Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 261 (16.9.1932)
- Date
- 1932-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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X,«. Vin—^tsbibUothck Wien* f- PrfilS 35 GrOSChen lalwgawg 6 Freitag, den 16* September 1932 Nr* 201 V. b. b* REVU E jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBE Rr ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr, 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag NATÜRLICHSTE UND ANGENEHMSTE, KÖRPERGEWICHTS-REGULIERUNG, G ES Ü N D EST ES VERGNÜGE N DAMPFBAD KOMBINIERT mit SCHWIMMBAD bzw. Wellenbad im DIANABAD WIEN, AN DER MAR.ENBRÜCKE / TEL. A-47-5-2Ö ALLE MODERNSTEN EINRICHTUNGEN ABONNEMENTPREISE: 5 KARTEN GILTiG 1 MONAT I. KLASSE . . . . . S 17.— ♦ ♦.: II. KLASSE . . . . S 14.- Äussdtließeii ♦ ♦ ♦ ................. Die JWiener" Weltkbnfercnz der Zioniste^Rivision^e£\$at *dijg; Jzjfc^ Spaltung' bewahrt.. Sie .hat die- Griinjdupg einei „Unabhängigen Zionistischen. Organisation". verhindert. Die Politik der engeren Anhänger Professor Weizmarins und der mit ihm verbündeten sozialdemokratischen zionistischen Arbeiterpartei, hatte die Bedingungen für eine Spaltung geschaffen. Preisgabe des Juden.staates als Ziel der zionistischen Bewegung. Verzicht auf die jüdische Majorität in . Palästina. Ersatz der Herzischen Ideale durch ein „geistiges und kulturelles Zentrum in -Palästina". Knechtische Politik gegenüber einer antizionistischen englischen Regierung und ständiges Zurückweichen vor den arabischen Chauvinisten. Entnationalisierung der Zionistischen Organisation durch „Erweiterung der Jewish Agency", d. h. durch Einbeziehung von nichtzionistischen und n i c h t n a t i o n a 1 e n Elementen in der Leitung der Bewegung. Preisgabe der zionistischen Fonds an die Zwecke der klassenkämpferischen Linken und, Fernhaltung aller auf dem Boden des Judenstaates und* der nationalen Einheit stehenden Elemente (revisionistische oder misrachistische Jugend,.Mittelstand usw.),vom Verfügungsrecht. über die« zionistischen Fonds. Vernachlässigung, ja , Verächtlichmachung der auf . Privatinitiative beruhenden jüdischen Kolonisation, der die großen wirtschaftlichen Schöpfungen in Palästina ihr Entstehen verdanken, zugunsten einer bürokratischen, scheinsozialistischen Defizitwirtschaft. AU diese Momente haben, man kann sagen, begreiflicherweise, in einem "gewissen Teil der zionistisch-revisionistischen Organisation eine Stimmung der/Verzweiflung, des Unglaubens an die Möglichkeit weiterer Zusammenarbeit mit dieser Zionistischen Organisation, eine Stimmung für die Spaltung, für die Bildung der „Unabhängigen Zionistischen Organisation" erzeugt. ' : Aber die Mehrheit der Zionisten-Revisionisten hat den Gedanken der Spaltung abgelehnt. Sie will in" der Zionistischen-Weitorganisation, der Schöpfung Theodor Herzls, verbleiben, in dieser Organisation-für,die Herzischen Ideen kämpfen, diesen .Ideen die Organisation zurückerobern. Nach hartem Kampf. ist es gelungen, auf dar-, revisionistischen .Weltkonferenz .diese Anschauung durchzusetzen.. Die unabhängige ■ Organisation, d. h. die Organisation, i welche die Zugehörigkeit zur alten Organisation .ausschließt, wurde,, nicht}geschaffen. Der revisionistischen Union gehören von nun ab schekelzahlende und nichtschekelzahlende Zionisten an, welche im Dienste des gemeinsamen:; Programms gemeinsame Arbeit verrichten. Die;revisionistischenrSchekelzahler,^die eine überwiegende Majorität 'darsteHen, verbleiben; aber in der Zionistischen Weltorganisation, um; auch dort ihre PfÜ«h.t zu erfüllen und; für. die Regenerierung der - HerzU-Organisation zu kämpfen,: Dieser Ausgang der Konferenz, welcher die zionistische Bewegung vor einem großen Unglück bewahrte, bat ein schrilles Echo hervorgerufen. Ein