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Die neue Welt · 1932-11-25 · Heft 271 (25.11.1932) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 271 (25.11.1932)
Date
1932-11-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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r Seile S DIE NEUE WELT Nr. 2TI *•...............................■............... Es geht jeden anl We rbewochen Jede Wäschereparatur, exaktest ausgeführt, 50 Groschen / Strümpfe repassieren, garan-; tiert unsichtbar, von 30 Groschen aufwärts /; Strümpfe anstricken, per Paar S 1.30 / Neu- ] anfertigung von Herren-, Damen- und Bett- | Wäsche nach neuesten Modellen, feinst und; billigst Wüsche-Erzeugnlshaus Maeourek i Epstein VIII, Skodagasse 30 (Eck« Alseretr.) | Leiden der Juden in der Mandschurei Menschenraub und Bandenterror. — Abwanderung nach Shanghai und Südchina Aus C h a r b i n wird berichtet: Die Judenschaft Charbins und der übrigen Mandschurei hat unter den Kriegswirren und dem Banditenunwesen sehr zu leiden. Insbesondere erhöhen die sich häufenden Fälle von Menschenraub ein Gefühl der Unsicherheit. Die jüdische Gemeinde erhielt die verbürgte Nachricht, daß der vor einigen Monaten von Banditen entführte hochangesehene jüdische Kaufmann und Gemeindeführer Miron Wladimirowitsch Kaufmann nach dreitätiger Peinigung durch die Banditen gestorben ist. Trotzdem gelang es den Banditen noch in der letzten Zeit, von der Familie Kaufmanns unter dem Versprechen, den Gefangenen freizugeben, 30.000 Dollar herauszulocken. Kaufmann war Vizepräsident der Charbiner jüdischen Gemeinde, Präsident der jüdischen musikalisch-dramatischen Gesellschaft und Leiter mehrerer jüdischen Institutionen. Die jüdische Gemeinde veranstaltete in der Neuen Synagoge, deren Gründer und Ehrenvorsitzender Kaufmann war, eine Trauerversammlung. Vor der Charbiner großen Synagoge wurde vor kurzem der 26jährige Jizchak Scherl, Sohn des Charbiner Exportkaufmanns und Direktors der großen Gesellschaft „Asiatska Transport Company" Aba Scherl, von russischen Banditen gewaltsam in einem Auto in unbestimmte Richtung entführt. Einige junge Leute, die mit Scherl die Synagoge verließen und ihm beistehen wollten, wurden von den Banditen durch Schußwaffen in Schach gehalten. Ein bewaffneter früherer russischer Unteroffizier, der sich in der Nähe der Synagoge aufhielt, wurde als der Mitwisserschaft verdächtig verhaftet, es stellte sich aber heraus, daß er zu der Leibwache eines reichen Charbiner Juden, der sich in der Synagoge befand, gehört. Die Frau Sarah Grünberg, die sich freiwillig in das Chungusen-Banditenlager als Geisel für ihren dort gefangen gehaltenen Mann begab, wurde von den Banditen freigelassen, nachdem ihr Mann das Lösegeld außer für sich auch noch für sie aufgebracht hat. In Charbin trafen mehrere jüdische Familien aus A n d a und anderen Orten an der Strecke der o s tchinesisehen Eisenbahn ein, denen es gelang, sich aus dem Bereich der Rebellen, die Teile der Eisenbahn besetzt halten, zu retten. Sie erzählen, daß die Juden in diesen Orten unter ungeheurem Terror leiden und ebenso wie sie, die Flüchtlinge, durch Banditen ihrer ganzen Habe beraubt wurden. Sehr viele jüdische Familien in Charbin, die durch Ueberschwemmung und Bürgerkriegswirren wirtschaftlich ruiniert worden sind, wandern nach Shanghai aus. Mehrere von ihnen, die in Shanghai keine Unterkunft finden konnten, wanderten weiter nach den südchinesischen Hafenstädten. In vielen südohinesischen Hafenorten entstanden kleinere jüdische Gemeinden. Friedhofschändung auch in der Schweiz Auf dem jüdischen Fried hofin Baden waren im letzten Sommer