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Die neue Welt · 1932-10-21 · Heft 266 (21.10.1932) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 266 (21.10.1932)
Date
1932-10-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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18* Titl. Universitätsbibliothek Wien. I. Preis 35 Groschen Jflfirgang 6 P*tog, rfen 81* Oktober 1931 JHNf Zeitung durch Verleget V.b.fc. DIE HEUE WELT R E V U E Tscbeehoafewak«! .ihot&rttl Lei 40.-. vierteljährig Lei Lewa ,120.-; Italien mocatlfcb (Jhrig Schweiz* Ftaitef 4U» lonatHch S 1.50. vierteljährig S 4.20. Rani "teyahH« Kc 15.—; "---'—*------ ._.. „_ja«hrig S16.- {Polen monatlich Zloty 2.--, VierteHM!irtg ^lotT8.--?*»!,,?,ri«,'m™Ä- W lt'-» v^rteljährig Dinar «.-; Rumänien monatlich ■flf vierteljährig, Mark 3.-: Bauarten monatlich iew» 40;-, rierteljahrlff •; Schweiz und die übr igen Lander monatlich Schweizer Francs 1^ vfertel- HER AUSGEB ER ROBERT* STRICKER Redaktion a.VtruMijf**: Wimn IX, Universttätsstr. 6-8, 7 ei. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Mittwoch, dm ae. Oktober, um halb 9 N, TaberttraBtt 0 Uhr abaiMlt im Safere»*» Hotal Conttnantal, OroBe Kultuswähler ung R e' f er e nteo: Dr.D. Friedmann, Oberbaurat Robert Stricker, Dr,J. löwenherz Juden erscheinet in Massen! Das Zentralwahlkomltt-e < „llonlstlschcn ütfi" -Per jüdische Student int Machtkampf der Parteien Wden, 19. Oktober. Die Pojitik der Straße hat bekanntlich im Wiener ProieiaTieribg^rik Simmerinig zu einer blutigen Auseina-ndersetiDung zwischen Nationalsozialisten und dem sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund geführt. Es gab Tote und Schwerverletzte. Polizei und Gericht werden das Maß der Schuld auf beiden Seiten festOTßted'len Iiaben. Der Zusammenstoß : geschah, wie gesagt, „draußen, in Simmering'' . zwischen zwei pölitischen 'Parteien. :;; . ■;,Am, näol^tejpi;Morigje4. zjr früher Stunde; scHossen sich , di,e,Pforten "der Hochschule, für. Welthandel, nach einem Meinen ^^rinfeei;^u«ib'- :#ie, .der. .^ßcbailuvJlliö ': des 13.,, NoveniJber, •ßmtiß?- . fy&i&i; von. SÄ^riogentfefriit, . machte ncfoh eine AnsV nätime.' jlliier,; wo die itiekriptiorie'n;'Mr':''^a«7:Öeri^stsemesier ka Gang., waren, stünzten sich nach altbewährter, kalendarisch geregelter Sitte die haken« kreUiZilerischen Studenten auf;ibre jüdischen Kollegen und Visohiluigen sie unter dem R<uf „Rache für Simmering" blutig. „Rache für Simmerinig!" War. können zwar beim besten Willen einen Zusammenhang zwischen der Schießerei in Siramering und den Inskriptionen an der Universität nicht , finden, aber d^n antisemitischen Radaustudenten paßt jeder Widersinn in den Kram, wenn sie nur ihre terroristischen Methoden gegen den jüdischen Studenten anwenden . können. Und ,' ihre Presse Hat' die Stimmung des blutigen Sonntags bereits v o r den Vorfällen eskomptiert. So 'schreibt die „Dötz" (Deutsohösterreidhafiphe Tageszeitung") am Morgen des Sonn feig, unter dem Titel „Mordikommune will den Sianmeranger Bezirkstag stören": ,Jn wochenil^ngen Beratungen hat das . unter . jüdischer Herrschaft.-; organisierte Verbrechertum unserer Großstadt (gemeint sind diesmal die Kom- ' munisten!) beschlossen, . . . mit den Naad endgültig aufzuräumen. Die jüdischen Schurken und ihre inord- ' lüsternen Nachläuter usw.u : Der den Massen seit Jahr und Tag eingetrichterte R1.