Teil der allgemeinen zionistischen Presse, vor allem in Deutschland, Oesterreich und der Tschechoslowakei, und die linke zionistische Presse, fordern mit lautem Geschrei, den Ausschluß der schekelzahlenden Revisionisten aus der Zionistischen Organisation. Diese Leute, unter deren Herrschaft die Organisation immer tiefer und tiefer gesunken ist, glauben den Augenblick gekommen, sich der ihnen lästigen Mitarbeit und Kontrolle der aufstrebenden Partei, die auf dem Boden des großen, des nationalen Zionismus steht, entledigen zu können. Ihre Parole lautet: „Heiligkeit der Disziplin! Die Disziplin der Zionistischen Organisation duldet keine andere 1" Die „Hinauswerfer" bedienen sich bei ihrer jetzigen Kampagne ganz skrupellos einer gefälschten Meldung über den Verlauf der revisionistischen Weltkonferenz. Das ist jene Meldung, die behauptet, daß auf der Konferenz die ausschließliche Geltung der Disziplin der Union festgelegt wurde, also ein Primat dieser Disziplin, welches die Anerkennung Disziplin jeder anderen Organisation unmöglich macht. Diese falsche Version wurde von einer Telegraphenagentur verbreitet und leider in einem Interview des in die Opposition getretenen ehemaligen Leitungsmitgliedes der Union, des Herrn Richard Lichtheim, der voreilig der Falschmeldung. Glauben schenkte, bestätigt. In Wirklichkeit hat die Konferenz gegenteilig gehandelt. Sie hat nach langen, oft heftigen Komissionsberatungen die Aufstellung des Primats einer Disziplin ab gelehnt.-Auch hier hat sich ein gesundes zionistisches Gefühl durchgesetzt. Di,e Vertreter / der organisationstreuen. Revisionisten haben festgestellt, daß -die Union* nicht geschaffen wurde, um einen Kampf g e gen die-Zionistische Organisation und deren Bestand zu führen, sondern zu dem Zwecke, dem unverfälschten zionistischen Programm zum Siege zu verhelfen, überall, also auch in der Zionistischen Organisation. Sie sehen daher keinerlei unüberbrückbaren Konflikt, der sich aus der Zugehörigkeit zu beiden Organisa- Achtung! Achtung! 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Sie nehmen daher die Pflichten beider Organisationen auf sich und sehen ruhig, ohne Angst vor „Disziplinkonflikten", der Zukunft entgegen. Diesen Standpunkt hat die Weltkonferenz anerkannt und von der Erstellung eines Primats irgend einer Disziplin, von der Proklamierung der „Ausschließlickv * ke i t" einer Disziplin Abstand genommen. Durch diese Feststellung ist dem Hauptargument der „Hinauswerfer" der Boden entzogen. Sie werdengewiß bemüht sein, neue Argumente zu erfinden, denn ihre Furcht vor der. Arbeit der Revisionisten und vor der* Kontrolle ^er: zionistischen Bewegung durch die\Revi- , sionisten ist groß.. Aber: wie. esihnen, nicht ^gelungen, ist,*, den Revisionismus im offenen Kampfe zu vernichten, so» wird es ihne#A#u«ihy,nicht gelingen, durch kniffige Aus*., legungen von Statuten' einer Bewegung Einhalt zu tarij die unwiderstehlich ist, weil sie dem reinen zionistischen Gefühl, dem unverfälschten Willen nach nationaler, jüdischer Befreiung entspringt. r. st. er Revisionismus |foß/ einig und stark Wien, 14. September. Die Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten, die fünfte seit der Begründung der revisionistischen Weltunion, hat einen Abschluß gefunden, der, wie immer auch man die einzelnen Phasen der Tagung empfunden haben mag, einer von Herzls Geist erfüllten Kraftprobe würdig ist. Nach innen: das Bild eines Prozesses, der eine immer mehr organische Verschmelzung zweier Auffassungen in sich birgt; nach außen: das Bild einerseits erwartungsvoller Spannung und Respekts vor der dynamischen Kraft dieser jungzionistischen Bewegung, anderseits des Versuchs, durch Schmälerung, Verfälschung, Unterschiebung, eine Welle aufhalten zu wollen, die über die