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Die neue Welt · 1933-03-03 · Heft 286 (3.3.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 286 (3.3.1933)
Date
1933-03-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen lafirgang 7 Freitag/ den t* März 1933 Nr» 286 V.b. tW Zeitung vom Verleger versendet . " ie par rediteni*. R EVUE jährig Schweizer Francs 4.90 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion n. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, 7c/. B-48-504 — Ersdteint jeden Freitag UNION DER ZIONISTEN-REVISIONISTEN ÖSTERREICHS ■ Dienstag, den 7. März, punkt halb 9 Uhr, II, Untere AugartenstraBe 38 Vizepräsident der Weltunion der Zionisten- Revisionisten Vortrag Dr. E. S. Soskin (Genf) , Die Juden und der Völkerbund' Regiebeilrag 50 Groschen Per Vortrag am Mittwoch, dan 8. Mars, «ntfailt! über Zionismus und Judenstaat Am 20. Februar abends hielt Vladimir J a b otinsky, der Begründer und Führer der revisionistischen Bewegung im Zionismus, in dem dicht besetzten Bach-Saal vor einer aus verschiedenen Kreisen der Berliner Juden sich zusammensetzenden Zuhörerschaft einen Vortrag über Zionismus und Judenstaat. Im ersten Teil seiner zweieinhalbstündigen Rede behandelte Jabotinsky den Judenstaatgedanken in Anlehnung au die W e 11 k r i s e, im zweiten Teil die K ü c k w i r k u n g e n der Weltkrise auf den , Fortschritt, des Judenstaatgedankens. Von dreißig Jahren waren die Zionisten, die eine v G.esamtlösung der .. Judenfrageanstrebten,. ^e wirk 1 ichkcitsfremdeiil?;räuiner. Hiifsvereine, Alliance, - ORT, JCA u^w., die. fijr die L i n d e r uji g ,d 6 r. j ü d i s c h c n M'.a fi£:eji* n. o t kämpfte n, .waren die realen Helfer in jüdischer ■■ Not. Heute ist die Hilfe , In der Not der Millionen, ja selbst die Stillung des täglichen Hungers nach Brot ein Traum, die Teillösung aber über den Judenstaat, d. h.- eine jüdische Mehrheit in Palästina, die Hilfe für den Tag. Die Rollen haben also : gewechselt. Jabotinsky belegt dies an dem Beispiel Polens, das er als Schulfall für das normale Verhalten der Umwelt zu den Juden in einer allgemeinen Krise bezeichnet. Das Regime ist im allgemeinen objektiv, kann aber die jüdischen Fragen und Nöte bestenfalls als zweitrangig behandeln. In dieser „normalen Lage'' ist mindestens eine Million Juden wirtschaftlich überschüssig, auch abgesehen von der Krise. Ein „Teilexodus", eine Massenevakuierung aus dem Siedlungsgürtel zwischen Baltischem und Schwarzem Meer ist heute ein Traum. Die einzige Realität ist Palästina und der Judenstaat als Teilreservoir für dieses beinahe schon physische Streben nach Luft und Ausweg. Die zionistische Aufgabe ist, Judenfrage und Judenstaat in die Krisenwelt, die sich teils im Verfall, teils in systematischem .Umbau befindet, als Moment der Lösung hineinzustellen. Das Mittel hiezu sieht Jabotinsky in jüdiSjChen Massenpetitionen an Regierungen, Völker und Völkerbund um Schaffung des jüdischen Staates in Palästina, die aber begleitet sein müssen von dem; Bestreben aller, Juden, der Welt den Gedanken einzuhämmern, daß sich eine Million Hände nach Palästina wie nach einem Stück. Brot ausstrecken, daß hier eine Möglichkeit zu einer Teillösung der Weltkrise liegt, daß der Zionismus unter die Versuche nach systematischem Umbau der Welt zu registrieren ist, einer Welt, auf der heute die ungelöste Judenfrage wie; ein Fluch lastet. Auch heute noch ist die Welt