina das jüdische Heim werden soll. Wer unter so engem, kleinlichem Blick Palästina betrachtet, von Palästina nur so beiläufig spricht, als wollte er sich entschuldigen, der ist nicht würdig, nach Palästina, nach Erez Israel zu gehen. Palästina ist Sache der Gesamtheit des jüdischen Volkes. Die Herren Centralvereinler haben die eben wieder einmal geoffenbarte Tragik des jüdischen Schicksals noch immer nicht begriffen. Scheinbar ist ihnen nicht zu helfen. Das geschichtliche Schicksal dieser Tage wird nun auch vom liberalen Judentum in Deutschland als solches erkannt. Aber dieses Judentum will sich mit dem „hemmungslosen Pessimismus", der mancherorts zu fühlen ist, nicht abfinden. Mit seltsam schillernder Genugtuung erklärt das Organ des liberalen Judentums,., die „Jüdisch-liberale Zeitung" (Berlin),:es sei.ein Gewinn, daß nun Menschen, die nie von ihrem Judentum Gebrauch gemacht haben, Täuflinge und Mischlinge, .völlig außerhalb des Judentums, Gestandet*» sich auf die jüdische Gemeinschaft angewiesen sehen, „da sie in einer anderen Gemeinschaft keine Zulassung und keinen Halt mehr finden." „Nicht ohne Hoffnung — damit soll nicht einem leichtfertigen Optimismus das Wort geredet sein; denn unsere Lage ist unerhört schwer und eine .Lösung' der so ganz neuartig gestalteten , Judertf rage' im' Augenblick nicht abzusehen. Gewiß, wir sind 'zahlenmäßig gestärkt, wir fühlen uns, durch gemeinsames Tragen, einander enger verbunden. Aber noch wissen wir nicht, was wir tun sollen, um unsere Zukunft nun auch praktisch zu sichern. Besteht doch die Gefahr, daß, wenn wir uns neue Wege zu Leistung und Erwerb suchen, wo" wir dann wieder gehäuft in einem oder mehreren Berufen auftreten, man wieder das .Ueberwiegen judischer Elemente' nicht dulden wird." Diese Feststellung, von liberaler Seite her ist höchst bemerkenswert. Wenn man sie logisch weiterführt, muß man zu einer Lösung kommen, zu der die nationalbewußten Juden, die Herzl-Zionisten, schon längst gelangt sind. Auch die „Jüdisch-liberale Zeitung" hat das Gefühl, daß die deutsche Judenfrage einer Lösung bedarf, denn sie fährt fort: „Die geschichtliche Lösung, die nicht vorausgesehen und noch viel weniger „gemacht", „organisiert" werden kann, wird kommen. Noch immer war das jüdische Schicksal so, daß die Prüfungen, die scheinbaren Vernichtungen geradezu Instrument und. Mittel unseres Fortbestandes gewesen sind. An dieser glückhaften Wendung kann es letztlich auch diesmal nicht fehlen. So schöpfen wir Hoffnung, und diese Stimmung allein wird uns auch — die einzelnen für sich und die Führer für unsere Gemeinschaft — befähigen, fruchtbare Zukunftsarbeit zu leisten für unser aller Ziel: „Wir wollen frei sein, wie die Väter waren." Ein Rätselraten! Ein Versteckenspielen! Die Herren haben noch immer nichts gelernt. Aber während sie ihre Hirne wegen einer „geschichtlichen Lösung" zermartern, nimmt da3 jüdische, zionistische Palästina als Retterin hunderte ihrer jüdischen „Landslöute" auf. Den Gipfel der Brutalität erreichte das deutsche Hakenkreuz in einem Artikel, den der preußische Nationalsozialisten Uhrer Wilhelm Kube unter dem Titel „Die Abrechnung mit dem Judentum" im Pressedienst, der N. S. D. A. P. veröffentlicht. Nach Art aller