* „Der Jud!ist sdhuld!" wird hier in geradezu bes-f/ialischer Weise; zuir Äufpeitsohnng des haken-; kr etherischen Geniüts verwendet. Es Megit uns fern, den Hüter staatsibaingenlicher. Rechte angesichts solch hysterischen Unsinne, aufzuraffen oder uns darüber zu beklagen, daß solch' tückische Drohungen am hellichten Tag ungestraft durch die Straßen Wiens hallen können. Wir sind gegen diese. Methoden schon abgestumpft. Aber, eritwa6 anderes enthüllt sieb im Nebel der hakenikreualerischen Verileumdungskaniipagne. Der' Bärin;'der der Wahrer akademischen Guts und wissenschaftlicher Werte sein sollte, der Universiitätsrektor Dr.* Öth^'nio Ab e l,' hat im Zusammenhang mit der Sinlmeriiiger '• Affäre ' die U n i v e r s i t ä t e e 1 b s t '• wm Tummelplatz''pbPiSohen Maqlitkanip'fes gemacht. Aus dem Umstand, " daß seine nationalsozialistischen Hörer jüdische Studenten aus der Aula geprügelt und an der Inskription''gewaltsam gehindert haben, ziehit Seine Magnifizenz keinerlei Konsequenzen. Er schließt'die Pforten des Leunluvuses,; am sich mit de« Hoohsohttiern, deren »iph ab der Sintmeringer Schießerei „eine begreifliche' Erregung" hejnäohtdgt' habe, solidarisch aü 'er-, klären,' und fordert "von der -Bundesregierung1 „aus* reichende Sicherheiten" — nicht etwa zum Schutz eines üngeetörten akademischen \ Betriebes, sondern dafür, »daß sich derartige Vöpf^lift,.' wie 'irie'.' «icli in Simmering wei^eH haben, nicht wiederholen'*. Nooh ei^al sei's |e^t: Die jüdischen Studenten haben mit den Exzessen' ^ziwfeohen Nationalsozaalisten und Sozialdemokraten' ^iiäu so Viel aü tun wie etw& mit den Uebersohweinm'ungen in Oiina. Sie wollen studieren, ihre Prüfnngen' machen und 6i6h ausrüsten für den Lebenskampf. Ihr ^Idealismus ist so stark, daß sie sich durch Not. und Ö unter den erschreckendsten; Entbehrungen die Jabre des Studiums durchhalten. Und! die: die größten Opfer; um ihren S^nen :^öbhterin eine Existen/zbasis zu-ermög|ic|ien| , ,\ . ... , . - ., , . Die ■ jüdis^ habe^;|n^^r^46sender Zahl den Trennungsstrich ^zwischen sich ünd den diversen politischen* S^ti^äögen aut j^er ^:^.ij|a ..gezogen. Es giib^ liier kein SoK^aia&en, kein Dane-oengreilen, kedh; Verdäditdgmachen. Ä^nttich der'-iF-r«Sger>de« zu _ ,jinsWllier'end^^ liat die jüdfebhev Hörer- - diäiß,ft'j^e^tpossen' ihf BekfÄn4ni6..;z^. einer.;.: n%fiq-.;. *ä;iyn^Bailsordnünig a^i färt';c^erreiÄcW 'H^fen-' DAMPFBAD wirksamst CcCCxC!Nf RHEUMATISMUS o«e DAMPFBÄDER im DIANABAD sind weltberühmt, unerreicht an Größe; v Eleganz und Zahl der Räume und Bassins, Köhifort und Hygiene BILLIG und trotzdem fm Abonnement (5 Karten) nur $ 2*" per Bad H ÖHENS O N N E-BESTRA HLUNG gegen S 1.— Zuschlag schulen niedergelegt. Diese HÖferaohaft alle ihsfe Kräfte sammeln, um den unbaitbaren bewittßtetf' Nfflß* djpujtunjgen, und brutalen. v antijüjdisohejB; Ajttack.^n;. eü Sin/Jüchen. Sie wird energisph, foidetni d|Ä^U^» beseitigt wird,' was", sie im, ,Maoh^am^;;dtt;^ we^er 'zuä' ^rügelk^n^ . '• Kommunisti§die Provokationen - Jüdische Jugend > Kri^e und Hoffnung Immer wieder .mahnen uns Zeichen« an das jüdische Problem mit offenen, keinem Kompromiß geneigten Blicken heranzutreten. Wir können uns nicht mit gewissen oberfifichlichen Feststellungen begnügen: mit der Feststellung seelischer, .moralischer, materieller Krisen, die die Unruhe unserer» Zeit bilden. Es heißt die Dinge klar erkennen, um auf dieser Erkenntnis die Ho ff. nung aufzubauen. B e*.c h ö n igen wir nich t, blicken wir der Wahrheit ins Au gel, Und die Wahrheit ist: Ein Teil unserer-Jugend da und dort ist im Begriffe," der kommunistischen Ideologie zu erliegen, ja, sie verwirklieben zu wollen. Sie" stürzt sich in ein Abenteuer, in einen Traum, dessen Erwachen fürchterlich sein^muß. Aber