trotz Sorgen, Judenhaß und Verhetzung überzeugungsfähig, wenn man sie auf den eigenen Nutzen hinweist. Begreift das jüdische Volk seine Aufgabe, so kann sein umhergeworfenes Schiff durch den Sturm der Weltkrise in den Judenstaat als rettenden Hafen getragen werden. ' Im zweiten Teil seines Vortrages umriß Jabotinsky die Lage in Palästina,, der „Oase in der Krisenwüste", zukunftsreich infolge der wirtschaftlichen Erschließung der. Nachbarländer und der Eignung Palästinas zum zentral gelegenen Lieferanten, infolge des Erwachens der Kulturbedürfnisse im Nahen Orient, des Zustroms j ü d 1 sAc h e n F r i v a t k a p i t a 1 s und der moralischen Hinneigung des ganzen-jüdischen Volkes nach Palästina. Das vorhandene Kapital ist in der Welt festgefroren, da der Magnet, d. i. die Aussicht auf Sicherheit und Rentabilität,, allenthalben fehlt. Palästina ist ein s|ch zunehmend verstärkender Magnet. Einen Beweis feiefttr erblickt Jabotinsky in den Auseinandersetzungen über die geplante jüdische Siedlung in Transjorda« nien: Dort erkennen Scheichs, Effendis und arabische Kaufleute trotz der aus der ganzen arabischen Welt auf sie einstürmenden Verhetzung die Bedeutung des jüdischen Kapitals für die Erschließung ihres Landes, während die Fellachen- und Beduinenmassen noch abseits stehen, weil sie ihren eigenen Vorteil noch nicht zu sehen vermögen. Diese durch die allgemeine Krise bedingte und begünstigte Belegung, m u ß der Z I d.n Ismus ausnützen, nachdem die nationalen Fonds als ausschließliche Aufbaufaktoren . v ö r s a g t . h a b e n. jDcr Zionismus; muß aber betonen: Die Rem Kapitals gleichgültig. ,. .r..- ....;. Dahinter' ..müssen alle Sonde hinter essen zurückstehen. Jabotinsky knüpft hieran eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem sozialistischen Zionismus und den kommunistischen Strömungen in der jüdischen Jugend: Sozialismus mag gut sein für fertige. Länder und Wirtschaftssysteme. Die Kolonisation tötet er, da er. sie schon grundsätzlich verneinen muß. Kolonisation schafft eine Art Kriegszustand und hebt die. Regeln normaler Entwicklung auf. Im Kolonisationsland muß der Klassenkampf unterdrückt und der notwendige Ausgleich durch „nationale Schiedsgericht e" geschaffen werden, die Jabotinsky sich etwa in der Art des faschistischen Korporationssystems denkt. Er wirft der zionistischen Linken vor, daß sie sich des inneren Widerspruches sozialistischer Arbeit im Kolonisationsgebiet bewußt sei, dies aber" nicht zugebe und gerade immer vordenKoh.g.r eßwahlen den Klassenkampfgedanken zurUcktreten lasse, um den jüdischen Mittelstand und die Kapitaleinfuhr nicht abzuschrecken. ■ Wer an Sozialismus als Rettungsmittel; für die Welt glaubt und diesen übernationalen Kampf für dringlicher hält als den nationalen, glaubt vielleicht an eine Lösung der Judenfrage in diesem Rahmen, muß aber dann auf Zionismus als Realität und auf jüdische Kolonisation verzichten, die ja notfalls auf bewaffneten Schutz durch eigene Menschen oder fremde Mächte BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN ABF MODERNSTE ART (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT 2EII GEMÄSSE PREISE nicht verzichten können. Noch Viel mehr schließen Kam-' munismus und Zionismus einander aus, denn der Kommunismus kämpft folgerichtig und von sich aus mit >^ut^m Recht .gegen Europas Kolonisation.. „D e s e i n e n S i e g i 's fd'e s ander eh-Tod." Jabotinsky bekennt