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Die neue Welt · 1933-01-27 · Heft 281 (27.1.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 281 (27.1.1933)
Date
1933-01-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DBB NEUE WELT Nr. 381 Pe§sadi in Palästina Die vom Reisebüro Compass Tours geleitete Reisegesellschaft nach Palästina, Aegypten und Griechenland wird von Wien am 3. April abreisen und am 26. April nach Wien zurückkommen. An dieser Reise nehmen auch teil Gruppen der B'nei-B'rith-Logen in Wien wie auch in den Vereinigten Staaten von Amerika, und außerdem eine Gruppe jüdischer Acrztc aus Amerika. Das 36.000-Tonnen-Luxusschiff „Vulcania" wird schon von New York aus mit einr Anzahl amerikanischer Juden besetzt sein, die Palästina zu Pessach besuchen wollen, und wird sich den Teilnehmern auf diesem Schiff die Gelegenheit bieten, mit Persönlichkeiten der jüdischen Welt in Fühlung zu treten. Es sind nur noch wenige Plätze zu vergeben und wird den Interessenten empfohlen, noch im Laufe der nächsten Tage die Reservierungen vornehmen zu lassen. Es handelt sich nämlich nicht nur darum, die noch wenigen freien Plätze auf dem Schiff sicherzustellen, sondern auch um die Reservierungen in den Hotels in Palästina rechtzeitig zu besorgen, da für die Pessachfeiertage die Hotels schon jetzt zu einem großen Teil besetzt sind. Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien, IX., Spitalgassc 3 (Tel B-42-5-38). diese Ankündigung der Palästina-Regierung eine Auasprache statt, in deren Verlauf Dr. Waschitz im Namen der Fraktion der Revisionisten den Antrag stellte, daß man der Regierung anbieten solle, das gesamte Unterrichtsdepartement des Waad-Leumi in ihre Verwaltung und die finanzielle Verantwortung für die hebräischen Schulen zu übernehmen. Der Zuschuß der Palästina-Regierung zum hebräischen Schulsystem beläuft sich auf jährlich über 20.00U Pfund; das Gesamtbudget des hebräischen Schulsystems, für das jetzt der Waad Leumi verantwortlich ist, betrifft über 100.000 Pfund. Die Regierung kauft Boden für Araber. Wie die arabische Zeitung „El Kännel" meldet, hat Herr Andrews, der Leiter des Landentwicklungsdepartements, 4000 Dumam in der Gegend von Tel-Schuk erworben, um landlose Araber anzusiedeln. Die neue Schul- und Unterrichtsverordnung. Mit dem 2. Jänner d. J. tritt die neue, von der Palästina-Regierung erlassene Schul- und Unterrichtsverordnung in Kraft, Nach der neuen Verordnung sind alle Schulen in zwei Typen geteilt: öffentliche und private. Zu den öffentlichen Schulen zählen alle von der Regierung unterstützten hebräischen Schulen. Alle Schulen sind verpflichtet, innerhalb drei Monate ihren Unterrichtsplan, die Zahl der Schüler und Lehrer sowie deren Qualifikation der Regierung bekanntzugeben. Jede Schule muß die Regierung einen ihr verantwortlichen Leiter bekanntgeben. Alle Schulen sind dem Gesundheits- und Sanitätsdepartement der Regierung unterworfen. Die Regierung hat das Recht, j eden Lehrer zu entlassen, und zwar wegen illoyalen Verhaltens, unmoralischen Benehmens oder wenn er Haß gegen Teile der Bevölkerung propagiert. Oeffentliche Arbeiten in Palästina Die Regierung Palästinas veröffentlichte den Bericht des Departements für öffentliche Arbeiten vom 1. Jänner 1931 bis 1. Jänner 1932. Während dieser Periode wurden 494.019 Pfund für öffentliche Arbeiten ausgegeben. Für reguläre Gehälter der Beamten des Departements wurden 52.802 Pfund oder 10 Prozent vorausgabt. Diese Summe enthält nicht den Betrag, den das Departement gelegentlichen Arbeitern bezahlt hat. Die einzelnen Posten der Ausgaben sind: Gehälter 52.802, Verschiedenes 7188, wiederkehrende Arbeiten 215.809, außergewöhnliche Arbelten 122.378, Darlehen für öffentliche Arbeiten 20.412, Arbeiten zur Last anderer Departements 21.107, öffentliche Arbeiten für Zwecke des Heeres und der Luftfahrt 54.320 Pfund. Von der Summe für wiederkehrende Ausgaben wurden 100.000 Pfund lediglich für die Ausbesserung und den Ausbau der Fahrstraßen verwendet, da der Automobilverkehr von Jahr zu Jahr zunimmt. Palästina zählt heute 3843 Automobile gegenüber 4 00 im Jahre 192 2. 