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Die neue Welt · 1933-01-13 · Heft 279 (13.1.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 279 (13.1.1933)
Date
1933-01-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 370 ' 1 ■ 1 < Soeben erschienen: das CHAJES-WERK (REDEN, VORTRÄGE, BIOGRAPHIE) Eine Novität, die auf dem Büchertisch keines gebildeten Juden fehlen darf Zwe« Monumentalbände / Preis S 23.— Zu beziehen: Dr. M. Rosenfeld, XX, Brigittenauerlände 46 Versetzungen nach Karpathorußland vorzunehmen, spricht für die Glaubhaftigkeit Hier sei diese Behauptung nur als ein weiterer Beweis für koloniale Verhältnisse registriert. Die Beamtenschaft ihrerseits rügt die Absonderungstendenz der Juden. Insoferne sie Gründen des Kaschruth und dergleichen entspringt, ist sie indiskutabel. Bedauerlich ist aber — auch das eine in Palästina wohlbekannte Erscheinung —, daß manche Maßnahmen der Regierung, z. B. zur Hebung der Landwirtschaft, von der jüdischen Bevölkerung nicht genügend beachtet und ausgenützt, um nicht zu sagen ignoriert, werden. Der gute Wille wird von den Juden wohl deshalb nicht gewürdigt, weil eben auch die Absonderungstendenzen der Staatsangestellten augenfällig sind. In die olympischen Wolken gehüllt, die aus den für ein so armes Land wirklich hohen Gehältern aufsteigen, lehnen es die Beamten ab — beim Juden zu kaufen. Sie gründen Konsumgenossenschaften, am flachen Lande halten sie Kühe, bauen Gemüse und verkaufen und tauschen Ueberschüsse. Und das ist schon Geist vom Geiste eines Etappenheeres. Beamte im Lande sind also in erster Reihe die Tschechen. In zweiter kommen die Großrussen als Popen, Lehrer, Beamte. Dies erinnert daran, wie in Palästina die sogenannten Junior-Posten, soferne sie nicht von Engländern besetzt sind, oft Griechen und Armeniern zufallen, wodurch nicht nur die jüdische Intelligenz, sondern auch die arabische zurückgesetzt scheint. Auch das führt zur Radikalisierung der kleinrussischen und arabischen Intellektuellen. Die Expansionslust der Großrussen äußerst sich auch in einer der heikelsten politischen Fragen. Gerade ihre Kreise sind es, die die Vergrößerung Karpathorußlands auf Kosten der Ostslowakei fordern, etwa bis zur Wieder ein Haupttreffer bei der „Glückstelle Stein"! Den Haupttreffer der Staatswohltätigkeitslotterie S 50.000 gewann am 22. Dezember ein glücklicher Kunde der „Glückstelle Stein", Wien, I., Wipplingerstraße Nr. 21, an der „Hohen Brücke", Filiale: X., Favoriten- . st;raße 101. „Ueber die ,Hohe Brücke' führt der Weg zum Glücke!" E kleinrussischen Insel bei Poprad. Damit hat es folgende. Bewandtnis: Karpathorußland soll im Sinne der Friedensverträge Autonomie genießen. Nun ist wohl ein Gouverneur, im Amte, Mitglied einer einheimischen, römisch-katholischen (!) Familie, das Regierungssteuer aber führt ein High Commissioner, der tschechische Landespräsident, Mitglied und Exponent der republika« nischen (Agrarier«) Partei, die als wahre Herrin im Lande gilt und für die Fortführung der althergebrachten Wahl- und Regierungspraktiken verantwortlich gemacht wird. (Im Falle der Juden sind das Konzessionsverspre« chungen, Beeinflussung der Massen im Wege der Chassidim-Rabbiner, Aufstellung von Splitter- und agrarischen Filialparteien.) Jedenfalls schieben die andern tschechischen Parteien die Schuld unisono auf die agrarische ab, was hier nicht näher untersucht werden soll. Ob aber eine richtige Autonomie dem Lande heute Vorteile bringen könnte, ist zweifelhaft. Darum konnte es dazu kommen, daß die tschechische, vor allem die agrarische Presse, als anfangs 1932 die Not in Karpathorußland die Oeffentlichkeit beschäftigte, mit