Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 271 (25.11.1932)
- Date
- 1932-11-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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f Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. m ^^ftt^^^1^^S^r^mmn ^Q&FFttip^ unseren Jubiläums Tiiz*mt*~ Jmui ■ tVBTUv 'iAwS&h ■* nrhxuPW0£- r»jr»wwy mi&!SBWMmWiM We.TtvoLie tt>>.\ EK^ HBlS: Damen-Hantel, -Blusen und -Kleider: Hubertus-Mantel, gute Strapazqua'itüt................\ Q Flamnnga-StotfMeder mit Velourchifton-Gamtlur .......... J ö Ei I. Mode-MHntel mit Lammveibrämung, neueste Fasson .... \ c Breitschwanz-Piüsclijäckehen Reins«ide gefüttert und wattiert . . . / ö Q ite wintsittoffmäntel Seidegef., bch iwolie watt., m. Pe zverbrämungl Jugertdl. Bouclömä'itel mit Lammfellkreuzverschluß.........J 9 80 24.- 29.- F äjen-MIlr.tfll (auch lür senr starke Fraueni m t großem Pelzkragen! c QQ Molrö-Lammalljäcknhen, Seide gtfüt eit und wattiert........ I 0Ö9«"" "45.- 69.- Blaue oder schwarz« Wlnterr'osmüntal mit großem -eal-Electiic-K ragen 1 0 aqonal-MSntel, reiche mod.'Pelzverbrämung gef. und watt.....I Vornehme Wlntermflntsl aus feinem Tuch, blau oder schwarz, mit reich. Pelzbesaiz, Crepe-Mongol ge üttert, Schafwolle wattiert . .S 79.—, Flanell-Sportblusen mit langen A ermein ................ S Bombarq Seidanblusen, fesche Fassons................ S Crepe Mongol- oder Relnwoli-StoffsthoBen, plissiert . . . . S 9.80, 7.90, S Cr«p«-Mon oi-Klelder. lange Aermel, fescher ^cnHpsk a«en . . S 12.90, S Velour-Flanell-Schlafröcke, schöne, große Blumendessins...... . . S 1.98 3.90 8.90 9.80 7.90 Pe!z-Mänteh Molr6-Fohl«n-M8nte! mit elegantem Lammfell-Schaikragen, mit Crepe- Satin ßordüren-Futter, Scnafwolle waiteiiert...........S Eohte Natur-BisammBrital. ganz Crepe-Mongol gefüttert, pikiert, Schafwolle watteliert, gute Kürschneiarbeit........... . . . S 139." 298r Wienerwald-Stiefel sliÄtt.??«": °"l 13.90 <«»« sc^en. Vorzugsangebote der Stoff, u. Seidenabteilung: Strumpfu. Wirkwaren: Waschsaldens (rümpfe, mit kleinen Fehlern . . S —.49 Moda-Rlpparstrümpfa. dunkle Farbentöne . - . S - ,98 Agfa-Waschseldanytrörrpfa,,Modeferse, alle Färb. 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S 16.50 Deokenkao-en, la Webe, Schlüpfeifassjn mit Klöppe'spitze, ISO/180...........S La f- Tepp en, mod. gestr., 90 cm S 3.70, 65 cm S 8.90 9.80 6.90 2.70 Fußbodenbelag, p. m» 1.98, Reste p. M.....S —.98 Bemberg-Selde, 75 br., f. feine Damenwäsche . S K.-S Iden-Crepe-Mongol, schöne Kleiderware . S ((.-Salden Futter duchesse, schw. Qual., alie Färb.S K.-Salden-Georgette, schwere Qualität, 100 br... S Flamesol, schöne Kleiderware........ S Für den Herrn: Eleg. Double - Mäntel Re1^.fif!nsU%n auf Seide gearb. (legu . Prus bis S 125.—) S Mod. StraBenanzug a. dunklen Kammgarnstoffen S Graue Mode-SteifhUfe in Modefarben.....S Eleg. Herren-Gamaschen, Markenware.....S Ski-Hosen aus wasserdichtem Skiloden, blau oder modebiaun, gute Ausführung S 17.90, S Ski-Bluse, warm gefüttert, Modeschnitt . . .S e 1.50 2.50 2.90 3.90 6.90 69- 49.- 3.90 1.20 14.90 29.80 Für das Kind: Samtkleidchen, schöne Farben .ab S 3.80 Raform-Seidenpehhoserl. Gr. III . . 