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Die neue Welt · 1932-11-29 · Heft 272 (29.11.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 272 (29.11.1932)
Date
1932-11-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 272 Ritter von der traarigen Gestalt, die normalerweise längst in die Rumpelkammer gehören sollten: die Herren von der „Oesterreichischen Union" mit ihren Kompagnons, den ..Werktätigen Juden". Die Ziele der „Zionistischen Liste* sind in ihrer positiven Eindeutigkeit der ganzen Welt bekannt Die Ziele der genannten Kompagnieschaft sind es weniger. Im politischen Leben gilt es als Selbstverständlichkeit, daß zuerst ein Programm da ist und dann An* h ä n g e r für dieses Programm gesucht werden. Die Union plus Werktätige haben diese natürliche Erschei. nung auf den Kopf gestellt: Es sind Anhänger da, für die erst ein Programm gesucht wird. Ge- I u n d c n wurde es allerdings nicht. Deshalb begnügten sich diese Herren mit der reizenden Parole: ,.Nichlnationale Liste." (t Aber anch das ist schließlich ein Programm. Nichtnational heißt: „Wir sind kein Volk, wir haben keine besonderen jüdischen Bedürfnisse, uns gehen die Juden in den anderen Ländern einen Schmarren an, die „Polischen" gehören nicht nach Wien, wo der alte Steffel uns, den einheimischen Deutschösterreichern, .ein gemütliches „Servas" zuruft, wir sind brave S t a m m e s d e u t s c h e, und wenn jüdische Studenten an den Hochschulen verprügelt werden, dann sagen wir:„Ea ist nicht schön, weil es dem Namen der deutschen Kultur schadet." Wahrlich, ein schönes, nichtnationales Programm! Damit kann man in die jüdische Gasse gehen. * ' Wir wollen weiter ernst bleiben. Die Herren von der Union, treue Sachwalter ihrer Programmlosigkeit, haben, wie das jüdische Wien weiß, eine änderen, nicht na t ioual e n Reiter hinter sieh aufs Roß gegeizt: die sogenannten „Werktätigen J u den". Den Zionismus braucht man nicht erst vorzustellen, den kennt die ganze Knltnrwell. Die „Werktätigen jnden" kennt sie weniger. Bleiben wir ernst! Bille ruhig zu bleiben, nicht zu lachen! Es sind die israelitischen Ableger der österreichischen sozialdemokratischen Partei, die ihre untertänigen Jünger znm Einbruch in die alte Wiener Judengemeinde ausgeschickt hat. Und so sitzen sie nun im trauten Verein: Die konservativen Grofiboargeois mit dem Ro th sc h i 1 d - E m b 1 e me und die sonst f reidenk e r'i chen Sozialrevolutionäre. Ein Panoptikum, das in der Welt politischen Irrsinns seinesgleichen sucht. Während die gesetzestrenen Juden dafür sorge«,, daß ihre Külruswähler, ihre frommen Glaubensgenossen koscheres Fleisch, die.•.'traditionelle;; Bar Mizwah. ein i ritualgerechtes Begräbnis, einen von.'der' Lehre; Äjfosisi 00üilten,~ R^igionsüntcriHclit v bekonunen, .rsopgeny . die ■Herren Werktätigen, getrau .ihrem .-: Hausprogramm, 4efüc,oü^B Ä> Macht /des Staates - in ^die>Händ#*des i Freidcnkertuins übergehe, Also kein koscheres Fleisch,] keine Bar Mizwah, kein rituelles , Begräbnis,, .keine mosaischen Glaubenslehren" — denn das wäre ein Verrat" an ihrem sozialistisch-freidenkerischen Programm, für das sie ja, soll ihre Kandidatur * überhaupt einen Sinn haben, in der jüdischen Gemeinde zu kämpfen haben. v Nichtnationale Liste! Das ist ihr Stolz. Der nätionalbewnßte Professor Albert Einstein — ein Niemand! Der nichtnationalc Herr L c n k * L ö wy -4. efri Genie! Der national jüdische Professor Siegrannd Freud — ein minderwertiger