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Die neue Welt · 1932-11-11 · Heft 269 (11.11.1932) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 269 (11.11.1932)
Date
1932-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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186 wütsbibttothek TU1. UnWcr«tatel»i Wien. Preis 35 Groschen laliffgmg * Wweiiaq, den II* November «-«r« 209 v« b« b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'^ditenr**. R_ n m mm BEZUOSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20. ganzjährig S10.—;Pol«nmonatHchZJoty2.—.vierteljährig Zloty 6.— MM ■ ■ Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Ratnulen monatlich Mmm ■ ■ Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-; Balgarien monatlich'Lewa 40.—, vierteljährig U ■ ■ Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vlertew Wgm \j IM jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, 7el. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Kultuswahl-Grotesken Ein übelberatener Sohn des Hauses Rothschild , Ein. Jahrhundert hindurch war der Name Rothschild in der jüdischen Welt der Inbegriff vornehmkonservativer Gesinnung, philanthropischer Großzügigkeit, jüdisch betonter Haltung. Diesem allgemein anerkannten und berechtigten Ruf hat der Wiener Zweig der Rothschild-Familie einen starken Hieb versetzt. Was bisher in der jüdischen Gasse als Vermutung,, als unbestätigte Moldung galt, das Zusammengehen der konservativen Rothschild-Kreise mit den strammen, revolutionären Sozialismen, hat nun seine Bestätigung gefunden: Die Herren von der Union d e u t s c h ös t e r r e i c hi s c h <e r Juden haben sich im Kampf um die Wiener Kultusgemeinde mit dem jüdischen Ableger der österreichischen Sozialdemokratie, , den . sogenannten „W er k tätigen Juden" verbrüdert. Die weiße Taube des Großkapitals soll Schulter an Schulter mit dem roten'Falken des Sozialismus in die Wiener Judengemeinde einbrechen. Der altehrwürdige Ruf des Wiener Hauses Rothschild hat. erst kürzlich in seinem eigenen, finanziellen Bereich Schaden erlitten. Der Aasgeruch, der sich um die Affäre der Creditanstalt und um den Fall Ehrenfest verbreitete, hat auch das Haus Rothschild nicht verschont, und mit Bestürzung mußte das jüdische Wien wahrnehmen, daß sich die Wiener Rothschilds mit e n t j u d e t e n, halb und ganz ausgetretenen Fäseüren eingelassen hatten, die nur eines verband: Skrupellosigkeit. Dieser Fleck auf der Ehtfj! war,;,,ein Sjgpal,, für die österreichische SozialdemoTcriatie," in .gewöhnt großsprecherischer Weise ^gegen die'S ü n d'en d es Großkapitals loszuziehen, den jüdischen Weltbankier als b ,1 u t gierigen V a mp y i' zu. brandmarken und schließlich sogar — das blieb dem Herrn Allina vorbehalten — in der Art der seeligen Salome das Haupt Rothschilds zu verlangen. Das geschah vor den Augen und Ohren der Massen. ' . Hinter den Kulissen sah es allerdings anders aus. Während die Sozialdemokratie von den Podien herab Zeter und Mordio schrie, verhandelten ihre politischen Schadchonim mit den konservativ - großbourgepisen Rothschild-Freunden von der Union und brachten das Bündnis zustande, das in der politischen Geschichte wohl ein Unikum darstellt, das groteske Bündnis, über das ganz Wien den Kopf schüttelt — bis auf die Wiener Rothschilds, die es scheinbar ganz in Ordnung, finden. Denn es ist heute kein Geheimnis mehr, daß die Wiener Rothschilds dem frischgebackenen Brautpaar Union-Werktätige eine große Wahlfondsspende unter das Traudach legten. Diese Mitgift rsoll dazu dienen, dem nationalen, stolzen, ehrenhaften und legitimen Judentum den Weg in die Wiener Kultüsgemeinde zu verrammeln. Ueberdies kandidiert als Vertreter des Hauses Rothschild Herr Prokurist Bettelheim auf der Liste mit den „Genossen". Die Herren von der Union und nicht weniger auch die Sendlinge der österreichischen Sozialdemokratie israelitischen Kaiibers, die Werktätigen Juden, wußten scheinbar, daß rsie