der Autonomie förmlich drohte. Nur die Großrussen waren oder stellten sich einverstanden, forderten aber die Verlegung der Grenze nach Westen. Vielleicht war das nur ein kleiner Gegenschachzug, aber jedenfalls einer, der den normalen Machtgelüsten entsprach. Daß die jüdische Bevölkerung am wenigsten den Mangel an Autonomie zu bedauern braucht, ist ein Umstand, der uns die palästinische Parlamentsfrage ins Gedächtnis ruft. In einer Beziehung hat die tschechoslowakische Regierung, im Gegensatz zur englischen, Opfer gebracht. England überläßt die zivilisatorischen Aufgaben den jüdischen Institutionen oder bestreitet sie mit jüdischem Geld. Die Tschechoslowakei hingegen baute, seitdem sie im Jahre 1925 die Linie aufgab, die von der Idee einer vorübergehenden Okkupation beherrscht, in solchem Maße und Tempo Straßen, Regierungsgebäude und Schulen, daß dies ohne Belastung der Steuerträger in anderen Teilen des Landes nicht denkbar scheint. Heute stellen nämlich nicht einmal die Staatswälder einen Aktivposten dar. So mangelt es dem Lande eigentlich nur mehr an Flußregulierungen. Auch das Verkehrsnetz benötigt noch weiteren Ausbau. Alles übrige ist aufs Auswachsen berechnet. Ja, die neuen Schulen sind ruthenisch oder tschechisch. Hebräische und sonst reinjüdische vermissen wir. Die wenigen bestehenden müssen wir aus Eigenem erhalten, und nur mit Mühe bekommen wir knappe Sub* ventionen. Ganz wie in Palästina . . , Dieser Vergleich zeigte sich fruchtbarer, als erwartet, oder gar gewünscht werden konnte ... A. Rabbinowicz (Hranice). Aufgelassene Synagogen Von Dr. Israel Zwi Kann er (Wien). Just am Jahrestage der Belagerung Jerusalems verbreiteten die Blätter die Nachricht, daß in Bruck an der M u r in der Steiermark ein zweistöckiges Trafikantenhaus als eine im Jahre 1390 erbaute und später aus unbekannten Gründen aufgelassene Synagoge wiedererkannt wurde. Dem Herzog von Oesterreich wurde 1156 von Friedrich Barbarossa das Recht eingeräumt, Juden „zu halten". Um diese Zeit dürften sich die Juden in der Steiermark in der Gegend von Bruck a. M. und Graz angesiedelt haben. Die ursprünglich keltische Niederlassung Judenburg hat nichts mit „Juden" zu tun. (Idunum; idun „hoher Berg".) Die weisen Stadtväter verrieten aber ihre etymolgischen Unkenntnisse dadurch, daß sie am Erker der „Post" einen über 500 Jahre alten steinernen Judenkopf als Wahrzeichen der Stadt anbrachten. Der jüdische Volkswitz aber bezeichnet die Stadt, in der einst so viele Juden dem Würgen barbarischer Christ erlegen sein sollen, sehr treffend — Judenwur g. Wenn sich eine größere Anzahl von Juden an einem bestimmten Orte ansiedelte, ist es ihre erste Aufgabe, eine Synagoge zu erbauen, die ihnen nicht bloß als Bet-, Gerichts-, sondern auch als Lehrhaus dienen soll. Mit Recht hat sich daher die Bezeichnung „Schul" eingebürgert. Selbst Luther übersetzt „Synagoge" im N. T. meist mit „Schule", weil er Gelegenheit hatte, zu beobachten, daß der ganze Lebensinhalt der Juden in der Bibel« und Talmudforschung bestand. Er bewunderte den Fleiß, mit dem sie den ganzen Tag hindurch das Studium im Lehrhause betrieben. — Im Talmud Jeruschalmi (Nas. 56a) wird sogar eine Knischta maradta, eine Revolutionssynagoge in Cäsarea erwähnt, wo nach einem Bericht des Josephus (B. J. II, 14, 5) während des jüdischen Krieges politische Zusammenkünfte statt« gefunden haben. Die Juden haben eben ihre Religion mit den Interessen der Nation < stets verknüpft und hielten es für keine Sünde, über beide Gebiete an heiliger Stätte zu disputieren. Stets war man darauf bedacht, durch große Geldspenden den Versammlungsort immer schöner auszuges stalten. Es darf uns