Mensch! Der nichtnationale Herr Schläfrig— ein aufgeweckter Wahrheitssucher! Oberrabbiner Prof. Perez Zwi Chajes si' Ä. — ein Apikores! Der nichtnationale Herr Leo Rath von den Kommunisten — ein Glanbensfanatiker! Vf . . /Wir wollen ernst bleiben. Die Verwaltung der Wiener jüdischen. Gemeinde ist eine viel . zu veranti wortungsvollc Sache. Die ernste Betrachtung verlangt 'noch' "eine bezeichnende Feststellung. Wir wollen, den „Konservativismus" der Unton österreichischer Juden nieht anzweifeln. Es spricht jedoch durchaus nicht für ihre konservative Haltung, wenn sie von ihren 18 bisherigen Kultusräten sage* und schreibe 11 nicht mehr kandidieren. Die Werktätigen sind noch radikaler geartet. Von ihren bisherigen drei Kandidaten erscheint diesmal kein einziger mehr auf der Liste. Waren vielleicht die 11 Unionisten nicht genug rothschildtreu? Waren vielleicht die drei Werktätigen nicht genug antikapitalistisch? Ueberlassen wir die Antwort auf diese Fragen den Wählern. V< ' Ja, die Antwort der Wähler. Sie sehen, auf der einen Seite das stolze, selbstbewußte, nationale . Judentum, das nicht erst eine Kultuswahl zum Anlaß nimmt, um die jüdische Gasse zur Arbeit am jüdischen Volk aufzurufen, sondern diese Haltung immerwährend betätigt; das sich nicht uftter fremden Schutz begibt, sondern sich ihn im eigenen Lager errichtet. Sie sehen auf der anderen Seite ein feiges, assimiliertes „nichtnationales Judentum", das sich, mit einem v/esensfremden, volksfeindlichen, fremden Schlagworten dienenden Element assoziiert hat. Die Ehe auf Probe, die die Herren von .der. Union mit den Sozialdemokrat- •che» Werktätigen eingegangen sind, ist keine Liebes« ehe, ist auch keine Vernunftche — sie ist eigie Angst ehe. Der Lahme soll dem Blinden über den schmalen Stej helfen, Und beide rechnen nur mit der Die NeueWeh-gratis Die Neue Welt!hriBsti.m,rte^,ür, dje ,Ehfe; ——-— Würde und Freiheit des Judentums! Die Neue Weit P.W^t,0,!6 Wiedergeburt des i » jüdischen Volkes in allen Ländern der Zerstteuung! Die Neue Welt k,äm,^fi, ,l\f die .Wiederaufrichtung mmmmmm-mm-ii des jüdischen Volkes auf dem Boden Palästinas! Die Neue Welt földert die heiligen Interessen des i Zionismus! Die Neue Weit Modert'über alle Ereienisse in der jüdischen und zionistischen We>t! Jedem Jle Hess HC fler Wodieo Mndoidi gratis ins Hans! Verlanget „Die Neue Welt* bei der Administration, Wien II, Untere Aüfjartenstraße 38. höchst fragwürdigen Kunst, den jüdischen Wähler dumm zu machen. Der dumme jüdische Wähler soll ihnen einen breiten Weg in die Jndengemelnde ebnen. * ■ Beim Wähler liegt die Entscheidung. Der aufrechte, volksbewußte Jude kann seinen Stimmzettel zum Instrument mächen, mit dem er das „nichtnationalc" Gespensterpaar Union-Werktätige ans der jüdischen Gasse vertreibt. o. r. Jfidfsdies aus Persien Der Ermordete ist schuld! Persien ist ein hermetisch abgeschlossenes Land. Ein ins Ausland gesendeter, unvorsichtiger Brief kostet den Kopf. Deshalb erfährt man auch nicht viel über das Schicksal der Juden in Persien. Die letzte Nachricht betraf den von der „Neuen Welt" ausführtich behandelten, tragischen Fall des persischen Zionistenführers und Parlamentsmitgliedes C h a j i rn. Der wackere Mann protestierte gegen die scheußliche Behandlung der Juden durch die persischen Behörden. Der Schah ließ ihn zu sich kommen and befahl ihm, seine Anklage zu widerrufen. Der mutige Mann bot dem Despoten die Stirn und stellte als Bedingung für einen Widerruf die Maßregelung der hohen antisemitischen Beamten. Darauf ließ ihn der äch'sh verbAfteri, jahrelang im Kerker schmachten und scl^Keßfi^K hinrichten. Dann hörte man lange nichts Cv'oh^lcn?''p|x|^s^bjen,,Juden. Jetzt hört man. wieder etwas. ,,l;'-.