nicht fruchtlos auf Rothschilds Brust und Brusttasche anklopfen würden. Sie fühlten, daß sie sich mit den Wiener Barons in e i n e m Punkte sicherlich begegnen werden: im nicht na t i o n a 1 e n, im antinationalen. Juden, in deren familiärem und bankierem Umkreis; es von denaturierten, assimilierten „Glaubensgenossen" nur so wimmelt, denen jüdische Ehre und Pflicht Fremdwörter geworden sind, fallen den' verderblichsten Ratgebern zum Opfer. Rothschilds auf Seiten derjenigen, die seine Pauperisierung fordern — das ist eine Situation, die über das Gro.teske hina.us ins Tragische wächst. Ein Blick nach Paris könnte die Wiener Rothschilds lehren, daß „jüdischer Konservatismus"'zu etwas anderem verpflichtet als dazu, den Einbruch, volksentfremdeter, nicht jüdischen Interessen dienender Elemente in die Judengemeinde zu unterstützen. Dort'in Paris sitzt der greise Edmonde de Rothschild, dem man wohl «ine Verletzung der;Rothschildscheri IFamilieriträdition :nicht zum Vorwurf machen kann. Er ist kein Heißsporn, kein Chauvinist — aber er favorisiert auch nichtnationale, antinatipnale Koalitionen. Sein jüdisch e s , Herz gebietet ihm, Es gebietet ihm, jedes Geld, das "er schenkt, dem nationalen Judentum, der Wiedergeburt.: des -jüdischen Volkes, zur Verfügung zu stellen, nicht aber der. Machtgier eines politisch-perversen Bräutpaares. D e r-' P a r i s e r R o t hschild ist' wohlb erat en." Bösartige Dummheit In den Versammlungen der „Nichtnationalen Liste" für die Wiener Judengemeinde, dieser Vereinigung von Bankond Börseleuten und Sozialdemokraten und Kommanisten, von Barom Rothschild aus Frankfurt und dem Kommunisten Leo! Rath aus Kolomea, gehört es zur lieben Gewohnheit, daß aionis«tische Zwischeorufer mit den Gegenrufen „Raus mit den Polnischen! — Raus mit den polnischen Saujuden!" bedacht werden. Wer annimmt, daß es sich hier um „Entgleisungen'* aufgeregter Versammlungsteilnehmer handelt, irrt. Das ist nicht unliebsamer Zwischenfall, das ist System. Die Verhetzung zwischen Jud und Jud ist vorbedacht, gewollt. In einer der letzten Versammlungen der „Nichtnationalen" leistete sich der Referent Regierungsrat Dr. Lenk den Ausruf: „Zwischen West- und Ostjudentum muß der Trennungsstrich gezogen werden!" . Herr Regierungsrat Dr. Lenk (Kenher behaupten, daß ihm eine gute Fee den Namen Löwy in die Wiege gelegt hatte) ist nicht irgend jemand, sondern Wahlleiter und Vizepräsident der „Union". Was er sagt, ist also eine Losung, entlehnt vom Radauantisemitismus, der auch das „Raus mit den Polnischen!" als wirksamste Waffe betrachtet. Dafür steht aber im offiziellen Programm der „Nichtnationalen" fettgedruckt der Satz: „Wenn Ihr das Band zwischen den Gehieindoraitgliedern und ihrer Repräsentanz i m m e r inni g e r gestalten, wenn Ihr die Einheit der ehrwürdigen Gemein.de aufrecht erhalten wollt, dann wählet die „Nichtn^^onäle Liste-'. Wenn man in Betracht zieht, daß gute 40. Prozent der Wiener Judenschaft aus dem Osten kommen, so kann man sich lebhaft vorstellen, wie einigend der unionistisch-werktätige Trennungsstrich auf die Gemeinde wirken muß. Und wie sauber dieser Trennungsstrich gezogen ist, geht aus einem anderen Umstände hervor. Neben dem trennungssüchtigen Redner saß auf der Tribüne Herr Leo Rath, Vertreter der werktätigen Sozialdemokraten und Mitkandidat des Herrn Regierungsrat Lenk, gebürtig aus Kolomea, vor zirka zehn Jahren von dort nach Wien gekommen. Mäuschenstill saß er da, als ginge ihn die Sache nichts an, als käme er aus Paris. Ein echter, rechter Moschko. So nennt man in Polen "Juden, die sich vom polnischen Herrn treten und anspeien lassen und ihm nachlaufen, ihm nachkriechen. Der Vertreter der großen sozialdemokratischen Partei — ein Moschko, der sich ruhig besudeln läßt, und nicht einmal von einem großen polnischen Adeligen, sondern vom kleinen Herrn Lenk- Löwy aus der „Union". Juden! Wählet die „Nichtnationale Liste", wählet die Liste Lenk-Rath, wählet den beredten und