daher nicht wundern, wenn mancher Tempel, wenn er zu klein, entweder vollständig eingerissen und sein Material für den Aufbau eines anderen Gotteshauses verwendet wurde oder ohne irgendwelche religiöse Bedenken als Wohnhaus verkauft wurde. (Vergleiche Megilla 26 b.) In beiden Fällen verstieß man gegen das in Joma 12b vorgeschriebene Gesetz: Moalin bakodesch w'lo moridin — („Heiligtümer dürfen in ihrer Würde nur steigen, nicht aber sinken".) Die Freude ah einem neuen Bethause setzte sich über dieses Gebot glatt hinweg. Oft brannten die Juden ihre Synagogen nieder, wenn sie flüchten mußten, damit das Heiligtum nicht zu götzendierischen Zwecken verwendet werde. Von den Christen wieder wurden alte Synagogen wegen ihres architektonischen Wertes restauriert und in Kirchen umgewandelt. Die abulaf ianische Synagoge in Toledo, welche noch heutigen Tages als Kirche eine Zierde dieser Stadt ist, war halb im gotischen, halb im maurischen Stil erbaut. (Graetz, Gesch. der Juden, Bd. VII, pag. 393.) Für die Ausschmückung seines Gotteshauses scheute der Jude keine Kosten. Wenn von geringerem künstlerischem Werte, wurden die Synagogen zerstört und an ihrem Platz eine Kirche gebaut. Das letzte Beispiel einer derartigen Verwendung von Synagogen bietet sich in Wien, wo Leopold I. am 18. August 1670 die Synagoge „als eine Mördergrube, zum Hause Gottes hat aufrichten lassen", wie eine Inschrift geschmackvoll berichtet. (Elbogen, Der jüdische Gotesdienst, Frankfurt a. M^ pag. 451.) Bemerkenswert ist, daß alle Synagogen in der Steiermark, sowohl in Graz als auch in Bruck, unmittelbar neben dem Flusse liegen, weil die rabbinischen Quellen berichten, daß sich Gott außerhalb Palästinas den Propheten nur in der Nähe des Wassers geoffenbart hat. Das Wasser gilt als reiner Ort. (Mechilta zu Exodus XII, 1.) Auch im fernsten Osten spielt das Wasser, vom religiösen Standpunkt aus, eine große Rolle. Die nunmehr zerfallene Synagoge der chinesischen Juden in Kai-Fung-Fu war mit Badeanstalten verbunden. Wochen-Kalender Jänner 1933 rcta l a"jnn Tebeth 5693 1$ Freitag 15- Sabbateingang 4.25 14 Samstag 16-?tt Sabbatausgang 515 in w lanp^i mtsun .vm 15 Sonntag 17-n 16 Montag W-rr 17 Dienstag 19- 18 Mittwoch 20" 3 19 Donnerstag 21-N3 (Krauß, Synagogische Altertümer, Berlin-Wien, 1922, pag. 88.) Auch die noch vorhandenen Reste der elf Synagogenruinen in Galiläa liegen in unmittelbarer Nähe des Tiberias-Sees. (Vgl. Krauß, Die galiläischen Synagogenruinen.) Glaubensgenossen! Die alten Revolutionssynagogen sind aufgelassen. Errichtet sie wieder! Denket im Bet* heuse daran, daß ihr vor einem Gotte steht, den ihr auch als König der Heerscharen bezeichnet. Gott und König, Religion und Politik sind für uns untrennbare Begriffe. Wir wollen die Heerscharen sein. Wir wollen auch in der Synagoge Politik, aber nur jüdische Politik treiben! Theater/ Kunft und ililiiilliliillilllilliiiiilllliiiLileratur Jüdische Künsflerspi'ele „Die Mühle" von David Bergelsohn . Freitag, den 13. Jänner, halb 9 Uhr abends findet in den Jüdischen Künstlerspielen (II., Praterstraße 34) die Uraufführung des dreiaktigen Schauspiels von David Bergelsohn, „Die Mühle", statt. In den Hauptrollen treten die Schauspieler der „Wilnaer Truppe" auf: Josef Kamen, Jakob Weislitz, Dina König, Jochewed Weis Ii tz und Emilie Weislitz. Inszenierung: David Hermann. Regie: Josef Kamen. Dekorationen: Gibson Schmergel. „Die Mühle", eines der wertvollsten dramatischen Werke der jungen jüdischen Literatur, hatte in Polen, wo immer sie auch aufgeführt wurde, durchschlagenden Erfolg. Die Aufführung verspricht auch in Wien eine Sensation zu werden, sowohl dank dramatischer Wucht