Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 259 (2.9.1932)
- Date
- 1932-09-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 35 Groschen lahrgang 6 Freitag/ den 8. September 1932 Nr. 250 V.b.b. DIE NEUE?*II REVUE BEZUGS BEDINGUNGEN: Oesterrticb monatlich S4.50. vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.-; Polen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig Zloty 6,— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-: Bulgarien monatlich Lewa 40—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Lander monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUS GEB ER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung! WienIX, Universitätsstr. 6-8, 7ei. B48-504 — Erseheint jeden Freitag Die revisionistische Wellkonferenz in Wien Jeden Sonntag nach.. . Venedig mit dem Dolomlten>ExpreB>Autooar 6-Tage-Rundrtlit zum Pauschaipreis S 216.— mit Verpflegung und Hotels, Führung und Trinkgeldern. Abfahrt Jeden Sonntag. Nächste Fahrten 4., 11. und 18. September, Auskünfte und Anmeldungen — auch füf spätere Termine und für andere Autorelsen: beim Konterenx-Sekretariat (Reite-KomlU«) H, Unt. Augartenstr. 38, Tel. A-45-6-34, od. direkt bei Autobusse Dr. Barry & Co., Reisebüro Wien, I, Schwarzenbergplatz 1. Telephon B-53-5-55 Serie* Großmanns Organisationsreferat (Gehalten Montag, den 29» August/ Int Hotel Continental) Meer Graitaiaim .~> •'•^^■i^^4^t. Der, erste; Tag der /^erjiaii'dlijingeh/setistei nfy'^'Meer GroßmaiuiS'!0,.rg:a*ni'S>if,o\i^8:r>:f'e>'r«t'e^" Die' vollzählig erschienenen ' Delegierten :• verfolgten-\ mit ■ angespanntem' - Interesse - die Ausf ührungen-' des Exckutive- VizepräsidentenJ der hierin insbesondere die Einmütigkeit des Exekutivkomitees in.der ganzen Periode seiner Amtsdauer betonte. Meer: Großmann'führte aus: Vor allem' will ich ■> die aufrichtigste und; innerste Befriedigung und Freude des Exekutivkomitees darüber ausdrücken, daß alle Teile der;Partei; die größten Opfer gebracht haben, um zu dieser Konferenz zu kommen. Es ist nicht bloß ein technisches, organisatorisches Wachstum fühlbar,: sondern eine heilige Unruhe für die Zukunft und Entwicklung unserer Bewegung. Gesinnungsgenossen der verschiedensten -Teile der Welt kommen hieher mit der Frage: Wie werden wir weiterarbeiten? Welche Gedanken und Anschauungen auch hinter dieser Frage vertreten sind, alle hier sind von der aufrichtigen Unruhe und Sorge für die Zukunft unserer Bewegung durchdrungen. Das ist die Grundlage unserer Verhandlungen. Es ist hier heute nicht die Tagung einer formlosen Bewegung. Es ist nicht eine Verhandlung einzelner Gruppen, sondern eine Konferenz einer Partei, wo sich Parteimitglieder versammeln, welche vereinigt sind auf der Basis eines bestimmten Programms. Wenn eine Zeit kommen wird, wo das Grundsätzliche geändert werden muß, dann muß der Wille der Partei zum Ausdruck kommen, und wenn die Taktik sich ändern muß, so wird auch dies vom Willen der Partei bestimmt werden. Es gibt im Saal nicht verschiedene Parteien, nicht verschiedene Organisationen. Es sind da Mitglieder einer Bewegung, verbanden durch eiii Programm. , Von diesem Standpunkt a«s will ich versuchen, unsere Organisationsprobleme zu behandeln. Sie sind nicht technischer Natur. Es handelt sich nicht um Wahlen, nicht um Kommissionen, es handelt sich um die Rekonstruktion der Organisationsform unserer