8819 Juden sind 1932 in Palästina legal eingewandert. Wie das Binwanderungsbüro der Jewish Agency mitteilt, sind im Jahre 1932 8819 Juden in Palästina eingewandert, unter ihnen 3339, die als Touristen ins Land kamen und nachträglich von der Regierung die Erlaubnis erwirkten, dauernd im Lande zu verbleiben. Unter den jüdischen Einwanderern von 1932 befanden sich auch 892 sogenannte „Kapitalisten", die sich über den Besitz privater Mittel ausweisen konnten; 491 dieser „Kapitalisten" stammen aus den Vereinigten Staaten von Amerika. (Hier handelt es sich um offizielle Daten, die nlcnt ganz zutreffend sind). Unverlangte M anuskripte werden nicht retourniert Die Bialik-Feier der Hi'sfadriifh Iwrith in Wien Anläßlich des 60. Geburtstages des berühmten hebräischen Dichters fand am 14. Jänner 1933 im dichtgefüllten Festsaale des Hotel Continental die Bialik- Feier statt, die einen glänzenden Verlauf nahm. Der Präsident der Histadruth, Herr Dr. David Rothblum, leitete die Feier mit einer hebräischen Ansprache ein, in der er in prägnanten Sätzen die Ewigkeitswerte der Schöpfungen Bialiks hervorhob. Weil alle Hoffnungen und Leiden des jüdischen Volkes in der Galuth, seine Schöpfungen der Vergangenheit sich in Bialiks Poesie widerspiegeln, ist er zum nationalen Dichter geworden und die Feier seines 60. Geburtstages zur Nationalf eier des ganzen jüdischen Volkes. Herr Dr. Rothblum begrüßte dann die erschienenen Gäste, insbesondere Herrn Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, den Kultuspräsidenten Herrn Dr. Friedmann, den Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees Herrn Dr. Grünbaum, den Präsidenten der Union der Zionisten-Revisionisten, Herrn Oberbaurat Stricker, den Industriellen, Herrn Max Delfiner, Herrn Dr. Kaminka und den Schriftsteller Schoffmann. Hierauf hielt Herr Professor Dr. Abraham Sonne eine tief durchdachte Festrede, die durch Inhalt und Form auffiel. Professor Abraham Sonne versuchte historisch und psychologisch die Erscheinung Bialiks aus der Epoche, in der er geboren wurde und tätig war, zu erklären. Er sagte unter anderem: „Dichter tragen gewöhnlich Bildungsfesseln, die ihre Gefühle hemmen. Bialik trug die inneren Hemmungen aus dem Beth Hamidrasch heraus, er vermochte durch das ungewöhnliche Talent eines Sprachkünstlers und durch die Verantwortung eines geborenen Volksführers den Gedanken einer Epoche Ausdruck zu verleihen. Bialik war das Glück unseres Volkes. Er hat den Talmudjuden poetisch verklärt, das ganze Judentum an das Schicksal der Menschheit geknüpft." Es folgte dann der künstlerische Teil des Abends. Frau Hilda Dulitzkaja brachte einige Bialik-Lieder zum Vortrag. Ihre sonore, klare, ausgezeichnet geschulte Stimme ebenso wie die klare Interpretation der Verse, machten auf das Publikum großen Eindruck. Die bekannte Virtuosin Ada Bauminger spielte „Kol Nidre" von Bruck und einen Zigeunertanz von Naschez und erntete für ihre hervorragende Leistung großen Beifall. Die Opernsängerin Frau Chana Schwarz sang zwei von dem bekannten jungen Komponisten Brandmann vertonte Gedichte Bialiks und riß das Publikum zur Begeisterung hin. Auch der Komponist Herr Brandmann, und Kapellmeister Herr Kurt F u c h s g e 1 b, die die Sängerin am Klavier, bzw. auf der Geige begleiteten, ernteten reichen Beifall. Eine besondere Ueberraschung bot die Deklamation des berühmten Vortragskünstlers Jehuda Ehrenkranz, der sein großes Können diesmal auch in hebräischer Sprache bewies. Insbesondere der Vortrag des Gedichtes „Schirathi" rief starken Eindruck hervor. Mit dem Gesang „Techsaknab** schloß