ehrlichen Herrn Lenk und den ehrlichen und schweigsamen Herrn Leo Rath und ihr werdet würdig vertreten sein. * Die Verhetzung zwischen West- und Ostjuden ist eine ganz bösartige Dummheit. Sie entstammt der feigen, törichten Vorstellung, daß > der v West jude sich in der Weise schützen kann, daß dem Antisemiten der Ostjude zum Fräße hingeworfen wird. Lieber, guter AntisemitJ Friß nur meinen Bruder aus Kolomea. Laß dafür , mich, den Juden aus Komotau, in Ruhe. Aber der Antisemit will das „Geschäft" nioht machen. Er will beide haben. Wenn die Hakenkreuzler auf der Universität den jüdischen Studenten die Köpfe und Rippen einschlagen, treiben sie keine geographischen Vorstudien, fragen nicht: „Ist der Herr aus Kolomea oder aus Komotau?" Sondern sie hauen... - Der Zionismus will nicht trennen, er will einigen, weil in der Einigung Klugheit und Würde Alle 'im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. / ANTHRACIT hüchater Qualitäten BÄSCH, IV. Argentlnlerstrafte 32 T«l.: Serl« U-47-3-40 DAMPFBAD fördert am angenehmsten und Wirksamsten STOFFWECHSEL ü, DAMPFBÄDER m DIANABAD sind weltberühmt, unerreicht an Größe, Eleganz und Zahl der Räume und Bassins, Komfort und Hygiene und trotzdem ßlLLICX Im Abonnement (5 Karten) nur S 2»a per Bad HÖHENSONNE/BESTRAHLUNG gegen S 1.— Zuschlag ist. Im Zionismus haben sich West -und Ostjuden zusammengefunden, haben der Welt das ehrfurchtgebietehde Bild jüdisöli'er Einigkeit in Arbeit und Kampf -gebeten^-Stittdie Wiener Judengemeinde dieses Bild bieten — oder soll sie im Zeichen des »Trennungsstriches" verwaltet und ruiniert werden? Werktätige Herrschaften unter sidi In der Gruppe der sozialdemokratischen „Werktätigen", die jetzt in geschlossener Front mit" der kapitalistischen „Union" gegen die böse „Zionistische Liste" kämpfen, herrschte nicht immer holde Eintracht; Vor zwei Jahren gab es dort einen Kampf, der wenig erbauliche Enthüllungen mit sich brachte. In Nr. 18) Juni 1929, der „Mitteilungen der Vereinigung werktätiger Juden" findet sich ein Brief des Genossen und Kultusvor* Stehers Josef Grünhut an den Obmann der .„Werktätigen" Kultusvorsteher Gustav M o r i z, in welchem es u. a. heißt: „Meiner Weigerung mit Bezirksrät Hirschfeld gemeinsam zu arbeiten, ja auch nur an einem Tische zu sitzen, liegt folgender Sachverhalt zugrunde. Während des Wahlkampfes (um die Kultusgemeinde!) erst erkannten meine Freunde und ich, daß Hirschfeld als Mandatar für die Kultusgemeinde und als Führer der „Vereinigung werktätiger Juden", nicht der rechte Mann sei, weil er für das Judentum erst Interesse zeigte, als ihm die Möglichkeit der Erlangung eines Kultusvorstandsmandats gegeben erschien. Nach der Wahl erschien in : der „Roten Fahne" ein Artikel, worin die Wahl Hirschfelds zum Kultusvorsteher glossiert wurde, da er gleichzeitig Vorstandsmitglied der Freidenker sei. Als _ . nun meine Freunde und ich erklärten, daß es unmöglich sei, Hirschfeld die Führerstelle in der Vereinigung werktätiger Juden einzuräumen, begann er den Kampf gegen uns und fand sofort Unterstützung bei jenen Mitgliedern, die auf der Kandidatenliste nach mir figurierten, das waren Stern, Rath, Löwy und Kramer ♦. .M „Die Leitung besteht nun aus vier Prominenten: den beiden Madatareh M[ o r i z und H i r s c h f e 1 d, - dann Dr, Josef Löwy-und Jakob Eisenberg. Den beiden letzteren kann ich aus anderen Gründen Vertrauen nicht entgegenbringen. Der feine hat statt der für Inserate eingegangenen Barbeträge dem " Drucker auf sich ausgestellte Akzepte an Zahlung! Statt gegeben, der andere war Während . des Krieges prominenter Konfident der Heeresgruppe de3 Obersten Fischer in der Bukowina. Mit Kriegsende und Beendigung dieser Tätigkeit wagte er nicht mehr in seine Heimat zurückzukehren und blieb uns als Wiener erhalten. Ich glaube, all dies genügt.. Wir glauben auch, daß das genügen — sollte! Zum besseren Verständnis sei festgestellt! Der „FreU

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