Köpfe armseliger, blutleerer, mit pseudpzionistischen „Argumenten" operierender Phrasendrescher hinwegrollt. Wien war der Sitz der Tagung. Wien war es seit jeher beschieden, die großen Losungen der zionistischen Freiheitsbewegung, die revolutionären Parolen des j ü d i.s c h n a t i o n a- 1 e n Gedankens in die jüdische Gasse, in die jüdische Welt, in die Völker der Erde werfen zu dürfen. Wien hat den Judenstaatszionismus geboren. In solcher historischen Atmosphäre mußte die revisionistische Weltkonferenz einen Charakter tragen, der der erhabenen zionistischen Vergangenheit der, Herzl-Stadt gerecht wird. So ist Wien wieder ein z i o n i st i s c h e r B e g r i f f g e w o r d e n. Denn die Ausstrahlungen dieser Wiener Revisionistenkonferenz werden die nächste Epoche des Zionismus in nicht geringem Maß mitbestimmen. Der Revisionismus hat sich als groß, stark, e in ig erwiesen. Dieses Wort aus der, Schlußrede des Revisionistenführers" Meer Großmann wird nun seine Bestätigung in praktischer und ideologischer Manifestation, in Methode und Weg des Judenstaatszionismus finden. Groß, stark und einig.— es sei heute wieder allen jenen gesagt, die nervös und verstört den Verlauf der Tagung und die Beschlüsse benörgelten, in schlecht verhehlter. Hoffnung, daß der Revisionismus nach Calaki seine Probe nicht bestehen werde, allen jenen gesagt, die schon im Vorgenuß der Schadenfreude gründlich zu kurz gekommen sind, Gewiß, es gab einen schweren, harten, leidenschaftlichen Kampf, Alle iro redaktionellen Teil befindlichen entgelt* lieben Notizen smd durch ein beigefügtes E bezeichnet aber einen Kampf, den jene kleinlichen Seelen, jene minderwertig-neidischen Naturen schon längst verlernt haben — den großen Kampf, den die heroische Periode des Zionismus uns, den Revisionisten, überantwortet hat. Selbst im letzten Winkel der Konferenzräume hatte man das Gefühl, daß alles, um was es hier ging, seinen Quell hatte in der Vitalität der Bewegung, im heiligen Ernst der Sache, im tiefen Verantwortungsgefühl ihrer Träger. Schlußsitzung und vestlidie Resolutionen Samstag, den 3. September sing die Schlußsitzung der Weltkonferenz vor sich, nachdem an den vorhergehenden Tagen) eine Reihe von Kommissionen an den Beschlüssen (die restlichen folgen in der heutigen Nummer) gearbeitet hatte. In der. Hauptsache hatten die Kommissionen mit der Formulierung der einzelnen Resolutionen, wie P e t i t i o n s b e w e g u n g, Autonomie der palästinensischen Lokalorganisation, Sitz und Aufgaben der neuen Exekutive zu ringen. Nach der großen und im eigentlichen Sinn konstruktiven Konferenzarbeit der Kommissionen wurden im Pleaum die einzelnen Fragen nochmals durchberaten. Für die p o 1 i t i s c h e Kommission legte Doktor .Sch echt mann (Paris) die Beschlüsse vor. Um die Frage der P e t i t i o n' entspann ■;sich, eine lebhafte,1 De- ' balte, an der ' die Herren Jabotinsky, Dr. •■ Hoffmann (Riga), Dr. Efraim Waschitz'u. a. teilnahmen. Während Dr. Schechtmanu die' Adressierung des P e t i t i o n s t e x t e s sowohl an die Völkerbundstaaten als auch an den Völkerbund selbst gerichtet wissen will ' vertritt Jabotinsky den Standpunkt, daß 'die Entscheidung darüber der Exekutive zu überlassen sei. Mit 68 gegen sechs Stimmen (bei 34 Stimmenejithaltungen) entschied sich die Konferenz für die Auffassung Jabotinskys. Die Maximalistengruppe gab eine Erklärung g e g e n die Petition in dem Sinne ab, daß nach ihrer Auffassung eine Petition kein politisches Machtmittel, sondern eine Fiktion sei und daß das fehlende Wort „Judenstaat" ein gefährliches Moment in sich trage. Zur Frage der Landespolitik ergriffen die Delegierten Stricker, J o e 16 o h n, Dr. Hoffmann, Berthold Kornmehl (Wien) das Wort. Die Resolution in der Frage der Landespolitik (Siehe „Die