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Zu erwähnen ist ferner der von der Pluga Herzl erbaute Schützenstand. Unsere Chawerim Mischi Friedländer, Kurt Bengen, Oskar Groner, Günter Schott, Rudi Silberberg, Max Feuerstein und Chawera Ilse Cohn haben die erste Plugath Awoda des deutschen Bethar in Rischon le Zion begründet. Die Chawerim Max Ballhorn und Manfred Epstein sind vom Britto Trumpeldor zu den Lehrerausbildungskursen des Reichskuratoriums für J u gen d e r t üch t i g u n g entsandt worden. Die -Ausbildung dauert 14 Tage und ist kostenfrei. Zu dem Empfangsabend für - L a d y E r 1 e i g h sind vom Keren Ha j es s od (!) alle zionistischen Jugendbünde unter bewußter Ausschaltung des Brith Trumpeldor eingeladen worden. Ein neuer Hallensportabend des Bethar ist im Westen Pfalzburger st raße 23, eröffnet worden. Es üben dort an jedem Dienstag, von b% bis 8 Uhr, die Plugoth Patterson und Seew (Jungen). Gäste gern gesehen!____ Freie Klublokalitüten bei Tonello Frau Jo Tonello, welche seit eiuiger Zeit das Restaurant Tonello im Alleinbesitz inne hat und in eigener Regie führt, hat sich bereit erklärt, allen jüdischen Wohltätigkeits- und anderen Vereinen sowie Klubs (ohne Ansehen der Parteischattierung) ihre ausgedehnten Klubsäle für die Abhaltung von Vorträgen. Sitzungen und Klubabenden ohne Nachtmahlzwang kostenlos zur Verfügung zu stellen. Der jetzigen Wirtschaftslage Rechnung tragend, sind die Preise bei „Tonello" auf die heute übliche Preislage ermäßigt worden. Außer den billigen Tonello-Menüs werden auch Tee. schwarzer Kaffee. Eier im Glas, belegte Brötchen, Soda-Himbeer, Limonade und sonstige Erfrischungen zu äußerst mäßigen Preisen verabreicht. Alle Klubs, Vereine usw., welche die freien Klublokalitäten „Tonello" kostenlos zu benützen wünschen, wenden sich an: Restaurant Tonello, Wien, II., Lilienbrunngasse 2 (Ecke Marienbrücke), Telephon A-47-4-50. Fassungsraum: zwei kleine Klubzimmer für je 25 Personen, mittlerer Saal 100 Personen, großer Saal 200 Personen. . _ E Eine neue Cafe-Confiserie des bekannten Fachmannes Karl Neu mann, II., Gredlergasse 2. erregt mit Recht allgemeine Bewunderung. Diese Zierde Wiens ist nach modernsten Prinzipien geschaffen worden. Die Portal- und Innenarchitektur stammt von dem wohl bisher noch wenig bekannten Tischlermeister Moses Hut man ii, dem aber im Hinblick auf die hier geleistete hervorragende Arbeit, eine schöne Zukunft prognostiziert werden kann. Onkel Berdach Erlebnisberidift von Awi'gdor Hamei'ri I. Müden Blicks und mit kaltem Frösteln in den zerbrochenen Gliedern, standen wir Wachtposten alle — alle, die wir die ganze Nacht hindurch mit aufgerissenen Augen auf die feindliche Front gestarrt hatten. Wir standen im Schützengraben mit einem Herzen, das aufgelöst war und überströmte ob eines Herbstmorgens, der sein Grau immer mehr vergoldete, die Felder einhüllte und die Berge und die welke Stoppelsaat, die seit zwei Jahren von keines Bauern Hand berührt worden war. So standen wir alle erschüttert... mit glotzenden Augen. Der Bataillonskommandant weckte uns aus der Erstarrung. „Wähl' dir einen starken Jungen für den Wachtposten heute, einen Jungen, der dem Tod nicht allzuviel Reverenz erweist. Ich habe eben erfahren, daß der Feind uns heute mit einem Tanz überraschen wird." Dieser Tanz ist nicht gerade angenehm. Dieser Tanz ist ein Re^en von Kugeln ohne bestimmtes Ziel. Schießen des Schießens wegen, bloß um zu irritieren, ein lebenszeichen zu geben, damit man nicht einschlafe. „Warum just heute?" fragte ich. „Eine dumme Frage. Aber gerade heute hat es seinen Grund, Es ist ein Fest heute, irgend ein kirchenslawisches Fest, der Teufel weiß was." Kaum hatte er zu Ende gesprochen, als Onkel