Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 278 (6.1.1933)
- Date
- 1933-01-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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inn Titl. Universitnfsbihl Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freitag/ den 6« linner 1933 ■ Jmm v V* b* Ii* Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp€die par l'editenr*. REV UE BEZUOSBEUINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20. ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich " " " '" . ~. Lei 40.-, vierteljährig Lei 12 Lewa 120.—; Italien monatlich Jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Ersdteint jeden Freitag AUSTRO* PALÄSTINENSISCHER WIRTSCHAFTSDIENST 1 _ Wien IX, Bergeasse 16 (Handelsmuseum) / Telephon A-l 7-5-20 j Montag, IS. Jänner 1933, 8 Uhr abends, im Festsaal Hotel,.Continental** (II, Taborstraße 4) | LICHTBILDERVORTRAG l ttWUSUXOS »»AS MODERNE PALBSflNA« | Numerierte Sitzplätze zu S 2.— und S 1.—, Stehplatz (nur an der Abendkasse) S —.50 bei: Buchhandlung M.Rath, i II. Taborstraße *0a, Tel. R-43-108; Schuhhaus „Paga", Tel. U-25-0-84; Papierwarentabrlk Josef Grubner. IX, Wasa- § gasse 7, Tel. A-U -0-10; Administration „Neue Welt", II. Untere Aueartensträße 38. Tel A-4Ö-6-34 § Das Lob der jüdischen Arbeit! Wie ein nichtjüdischer Fachmann über die jüdische Arbeit urteilt. Am 16. Jänner wird der Schweizer Ingenieur Rudolf Pf ister, welcher durch ...... fünf Jahre in Palästina den, Bau des Jordan- Wasserkraftwerkes bis zu dessen Vollendung leitete, in Wien im Rahmen des „Austro- « Palästinensischen Wirtschaftsdienstes" einen Vortrag über »tle Entwicklung des jüdischen Auf bau Werkes in Palästina halten. Der hervorragende nichtjüdische Fachmann — er ist auch Erbauer des berühmten Spullerseewerkes — äußerte sicn gegenüber dem : Vertreter . der Züricher ") , jüdischen Preßzentrale. wie ..folgt: . . . Zur baulichen Durchführung des ersten Jordankraftwerkes ständen durchwegs n n r j ü d t sehe Arbeitskräfte in Verwendung. Die Arbeiter waren in Gruppen geteilt, welchen ein Gruppenführer vorstand. Es war für den bauleitenden Ingenieur eine angenehme TJeberraschung, in diesen Arbeitskräften sehr lern- und wißbegierige sowie begeisterungsfähige Kräfte zu finden, welche die ihnen bisher unbekannte Arbeit überraschend schnell lernten und mit großem Fleiße durchführten. Die meisten unserer Arbeitskräfte besuchten seinerzeit Mittelschulen, waren also gut vorgebildet, und die grenzenlose' Hingabe zur gestellten Aufgabe bewirkte es, daß sie. sich bald der schwierigen manuellen Arbeit anpaßten. Die wichtigsten Bauarbeiten, wie der maschinelle Aushub des Bodens und der Transport desselben, alle Steinbrucharbeiten, Schalungs- und Betonarbeiten, wurden im Akkordlohn durchgeführt und es war trotz der Ungunst des Klimas (das Jordantal ist tropisch) in kurzer Zeit möglich, europäische Höchstleistungen zu erreichen. Es sei nur ein Beispiel herausgegriffen: Es haben verschiedene Gruppen von jüdischen Mineuren als Tagesleistung (nicht Spitzenleistung, Monatsdurchschnitt) in achtstündiger Schicht 7 Kubikmeter Basalt gebrochen, wie er notwendig war, um Steinbrechermaschinen damit zu beschicken. Die Arbeiten im Aushub, in der Schalung und in der Betonierung erreichten gleichfalls europäische Höchstleistungen. Hohes Lob gebührt der. Arbeiterschaft wegen der Nüchternheit und dem tiefen sittlichen Ernst der Lebensführung. Es ist besonders interessant, zu erwähnen, daß nach meinen Erfahrungen der jüdische Arbeiter nur leistungsfähig zu schaffen vermag, wenn er über das Ziel seiner Arbeit und den Zweck derselben genau unterrichtet ist. Es mußte also stets der Kopf wissen, was die Hände ausführten. Ueberau", wo ich gearbeitet habe, in der Schweiz, in Spanien, in Oesterreich, war ich bemüht, in engere Beziehung zu den Arbeitern zu kommen und ihr Vertrauen zu gewinnen, weil ich darin eine Garantie des Erfolges erblickte. Ueberaus angenehme Erfahrungen habe ich nun'diesbezüglich mit den jüdischen Arbeltern in Palästina gemacht! Zu meiner großen Freude habe ich die Ueberzeugung gewonnen, daß der jüdische Arbeiter in seiner Arbeit nicht nur ein Mittel sieht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern daß er ständig den Fortschritt und die Dienste, die er durch seine Arbeit dem Vaterlande leistet, vor Augen hat. Darüber hinaus macht er es sich zur Pflicht, die Entwicklung und den Plan des" gesamten Werkes zu verstehen. Wie bereits erwähnt: Er will, daß sein Kopf das fasse, was seine Hände ausführen. Dieses Bedürfnis der Intellektuellen Entwicklung auf dem Arbeitsgebiete erklärte es mir, warum diese Arbeiter, sobald das Werk vollendet ist, eine solche Menge von Fragen an den Ingenieur zu stellen haben. Es ist unnötig, zu sagen, daß dieses herzliche Verhältnis zwischen