Bewegung, Die Probleme, die heute vor uns stehen, haben in Prag noch nicht bestanden, weil im Lauf der zwei Jahre auf organisationellem Gebiet Dinge eingetroffen sind, die uns vor neue Tatsachen stellen, vor die Notwendigkeit, die ganze Bewegung umzubauen. Es gibt eine Methode des Abschneidens, des Zerreißens. Auf diese Weise halten es manche für möglich, eine bestimmte komplizierte Lage zu ordnen. Es gibt eine zweite Methode des Sichanpassens, die Basis zu vergrößern, statt sie enger zu machen. Es gibt Bewegungen, die ihre Formen ändern und neue Menschen bringen. Wir durchleben eine Zeit des Prozesses. Das Menschenmaterial, die . Mitglieder unserer Organisation, ändern sich. Es kommen andere Elemente, extreme Elemente, es kommen alte Menschen, mit einer Vergangenheit, mit bstimmten Traditionen. Das ganze Menschenmaterial muß man organisieren, zusammenhalten und ein Zentrum schaffen, von wo aus es geleitet werden kann. Es sind ungeheure Schwierigkeiten, aber es ist nicht ein Prozeß der . Zerbröckelung, der Zerstörung, sondern des Wachstums. Wenn ein Kind wächst, werden seine Kleider enger und kleiner, und man muß ihm neue geben. Es war einmal leicht, sich durch einen Wink zu verständigen. Jetzt muß man Befehle geben und die Organisation dahinbringen, gewisse Dinge auszuführen. Man muß mit Stimmungen rechnen, aber trotz gewisser Schattierungen steht ein harmonisches Bild vor uns. Es besteht eine gemeinsame Basis. Begründung von Calais Wir haben eine demokratische, konstitutionelle, legale Bewegung geschaffen — sie mag gut oder schlecht sein. Die Zeit hat sich geändert, und es besteht die Frage, ob demokratische Form und Prinzipien fortgesetzt werden sollen. Dies ist nicht bloß eine rhetorische Frage. Wir stehen vor solch einem Problem. Wir haben auch eine andere Schwierigkeit in der Organisation. Wir haben eine einheitliche Front gehabt. Es sind Aenderungen vorgekommen. Was für mich eine wichtige Position ist, ist für einen anderen Freund nicht wichtig. All diese Schattierungen sind in einer Organisation; das ist ein Problem, welches keine einzige Organisation bisher gehabt hat und welches wir zu lösen suchen. Wir sind einheitlich zum Kongreß gegangen, wir haben den Kongreß in einer veränderten Situation verlassen. Es gab einen Gedankengang, der unter dem Namen „Austritt" bekannt ist, und es gab einen anderen Gedankengang, der besagte: D i e A n f an g s a r b e i t m u ß f o r tgesetzt werden, weil sie ein integraler Bestandteil unserer Aufgabe ist. Hätte es sich bloß um Srinzipielle Meinungsverschiedenheiten gehandelt, so ütten wir nicht bestimmte Konsequenzen ziehen müssen. Es handelte sich aber um eine Organisa tionsf o r m, um die Vertretung im Kongreß und,. im.;A. C. W/fr standen, inmitten eines .Marsches., und* inmitten unseres Marsches* mußten Wir 'innenalteiä£ weil ganze Bataillone nicht mehr mitmarschieren wollten. Als wir sahen, daß diese Grundauffassungen nicht zu einer Einigung gelangen konnten, so standen wir vor dem , Problem: Sollen wir es zu einer Spaltung kommen lassen oder sollen wir beide Strömungen in.einer bestimmten Organisationsform vereinigen? Sollen, wir unterstreichen, was uns teilt oder was uns vereint? , Sollen wir1 einer rein abstrakten Sache wegen zugrunde gehen oder sollen wir gewisse Konzessionen machen, um den Körper zu erhalten, und eine Form schaffen, die beide Strömungen