verschiedene Grabstätten durch Wegschlagen der an den Einfassungen angebrachten Emailsckilder beschädigt worden. Auch waren an der Rückseite von Grabsteinen Inschriften, zum Teil obszönen Inhalts, eingekritzelt worden. Als Täter wurden zwei jugendliche Gärtnerlehrlinge ermittelt, die gestanden, während der Reinigungsarbeiten im Friedhof die Beschädigungen vorgenommen zu haben. Das Obergericht hat nun den einen der Angeklagten zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt und die Strafe mit drei Jahren Bewährungsfrist bedingt erlassen. Richter Henry Horner — Gouverneur de« Staates Illinois Richter Henry Horner wurde als demokratischer Kandidat mit überwältigender Stimmenmehrheit zum Gouverneur des Staates Illinois, dessen Hauptstadt Chicago ist, gewählt. Damit haben die beiden größten Staaten Nordamerikas, New York (Herbert Lehman) und Illinois, jüdische Gouverneure. Außerdem gibt es in zwei anderen Staaten jüdische Gouverneure: Julius M. Meier im Staate Oregon, Arthur Seligmann im Staate New Mexico. Illinois ist nicht nur der zweitgrößte Staat Nordamerikas, sondern hat auch die z w e i t g r ö ß t e jüdische Bevölkerung; die Hauptstadt des Staates, Chicago, hat eine jüdische Bevölkerung von rund 400.000 Seelen und beherbergt demnach die drittgrößte jüdische Gemeinde der Welt. Richter Henry Horner wurde am 30. November 1878 in Chicago als Sohn von Solomon Horner, einem aus Deutschland eingewanderten Juden, geboren. Das jüdische Schulnetz in der Sowjetunion In den Ländern der Sowjetunion existieren heute mehr als 1200 Schulen mit jiddischer Unterrichtssprache, die von mehr als 160.000 Kindern besucht werden. Außer den Grund- und Mittelschulen gibt es neun jiddische pädagogisch-technische Hochschulen, fünfzig industrielle und landwirtschaftlich-technische Schulen, zehn jiddische Abteilungen bei den staatlichen pädagogischen Hochschulen und politischen Instituten. In Irland. Auf Veranlassung der Zentrale des Weltverbandes für Sabbatschutz „Schomre Schabbos" hat sich Chief Rabbi Dr. I. Herzog (Dublin) an das Unterrichtsministerium des irischen Freistaates mit dem Ersuchen gewandt, die jüdischen Schüler an den Sabbattagen und Feiertagen vom Besuch der öffentlichen Schulen zu befreien. Der seitens des Ministeriums erteilte Bescheid trägt den jüdischen Wünschen in jeder Weise Rechnung. Es wird darauf hingewiesen, daß in den öffentlichen Elementarschulen die jüdischen Kinder in keiner Weise mit dem Sabbat in Konflikt kämen, da hier am Sonnabend ohnehin kein Unterricht erteilt wird. Was die jüdischen Feiertage betrifft, die offizielle UntericbVtstage sind, so zähle zwar das Schulgesetz unter den Gründen, die eine Schulversäumnis rechtfertigen, religiöse Feiern und Veranstaltungen nicht als besonderen Punkt auf, doch solle die letzte Bestimmung des bezüglichen. Paragraphen des Schulgesetzes, derzufolge auch „ein anderer ausreichender Grund" als Entschuldigung anerkannt wird, auf die jüdischen Feiertage angewandt werden. In den höheren Schulen, die am Samstag unterrichteten, würde die Schulpflicht an sich nicht so. streng gehandhabt wie in den Elementarschulen, so daß die Schulbehörden ohne weiteres die Möglichkeit hätten, den Sabbat- und Feiertagsdispens großzügig zu handhaben. In Nordirland hat der Chef der Unterrichtsverwaltung gemäß dem Antrage des Chief Rabbi ECKSTEINS lllllllillllllllllllllllllllllillllfllllllllllllllllllilllllMI,' FAMILIEN-PENSION IIIIIIIIIIHIIIIIIIllülllllllllllllllllllllllllllW Rettauration, Kaifeehaus / Täglich 5-Uhr-Tee eCUUCniNIfS Telephon 11, Hochstraße 43 5CMraEKlfl\J neben Hotel Pannen* Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 