Arbeitern und Konstrukteuren und dieser Wissensdurst im Verlaufe der Arbeit eine bedeutende Rolle spielten. So entstand eine innige Zusammenarbeit zwischen dem manuellen und dem intellektuellen Arbeiter. Aber auch außerhalb des eigentlichen Arbeitsfeldes habe ich beim jüdischen Arbeiter interessante Eigenschaften gefunden. In seiner glühenden Hingabe an die zionistische Sache hat er eine außerordentlich mühsame Aufgabe auf sich genommen, die Arbeit des Pioniers. Und dennoch findet er am Ende eines Tages voll schwerster Arbeit noch die Zelt, um sich zu bilden und. seine Persönlichkeit zu entwickeln. " ' ■" ■ -' ■>■- Wieviel könnten die Arbeiter; aller Länder von der klaren Vorstellung, von dem innigen Faüdienleben und von dem moralischen Ernste in der Lebensauffassung vom jüdischen Arbeiter Palästinas lernen! Meine ganze Hochächtung und meine ganze Bewunderung zolle ich den jüdischen Arbeitern, die ich in Palästina kennengelernt habe! Aus ganzem Herzen wünsche ich diesen Tapferen das Beste und die Erfüllung ihres Ideals. Wir hatten zur Zeit des Höchststandes 700 jüdische imr wmtmmmtk» TTF^TE T BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN AUF MOUTE MI (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE Arbeiter, die Handlangerdienste leisteten 200 Araber. Die menschlichen Beziehungen, die die Gesellschaft zu den Arbeitern pflegte, zeitigte eine große Verehrung für den Chef des Unternehmens, Herrn Ptaobaa Ruthenberg, eine Verehrung und Liebe, die1 sich' auch auf die arabischen Arbeltskräfte erstreckte. Die erste Jordankraftanlage, die sowohl mit jüdischen Kräften zustande kam, aber auch arabischen Kräften Verdienstmöglichkeiten gab, bewies während der Dauer der Baudurchführung die Möglichkeit reibungsloser Zusammenarbeit der beiden nemitischen Stämme des Landes. Es ist selbstverständlich, daß der wirtschaftliche Aufschwung, der mit dem Bezug billiger Kraft verbunden ist, in gleicher Weise a 11 e n B e w o tone r n des Landes zugute kommt. In Palästina werden Bomben geworfen! Das Mordattenfat in Nahalal — Wer sind die Urheber! Das jüdische Palästina ist durch eine Mordtat, die sich unter mysteriösen Umständen abgespielt hat, in höchste Auf regung versetzt. Ein jüdischerKolonist in der Kolonie Nahalal und sein neunjähriger Sohn wurden durch einen Bombenwurf getötet. Das Ganze ist scheinbar sinnlos. Der getötete Mann ist weder politisch noch wirtschaftlich irgendwie hervorgetreten. Ein schlichter, kleiner Kolonist, der niemandes Weg gekreuzt hat. Und das ermordete Kind — wem stand es im Wege? Räuberische Motive sind ausgeschlossen. Die palästinensische Polizei hat bisher auch nicht eine Spur der Täter ausfindig gemacht. Leider keine ungewöhnliche Sache. Sie hat nur feststellen können, daß die trefflichen Bomben im Lande erzeugt wurden; Also: heimisches Produkt, unter Anleitung von europäischen Instruktoren hergestellt. Denn die Bombentechnik ißt unter den Einheimischen noch nicht entwickelt. Ganz so sinnlos dürfte die Sache doch nicht sein. Palästina ist jetzt im Stadium ruhiger wirtschaftlicher KOHLE/KOKS ANTHRACIT höchtter Qualitäten BÄSCH, IV. Argentinierstraße 32 Tel.: Serie Alle im redaktionellen Teil befindlichen .entgelt* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet nicht; wie es Damals .unter¬ Entwicklung. Das paßt manchen Leuten ihnen im Jahre 1929 nicht gepaßt hat! brachen sie die ruhige Entwicklung mit einem blutigen Aufstand gegen die Juden! Verfolgen die Auftraggeber der Bombenwerfer von 1982 nicht dasselbe Ziel wie die Auftraggeber der Pogromisten von 1929? Sind sie nicht identisch? Der blutige Aufstand von 1929 ist von kommunistischer Seite in hervorragendem Maße gefördert, vielleicht inspiriert worden. Die Kommunisten haben sich dessen nachher offen gerühmt und die Allschlachtung der jüdischen Greise und Kinder in Hebron und Safed als „Befreiungskampf des arablsohen Arbeiters" gepriesen. Die Tat in Nahalal erinnert eindringlich an die Tat in Hebron und Saf ed . Am Grabe der Ermordeten wurden seitens der Sprecher der zionistischen Organisationen Anklagen gegen die Palästina-Regierung und der Ruf nach jüdischem Selbstschutz erhoben, strengste Untersuchung aller Verdachtigen gefordert. Diese Anklagen und Forderungen sind nicht neu. Verschiedene Gruppen im Zionismus fordern schon lange organisierten jüdischen Selbstschutz und offenen Kampf gegen die Agenten des Bolschewismus und seinen Geist, der bereits tief ins jüdische Volk eingedrungen ist. Aber bisher sind es nur oppositionelle Gruppen und man hat bisher ihr Verlangen als militaristisch, reaktionär usw. verschrien. Der traurige FaÜ von Nahalal wird vielleicht besseres Verständnis in weiteren Kreisen schaffen. * Ans Jerusalem wird gemeldet; Am 22. Dezember abends wurde von unbekannter Hand in das Haus des jüdisohen Kolonisten