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Die neue Welt · 1933-01-20 · Heft 280 (20.1.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 280 (20.1.1933)
Date
1933-01-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NETTE WELT Nr. 280 SIEGM. KORNMEHL OROSSPLEISCHHAUIAII : Zentrale; IX., Berggasse 19, Tel. A-17-^99 u. A-1M-34 Lieferant für Heilanstalten A^l£i!^iSS£SJL£«M2l£l£iS£n;; unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinatts der.Isr. Kultusgemeinde Wien Aiitosttstallung kaätanfo» IX. B«rg0iit« IS " XVIII., Wlhrlngcrstr. 07 : KMtMM»............<.....................MMM»M Proteststurm in Polen Gegen das Urteil des Ehrengerichtes der Zionistischen Organisation in Sachen des Sonder Verbandes der Zionisten-Revisionisten, das auf Suspendierung und Auflösungsantrag lautet, haben die Führer der polnischen Revisionisten eine scharfe, Protestaktion eingeleitet. Das Zentralkomitee der Revisionisten Polens veröffentlicht eine Erklärung, an der es heißt, der Kampf gegen die Revisionisten werde durch Kreise geführt, die die „Rückkehr zum Weizmann-Kurs" vorbereiten; nicht die Revisionisten sitzen auf der Anklagebank, die wahrhaft '"'huldige sei vielmehr dde Zionistische Exekutive, die ihre politischen Prärogativen der ' gemischten Jewish Agency abgetreten hat: das' zionistische 'Ehrengericht habe sich zu einem gehorsamen-Instrument jener Parteieii gemacht, die hinter der Zionistischen Exekutive stehen. Das Ehrengericht wird als ,3* and geriebt", das Verfahren als eine ,,J u s t i z p a r o d i e** bezeiahin't. In Warschau allein wurden am 9. Jänner zehn masienhaft besuchte Kundgebungen gegen das Urteil ^det Ehrengerichtes abgehalten. j Kundgebung der ö§terreidmdien Landesgrappe des Sonderverbandes der Zionisten-Reviiionitlen Die Leitung der österreichischen Landesgrappe hat (olgende Entschließung gefaßt: In Vertretung des Zionistenkongresses hat das Aktionskomitee (A. C.) der Zionistischen Weltorganisation der Gruppe der «shekelzahlenden Revisionisten den Charakter und die Rechte eines Sonderverbandes zuerkannt. Nur dev Kongreß, oder in seiner Vertretung das A. C., hat daher das Recht, diesen Beschluß aufzuheben. Das Urteil, welches das unzuständige Ehrengericht — überdies unter Mißachtung alter Gebote der Objektivität — gefällt hat, kann daher nicht zur Kenntnis genommen werden, ist ungültig. Der Sonderverband besteht also legal weiter und hat legal weiter zn arbeiten, bis zu einer allfälligen Entscheidung des Kongresses oder des A. C Die Londoner Leitung des Sonderverbandes wird aufgefordert, durch die zehn revisionistischen Mitglieder des A. C. die sofortige Ausschreibung Hner A.-C- Sitzung zu veranlassen. RUNDSCHAU Gefährliche Liebenswürdigkeiten Im - schönen Spanien, das einst seine Juden gefoltert und verbrannt, und, was dann noch von ihnen ..übrig blieb, verjagt hat, ist eine eigenartige Liebesseuohe ausgebrochen. Leidenschaftliehe Liebe für die Juden, welche nicht da sind! Es vergeht keine Woche, . ohne t daß nicht irgend ein Parteiführer oder Minister über das von seinem Vaterlande an den Jaden begangene Verbrechen vor 400, Jahren heiße Tränen vergießt und ah die lieben, im Auslände lebenden Nachkommen der Spanischen Juden, die Spagnioleii, die brünstige Bitte richtet, 'recht bald wieder nach Spanien;zft kohtmen. -Bald und — mit viel Geld.!