ein^Ti^m verscheucht die Qualen des Ä^irtags,ydie Hoffjn^ngs^sigkeit,:die sie,' die jüdische Jugend, um sich sie^t: jfein Ausweg aus der täglichen Not, Keine Existenzmöglichkeit — weder im manuellen noch im geistigen Beruf! Kein Ideal im Herzen! Keine Chance eines Aufstiegs und darum die Neigung, sich ins Uferlose, Chaotische zu stürzen — ins Meer des Kommunismus. ' : 1 Wir wollen zur - Auffrischung;; unseres Gedächtnisses einige symptomatische Ereignisse festhalten. GaluthrKommrinisinus In den verschiedentlichen kommunistischen Prozessen in R ü m ä n i e n und p o. 1e n w*rcn es fast drei Vierteljüdischer Jugend^ich«rt die, auf der Anklagebank saßen: aus der Bahn gelenkte, fanatisierte Ghettofiguren, denen die Not aus den A|iii|en'sah,* Menschen,; die'den Zusammenhang mit ihrem^Volkstum verloren hatten und aus der Zertrümmerung defr gesellschaftlichen Ordnung fiir sich etwas erhofften.;' | - Blicken wir auf die^ jüdische Maesensiedlung in Saloniki. Hier*gab es noch vor einigen Jahren nationaljüdisch gerichtete Mensen mit jüdischer Führung und jüdischer Presse. Bisher!wat■'■] djle Salonifaer Judenheit durch drei Zionisten vertreten. Die letzten Wahlen in das Parlament und' in den Senat bezeugten die Verwüstung, die die kommunistische Agitation hier ange- Alle im redaktionellen Teil befindlicher» eotgelt« Mehett Notizen t'nd durch ein beigcfügtea E bezeichnet richtet hatte. Obwohl die Juden Im Besitz eines eigenen jüdischen Wahlkatasters waren und ihre poljtu* sehe Willensmeinung ungehemmt zum Ausdruck bringen konnten, wurden 2 Kommunisten und 1 Antizionist gewählt. Das war das Wahlresultat im jüdischen Saloniki; — unter der Parole der „Umschichtung" der jüdischen Massen. Der Weg der jüdischen Jugend zum vo&sfremdeh Radikalismus und Extremismus geht weiter. Nicht'die schlechtesten Elemente unter den jüdischen'Jungen und Mädchen fallen ab. J u g e n d 1 i c h e, die* in den Reihen der zionistischen Jugend standen, wenden ihnen den Rücken; andere folgen schon in den Kinderschuhen den kommunistischen Schlagworten.' Es ist das eine Erscheinung, die wir selbstverständlich auch bei den internationalen sozialistischen Gruppen beobachten können. Diese Entwicklung wird selbstverständlich auch von den zionistisch-sozialistischen Organisationen mit Besorgnis betrachtet und diese haben, wie wir schon mehrfach berichteten, sich gezwungen gesehen, einzelne Mitglieder wegen kommunistischer Betätigung auszuschließen. Es fehlt den zionistisch-sozialistischen Organisationen gewiß nicht am guten Willen und nicht an der entsprechenden Einsicht, hier einen Reinigungsprozeß in die Wege zu leiten.. Aber das Temperament der Jugend begnügt sich nun einmal nicht mit einem halben Marxismus. Allzu gern kleidet sie sich in dl« Farbe der „Revolution", um sich dem Umschwung ahiu» passen, von dem die'bolschewistische Phraseologie faselt. Es; ist Galüthstimmung, Galuthverzweiflung. Aber bei der Unterminierung der jüdischen jugendlichen Seelen in der Galuth bleibt die kommunistische Agitation* nicht stehen. Sie versucht jetzt den Stoß ina Herz, den Stoß in das Zentrum neuen jüdU s che n L e b e n s, in das jüdische P a 1 a* s t i n a.; Der Stoß ins Herz *i Als vor dem Baseler Zionistenkongreß vom Jahre 1931 ein palästinensischer Arbeiterführer davon sprach, daß seine Freunde sich darauf vorbereiten, den jüdischen „Kapitalisten*- Boden, Häuser und Ernte wegzunehmen, versuchte man allenthalben, dies als eine Entgleisung, Uebertreibung, alt Ausfluß jugendlichen Temperament«

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