die gelungene Feier. heatetj Knnff und iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiUliiiiiiiiiiiLiteratuR Perez: „Bei Nacht auf dem alten Markt" Die Schauspieler der Wilnaer Truppe, die zur Zeit in Wien gastieren, haben sich entschlossen, Perez' Schauspiel in Versen „Bei Nacht auf dem alten Markt" zur Aufführung zu bringen. Mit den vorhandenen geringen darstellerischen und bühnentechnischen Mitteln an solch eine Aufgabe zu schreiten, bedeutet ein Wagnis, zumal die grandiose Aufführung des Perez- Werkes durch das Moskauer Akademietheater (Alexis Granowsky) einen Maßstab bilden könnte. Jedenfalls muß — vor der Aufführung — dieser Entschluß der Theaterleitung hoch angerechnet werden. Die Regie liegt in den Händen des intellektuellen Leiters der Wilnaer, Jakob Weislitz. Die Erstaufführung findet Freitag, den 27. d., um halb 9 Uhr statt. Die Perez-Dichtung bleibt dann bis auf weiteres auf dem Spielplan. Repertoire der Jüdischen Künstlerspiele In den Jüdischen Künstlerspielen (II., Praterstraße Nr. 34) findet Freitag, den 27. Jänner die Premiere von „Bei Nacht auf dem alten Markt", dem dreiaktigen Mysterium von J. L. Perez, statt. Musik: J. Kaminski. Inszenierung: David Hermann. Choreographie:: Joser Kamen. Die Regie führt Jakob Weislitz; in den Hauptrollen treten auf: J. Weislitz (der „Badchen") und J. Kamen (der „Lez"). Freitag und die folgenden Tage, halb 9 Uhr abends „Bei Nacht auf dem alten Markt". Sonntag, den 29. Jänner, 4 Uhr nachmittags „Herscheie Ostropoler" in voller Abendbesetzung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Rezitationsabende Jehuda Ehrenkranz Jehuda Ehrenkranz liest Montag, den 30. d., um 8 Uhr abends im Architektenvereinssaal, I., Eschenbachgasse 9, aus Werken tschechischer Erzähler, darunter auch eine Kindergeschischte des tschechisch-jüdischen Dichters Vojtech Rakous. Die deutsche Uebersetzung besorgte bei allen zum Vortrag gelangenden Dichtungen Anna Aufedniöek, die Witwe des berühmten Verteidigers im Hilsner-Prozeß Dr. Zdenko Aufednicek. — Am 9. Februar liest Jehuda Ehrenkranz, ebenfalls im Architektenvereinssaal, „Visionen" aus der internationalen Literatur. — Karten für beide Abende von S 1.— aufwärts in den Buchhandlungen R. Lanyi, A. Mejstrik, M. Rath, in der K.-Z. Gronner am Graben, im Theaterkartenbttro Gustt Schmidt und an der Abendkasse, Friedrich Torberg las jüngst im Handelsmuseum aus seinen Romanen „Schüler Gerber hat absolviert", aus „Und glauben, es wäre die Liebe" sowie Novellen und Gedichte. Es ist kein Wunder, wenn ihn die Jugend als ihren Sprecher, als ihren Wortführer ansieht. Keiner vermag wie er die Zerrissenheit der heutigen Generation auszudrücken in der Schrift und auch im Wort. Seine jüdischen Dichtungen zeigen einen geraden Zionisten, der uns, so hoffen wir, bald auch den großen jüdischen Roman schenken wird. Wir freuen uns schon überaus auf die nächste Vorlesung. (1. Februar, Offenbach-Saal.) t. Der Verein zur Förderung jüdischer Musik veranstaltet Sonntag, den 29. d., um halb 6 Uhr nachmittags im Saale der B'nai Brith. "Wien, IX., Universitätsstraße 4, einen Kammermusikabend mit Werken von H. Stillmann (Quartett, Uraufführung), Alex. Weprik (Rhapsodie für Bratsche und Klavier), G. Hamburg (Stück für Bratsche und Klavier), Milner, Brandmann (Lieder) und Josef Engel („Hadibuk", Suite für Klarinette und Streichquartett). Die Ausführenden sind: Luba Lewitzka (Gesang), Rudolf Radlingmayer (Klarinette), Israel Brandmann und Dr. Herbert Neurath (Violine), Lotte Hammerschlag (Bratsche), Ernst Friedländer (Cello) «nd Rob. Spitz (Klavier). Gäste willkommen. €haje§*Gedenk§diri'tf Als jüngste Veröffentlichung der Alex. K o h u t Memorial Foundation ist soeben ein "wissenschaftliches Standardwerk, „Abhandlangen zur Erinnerung an Hirsch Perez Chajcs"*) erschienen. Da« Buch bedeutet Dank an dea