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Die neue Welt · 1932-09-23 · Heft 262 (23.9.1932) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 262 (23.9.1932)
Date
1932-09-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ICI » Titl. Universitätsbibliothek Wien. I. Preis 35 Groschen fahrgang 6 Freitag/ den 23# September 193t Nr« Ml V. b. b. REVU E BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich Tschechoslowakei monatlich K<J , \ Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—J OetttschfuinJ 'monatlich "Mark 1.—, vierteljahrig Mark 3.-: BulgarienT monatlich Lewa 40.—. vterteliährte Lewa 120»—; ltalfen monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Sehwelz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierte? jährig Schwerer Francs 4J» HERAUSGEBER ROBERT STRICKER Redaktion n. tew«0n»f .• Wen IX, Universitätsair. 6-8, 7 ei. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag NATÜRLICHSTE UNO ANGENEHMSTE, KÖRPERGEWICHTS-REGULIERUNG; GESÜNDESTES VERGNÜGEN DAMPFBAD KOMBINIERT H mit SCHWIMMBAD bzw. Wellenbad Im DIANABAD WIEN, AN DE R MÄR ENBRUCKE / TEL. A-47-5-20 ALLE MODERNSTEN EINRICHTUNGEN ABON MRMgN rppgi q g; 5 KARTEN GILTiG l;MONAT I. KLASSE . . . . . S 17.-- ♦ ♦ ♦ II. KLASSE ... . . S 14.- Ei'n schmerzloser Verlust :±,; .Im Leitartikel des ,,HaTp^ger/iFarai1ienöf'itt" '^^li^:Mm^:l9^^\i>-^ .di&MnV derRegi*ruq& JHapen # geplante V e 'Igprgerliqheir Rechte der reiol^^iri^lfen' lüden beeinträchtigt;: Verfasser : & Äj^fk«]«' 's* 'derfiriihere Pressechef der preußischen. Regierung, Ministerialrat Hans Gyo s1 a r, der jetzt wegen seines Judentums aus dem .Amte scheiden mußte. Im ällgen^ineii; mennt Herr Goslar, würde die Verfassüngsrefbrm den. Juden wenige Nachteile bringen, aber in einigen''Punkten schädigt sie jüdische Interessen. So im Punkte „Waihlireform". Herr Goslar schreibt: . , •. , jjAn der Frage einer Herabsetzung des ..Wahl a 11 e r s sind wir als Juden nicht in-ter- . essiert. Etwas anderes ist es schon, ob nichtt aus der . .beabsichtigten A b s c h a f f u n g ,d e s , L i s t e n s y s t e m s und . der, Wiedereinf iinrung i des alten W.a h lk r e i s s y s t e m s 1^ a c h t e i 1 e für uns kommen können. Im Rahmen des Listen- -: Systems, bei dem ja der f r e i e n W i 11 e n s b e- . e t i m m ung des Wählers kein Spielraum _• gelassen ist, ist es zum. mindesten; theoretisch . immer möglich, daß, auch in Zeiten anitisemiii- _ -scher Hochspannung eine Partei j.üdrsche K an di.da.te n an einigermaßen noch aussiohts- : reicher Stelle m ii a u f s t e 11 i. Vor allem aber Rietet die . Rei ch sl i sie, die zumeist g'a h z u n bekannt, b 1 e i b t. und , deshn'llb einer etwaigen, antisemitischen Kritik, der Wähler f a s,t ^n t z o g e n ist, eine solche^ Möglichkeit. Kommen .jetzt nun wiederum die Wafij- . kreise, in denen - sich jexler ei n ze 1 ne IC an-j d;i d a t, durch stärkstes, persönliches Heryor«? treten und Einsetzen ■ sein Maindat e r ob.er'n muß, sp .-wird es, wenn sich die Volksstimim.ung nicht grundlegend ändert, ganz besonders schwer sein, einem jüdischen Kandidaten in einem Kre"-»» zum Siege zu verhelfen V . V' * ' , ..-•'•*' . ' ' ' : ''" ' ' . .Diese Auslassungen des Herrn Goslar sind danjftchl angetan,.^jedes;.-. •aatiisem^tiisph-ö.. Ijierz vor Fteivden; hüpfen, zulassen .;?. . Seht jdech^den J,u;den] Er;: beklagt es, daß mau dem^ojbris/tlichen Wähler wie/der; f r.eJe B.e s t i m m u.n.g .gpj n es W i 1l e n„s.;gpwiä^re;n, daß; nnan> die-, judischen Kajndidätejin: zwingen;;w!i'U, Farbe. ,zi); be kennen. Er be.kiagt es, daß man dem christlichen Wähler nicht mel^eine/Liste aufdränigenr ikanni'die er überhaupt n i,c h t k.e.n n t, .n-ichl mehr einen jüdischen Abgeordneten aufhalsen kann, dessen Existenz Üh'nv ,>z wia e i s t t g'a'n z: u n b e k'a n n t b l e i bt"!.Er beklagt es, daß der Jude nicht mehr anonym ein Abgeordxietenmaradat erlisten kann, sondern dnß er sein Mandat mit offenem Visier erkämpfen, durch ,',p e r s ö n 1 i c h e s Hervortreten erobern" muß. Und zweifelt daran, daß so etwas m Deutschland überhaupt möglich ist. Was für Begriffe von poliitischer Ehrlichkeit