des- Schauspiels wie auch dank der Besetzung (die Hauptrollen werden von hervorragenden „Wilnaern" gespielt) und Kamen's Regie. Auch der Bühnenaufbau wird eine interessante Neuerung bringen. •Jüdischer Schauspielerverein Wien. Am 11. Dezember v. J. fand die Generalversammlung des Vereines statt, in welcher der neue Vorstand gewählt wurde. Dieser setzt sich zusammen: Präsident Schauspieler Adolf Bell, geschäftsführender Vizepräsident Jacques Singer und Vizepräsident Adolf Neumann, Schriftführer Benzion Siga 1, Kassier Adolf Bellmann, Vorstandsmitglieder Frau Lea Weintraub-Graf und A. Weißmann. In der Generaldebatte wurde neuerlich der Beschluß gefaßt, die Schauspielerorganisation zu weiterer Arbeit auszubauen und alle Kräfte zur Erreichung dieses Zieles zu mobilisieren. Grabsteinenthüllung Pepi Littmann. Der Initiative des Wiener jüdischen Schauspielervereins ist es zu verdanken, daß in der Vorwoche die Enthüllung des Grabsteines für die vor zwei Jahren verstorbene jüdische Schauspielerin und Sängerin Pepi Litt mann vorgenommen werden konnte. Zur Feier waren mehr als 100 Personen erschienen, und zwar Kollegen, Freunde und Verehrer der verstorbenen Künstlerin. Ansprachen hielten Jacques Singer, Dr. Paul B a r a t o w, der Delegierte des rumänischen Theaterverbandes Direktor Reich, ferner die Schauspielerkollegen A. Meiseis und A. Weißmann. Die kantoralen Funktionen versah in uneigennütziger Weise Kantor Funke vom Leopoldstädter Tempel und konnte den Dank aller Teilnehmer entgegennehmen. üdifdic Sport' «und iliiiliiiiiiii Turnbewegunft, Makkabi-Winterspiele 1933 Unter dem Titel „Makkabi-Winterspiele" veranstaltet der polnische Kreis des Makkabi-Weltverbandes in der Zeit vom 2. bis 5. Februar 1933 in Zako« pane eine jüdische Wintersportolympiade. Das Programm lautet: Skilaufen für Herren, 18-Kilometer-Langlauf 1. und 2. Klasse. 10-Kiloin e t e r - La n g 1 a u f 3. Klasse; 6-Kilometer- Langlauf Junioren bis 18 Jahre; 6-Kilometer-Langlauf für Damen; Herrenstaffel über 3mal 10 Kilometer; Damenstaffel über 3 mal 5 Kilometer; Abfahrtslauf mit Slalom kombiniert (800 Meter). Eishockey, Eiskunstlaufen für Herren, Damen, Paare. Rodeln: Einsitzer für Herren; Einsitzer für Damen. Zweisitzer für Herren. Zweisitzer eine Dame ein Herr; Skispringen. Die Teilnehmer genießen verschiedene Begünstigungen. Die bisher eingelaufenen Nennungen sind so zahlreich, daß zu hoffen ist, daß sich die Olympiade in :> Zakopane zu einer machtvollen Kundgebung für den jüdischen Sport gestalten wird. Von Oesterreich dürften über 50 Sportler nach Zakopane reisen. „Makkabi"-Wintersplele in Zakopane. Das Arrangement für die Winterspiele in Zakopane, die in der Zeit vom 2. bis 5. Februar d. J. stattfinden, hat der Touristik- und Ski-Klub „Hakoah" übernommen. Anmeldungen sowie Auskünfte jeden Freitag im Klubheim, I., Wiesingerstraße 11, abends von 8 bis 10 Uhr. Anmeldeschluß 15. Jänner d. J. — Skikurse werden bei günstigen Schneeverhältnissen unter Leitung von kundigen Lehrern jeden Sonntag abgehalten. Ferner werden Skitouren in die nähere und weitere Umgebung von Wien geführt. Vorbesprechung jeden Freitag im Klubheim. Gäste willkommen. Die Eishockeymannschaft der Hakoah siegte in Brünn gegen Kralove" Pole 3 :0. Die Tore erzielten Winter (2) und Fluß. Makkabäa (Preßburg) veranstaltet im Frühjahr ein internationales Fußballturnier. Ein jüdisches Team aus Palästina wird im kommenden Sommer Propagandaspiele in Polen austragen. Hasmonea hat die Wintersportsektion bedeutend ausgebaut, um den nationalgesinnten Juden Gelegenheit zu einer wintersportlichen Betätigung zu geben,

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