J. Shachter (Belfast), Mitglied des Zentralkomitees des Weltverbandes Schomre Schabbes, soeben einen Erlaß an die Schulverwaltungen herausgegeben, demzufolge die jüdischen Kinder in den Wintermonaten an den Freitagnachmittagen bereits um 3 Uhr zu entlassen sind, damit sie an dem Freitagabendgottesdienst teilnehmen können. Die Jernsalemer Studenten an die jüdischen Studenten der ganzen Welt Im Zusammenhang mit den neuerlichen antisemitischen Unruhen an den Universitäten und Hochschulen Wiens, Breslaus, Budapests, Warschaus, Lembergs und Wilnas erläßt die Vereinigung der Studenten der Hebräischen Universität in Jerusalem einen Aufruf an die jüdischen Studenten der ganzen Welt, in dem die jüdische studierende Jugend aufgefordert wird, sich durch die antisemitischen Verfolgungen nicht entmutigen zu lassen, die Hebräische Universität in Jerusalem und das Technikum in Haifa halten ihre Tore offen für alle verfolgten jüdischen Studenten. Die jüdische studierende Jugend wird aufgefordert, für ihre Rechte in den verschiedenen Ländern stolz einzutreten, gleichzeitig aber in jeder Universitätsstadt Komitees zur Förderung der Hebräischen Universität in Jerusalem zu bilden, so daß diese jüdische Hochschule in die Lage versetzt werde, den in verschiedenen Ländern verfolgten jüdischen Studenten eine Zufluchtsstätte zu sein. Die Parlamente-Gefahr Jeder Kenner der Verhältnisse in Palästina weiß, daß die von antizionistischen arabischen und englischen Elementen geforderte Einführung eines Parlaments (Legislative Council) mit arabischer Majorität in Palästina das En d e d e s j ü d i s c h e n A u fbaüwerkes im Lande bedeuten würde. Die Oppositionsparteien im Zionismus haben immer und immer wieder von der Leitung und ihrem Präsidenten W e i zmann energischen Kampf gegen die Parlamentspläne der britischen Palästina-Regierung gefordert. Weizmann hat das immer abgelehnt, mit der Versicherung, die Gefahr sei nicht „aktuell".' Er hat die zionistische Oeffentlichkeit in Sicherheit gewiegt. Nach seinem Abgang haben seine Freunde, die in der neuen Leitung die Führung der Geschäfte gegen den Willen des Kongresses an sich gerissen haben, die gleiche Politik des Nichtkämpfens und Vertuschens befolgt. Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, daß die in der „Neuen Welt" gebrachte Meldurig, daß der Gouverneur von Palästina vor der Mandatskommission des Völkerbundes in Genf die Errichtung eines Palästina- Parlaments angekündigt hat, in Palästina größte Bestürzung hervorgerufen hat. Die im folgenden wiedergegebene Debatte im englischen Parlament über dieselbe Frage hat die Aufregung nur vergrößert. Die J. T. A. meldet aus Jerusalem: Die vom High Commissioner General Wauchope in der Sitzung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes abgegebene Erklärung, daß die Regierung Schritte zur Bildung eines Legislative Council in Palästina unternehmen werde, sobald die neue Verordnung über die lokalen Selbstverwaltungsorgane zu Beginn des Jahres 1933 in Krah getreten sein wird, hat in Palästina Ueberraschung hervorgerufen. Obwohl diese Erklärung mit vorangegangenen Mitteilungen von Regiernngsseite übereinstimmt, ist sie wegen ihres definitiven Tones dennoch aufgefallen. Die allgemeine Stimmung in der jüdischen Bevölkerung Palästinas ist entschieden gegen einen Legislative Council, in dem die Juden eine hoffnungslose Minderheit sein sollen. Sämtliche jüdischen Zeitungen des Landes sprechen sich mit größter Entschiedenheit gegen die Schaffung eines solchen Legislative Council aus. Die Debatte im englischen Parlamente. In der Sitzung des englischen Parlaments am 19. November