Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 273 (2.12.1932)
- Date
- 1932-12-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 35 Groschen lahrgang 6 Freilag/ den £♦ 0 Nr. 273 V*b*b* r»/ Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par reditenr% 0. */V_ eü *'Vi *A fc* /o& r'<* «*. / BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig l______ Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich ______...........—„ _________ . ___________ _____________ , - ,------ Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50 H E R A U S GEBER. ROBERT S T RI C K E R Redaktion n. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag REVU E Versammlungskalender der //Zionistischen Liste" Donnerstag, den 1. Dezember 1932. Hotel Continental, IL, Taborstraße 4. K9 Uhr abends. Redner: Dr.. Oskar Grünbaum, Ing. Eugen Buchbinder, Dr. David Rothblum, Frau Bauer, Dr. Jakob Ehrlich, Dr. Nahum Samonsky, Dr. Josef Löwenherz. Hietzingerhof, XIII., Hietzinger Hauptstraße 22, K9 Uhr abends. Redner: Dr. Josef Löwenherz, Frau.Margit Buchbinder, Dr. A. Reik, Prof." Moses Rath. Marierisäle, XIV., Reindorfgasse 2. %9 Uhr abends. Redner: Ing. Robert Stricker, Dr." I. H. Körner, Komm.- ,Rat .Albers, Dr. H. Kiewe, Dr. Des. Friedmann. Machsike" Hadath, II.,; Heidgasse 1. 5 Uhr nachmittags. Redner: Dr. Nahum Samonsky, Dr.' Abraham;Schmerler. Gasthaus Sima, XVII., Kalvarienbergg. 12, %9 Uhr abends. Redner: Prof. Wilhelm Srein, Frau Bauer, Doktor < Klaber, Dr. I. Körner. Politisches Kabarett: Dr. O. Teller, B. Weyser, Samstag, den 3. Dezember 1932. . ■ Seudath Sabbat,. II.,. Malzgasse 2. .8 Uhr abends. i Redner: Dr. Z. F. Finkelstein,' Dr. N. Samonsky, Doktor j;Schlpmoh Horowitz, Alfred May. - .".'. Weinhalle, IL, Große Stadtgutgasse 11, Ecke Josej finerigasse." 8 -Uhr, abends.' Redher:' Dr; 'M. Sommer, Süi mer Schwarz, Ing.. Buchbinder/; ' Hotel Barschak, IL, Große Sqhiffgasse 5. 8 Uhr abends. Redner: Dr. L Klaber, .Alfred'May, Leon Schräge.; ......Cafe. Orient, TL, Praterstrftßö ri66.' -'-8 Uhr abends.' Redner: Dr. 1. Körner, Dr. W. 'Perl-/ Dr. Klaber. - :; ■ ■"1 . 1.' ,; . .'., , . y j,it \ , ' ■■ i'1 i... i; ^Restaurant 'Gu'th, .;H.;\,köllany8fraBe-14* 8-Uhr abends. Redner: Ing.' Robert Stricker, Dr. Steinberg, Frau 'Bauer. ' / " Verein. für Gewerbetreibende, IL, Malzgasse 1. '3 Uhr nachmittag. Redner: Ing. Buchbinder, Josef Fränkl, Dr. Schmerler. ' , : Oseh Chesed, IL,-Schiffamtsgasse 5. 4 Uhr nachmittag: Redner: Dr. Schmerler, Dr. Samonsky. ' ' Emeß w?Schalom, IL, Große Schiffgasse 24. 5 Uhr •nachmittags. Redner .Dr. Samonsky, Alfred May. - - Sängerhalle, IL, Ausstellungsstraße 167. 149 Uhr ' abends. Redner: Ing. Buchbinder, Erna Papak, Dr. Steinberg, - Prof. Rath, Max Schiffmann. Restaurant' Zauner, IL, Nordbahnstraße 52, vis-a-vis -Ankunftshalle Nordbahn. 149 Uhr abends. Redner: Ing. Stricker, Dr. Ä. Schmerler,. :Dr. D. Rybaczewsky, Max Schiff mann." * : Bethaus Schüttau, IL, Schüttaustraße 45. 8 Uhr abends. Redner: Prof;. Rath, Dr. Schmerler, Dr. Buchsbaum, Dr. Wolf. Cafe Rembrandt, IL, Untere Augartenstraße 13. "8 Uhr abends. Redner: Dr. Grünbaum, Dr. Klaber, Max -Schiffmann, "Aron'Schwertfinger. > Cafe Lovrana/III., Löwengesse 36, %9 Uhr abends. Redner: Benno Deutsch, Dr. Buchsbaum, Dr. Auerbach, Dr.- Kiwe. Bezirksvertretung Mag.. Bezirksamt, IV., Scheffer- . gasse 3. %9 Uhr abends. Redner: Dr. Löwenherz, Doktor -David Rothblum, Dr. Ehrlich. , Handelsmuseum, IX., Berggasse 16, M? Uhr abends. Redner: Dr. Des. Friedmann, Dr.-' O."-Grüribäum, Dr. S. Wolf, Ing. Robert Stricker. Restaurant Zuckermann, XX./ Dresdnerstraße 58. %9 Uhr abends. Redner Dr. Löwenherz, Dr. Finkelstein, Dr. I. H. Körner, Dr. Pachtmann, Max Schiff mann. Zionistische Bezirkssektion, XX., Jägerstraße 30.;Uhr abends. Redner: Frau. Bauer, Dr. Friedmann, Dr. I. Körner/ Dr. Schlomoh Horowitz. ' ■ " ' : ■ Gasthaus Bayer, X., - Quellenstraße 105. %9 Uhr - abends.