Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 275 (16.12.1932)
- Date
- 1932-12-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 35 Groschen Jahrgang 6 Freitag/ den 16« Dezember 1932 Nr. 275 V« b*b. Zeitung vom Verleger versende! „Journal expedie'par redftenrV REV U E BEZUGSBEDINGUNGEN. Tschechoslowakei monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei ' n»«*mii>ii mnnntiirh S I TO viertetlfihrie S 4.20. eanziähriß S IG.—; Polen monatlich Zloty2.—, vierteljährig Zloty6.~ l?c?K^N?erteffi &™ 14.-, vierteljährig Dinar k-: Rumänien* monitUeh [l™J^^r,^*\Y!"^V^JB^^^tu^tIAMZji..*-.- ..to^oiiahHtr Mark 3 — Rulonrien monatlich Lewa 40.—. viertellährl* •h Kc 6.-. vlertellährlg Kc 15.-; Jugoslawien monatiicn uinar 14.-, vieneijanng umar w.-; mihwicd mvuiu« „i»rtMiahriiT i m Dantechland monatlich Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig Lewa IM^ fffi^ die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 14», vfe&ft _ _ _ fährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, leL B-48-504 — Erscheint jeden Freitag X. P. Chajes' 5» Todestag f* »*> t-, l'' V ük M \ s i » * '* , <> i * i In den fünf Jahren, seit dem Zwi Perez Chajes von uns gegangen ist, hat das jüdische Wien zutiefst, empfunden, was ihm; die Persönlichkeit des Oberrabbiners, des Politikers, des geistigen Führers gewesen. Höchste Religiosität, männliche. Sittlichkeit, zionistisches Fühlen1 und: Wirken ~ diese Werte fanden sich in Z. P. Chajes'zu einzigartiger Harmonie vereinigt. Gerade heute, da national jüdische Männer zur Führung der Wiener. Judengemeinde berufen1 wurden, wird die Besinnung auf den verstorbenen Führer dieser Gemeinde die Fortsetzung jenes Weges ermöglichen, den er," der große, seiner Mission bewußte Charakter, vorgezeichnet hat. Ein leuchtendes, herrliches Vorbild, edelster Volljude, so wird Z. P. Chajes im Andenken der jüdischen Welt; weiterleben.__ Politik .: Vortrag von Oberrabbiner HU P* Chajes 1920 '"- '' ' ' DemnUehsVerscheint ' das große Werk r' , .:; l p -Chajes -- Redeiv und -Vorträge .-07 m .' -1 Sein' Leben: und sein Werk", verfaßt, . und-herausgegeben von dem intimen Freunde " "' " " ■ undgeistigen Weggenossen .des großen i Toten, von' Professor 'Moritz1 Rosenfeld, Aus Anlaß dies -v ••:*, füVifjährigen'Todestages hat Professor Rosen- -**• " > feld der „Neuen- Welt" den Vorabdruck von ...... .• Teilendes-Vortrages „Politik", welcher ein Be- kenntnjs'zur: jüdischen' Politik ist, freundlich« ermöglicht. . , ,; Es keine neue Erscheinung, die mit den Kriegs, ind Nachkriegswehen zusammenhängt, daß man f ast' in aJlen Teilen der Welt mit einer gewissen M i ß a c htung von der Politik und von den Männern spricht, die sich mit ihr beschäftigen. Schon vor : dem Krieg hat sich in den intellektuellen, Schichten fast aller Völker eine Abneignng gegen die Teilnahme an der ^o|itik bemerkbar gemacht. Es ist nicht ohne Wert,, diese Frage einmal in größerer' Öffentlichkeit zu besprechen*da sie nicht nur bei uns Juden, sondern auch bei allenianderen Völkern akut geworden ist. Was ist Politik? Das Wort sagt es schon demjenigen, der griechisch versteht, und auch der, der es nicht! yersteht, wird die Bedeutung aus dem Sprachgebrauch kennen. Politik ist die Lehre vom Staat und (das Interesse am Staat, das Sichbeschäftigen mit öffentlichen Angelegenheiten. Wer könnte in diesem Wort oder Begriff