Berdach, der soeben aus einem kurzen Sohlummer erwacht und die ganze Zeit unweit gestanden war. an uns herankam und meldete: „Biitte gehorsamst, Herr Kommandant, mich heute hinzuschicken!" Und Onkel Berdach ist nicht gerade ein starker Junge. Nein. Onkel Berdach ist ein Onkel über die Vierzig, ein Mann, der schon einige Enkel zu Hause hat. „Welcher Teufel ist in dich gefahren, Onkel Berdach?" „Nicht in mich gefahren, Herr Kommandant. Nur so. Ich möchte, bitte sehr." „Das ist kein Grund. Warum gerade heute? Weißt du nicht, daß sie uns gerade heute mit einem Tanz beehren wollen?" ' „Ich weiß, Herr Leutnant. Habs gehört. Das stört mich aber nicht. Sie wollen", betonte Onkel Berdach spöttisch, „was sie nicht alles wollen. Wenn aber Gott nicht will?" Und er machte eine Geste grenzenloser Geringschätzung. Wir waren schon gewöhnt an den Spott Onkel Berdaohs dem Feind gegenüber und an seinen Glauben an Gott. Aber die Neugierde wuchs in mir in diesem Augenblick. „Und doch! Was suchst du dort?" »Was ich will, Herr Leutnant? Sterben auf keinen Fall. Einem Menschen wie mir ist es verboten, einen unnatürlichen vorzeitigen Tod zu sterben, Herr Leutnant ... Meine kleinen Enkelkinder warten doch auf mich..." „Du gehst nicht, Onkel Berdach. Deine kleinen. Enkelkinder warten auf dich, hast recht, und heute, der Tanz heute kümmert sich nicht um deine Enkelkinder. Sag* mir, warum willst du unbedingt dort hingehen?" Onkel Berdach legte die altgewordene Stirn in Falten und sagte entschlossen: „Ich will es, Herr Leutnant, ich will me'kaddesch ha'schem sein..." (Gottes Namen heiligen.) „Das heißt: sterben?" „Nein, Herr Leutnant. Ein guter Jude heiligt nicht den Namen Gottes durch den Tod, wenn man ihn durch das Leben heiligen kann!" Ich willigte nicht ein und wollte einen anderen rufen, der an der Reihe war, Posten zu stehen. Aber der Bataillonskommandant, der unser Gespräch angehört und mit einem Lächeln auf den Lippen geschwiegen hatte, sagte: „Laß ihn. Soll er gehen. Ich will einmal sehen, wie ein guter Juge den Namen Gottes durch seih Leben heiligt, während tausend Tode auf ihn lauera." Und Onkel Berdach straffte sich zum Zeichen des Dankes zu voller Höhe und ging den Wachtposten beziehen. Er ging aus dem '^och heraus, kroch auf allen vieren dem Drahtverhau zu, über das nasse Gras, II. Indessen erblickte ich plötzlich irgendeinen Beutel unter seinem Arm. Im ersten Augenblick dachte ich, es sei ein Säckchen Erde, das wie gewöhnlich als Schutz gegen Kugeln zu dienen liat, aber der Beutel war einem derartigen Säckchen gar nicht ähnlich. Ich rief ihm nach: „Mein Schutzsack", sagte er mit betontem Flüstern. „Lüge! Das ist kein Schutzsack." „Bitte mir zu glauben, Herr Leutnant. Wenn ioh. sage .Schutzsack', dann können Sie mir glauben", wandte sich Berdach an mich. Was tun? Wir glaubten ihm. Onkel Berdach lügt nicht; bisweilen spricht er albernes Zeug, aber lügen — nein, das tut er nie! Und Onkel Berdach kroch weiter, bis er zum Verhau kam, das mit seinem Stacheldraht drohte. Dort setzte er sich ins nasse Gras, lehnte den Gewehrlauf an den Zaun, auf daß er nicht naß werde, und saß einige Minuten lang, das Gesicht der Front des Feindes zugekehrt. Bevor wir noch den Rücken, gewendet hatten, um in die Stube zu gehen — Schüsse! Anfangs einzelne, einer und wieder einer, dann hintereinander viele, aus hunderten Mündern, Pfeifen, Aufreißen, Beben, „Tanz" über unseren Köpfen. Wir krochen, eilends in den Graben, und die