hat sich zwischen dem Kolonialminister Cunliffe-Lister und den zionistenfreundlichen Abgeordneten Wedgwood und Janner folgende Debatte abgespielt: Neu m der Große Aufregung in Palästina Sir P. Cunliffe-Lister: In seiner gegenwärtigen Form enthält der Entwurf der Verordnung der lokalen Palästina-Regierung keine besonderen Maßnahmen bezüglich der Wahrung der Minderheitsrechte, und es ist mir nicht klar, ob eine solche Vorkehrung überhaupt erforderlich sein wird. Es wäre jedoch verfrüht,'über die Einzelheiten des Verordnungsentwurfes, der unter dem Einfluß der Kommentare der lokalen Behörden noch geändert werden wird, jetzt zu diskutieren. Was den letzten Teil der Frage anbetrifft, so kann ich nur auf die Aussage hinweisen, die der Oberkommissär für Palästina mit der Zustimmung Seiner Majestäts Regierung am 10. November vorder Permanenten Mandatskommission gemacht hat. Ich werde dem verehrten Mitglied eine Kopie derselben einsenden, da das Zitieren zuviel Zeit in Anspruch nehmen würde. Ich werde sie im offiziellen Bericht drucken lassen. Col. Wedgwood: Befürchtet die Regierung Seiner Majestät nicht, Unannehmlichkeiten hervorzurufen, indem sie einem Lande eine Konstitution gibt, bevor es dieselbe verlangt? Sir P. Cunliffe-Lister: Nein, mein Herr. Herr Janner: Beliebt der verehrte Herr mitzuteilen, ob die Angelegenheit vor das Unterhaus gebracht werden wird, bevor in der erwähnten Richtung irgend ein Schritt unternommen wird? Sir P. Cunliffe-Lister: Nein mein Herr, ich kann keine solehe Verpflichtung übernehmen. Das Forum des Kolonialamtes (Colonial Office Vote) ist der richtige Ort zur Diskussion über die Verwaltung eines Mandatsterritoriums oder Landes. Col. Wedgwood: Wird die jüdische Minorität in Palästina in dieser Frage dieselben Rechte und Privilegien haben wie die mohammedanisch* Minderheit in Indien? Sir P. Cunliffe-Lister: Mir scheinen alle diese Fragen verfrüht. Bei der Vorbereitung und Konstituierung eines Gesetzgebenden Rates wird^ mit größter Vorsicht vorgegangen und alle interessierten Parteien werden zu Rate gezogen werden. Ich kann jedenfalls meinen verehrten Freund versichern, daß, wie der Oberkommissär in seiner Aussage in der Mandatskommission vollständig klarmachte, ein wichtiger Punkt bei allen zu unternehmenden Schritten der sein wird, daß die Mandatsbedingungen peinlich beobachtet werden. pädagogischen Literatur X Bar*Mizwa // // Ein Unterrlditsbiich Wr leden Jüdischen Knab«n zur Erlernung de* Tefllllnlesens und als passendes Geschenk überall erhältlich f Und bei Irak Henberg, 11/ Karmeliterg« Ufr Eine Erklärung der Welt-Union der Zionisten- Revisiouisten Die Exekutive der Union übermittelt der »Neuen Welt" folgende Erklärung: Das Exekutivkomitee hat in seinem Presse-Statement vom 1, November, in dem die jüdische Oeffentlichkeit über die drohende Parlamentsgefahr in Palästina aufgeklärt wurde, u. a. folgendes geschrieben: „Wir können schon heute von der Absicht des High«Commissioners sprechen, die Basis für ein parlamentarisches Regime in Palfistina zu legen." Das Exekutivkomitee konnte eine derartige Behauptung au! Grund von Informationen machen, die ihm über die Verhandlungen zwischen dem Kolonialamt und dem Oberkommissar während dessen Anwesenheit in London zugingen. Als jedoch die zionistische Exekutive unser Presse-Statement erhielt, machte sie sofort ihren Einfluß auf die jüdische Telegraphen- Agentur und eine Reihe führender Zeitungen danin geltend, daß dieselben den Passus des Statements wegließen, in dein von der in der nahen Zukunft drohendein Parlamentsgefahr in Palästina

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