- Redner : Dr.. J. .Löwennerz, Frau .Buchbinder, Dok- . tor." Josef Pollats.chek/ Ing. " Robert "Stricker. ' Politisches Kabarett f Dr.-Oskar Teller, Bobby'Weyser. ' Gasthof Grüber, XIV.,, Sturzgasse 40. - ^9 Uhr abends. Redner:'Prof. Ra,th,.wDr; Wilhelm Stein. Doktqr . Samonsky. •-' : ■', ■ ■ < ^^^^^^^^^^^^^^VMVIHIBiHSHH^PIVVIH^PHHHHHHHP^HHBHHMHMB Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeli«!i(?hen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. KO H LE/ KO K S ANTHRACIT Mtiiatar Qualiltilsn BÄSCH, IV, ArgantlnierttraOe 22 Tel.s Stria U-47-9-40 Pogromattige Exzesse in Polen Die Hakenkreuz-Studenten an der Spitze Aus Warschau wird der „Neuen Welt" gemeldet: Einzelne polnische Städte stehen seit einigen Tagen im Zeichen einer ausgesprochenen p o g r o m istischen Hetze, die da und dort zu blutigen antisemitischen Exzessen geführt hat. Die Ausschreitungen begannen am . Abend des 2?. November in Lemberg, wo nationalistische Hochschüler gegendas jüdische Stadtviertel zogen und mehrere Geschäftsläden demolierten. Jüdische Passanten, Männer, Frauen . und Kinder, wurden . überfallen. und schwer mißhandelt, so daß die Rettungsgesellschaft in ■ zahlreichen Fällen intervenieren mußte. Einige Juden trugen lebensgefährliche Verletzungen davon. •In mehreren Stadtvierteln kam es zu Zusammenstößen zwischen Pol i z e i und D e m o n s t r a n t e n. Besonders wüst ging es bei dem jüdisch e, n A k a d em i k e r h a u s, zu, dessen Fensterscheiben ausgeschlagen wurden, sowie vor der Wohnung des Stadtpräsidenten Drojanewski, der kürzlich im Lemberger Gemeinderat gegen die antisemitischen Ausschreitungen protestiert hatte. I Im Verlauf der Exzesise wurde der polnische Hochschüler Grodkowski getötet. Nach dem Leichenbegängnis am 29. November kam es neuerlich zu antisemitischen Ausschreitungen ,der .nationalsozialistischeiif Studenten, die eiri,en sehr ' ernsten Gharakter anriahmeii f und wiederholt zu Zusammenstößen mit der v Polizei; führten.,,,. ■ ',,'..••..'...'',--'.. '.' Die antisemitischen Hochschüler belagerten die jüdischen Stadtviertel und schlügen viele jüdi-, sehe P^sariten blutig. Iii achtzig Fällen intervenierte die Rettuhgsgesellschaft, Ein polnischer Student wurde dür'chieineii äü§ 4em Fej^sttp eine^^ Schußschwer. vei^etzt.; es sich in fiesem Fall üm'.0ine k o m m ü n'i s t i s c h e Provokation handelt. Bis auf weiteres wurden die Hochschulen gesperrt. Auch in Krakau kam es seitens der nationali- DAMPFBAD fördert am angenehmsten und wirksamsten STOFFWECHSEL Die DAMPFBADER im DIANABAD sind weltberühmt, unerreicht an Größe, Eleganz und Zahl der Räume und Bassin», Kömfoit und Hygiene und trotzdem JBILLICX Im Abonnement (5 Karten) nur $ 2.- per Bad HÖHENSONNE/BE5T,RAHLUNO^ , gegen S 1.-— . Zuschlag / ' . stischen Hochschüler zu b.l u t i g e n T er r o r a k t e n. Zählreiche jüdische .Geschäftsläden wurden beschädigt. ' Die Polizei; «ah sich /genötigt, etwa 200 Exzedenten zu :verhaften. * :'r r;o/, ,/// i,> „ */';In "*Wv'a r s c hau' liberfieten nationalistische vStujdenten jüdische Hörer, von denen einige Schwer mifihandelt wurden. Die Hetze der- Hakenkreuzstudenteii geht ^weiter. Wie in Lemberg, wurde auch hier die \}'H iversitat auf unbestimmte Zeit gesperrt. Die Judengemeinde — das sind wir! Viele tausende Juden in Wien sind sich erst seit einigen Wochen der Tatsache bewußt.geworden, daß es eine Kultusgemeinde gibt. Sie sind sich zwar auch jetzt noch nicht klar, was mit dem Begriff „Kultusgemeinde" in seinem ganzen Umfang gemeint ist, aber es dämmert in ihnen die Vorstellung, daß man als Jude zu ihr irgend ein Verhältnis haben muß. Eine solche Dämmerung ist eingebrochen... Tag um Tag, Jahr um Jahr ging der Jude seiner Beschäftigung nach, dem