umfaßt? Ich glaube, daß die Bewegung in dieser Sache richtig gehandelt hat. Die Exekutive hat den Mut gefunden, einen bestimmten yVeg zu gehen, sie fiat auf sich eine große Verantwortung genommen, nämlich die Verantwortung, den' Körper zu erhalten. Dadurch wurde geschaffen, was heute unter dem Namen „Calais" bekann ist. Es ist mein tiefster Wunsch, daß die Konferenz eine ebenso harmonische Stimmung schaffen möge wie diejenige, die in Calais herrschte. Es war kein Duell von Meinungen. Vor uns stand die Aufgabe, den Weg zu finden, und der Weg ist gefunden worden. Die Revisionisten leiden an „Amharazuth". Man liest nicht unsere Memoranden. Man liest entstellte Zeitungsartikel. Ich habe Angst, daß die revisionistische Bewegung leiden wird, weil man die Tatsachen nicht kennt. Man bezieht sich nicht auf das, was wir mitteilen, soedern auf Zeitungspolemik. Wir haben zu den Zionisten gesagt: „Nehmt einen Bleistift und rechnet. Nehmt ein Buch und lest." Ich habe hier alle Protokolle des Exekutivkomitees", alle Reden, alle Beschlüsse, alle Erklärungen, und ich rate den Rednern der Generaldebatte, sich dieses Material gut durchzusehen, bevor sie das Wort ergreifen. (Der Redner liest den entscheidenden Beschluß von Calais vor.) Es gibt einen Punkt, der nicht veröffentlicht wurde. Es ist ein interner Beschluß: In allen Fragen gegenüber der Zionistischen Organisation ist der Beschluß der schekelzahlenden Mitglieder des, Exekutivkomitees maßgebend. In einer Frage aber muß Einstimmigkeit herrschen, nämlich in der Frage bezüglich des Eintritts in die zionistische Exekutive. Der Beschluß von Calais ist von ganz verschiedenen Seiten angegriffen worden. Es trafen sich die Extreme unserer Bewegung. Diejenigen unserer Gesinnungsgenossen, die das Verbleiben in der Zionistischen Organisation für die Pflicht der Revisionisten halten, sagten, Calais führe uns von diesem Wege ab. Die anderen sagten: Calais hat den Weg für die Schaffung einer Unabhängigen Zionistischen O r g a n i s a t i o n versperrt, und deshalb sind wir; gegen Calais. Der Beschluß von Calais steht nicht einzig da. Kurze Zeit nach der Annahme dieses Beschlusses wurde im englischen Kabinett eine Koalition geschaffen, die auf einer ähnlichen Basis beruht. Die Mitglieder des Kabinetts waren sich in 16 Punkten einig, nur in der Frage des Freihandels teilten sich die Ansichten. Es wurde beschlossen, daß die Kabinettsmitglieder in dieser Frage ihren eigenen Standpunkt vertreten können. Man hat uns ausgelacht, man hat gesagt: Vor dem Kongreß wird ein Mitglied des Exekutivkomitees heruin- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet reisen und für den Kongreß Propaganda machen; ein anderes Mitglied wird sich zum Kongreß höchst gleichgültig verhalten. Calais ratifizieren! Es gibt eine Inkonsequenz, die jedoch die Logik im Leben eines gesunden Körpers ist. Wenn ich frage: „Hat die Organisation von Calais einen Nutzen gehabt oder nicht, ist sie schwächer oder stärker geworden?" so kann ich mit ruhigem Gewissen antworten: In den acht Monaten, die seit Calais verflossen sind, ist die Bewegung gewachsen und hat einen Gesundungsprozeß mitgemacht. Das ist die beste Ratifikation von Calais. Die Zusammenarbeit der Mitglieder des Exekutivkomitees selbst ist harmonisch. 