etwas- Entwürdigendes oder Demütigendes finden? Darf es sein, daß hochstehende Menschen von großen geistigen und seelischen Qualitäten das Recht für sich in Anspruch nehmen, sich dem Interesse am öffentlichen Leben zu entz i c he n? Wohin müßte dasführen und wohin hat es tatsächlich geführt, daß Mensehen solcher Art sich dem Dienst der . Oef fentlichkeit entzogen. haben oder entziehen? Lebt man in einer Gemeinschaft und entzieht man sich, obwohl man ein geistig hochstehender Mensch ist, dem. Dienst der Öffentlichkeit, so hat man schuld daran, daß es so kommt, wie es bei uns kam. Das gilt nicht nur für uns Juden. Nicht nur bei uns ist. das" seelische und geistige Niveau des 'öffentlichen BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN MF MODERNSTE AK? (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER RURANSTALT DIANABAD FÜR , ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE Lebens so erschreckend tief, sondern wir finden dieselbe Erscheinung bei allen Völkern. Wer die Geschichte des sich entwickelnden politischen Lebens, des Parlamentarismus ' in; Europa kennt, der weiß, daß bei Beginn des parlamentarischen Lebens fast in allen Ländern, wie * beispieisWjeise,. in. Deutschland im Jahre 1848) die •geistig , hochstehendeji Menschen, dje /Dichter, ^Gelehrten' uncT Schriftsteller,: ihre- Kräfte dem öffentlichen Leben zur Verfügung stellten. Damit soll nicht gesagt werden, daß sie auch da* Höchste erreicht haben. Es war nur ein Versuch, der vielleicht zum Ziel geführt hätte, wenn er nicht dadurch unterbrochen worden wäre, daß sich geschäftsmäßige Politiker in den Dienst des öffentlichen Lebens, der wesentlich ein Dienst ihrer persönlichen oder Klasseninteressen wurde, gestellt hatten, wenn die Politik' nicht zu einer Profession geworden wäre. Die Entwicklung der Menschheit wäre im andern Falle zweifellos anders geworden. Was Politik ist, kann man am besten ersehen, wenn man sich die Frage vor« legt, was nicht Politik ist ... . Politisch Lied ist nur ein garstig Lied, wenn man nicht singen kann, wenn man keine gute Stimme hat. Wenn man Politik mit reinen Händen betreibt, so ist sie kein schmutziges Geschäft. Es gibt nichts, was man nicht beschmutzen, und nichts, was man nicht heiligen kann. Es ist eine persönliche Frage und gleichzeitig eine allgemeine, die ich jetzt behandeln will. Im jüdischen öffentlichen Leben hat sich die Ansicht verbreitet, daß eine bestimmte Gruppe von Menschen nicht das Recht habe, sich mit Politik zu beschäftigen. Gemeint sind die Rabbiner. Es ist das auch in bezug auf meine Person in irgend einer Form vor mehreren Wochen in einer Versammlung gesagt worden. Etwa in der Form, daß meine Person für die Gemeinde eine Schwierigkeit oder einen Schaden bedeute, weil ich mich mit Politik beschäftige. Ich weiß nicht genau, iu welcher Form dies gesagt wurde. ... Ich will einen kleinen, in akademischen Formen gehaltenen Spaziergang durch die jüdische Ge» schichte unternehmen. Ich will Sie an einen Namen erinnern, der Ihnen allen geläufig sein wird: Moses, und will nun an Sie die Frage richten, ob es nicht Politik war, was er getrieben hat. Moses hat zwei KOHLE/ KOKS ANTHRACIT höthitar Qualitäten BÄSCH. IV. ArgentinierstraBe 22 Tee.. Serie Ü-47.5-4C Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgölte liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E btxti«0ft^