^.;J.;Der..--gegenw^rlüg:. in der Türk« -weilende:;Außenminister Persiens, Mohammed Ä.j,£Firough,i Kh^an, gab in emen$Gji^rj^ der Jüdischen Telegraphen-Agentur, folgende Erklärung über die f&ge der Juden in.Persien ab: ,,r ' y l- '-DieÄ Verfassung Persiens kennt ' ik e i n e ri>U n t e rs C'hiie d'; zwischenperiwscheu Bürgern-und Bürgern irgend eines anderen Stammes öder Angehörigen einer anderen Religion. Auch die in Persien lebenden Juden genießen 'alle-"IfeChte^ persischer Staatsbürger. Sie leben in vollkommener Sicherheit, nehmen eine angesehene Position im^öffentü^ In ihrem n a t i o ti a l e n und ' r e Ii g i ö s e h Leben geriie'Ben sie '* vollkommene Freiheit, in diese Angelegenheiten mischt sich die Regierung nicht im geringsten ein. Es' bestehen, in Persien jüdische Schulen, religiöse jüdische Gemeinden und na t i o n a 1 j ü d i s c h e O rg a n i s a t i o n e n. Ich er-, mächtige die Jüdische Telegraphen-Agentur,, in meinem Nämeri wie im Namen der gesamten persischen Regierung zu . erklären, daß im modernen P.ersien eine Judenfeindschaft nicht geherrscht hat, auch jetzt nicht herrscht und auch 'in Zukunft keine Basis haben wird. Irgendwelche in Zeitungen erschienenen Nachrichten AN- UND VERKAUF V0|1 Zinshäusern, Villen, Zinsvillen HYPOTHEKEN l, IL, III. Sätze zu 8 bis 12% VERWALTUNGEN Bei Abschluß von Verwaltüngsaufträgen AUCH VORSCHOSSE OHNE JEDWEDE ZINSEN eventuell auch ohne Einverleibung « oder Anmerkung Behördlich konzess. Realitätenkanzlei D*M.PAIS WIEN I, RIE M ERQA SSE Nr. 13 TELEPHON Ä.21-5.30 über Judenverfolgungen in Persien entbehren jeder Grundlage. Auf die Bemerkung des JTA-Vertreters, daß di* jüdische Oeffentlichkeit seinerzeit erschüttert wurde durch die Mitteilung über den Vollzug der Todesstrafe an dem jüdischen Mitglied des persischen Parlaments Chajim, den man für vollkomm en unschuldig hält, erwiderte Außenminister Firoughl Khan: Damit die Juden und die allgemeine Oeffentlichkeit nicht eine unrichtige Vorstellung von der .Position der Juden in Persien und der Beziehung der Regierung zu den Juden hat, bitte ich, den Lesern der jüdischen Presse die folgenden Einzelheiten über das Todesurteil gegen Chajim mitzuteilen: Chajim war früher wirklich Parlamentsmitglied, in der Zeit vor seiner Hinrichtung aber nahm er keinerlei Stellung im öffentlichen Leben ein. In jedem Volke, in jeder Gemeinschaft, gibt es Menschen mit hohen Tugenden und auch Verräter, und wenn ein Verräter bestraft wird,, so darf man hieraus keinen Schluß auf die moralische Beschaffenheit der Gemeinschaft, der er angehört hat, ziehen. C h a j i ra war ein Verräter, er wurde nicht etwa wegen gewöhnlichen Ländesverrates, sondern wegen S pionage zugunsten einer fremden Macht verurteilt. Seine Schuld wiegt um so schwerer, als er früher der höchsten Volksinstitution, dem Parlament, angehörte. Chajim hat sich auch an geheimen Umtrieben gegen den gegenwärtigen Schah von Persien beteiligt, seine politischen Intrigen haben dem Lande großen Schaden zugefügt. Ich betone, fuhr Außenminister Firoughi Khan fort, daß das Verfahren gegen Chajim keinerlei antijüdische Tendenz hatte; mit ihm zum Tode verurteilt wurden mehrere seiner Mitschuldigen, die alle mosiemitische