hoben diese Juden Deutschlands und gar dieser jüdische Ministeraalrat Goslar? Uüfl haben wir Antisemiten niöht recht daran getan/1 diesen Mann von einem wichtigen staatlichen Anke «u entfernen?! * Es ist das Zeichen einer ganz trostlosen Geistes- und Gemütsverfassung, wenn ein Jude von den Qualitäten Herrn Goslars — und er hat große Qualitäten — in einem ernsten jüdischen Blatte solche Gedankengänge Verfölgen kann, ohne mit dem Schamgefühl! des Blattes, seiner Leser und — auch dem eigenen Schamgefühl in Konflikt zu geraten. Die Unibefangenheit^ mit welcher Herr Gosliar die Tatsache hinnimmt und begrüßt, daß Juden ihre Mandate erschleichen, von ihren Parteien nur hinterrücks und verhüllt ins Parlament geschmuggelt werden, die Unbefangenheit, mit welcher er die Möglichkeit der Beendigung dieses Zustandes als „e inen NachteiT f ür uns Juden" bedauert, zeuet von erschreckend wenifi: Würde. Der Umstand, daß Herr Goslar' der zionistischen Organisation Deutschlands nahesteht oder gar angebört, macht sie noch ünb&igreiiflicher. K Das Bedauern des Heran Goslar ist aber nicht nur unwürdig, es ist in gleichem Maße urivernüniftig. Wann und wo hat das Judentum einen Nützen daraus gezogen, daß Juden unter Verhüllung oder Verleugnung ibres Jitdenlnins ins Parlament' einge- ^*e^n~-sind^^;^'W^;es' ge-,: erntetv Es; ist schändlich und s^ä^dtröb;för;-iein Volk, für eine Ge^meinschaft, -wenn gerade seine charakt'erlosesten Söhne auf der politischen Tribüne stolzieren dürfen. Welchen Begriff bekommen dann die anderen Völker von der Ehrenhaftigkeit dieses Volkes, .d ieser Gemeinschaft! Wie benehmen sich solche Emporkömmlinge denn als Parlamentarier? Um. das Mandat zu bekommen,, miußten sie ihre. A'J>stanimii/ng verleugnen, verstecken, das heißt, sie. mußten das größte Qpfer. an Würde und Charakter bringen, das ein Mensch zu bringen vermag. Um das Mandat zu behalten, Achtung i Achtung I Grose Persertepplch OhKasion Zu Beginn der jetzigen Saison werden herrliche echte Persertepplche von Quali ät, fabelnaft n Faiben sowie Dessins in grotter Auawanl zwecks Reklame bis 50 Prozent reduziert Tepplohhaus „0RIEM V1 prostituieren sie sich mehr und mehr. In den Parlamenten Deutschilandis und Oesterreichs gibt . es zwei Dutzend und mehr solcher „jüdischer" Exemplare, die durch wiederholten Wechsel der Nation und Konfession und Verstecken ihres Judentums emporgekommen sind. Wo sind sie, wenn es gilt, die jüdische Ehre und Sicherheit zu schützen? Weiter vom Schusse; als irgend ein anderer. Wenn sie aber doch zu jüdischen Angelegenheiten Stellung nehmen müssen, dann in antijüdischem Sinne. Das ist der Nutzen, das ist die Ehre für das Judentum. Lieber gar keine „jüdischen" Vertreter, als solche. Das. Bedauern des Herrn Goskr ist fehil am Orte. * Der Jude muß auf politisch anständige, ehrliche Art, das heißt als Jude, ins Parlament konymen. Nur dann können seine Anweseniheit und sein Wirken in dieser Körperschaft für die Juden von Vorteil! sein. Wenn ein Jude auf jüdisches Pragramcrja mit jüdischen Stimmen gewählt wird. Wenn er auf. Grund eines Wahlbündnisses von' jüdischen• und nicht jüdischen Parteien unter Betonung, seine« jüdischen Sföhdpühktes "zu einem Mandat gelangt. Wenn er 6twa auf Grund eines Programms all^ meiner Nätür. auefi um nicht jüdische Stimmen wirbt, seine 1 nicht jüdischen Wähler aber keinen Augenblick darüber im Zweifel läßt, daß er dein jüdischen Volke angehört und im gegebenen Falle; die Ehre und das verletzte Recht seiner jüdische^ Nation offen verteidigen wird. Wenn ein Jude auf diesen Wegen zu einem politischen Mandat kommti dann kann er für das jüdische Wohl und das allgemeine Wohl wirken. Anders ist es um jeden Stimmzettel schade, um jeden jüdischen und jeden nichrtjüdischen. Robert Stricker. GenlimBereididerjüdisdienPoIieik Der jüdisihe Weltkongreß In der letzten Zeit ist in der jüdischen Welt der Name „G e n f" mit besonderem Interesse genannt worden. Zunächst deshalb, weil die vom American Jewish Congress initiierte j ü d i s c Ii e " W e 11 k o n f e r e n z in Genf tagte und von hier ihre Stimme in alle Länder der Galuth erschallen ließ. Auf