sich hier zu der Kulturmission Europas in der Kolonisation, die auch ethisch gerechtfertigt ist in der Er^ Schließung und Erziehung der Welt durch die kulturstarken Völker, die trotz unleugbarer Fehler, und Grausamkeiten die Zustände verbessern. In Palästina ist heute Kolonisation nur mit Hilfe fremder Mächte möglich.: „Geht Europa, dann gehen auch wir." Diese Lage wird solange andauern, als der Judenstaat nicht den alten Mächten gleich fest gefügt ist. Eine Versöhnung zwischen Sozialismus und Zionismus kann es jetzt nicht geben; ein Mensch kann nicht in zwei Welten stehen. Abschließend gedenkt Jabotinsky der ernsten Lage des deutschen Judentums. Früher war das deutsche Judentum Sachwalter, Treuhänder, Berater und; Helfer in jeder jüdischen Not und sich seiner Verantwortung für die Gesamtheit bewußt. Aus ihm und in seiner Sprache sind dem neueren Judentum die entscheidenden Botschaften gekommen, so die Emanzipation durch Mendelssohn, die nationale Renaissance durch H e r z I. Heute ist die Barke des deutschen Judentums dünnwandig geworden, ist tausendfach von Sturm bedroht. Aber auch hier ist nicht Mitleid am Platze, sondern Vertrauen auf die innere Kraft und in den Fortschritt der Welt. Jabotinsky schloß, es sei ihm seelisches Bedürfnis» gleichsam als Vertreter der außerdeutschen jüdischen Welt dem deutschen Judentum zuzurufen: „Glück und Segen dir, deutsches Judentum!" RUNDSCHAU Unsere Schande Einige/Wochen war das kleine Oesterreich Mittelpunkt einer politischen Großaffäre. Auf dem Umwege über die österreichische Waffenfabrik Hirtenberg hat 11 a 1 i e h tausende Gewehre und Maschinengewehre dem befreundeten Ungarn zuschieben wollen. Darob großer Lärm seitens der österreichischen Sozialdemokraten, welche die Wiener Regierung des Bruches der Friedensverträge beschuldigte. Die christlichen Regierungsparteien. beschuldigten darauf die österreichischen Sozialdemokraten, noch lauter schreiend, des Hochverrates. England, Frankreich und .die . Kleine Entente rückten der Wiener Regierung mit Drohnoten ins Haus. Kurzum — eine politische Affäre höchster Ordnung. Aber vorläufig eine Geschichte ohne jüdischen Beigeschmack. Bis sich zwei Tauf juden einmischten. Da wurde die Sache zum' großen Judenskaudal. Der Sprecher der Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Sozialdemokraten im österreichischen Parlament, der Nationalrat Julius Deutsch, bezeichnete die Angele« genheit als eine „jüdische Schiebergeschichte", hinter welcher der „jüdische" Direktor der Hirtenberger Fabrik, der „Jude" Mandl steckt. Da Nationalrat Deutsch bekanntermaßen ein jüdischer Sohn des Wiener Judenbezirkes Leopoldstadt ist, erst dreißig Jahre nach seiner Geburt ausgetreten und arisch geworden, lösten seine „antisemitischen" Ausfälle großen Lärm aus. Den Beifall seiner christlichen Genossen Ubertönte das Hohngeschrei der Regierungsparteien: „Jetzt macht der Jud Deutsch hl Antisemitismus! Ein Jud ist des anderen wert!" Am nächsten Tag erschienen in Wiener Zeitungen Erklärungen des Direktors und Tauf juden Mandl, in welchen dieser seine katholische Konfession und Gesinnung beteuerte. Er wies stolz darauf hin, daß schon sein Onkel Leopold Mandl ein treuer Diener des großen Antisemitenführers Karl Lueger war. Er lehnte mit „Verachtung" die Beschuldigungen des „Juden" Deutsch ab. So spuckt ein Tauf jud dem anderen Ins Gesicht,

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