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Die neue Welt · 1933-03-31 · Heft 290 (31.3.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 290 (31.3.1933)
Date
1933-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen Mitsang 1 Preltog/ den *!♦ Min 113! Nf ♦ 290 V. b* b. Zeitung vom Verleger versendet «Journal expedie par l^diteinr*« REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER *V /.£ BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1JJ0. vierteljährig S420, Ran2jährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljähna 8.— Tschechoslowakei monatlich Kc0.-, vierteljährig Kc 15.-; JatosUiHeo monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-*} Deutschland monatlich, Mark 1^-. vierteljährig Mark 3.-: Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 120.-; Italien monatlich Life 9.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel* jährig Schweizer Francs 4.30 Redaktion n. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 64, 7et. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag i ii i ' ' " Hart beim ie deutsche Gefahr und eile ©slerrei'dusdie Judenschaft In Deutschland Ea gibt einen Umstand, der das Schicksal der Juden Deutschlands noch härter und hoffnungsloser gestaltet als es äußerlich scheint. Das Judentum Deutschlandsist politisch führungslos, bar jeder politischen Organisation, darum, doppelt u n d d.r e i f a c h w e h r io s. An den wirtschaftlich und kulturell so hochstehenden deutschen Juden ist das Wort Theodor Herds: „Wir Juden sind ein Volk, ein Volk", spurlos vorbeigegangen. Dieser Teil des Weltjudehtums hat, hartnäckiger als ein anderer, das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum und damit das Bekenntnis zur jüdisch-politischen Solidarität abgelehnt. Politisch gesehen, gibt es in Deutschland kein Judentum, sondern nur „israelitische" Einzelmenschen, Einzelmenschen jüdischer Abstammung und sozialdemokra tischer, kommunistischer, deutschnationaler oder sonstiger Färbung. Der Schrecken des Hakenkreuzes hat Juden getroffen, die im Augenblick der Gefahr isoliert und untereinander politisch fremd dastehen, die nicht gemeinsam kämpfen, die nicht einmal gemeinsam um Hilfe, um Beistand rufen können! Das macht die Lage noch trostloser, noch hoffnungsloser. . - .'^ In Oesterreich/ r ' ••' Wie ist, jÜdlscK-jjolitisch gesehen, die Lage in Oesterreich, iii .dem Lande, das zufolge seiner nationalen und. geographischen Gebundenheit an Deutschland durch die . Hakenkreuzbewegung am stärksten gefährdet ist? Hier ist der Ruf Theodor Herzls nach jüdisch-politischer Solidarität nicht spurlos verhallt. Hier hat es nach Herzl immer eine nationale, jüdisch-politische, von Ziönisten geleitete Bewegung gegeben, vor und nach dem Weltkrieg. In der gefahrenreichen Zeit des Umsturzes, da eine Welle des .Hasses das österreichische Judentum bedrohte, fand es Stütze und Halt an dieser jüdisch-politischen Organisation. Jüdischnationale Schützstellen wurden gegründet, Verteidigungskörper wurden geschaffen, eine Tageszeitung ins Leben gerufen, jüdische Vertreter ins Parlament und andere Öffentliche Körperschaften entsendet. Dank dieser von jüdisch-politischer Solidarität getragenen Organisation hat die österreichische Judenschaft Schweres gut überstanden. Es ist tief bedauerlich, daß in der Folge diese Organisation zahlenmäßig geschwächt wurde, daß ein Abströmen vieler Juden in fremde politische Lager stattfand. Aber der gesunde Kern der jüdisch-politischen Organisation ist dank der Treue einer Gruppe Unentwegter erhalten geblieben. Die „Jüdische Volkspartei" steht intakt da, bereit, die Zerstreuten zu sammeln und aktiv einzugreifen zum Nutzen der Judenschaft und zum < Nutzen des österreichischen Staates. Die „Jüdische Volkspartei" und die Regierung Die* „Jüdische Volkspartei" ist in ihren Entschließungen frei, sie unterliegt keiner Bindung an irgend eine der bestehenden, sich heftig bekämpfenden Parteien und . Ist daher In der Lage, objektiv zu den Vorgängen Stellung nehmen zu können und auch ihre Haltung zur derzeitigen öst er r e ioh 1 sc hen Regierung, un* beschwert von irgend welchen Rücksichtnahmen auf fremde politische Parteiinteressen, zu bestimmen, - Die Stellung der „Jüdischen Volkspartei" zur derzeitigen österreichischen Regierung ist eine positive, weil der Wflle dieser Regierung, Ordnung und Ruhe In O e s t e r r e ich z u . e r h a 11 e n, in entsprechenden Handlungen: seinen Ausdruck fand,: daher als ehrlich anzusehen ist.' .Es ist der Regierung hoch anzurechnen, daß sie in den Tagen nach dem. Umsturz in Deutschland genug; Mut und .Tatkraft aufbrachte, das Uebergreifen der deutschen Umsturzbewegung nach Oesterreich wirksam zu verhindern. Sie hat sich damit große Verdienste um Oesterreich und große Verdienste um die Österreich 1 sohe Judenschaft erworben. Das bestimmt und verpflichtet die „Jüdische Volkspartei" dazu, diese Regierung in dem Bestreben, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten, nach Kräften zu unterstützen und alles zu tun, was ihre schwere Aufgabe erleichtert. Der Umstand, I daß die Regierung unter anderem auch Maßnahmen ge- , troffen hat» deren Zweckmäßigkeit bezweifelt werden i kann und die manches vielleicht unnötig hart treffen, kann die grundsätzliche Einstellung zur Regierung nicht ändern, weil in dieser schwerejflt Zeit Bedenken sekundärer Natur nicht ausschlaggebend Sind. ' \ Wenn solcherart die »^Jüdische Volkspartei" als politische Vertreterin der österreichischen Juden der Regierung gibt, was ihr gebührt, so wird sie immer und energisch darauf bestehen, daß die Regierung der Judenschaft gebe, was der Judenschaft gebührt. Bei den Behörden, bei den Gerichten, Iii den niederen lind hohen Schulen sind Kräfte am Werke, die Juden ihrer'Rechte zu berauben. Hat die derzeitige Regierung als solche diese Zustände auch nicht unmittelbar gesehäffen oder begünstigt, so enthebt sie das keineswegs der Pflicht, den ehrlichen. Wielen zur Bekämpfung dieser Zustände durch entsprechende Handlungen zü beweisen. Ein in seinen Rechten und seinem Ehrgefühl geschütztes Judentum kann unendlich viel zur Stabllisierüng der Verhältnisse im Staate beitragen. . Fortgesetzte Veriete Rechte stört diese Stabilisierung. <» .v 1; s . <•. <•.-.,; ,„-<*•< . y :.' <' ' ■ Die „jüdische yblksparte^^ lehnt^ GlaubwtJSxak '; r •' 'Klassenklnipfe.ab.',...'..-. . ' ' Die „Jüdische; Volkspartei" lehrt hohe ^Achtung vor jüdischem Recht uhd Glauben und ebensolche Achtung vor dem Recht und dem Glauben; ihrer nichtjüdischen Mitbürger. -Sie'.wehrt das Eindrängen fremder-Einflüsse in das jüdische kulturelle Leben und in das jüdisch-religiöse Leben ab uiid verurteilt es ebenso: energisch; iw e nV Jude n in die Kultur- und G1 aubenskfiim p f e ander er Völker und Religionen eingreifen. Die Außerachtlassung dieses Grundsatzes hat viel „Unheil über die Juden gebracht. Als Angehörige der liberalen, sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien häben sich Juden' als Wortführer im Kampfe gegen die christlichen Kirchen und die jüdische Glaubensgemeinschaft betätigt. Gewisse Literaten jüdischer 'Abkunft haben es unternommen, der Gesellschaft ihre Geschmacksuhd Moralbegriffe aufzudrängen. Das hat — mehr als andere Umstände — die Steigerung des Antisemitismus ins Un gemessene bewirkt.. Man hat die ganze jüdische Volksgemeinschaft für dieses Treiben verantwortlich gemacht. Die „Jüdische