■ So wird wieder einmal aus Madrid gemeldet: In einer der letzten Sitzungen der Cortes Constituyentes (Konstituierende Versammlung) der spar nischen Republik kam es zu einer Aussprache über; die Verwendung der Mittel der Obra Pia in Jerusalem, einer 1343 von den Königin von Sizilien Robert von Anjou und Sancha de Malloroa gegründeten-religiösen Stiftung, deren Ertragnis bisher hauptsächlich für katholische Missionszwecke verwendet wurde. Die Abgeordneten Ortega y Gasset, einer der führenden Politiker des neuen " Spanien, und Tenreiro benutzten die Gelegenheit, auf die hohen Verdienste des sephardlschen Judentums um die Erhaltung spanischer Kultur werte hinzuweisen. „Die Juden des Orients", erklärte Sennor Tenreiro, „bewahren in ihrer Umgangssprache ein b e w u ndernswürdiges Kastilianisch des 15. Jahrhunderts und leisten damit unserer heutigen Kultur ungeheure Dienste." „Das neue Spanien", sagte Abgeordneter Tenreiro unter lebhaftem Beifall des Hauses, „müsse wie das alte Spanien ein Land dreier Kulturen, der europaischen, der jüdischen und der arabischen, sein. Sennor Ortega y Gasset erklärte, die Komplexe der Sittlichkeitslehren der katholischen, jüdischen und muselmanischen Religion seien die drei Selten der nationalen Kultur. Der Redner verlangte, daß die Gelder der Obra Pia in Zukunft auoh zur Unter? Stützung der sephardlschen Schulen in Saloniki und Konstantinopel verwendet werden, wo die „alten spanischen Romanzen des 15. und 16. Jahrhunderts von Mund zu Mund überliefert" werden. * Gott beschütze uns Juden vor der spät erwachten Liebesleidenschaft der edlen Herren Ortega y Gasset und Tenreiro! Sie wollen sich ihre Liebe zu uns sogar etwas kosten lassen und greifen zu diesem Zwecke mit edler Gebärde Jn die Taschen alter Kreuzfahrer-Könige. Aber diese Liebe ist zu heiß, um nicht gefährlich zu sein. Tat» sacbe Ist, daß seit Bestehen der Welt noch niemand uns Juden etwas geschenkt hat. Tatsache ist, daß die spaniollschen Juden In Saloniki und Konstantinopel nicht einen Groschen von der heiligen Obra Pia bekommen werden. Dafür wird eine gewisse Presse GESUCHT wird Wohngelegenheit gegen häusliehe Mithilfe bei älterer, anständiger Frau. Zuschriften an die i Administration des Blattes die schönen Judenreden von Don Ortega und Don Tenreiro in der ganzen katholischen Welt verbreiten, als Beweis dafür, daß die Juden es waren, die in Spanien Revolution gemacht, die Gott und den König aus Spanien vertrieben haben, um das "Geld der katholischen Kirc h e in der j ü d i s c h e n T a S c h c verschwinden zu lassen.' . zum fuhrt.; RevölverSchÜsse'kommunistischer . Hände, gegen den jtidischetf'Sö&^iftstellei- Estoefcear leb ac h in Hamburg, weil. er das Bild - des .^zusammenbrechenden Judentums in Sowjetrußland zeichnete!?.. Eisenhiebe kommunistischer Hände gegen den jüdischen.Schustermeister Wolf Bierra a n n in Warschau, weil -er r \; J . ' mo-Ar^ da und dort ist durch eine harte marxistische Schule;gegan£eh; hart, weil man sie dazu erzog, Parteidqgmeh zuhebe; terroristische Methoden anzuwenden, Methoden, die sich nach rechts — gegen den .sogenannten Kapitalisten, -nach links---gegen die extreme Linke richteten. Sturmzeichen solcher Erziehung zum Terror auch in jüdischen Kreisen sah.man in Palästina, blutiges Dreinschlageu in Hamburg und Warschau. Die, Erziehung hat also blutige Früchte getragen. Solch eine Schule macht nicht halt bei der H. Internationale. Von den „engen" Sozialisten springt sie auf die „breiten" über. Menschewiki und Bolschewik! stehen da hart nebeneinander. In Warschau gab es einen — politischen Mord. Der jüdische Schustermeister Wolf Biermann, also nicht gerade ein fettwanstigev Kapitalist, hätte in seiner Werk? stätte. Mitglieder ' des sozialdemokratischen jüdischen „Bund", der bekanntlich der