Perser waren. Nicht der Jude Chajim, sondern der Verräter Chajim wurde gerichtet. Die Beziehungen der Regierung zu den Juden sind nach wie vor die besten. Dem persischen Parlament gehört auch heute noch ein Vertreter der Judenschaft an: Dr. Logman, ein ehrenwerter und rechtschaffener Mann, der sich in vollster. Unparteilichkeit an der parlamentarischen Arbeit beteiligt, und sich des Wohlwollens sowohl der Freunde wie der pegner seiner politischen Richtung erfreut. Zum Schluß kam Außenminister Mohammed, Ali Firoughi Khan, auch auf die Haltung der persischen Regierung gegenüber dem jüdischen Palästina zu sprechen. Meine Regierung, sagte er, bringt dem. Gedanken der Errichtung eines Nationalheims für die Juden in ihrem historischen Lande Palästina vollste. Sympathie entgegen. Meine Rede als Vorsitzender des Völkerbundsrates während der Behandlung des Klagemauer-Konflikts klärt, zur Genüge unsere Hältung zu dem ganzen Fragenkomplex, , * .;. pie^ Londonerr Zeitung ,Jewish, Chronicle" \ireist 'auf einen in' einer amerikanischen Zeitung erschienfiiien angeblich^Jaus;.der^Feder .','des, jüdischen (yertreter>; '. im persischen Parlament und Präsidenten des Jüdischen yerbändes. Persiens Dr. Logman stammenden Artikel hin, in dem festgestellt wird, daß seit der Thronbesteigung des jetzigen Schah auf den Gebieten der öffentlichen Sicherheit, der Gesetzgebung, des öffentlichen Unterrichts, der Verwaltung usw. a n s e h n 1 i c h e F ö r t s c h"r i t t e erzielt worden sind. „Jewish Chronicle" ist mit allem der Persönlichkeit des Dr. Logman schuldigen Respekt der Ansicht, daß seine Ausführungen inspiriert sind; die persische Regierung habe Interesse daran, daß das Ausland über die Behandlung der Juden in ihrem Lande ein günstiges Bild erhält. Keineswegs aufgeklärt sei — so fährt »Jewish Chronicle" fort — die t r a g i s c h e Affäre des hingerichteten Parlamentsmitgliedes Chai.jim, der ein. Führer der,persi« 6chea Zionisten war und im Parlament mutig gegen Mißstände gekämpft hat Zur Bekämpfung dieser Mißstände hat er ein Memorandum an den Völkerbund gerichtet. Von der Regierung aufgefordert, dieses Memorandum zurückzuziehen und zu erklären, daß alles in bester Ordnung sei, erklärte Chaijim, er werde dies nur tun können, wenn der an vielen dieser Mißstände schuldige Chef der Polizei in Teheran, der ein Verwandter des Schah ist, von seinem Posten beseitigt werde. Daraufhin wurde' Chajim auf Betreiben einflußreicher Kreise verhaftet und auf Grund irgendwelcher von der Oeffentlichkeit nicht kontrollierter Dokumente. und Zeugenaussagen zum Tode verurteilt und nach mehrjähriger qualvoller Haft hingerichtet. ■* Persien scheint in der Zivilisation tatsächlich weit fortgeschritten zu sein. Sein Außenminister kann schon mindestens so gut lügen wie seine westlichen Aratsbrüder. Und „loyale" Juden, die über die Leiden ihrer Brüder taktvoll schweigen oder diese Leiden in „Freuden" ver: wandeln, solche „loyale" Juden hat Persien auch schon. Es geht eben nichts über den Fortschritt der Zivilisation! Ge§eII§diafts*und Studien* reise nadi Palästina 28* Februar bis 28« Mäw% 1931 Gesamtarrangement von Wien bis Wien — alles iubegriffen —S 950. Auskünfte und Prospekte durch; Aastro - Palästinensischer Wirtschafts« dienst Wien, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseuin), Telephon A-17.5-40 Serie. Sf«eitstunden: Montag tnd Donnerstag Ws 6 Uhr nachmittags.

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