Volkspartei" sieht den Kampf gegen diese Tendenzen als eine ihrer Hauptaufgaben an und glaubt, damit der Verständigung zwischen Juden und NichtJuden am besten zu dienen. Die „Jüdische Volkspartei" erkennt die heutige Gesellschaftsordnung nicht als vollkommen, . nicht als Direkte Eillinie t-i mit diu vorzffll. Saloiisdiiffn das Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner: Wöchentliche ExpreßHnle nach Istanbul; wöchentliche Luxusellllnle nach Alexandrien; zweimal monatlich Luxuseillinle nach Bombay; monatliche ExpreßHnle nach Ceylon, Slngapore, Shanghai; Postumen nach der Levante, Schwarzes Meer, Indien, China, Japan •■ Auskünfte: Lloyd Tri6stinQ,Wien l. KHrntnerrlng 6 mmw Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet BEHANDLUNG VON> RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON , SPORT* VERLETZUNGEN JFMOPEMflEW (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ET&>' IN DER ' ]',"r-- KURANSTALT DIANABAD FÜfe ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN . :Qti$S&Wl . : ZEI f GEMÄSSE PREISE i heilig an. Sie tritt für Aenderung dieser Ordnung, ijjp Sinne sozialer Gerechtigkeit ein. Aber sie lehnt. : den Klassenkampf als unzweckmäßig und unheilbringend ab und ist .bestrebt, die Juden vom Klassenkampfe fernzuhalten. Auch die Außerachtlassung1 dieses Gründl satzes hat Unheil über die Juden gebracht, ganz besonders in Oesterreich. Der Umstand, daß Juden; die innerlich mit dem Judentume längst nichts mehr gemein haben, in den Klassenkampfparteien hierzulande eine führende Rolle spielen und bei den heftigsten Zusammenstößen als Wortführer auftreten, gibt der antisemitischen Agitation das Mittel in die Hand, die jüdische'Gesamtheit als ein die Gesellschaft zerstörendes Element'hinzustellen. Und der Umstand, daß die österreichischen Juden ein deutliches Abrücken von den Klassenkampf parteien unterließen, hat der antisemitischen Agitation das Spiel erleichtert. Die „Jüdische Volkspartei" will auch hier ihre Grundsätze zur Geltung bringen und Klarheit schaffen. Sie will in eindeutiger Weise zum Ausdrucke bringe^, daß die österreichische Judenschaft Glaubens- und Klassenkämpfe ablehnt und nichts tun oder unterstützen will, ' was den Frieden stört oder irgendjemänden In seinem Rechte .und seinen Gefühlen verletzt. " In diesem Sinne ist die „Jüdische Volkspartei'' bestrebt, dem Judentume, dem Staate, der Gesellschaft zu dienen. Die Vorgänge in Deutschland sprechen elfte furchtbar: klare Sprache. Sie beweisen, wie notwendig die Arbeit Ist, welche die „Jüdische Volkspartei" auf sieh genommen hat. Daher ist diese Partei berechtigt, Anerkennung zu fordern von allen jenen, die ein Interesse an der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung In Oesterreich haben, Anerkennung , von den österreichischen Juden» von der österreichischen Gesellschaft, von der österreichischen Regierung. Robert Stricker.. AUS DEUTSCHLAND? 1 Die letzten Ereignisse Aus der Fülle von Nachrichten, die über das nationalsozialistische Deutschland durch die Weltpresse gehen, heben sich jene hervor,, die die Boykotthewegun.g betreffen: die spontane Bewegung gegen den kalten Pogrom in allen Kulturländern und Bevölkerungsscnlchten und die .Versuche der . Hakenkreuzler, dem Protest der gesitteten . Welt durch systematische Ausrottung des deutschen Judentums entgegenzutreten. Die Tragik, die darin liegt, daß die deutsche Reichsregierung auf administrativem Weg einen antijüdischen Feldzug ohnegleichen durchführt und gleichzeitig die Gleichberechtigung aller Staatsbürger deklariert und jede judenfeindliche Aktion leugnet, läßt sich mit einer Reihe von Nachrichten, d, b.

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