II. Internationale angehört, beschäftigt Der kommunistische „Rote Stepper-Verband", der HI. Internationale angehörig, verlangte von ihm die Einstellung kommunistisch organisierter Arbeiter, was Biermann ablehnte. Der kleine Handwerker woUte sich nicht vorschreiben lassen, welche Art marxistisch organisierter Leute er zu beschäftigen habe. Daraufhin zuerst Tödesdrohung seitens der Kommunisten, nach ' erfolgter Drohung Mord, Mord auf offener Straße, am hellichten Tage. Der jüdische Schustermeister Wolf Biermann in Warschau wurde von jüdischen Kommunisten mit Eisenstangen erschlagen. Sein Weib und seine sechs Kinder können nun Betrachtungen darüber anstellen, wohin marxistische Terror-Erziehung führt Und die jüdische Gesellschaft selbst? Sie kann mit mehr oder minder heißer Erregung Betrachtungen über die Erziehung der jüdischen Jugend anstellen, die unter marxistischer Flagge zum Abgrund führt. Die orthodoxen Rabbiner haben gelernt Seit Jahrzehnten führt die Orthodoxie einen mehr oder weniger erbitterten Kamp 1 gegen das n»11 o» nale Judentum; gegen, alle Kräfte des jüdischen Volkes, die ein Herausschälen aus dem Ghetto und «ine Wiedergeburt der jüdischen Seele In allen ihren Aeußeruhgen anstreben. Die Orthodoxie war e«, die das Wachstum der lebendigen Kräfte im Judentum zu hemmen unternahm, ja sieb nicht scheute, da und dort das Erwachen des jüdischen Volksbewußtseins aht iür die „wahre" Judenhelt verderblich hinzustellen, Ja sogar zu — dennnjderen. Und die orthodoxen RaWrinfr vdr allein stellten sich an die Spitze solch unglückseliger Unteroehnrangen. Man erinnert sieb noch an den Kampf, den der junge Theodor Her«! gegen diesen Gefct führte und au sein inzwischen klassisch gewordenes Wort „Protestr abbin er". 85 Jahre sind seither vergangen, ein Zeitraum, innerhalb welchem die Judenhelt ein nettes Gesicht bekommen hat. Herzls großer Zlonsgedanke, die von ihm gegründeten und angeregten Organisationen, die Idee von der jüdischen Volkseinheit, die Bausteine zur Errichtung des Judenstaats auf der uralten Erde Palästinas — all das hat Herz und Hirn der gesamten Judenhelt erfaßt. Die großen Kulturvölker sahen sich unter dem Druck der zionistischen Bewegung veranlaßt, cur Jadenfrage Stellung su nehmen, ihre bisherige Ansicht zn revidieren und dem Im Zionismus organisierten Judentumin ihren internationalen Konzeptionen den gebührenden Platz elnsuraumen. Unter dem Drnck und unter dem Schwung der zionistischen Bewegung! Jetzt haben sich endlich auch die orthodoxen'Rabbiner gezwungen gesehen, ihren Blick auf das in Palästina werdende zionistische Werk zu lenken nnd ihm Rechnung tragen. Aus den Rabbinern, die protestierten, wurden Rabbiner, die es als dringend geboten erachten. Der orthodoxe Rabbinerverband Deutschlands nämlich hat auf seiner am 10. Jänner In Frankfurt a. M. abgehaltenen Tagung u. a. folgende Resolution gefaßt: . . «Der orthodoxe Rabbiner verband erachtet es angesichts der Aufbauarbeit In Erez Israel als dringend geboten, daß von orthodoxer Seite alles mögliche aufgeboten werde, um orthodoxe Juden zur möglichst gruppen weisen Ansledluhg In Palästina zu veranlassen und ihnen bei der An- «iedlung1 die weitestgehende materielle und moralisch Unterstützung zuteil werden zu lassen/1 1 Der Baim Ist gebrochen. Das stolze zlonis^d^ Aufbauwerk hat es den orthodoxen Rabbinern angetanu Nun wollen sie nif* den Zlonlsten wettelfern. Sok% eme Konkurrens lassen MF uns gern gefallen. Ritualmordleg^ide in Lettland Aus Riga wird/herichM: In» Verlauf einer vom Allgemeinen AngesteMtenverbatfi? (im Haus.