anderen Nationalsozialisten macht Kube für die Fehler des hohenzollernschen Kaisertums und der Weimarer Republik die Juden verantwortlich. Ihn hier widerlegen zu wollen, wäre müßiges Bemühen. Aber was Kube heute von den Juden verlangt, ist wohl das Schamloseste, das sich der deutsche Pogromantisemitismus bisher an Heuchelei, Scheinheiligkeit und brutalem Irrsinn geleistet hat. Alle Welt kennt die Phasen des Vernichtungsfeldzugs gegen das deutsche Judentum: Wirtschaftlicher Boykott, Aussperrung aus allen akademischen und freien Berufen, Einkerkerung in Form von Schutzhaft. Und alle Welt weiß, daß Flucht aus Deutschland, Selbstmord, physischer und seelischer Zusammenbruch die Folgen des Hitler-Systems sind. ,. Nichtsdes£oweniger schreibt der preußische Führer. Kube: „Der Jude soll sich wieder daran gewöhnen, . bescheiden und unbeachtet im Rahmen deutscher Gesetze seinem Gewerbe nachzugehen. Er dankt es hur der „staatsklugen Leitung Hitlers und seiner Disziplin, wenn Jhm im, großen ujad »ganz.cn nichtspassiert;fh$f.- •">, Herr^kübe möge 'sagend welchem "Gewerbe , der Jude in Deutschland „im Rahmen deutscher Gesetze" nachgehen soll. Wir können heute schon ruhig schweigen. Die KU1türwelt hat über das Hakenkreuz-Deutschland ihr Urteil abgegeben. Die Boykottbeweguug gegen das progromierende Hakenkreuz scheint in allen Kulturländern weiterzugehen. Diesbeztigr. liehe Nachrichten liegen zwar nicht vor, auch sollen die alten normalen Handelsbeziehungen nicht gestört werden, aber man hat allenthalben das Gefühl, daß die Bürger der demokratisch regierten Staaten nicht viel Lust verspüren, sich im Hitler-Deutschland aufzuhalten* Besonders die angelsächsischen Länder bezeugen dem heutigen Regime nicht viel Sympathie. Aber das Hakenkreuz will sich helfen. Es inseriert sich selbst in der Pariser Ausgabe des „New York Herald" und fordert alle ohne Unterschied der Rasse und Religion auf, nach Deutschland« zu kommen und die schöne deutsche Landschaft zu genieße'n. Diese Einladung gilt vornehmlich den amerikanischen Juden. Inzwischen wird u. a. aus Deutschland gemeldet: In Görlitz sammelten zu den Pessachfeier tagen S.A.-Leute in der Synagoge für ihre Institutionen. Die deutsche Regierung drohte einem Amsterdamer Blatt mit dem Entzug der W i r t s c h a f t sinserate, wenn es seine feindselige Haltung gegen das neue Regime nicht aufgebe. v Der Mai in Ahbazi'a — der Bluntenkorso Der Höhepunkt der zahlreichen Frühlingsfeste Abbazias während des Monats Mai wird Sonntag, den 14. Mai, durch den Blumen korso erreicht werden. Dieses mondäne Blumenfest dürfte heuer schöner als. je ausfallen, da zahlreichere Zustimmungen als in den letzten Jahren erfolgt sind. Außerdem .werden Blumen/este in allen größeren Etablissements des Kurortes arrangiert. Im Ausstellungspavillon, wo gegenwärtig die Sonderausstellung Stadler ist, wird demnächst ein großes Kammermusikkonzert stattfinden. Zum Blumenkorsotag werben viele Sonderzüge aus Venetien nach Abbazia geleitet werden. < Eilen Sie zum „Glücksbauer", der überall bekannten, vom Glück 4 begünstigten Geschäftsstelle der Klassenlotterie Albert/Bauer, IV., Favoritenstraße Nr. 4, Filiale: II., Leopoldsgasse 25. 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