Suchen nach Brot und . menschenwürdiger Existenz, um sich in seinen wenigen freien Stunden geistigen Dingen hinzugeben, arbeitete für sich und seine Kinder: der Kaufmann, der Händler, der Gewerbetreibende, der Agent, der Arzt, Anwalt, Ingenieur, Künstler und Schriftsteller. Und. wenn er zum Bewußtsein seines jüdischen Seins, seines jüdischen Wesens, seiner jüdischen Wirklichkeit und seiner jüdischen Sehnsucht gelangen wollte, dann griff er entweder zu den Büchern der Vergangenheit oder er fand seine innere Erfüllung in der zionistischen W e 11, in der. Welt des jüdischen Volkstums, das ihm Stolz, Ehre, Erhebung und Zukunft gab. Der Wiener Jude dachte keinen Augenblick daran, daß es bei ihm und für ihn eine Organisation, eine Gemeinschaft gebe, die alle seine Stammesbrüder umschließt; daß ein Körper vorhanden sei, zu dessen Gliedern er zähle; daß eine Form geschaffen sei, in der für alle seine Bedürfnisse Platz sein könnte; " kurzum, daß; es eine Wi e n e r K u 11 u sgemeinde, eine Wiener Jndengemeinde gebe. Nichtsdestoweniger hatte er im - Ablauf seines Lebens ' mit dem, was7 ihm gefühlsmäßig als „Kultusgemeinde" erschien, mehrfach zu ' tun/ Geburt und Grab, das waren ungefähr.die Berührungspole mit dem Begriff '„Kultusgemeinde"/Dazu kam i noch, mehr als ein bloßer ' Begriff, ein1 Berührungspunkt: die Kultussteuer. Also im . großen und ganzen unangenehme Dinge,- unerfreuliche Begegnungen.' ■ Und zwischen - den beiden Polen — eine unendliche Leere. Denn als lebendiger Körper, als Stammesgemeinschaft, als blutdurchpulster Zusammenschluß aller tätigen Kräfte des jüdischen Volkstums — in dieser Eigenschaft ist die Kultusgemeinde bei ihren Mitgliedern nicht in Erscheinung getreten. Sie ist den Juden etwas Fremdes, Gleichgültiges, Unorganisches. Sie ist den Juden ein administrativer Apparat, ein blutloser Mechanismus., Man kann es ohne Uebertreibüng sagen: Die jüdischen Gemeindemitglieder empfinden ein Mißbehag e n, wenn es sich fügt, daß sie irgend eine in die Kompetenz der Kultusgemeinde fallende Sache zu erledigen haben; denn sie haben keinen lebendigen Zusammenhang mit ihr, sie sehen in ihr bloß den Erlediger administrativer Angelegenheiten, den Vollstrecker von Verordnungen und Vorschriften, die Siedls Last, als Pein, als Verschärfung des Zustandes „Jude sein!" betrachten. So wie die Kinder den von der Kultusgemeinde designierten Religionslehrer und seinen entseelten, schablonenhaften, liberalen Unterricht als Ballast empfinden und ihm nur entweder Geringschätzung oder gar Mißachtung entgegenbringen, ebenso ergeht es den jüdischen Gemeindemitgliedern mit ihrer Gemeinde. „K u 11 u s g e m e i n d e?" Mit einem Achselzucken reagiert der Jude auf dieses Wort, weil es ihm.eben nur ein Wort ist, ein leerer Begriff, eine tote Sache. Was soll ihn mit einer Gemeinde verbinden, deren leitende Männer in ihrer Mehrheit die echten jüdischen Volkswerte nicht kennen und anerkennen, alles, was national- . jüdischer Geist zum Stolz des Judentums in Palästina und in der Galuth unter deutlichster Anerkennung der ganzen Kulturwelt geleistet hat, verleugnen * und verächtlich machen wöllen, den Willen der von wahrer Religiosität und Volkssolidarität erfüllten Massen mißachten? Auf diese zwingende Frage hat die Wirklichkeit eine bezeichnende Antwort gegeben, Sie lautet) Solch eine Gemeinde, solche leitende Männer können nichts anderes erzielen als massenweise Austritte, Verlassen des Volkstums, Desinteressement an allen das jüdische Volk betreffenden Interessen, Mißachtung und Geringschätzung der jüdischen Gemeinschaft, Niedergang und Zusammenbruch nach allen Seiten! Theodor Herzl ist auf seinem Weg, der ihn zur Zusammenfassung des ganzen jüdischen Volkes führte, auf die Kultusgemeinde gestoßen. Er hat die Parole von der Notwendigkeit der Eroberung der ■•\ 4»