99 Prozent der Beschlüsse des Exekutivkomitees , sind einstimmig . angenommen worden. Jen . Calais- -steckt ein guter - Teil gösumdeü 'Menschenverstandes. Im N amen des Exekutivkomitees komme ich'zur^ Konferenz mit dem Vorschlag, die Beschlüsse ,yon Cavlais zu ratifizieren. Das heißt, daß bestimmte Punkte unseres Statuts ungeändert werden müssen. Es gab auch einen Beschluß von Calais, der nicht im Protokoll steht: Calais ratifizieren, Calais vergessen und für die gemeinsamen Ziele wie bisher weiterarbeiten. Ich hoffe, daß unsere Konferenz Calais ratifizieren, die Statuten ändern und daß die Bewegung wieder zusammenwachsen wird. Eine Wunde muß geheilt werden. Ich hoffe, daß die Konferenz den einstimmigen Vorschlag aller Mitglieder des Exekutivkomitees annehmen wird. Was ich sage, sage ich im Namen aller Mitglieder des Exekutivkomitees. Man kann ihn gut oder schlecht nennen. Es ist aber verlorene Zeit, darüber zu reden, ob man Calais brauchte. Man hat die Vereinbarung von Calais getroffen, weil man es tun mußte. Die Frage der Konferenz ist, ob man sie in unserem Statut festlegen soll. Diese Vereinbarung gilt nicht für ewig. Die Gesinnungsgenossen, die in der Zionistischen Organisation bleiben, sind dort nicht als Aufseher und Beobachter geblieben. Sie sind dort gebHeben,: weil sie sieh wichtige Positionen erobern w o 11 e n. Es gibt Zertifikate, es gibt Böden des Keren Kajemeth, es gibt Banken. Um diese Machtpositionen zu erobern, ist es nötig geworden, die schekelzahlenden Mitglieder der Organisation in einen Sonder verband zusammenzuschließen. Dieser Beschluß wurde im Einverständnis mit allen Mitgliedern des Exekutivkomitees gefaßt. Hätten wir eine Möglichkeit gehabt, die.Position in der Zionistischen Organisation ohne den Sonderverband zu erobern, so hätten wir eben den Sonderverband nicht gegründet. Der Sonderverband muß auf einem normalen Weg funktionieren. Er wird keinen Schritt machen, der den Weg der Weltunion verlaufen machen soll. Die Politik der revisionistischen Union, die Disziplin der revisionistischen Union, die Instruktionen des Exekutivkomitees sind maßgebend und entscheidend für alle Revisionisten, ob sie im Sonderverband sind oder nicht. Solange wir alle akzeptieren, daß das höchste Gesetz für die Bewegung das G e s e t z dieser Ter. .Sammlung ist, sind alle anderen Fragen nebensächlich. Nicht um zu hemmen, nicht um das Tempo zu verlangsamen, nicht um die Flügel zu stutzen, ist der Sonderverband geschaffen worden. Die Lage kann sich in zwei Jähren ändern. Es kann geschehen, daß wir, die im Aktionskomitee sitzen, sagen werden: Wir haben hier nichts mehr verloren. Es kann auch geschehen,- daß diejenigen, die heute weggehen wollen, wieder zurückkommen. Deshalb müssen wir uns nicht provozieren lassen, wir müssen uns nicht einen Kampf aufzwingen lassen in einem Moment, wo wir ihn nicht wünschen. Die Hände der revisionistischen Bewegung sind-nicht gebunden. Die freie Tätigkeit der revisionistischen Bewegung wird nach Calais und nach dem Sonderverband fortgesetzt werden. Nach alldem kann es keinen Zweifel an dem Ausgang und Beschluß der Konferenz geben. Austritt aus den Landesorganisationen Eine.Frage wurde ohne Calais und ohne Beschhin des Exekutivkomitees gelöst: die des Austritts aus den Landesorganisationen. Wir waren überall Teile der allgemeinen zionistischen Organisation. Wir haben uns von den zionistischen Landesorganisationen getrennt. Dies geschah mit einer einzigen Ausnahme} Ru-