Unvergeßlichen, an den Führer, Hei fei-, Lehrer und Gelehrten. In Ghajes* Wesen war die Liebe zu gelehrter Forschung, von den Vätern ererbt, vereint mit dem Sinn für das lebendig pulsierende Leben, mit zielbewußt wollender Hillfsbereitechaft für jüdische Not. Tragisch bleibt es und gewissermaßen symbolisch, daß er nicht beiden Idealen, seiner Wissenschaft und seinem Volk, ganz dienen konnte. Vollkommen wie er selbst, sollte auch sein Werk sein. Er widmete sich einer Sache ganz oder gar nicht. Seine große Sehnsucht galt der jüdischen AVissensehaft, in der er, solange er ihr diente, Hervorragendes leistete. Als der Ruf seines Volkes an ihn erging, da wußte er, daß angesichts seiner neuen Führeraufgabe seine wissenschaftliche Betätigung wird leiden, müssen. Die Abhandlungen, die Ghajes' Namen tragen, sind von seinem Geist erfüllt. Weggefährten und Schüler vereinigen sich, um auf dem Wege, der zu Kenntnis und Erkenntnis des Judentums führt, weiter zu schreiten und widmen ihre Studien vor allem Chajes, dem tiefen und vielseitigen Gelehrten und Forscher. Die Gedenkschrift, die in einen hebräischen und deutsch-englischen Teil zerfällt, enthält Beiträge hervorragender Gelehrter aus sämtlichen Gebieten der jüdischen Wissenschaft und bildet durch die Fülle des behandelten Materials und den wissenschaftlichen Hochwert ihres Inhalts ein bleibendes Denkmal :für den Verewigten und eine gelehrte Großtat ersten Ranges, um deren Zustandekommen sich Prof. Aptow i t z c r durch seine jahrelangen unverdrossenen Bemühungen das größte Verdienst erworben hat. Das Buch enthält wertvolle und interessante erstmalige Editionen rabbinischer Texte, Studien zur biblische]!, halaohisehen, haggadisefoen, gaonäisohcn Literatur, zur hebräischen und aramäischen Lexikographie, neue Materialien zur jüdischen Geschichte in verschiedenen Epochen. Ein persönliches Gedenkblatt widmet G. A. Ko h u t dem Verblichenen und veröffentlicht ein poetisches Jugendwerk Chajes' in hebräischer Sprache. Eine vollständige Bibliographie von Chajes* Schriften, Reden und Vorträgen liefern Prof. Rosenfeld und Archivar Chajes und geben so ein Bild von der wissenschaftlichen Vielseitigkeit des Verblichenen. Der unvergeßliche Meister der Talmudforschung, Rektor Adolf Schwarz s. A., Chajes* Lehrer, ist mit einem Abschnitt seiner Tosefta-Edition vertreten. J. N. Epstein ediert einen halachischen Midrasch zu Deuteronomium, Lauterbach einen Midrasch über die Kämpfe der Jakobssöhne, Assaf einen Talmudkommentar eines Zeitgenossen Majmums, Davidson liturgische Lieder aus dem neunten, F x e imann Klagelieder aus dem 15. Jahrhundert über die Judenvertreibung aus Spanien, Balaban ©inen Brief von R. Hirsch Chajes, des Großvaters dos verewigten Ober.rabbiiners, an den berühmten Prager Rabbiner S. J. Rapoport. Zur jüdischen Geschichtswissenschaft lesen wir einen wertvollen Beitrag von Krauß über die Palästinasiedlung polnischer Chassidim im 17. Jahrhundert, von Wachstein die Veröfefntlichuug eines heibräisehen Index* zum Grundbuch der Wiener Judenstadt, von Elkan Adler über einen jüdischen Kaufmann in China im 10. Jahrhundert, von Marx über die Juden in Italien, von Baron über Bevölkerungswesen in der Königszeit. Zur jüdischen Rechtsgeschicht« liefert Blau einen Beitrag, zur Philosophie Di es endruck, zur Geographie Palästinas Klein, zur Kabballa Scholem, zur Bibliographie A. Z. Schwarz. Aptowitzer setzt seine gelehrten und scharfsinnigen Studien über die gaonisohe Literatur mit einem Beitrag über pseudoepigraphische Responsen fort, Älbeck behandelt den Mischna-Text, G i n z b e r g weist jüdische Auslegungen bei Hieronymus nach. Bilbelkundliches enthalten die Arbeiten von Bloch, Kassuto, Mar- *) Herausgegehen von V. Aptowitzer und A. Z. Schwarz. Alexander Kohut Memorial Foundation, Wien 1933,

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