£ $es Jüdischen K1 u b s zu' Riga aJbgehalti&ne11 ^!veste>rVeranstaltung wurde der Polizist Jan R i e^K^ t i n s, der an der Feier teilnahm, durch ednen Revolverschuß getötet. Es wurde festgestellt, daß der Schuß unversei»*»« losging, als ein jüdischer Teilnehmer der Feier, Abraham Neustadt, mit einem Revolyer spielte. Die Zeitung „C e n t r a B a l,s s*\ das offizdelle Organ der Demokratischen Zentrunispartei, eine der verbreitetet e n Zeitungen Rigas, berichtete über diesen Zwischenfall in einer Weise, daß beim Leser der Eindruck erweckt weiden konnte, es handle sich unfeinen jüdischen. Ritu.alui or d. Gegen diese Art Berichterstattung, protestierten, die Vertreter der letyändischen Judenscbaft bei den Behörden. Abrahain Neustadt, ein angesehenerFabiikant,. jfl^ Jaihre alt und^/Vati^ von fünf Rindern, wurdie;.,.in, .Hafji^^en^mme^n.,. ^eug^n bekunden, daß Neustadl, als ,er, mit dem Revolver'spielte, schwer bet runken war, auch der Polizist,, der sich mit Neustadt freundschaftlich unterhielt, war betrunken, es könne sjob um nichts anderes als um einen, unglücklichen ZufaliJ handeln. Der lettländische Innenminister Ko lins und der Pressechef der Regierung Dardson veröffenüicheh eine Erklärung, in der das Verbreiten der Ritualmordlegende in Verbindung mit dem unglücklichen Vöi'gang am Silvesterabend als absurd und als erin Akt von „Presseil u 1 i g a n i s m u s" bezeichnet wird. Der Lonehminister fügte hinzu, er werde eine Abänderung des Pressegesetzes in der Weise beantragen, daß in Solchen Fällen der Regierung erweiterte Befugnisse zum Einschreiten gegeben werden. Der frühere Präsident der lettländisolicn Republik, Gustav Z e m g a i, der selbst Mitglied der Demokratischen Zentrumspartei ist, sprach öffentlich seine Entrüstung über die Haltung des Organs seiner Partei aus, ebenso rückte der Führer der Partei, B r e i!c s c h, von der Ritualmordhetze seines Blattes ab und erklärte, der Bericht sei ohne Kenntnis der . wirklich verantwortlichen Leiter des Blattes erschienen. Die lettländische Regtierung erließ auch eine offizMle Mitteilung, die eine Darstellung des Vorfalles am Silvesterabend enthält und zu der Schlußfolgerung kommt, daß die Erschießung Riekstins auf einen tragischen Zufall zurückzuführen ist Der Hauptschriftleiter des Regierungsorgans „Centra Balss" erklärt, daß der Bericht mit der Ritualmordbesohuldigung gegen diie Juden ohne sein Wissen in der Zeitung erschien, und daß er diese Beschuldigujng im Namen der Zeitung öffentlich zurückziehe. Vom „verfeinerten Zionismus" Nun ist in die Reihe der deutsch schreibenden jttdisehen Schriftsteller, die Uber den Zionismus nichts Oeseheltes zu sagen haben, auch Ldon Feucht wanger getreten. Man gab dem Manne, der ein paar lesenswerte Romane gesehrieben hat, Gelegenheit, Uber die »Kulturelle Renaissance des Nahen Ostens" so schwätzen. Nicht bei uns In Europa, wo wir diesem Nahen Osten nahe sind, sondern in Amerika, In New York, — gelegentlich eines Banketts, das der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität su Ehren des In Amerika weilenden Uon Feucbtwanger gab. Dem Festkomitee gehörten Felix Warbarg und andere erweiterte Agenoy-Herren an. Uon Feuchtwanger sprach, wie gesagt, über die kulturelle Renaissance des Nahen Ostens, und da sie durch niohta anderes hervorgerufen sein durfte als durch den Zionismus, auch Uber diesen; und da der Vortrag von Freunden dar Hebräischen Universität arrangiert war, eben auoh Uber diese. Zoniehst legte der Gast den Auditorium dar, daÄ

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