dieser Konferenz in Genf ist bekanntlich im vergangenen August der Beschluß gefaßt worden, den Jüdischen Weltkongreß für das Jahr 1934 einzuberufen. Was anläßlich der Weltkonferenz dort von den führenden Persönlichkeiten gesprochen würde, gibt uns die Perspektiven einer neuen Vertretungskörpersdialt, die die Aufgäbe hat, „den Kampf in allen Fragen des jüdischen Galuthlebens im Sinne der nationalen bürgerlichen und. menschlichen Rechte zu führen", wie es einer der Initiatoren der jüdischen Weltkonferenz jüngst präzisiert hat. Man wird sich erinnern, daß manche Kreise ihre Teilnahme an der Weltkonferenz absagten, daß manche jüdische Organisationen ablehnten, ihre Vertreter zu entsenden. Nichtsdestoweniger, das ist heute klar, hat die Konferenz bei den jüdischen Volksmassen die allergrößte Resonanz gefunden und die Idee des Weltkongresses; wie die lebhafte Diskussion in der gesamten jüdischen Presse und in den Versammlungssälen beweist, hat sich die Seelen von Millionen Juden erobert. ' Nun geht das in Genf gewählte Exekutivkomitee und das von der Konferenz eingesetzte Büro daran, den Weltkongreß vorzubereiten. Der ehrenämtliche Leiter des Büros, Dr. Nahum Goldmann, hnt in einer Erklärung die einzuhaltenden Richtlinien festgelegt. In allen Ländern sollen Landeskomitees ans Leben gerufen werden, die den Gedanken des Weltkongresses propagieren und die Wahlen zu ihm vorbereiten sollen. Im Verlauf des Winters sollen diese Komitees überall gebildet und der Gedanke des. Weltkongresses in die weitesten Kreise getragen werden. Im nächsten Sommer soll danieder, Vorbereitende Rat des Weltkongresses zu einer Tagung zusammentreten, die alle Details fixieren und die letzten Vorbereitungen treffen soll für den Weltkongreß, der spätestens im Früh iahr 1934 stattfinden wird. Alle. im redaktionellen Teil betindltchen entgeltlichen Notizen a'nd durch ein beigefügtes £ bezeichnet lieber den inneren Aufgabenkreis äußern sich in einer, Erklärung der Ehrenpräsident des American Joint Cohgress, Stephen Wise, und sein geschäftsführender Präsident, Bernard S. Deutsch. Jeder Aspekt des jüdischen Lebens, jedes jüdische Problem wird in das Programm des für das Jahr 193* einzuberufenden jüdischen Weltkongresses einger schlössen sein. Wir sehen in dem kommenden Kongreß ein Forum, auf dem eine einheitliche Behandlung aller extprnen und internen Probleme des jüdischen Lebens in öffentlicher und ehrlicher Diskussion stattfinden wird. Kein jüdisch es Problem wird von dem Kongreßtribunal ausgeschlossen werden. Ebenso wird kein Teil der Judenheit ausgeschlossen bleiben, es sei denn, daß er sich selber ausschließt. Wie immer sich die Dinge bis zum Jahre 1934 entwickeln mögen, jedenfalls ist klar, daß von Genf aus die Parole, die „Jüdischer Weltkongreß" heißt, in die Welt geworfen wurde. Der Aktionsradius des Revisionismus Die V. Weltkonferenz der Zionisten- Revisipnisten hat bekanntlich den wichtigen Beschluß.'gefaßt, das Weltbüro der revisionistischen Union von London nach Genf zu verlegen. Dieser Beschluß hat das lebhafteste Echo auch in, der nichtjüdischen Weltpresse erregt. Man ist sich darüber klar, daß dieser Entschluß von nicht geringer Bedeutung sein kann. So stellt unter dem Titel „Neue Internationale in'Genf" das politisch bedeutende „Journal de Geneve" in seiner Betrachtung über die revisionistische 'Weltko'nferenz mit Beziehung auf diesen Beschluß festt ' „Dem Beschluß der Wiener Revisionisten-Kon- . ferenz liegt eine politische Idee zugrunde., Von je haben die Revisionisten der Zionistischen Exekutive vorgeworfen, sie sehe den Zionismus als eine .lediglich jüdisch-englische Angelegenheit' an und verstehe es . nicht, die übrige Welt hinreichend für den Zionismus zu interessieren.. Die Revisionisten glauben, daß sie von Genf aus einen größeren Wirkungsradius über d|e Welt . haben, werden und daß dadurch der zionistischen Bewegung ihr britischer Charakter genommen werden wird. Sollten in Zukunft die Revisionisten auf einem zionistischen Kongreß die Mehrheit erlangen« so werde die Zionistische Exekutive automatisch in

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