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Die neue Welt · 1932-08-12 · Heft 256 (12.8.1932) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 256 (12.8.1932)
Date
1932-08-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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187 T.tV. .^«t*«4"** Wien. \. Preis 35 Groschen lahfgang 6 frfeftag/ den 12« August l#32 Nf« SM» V.b.b. R E V U E BEZUOSBßDINQUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.-; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Ranfifllen monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 1Ä—} Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarten monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Halfen monatlich UMS.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1JS0, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER ROBERT STRICKER Redaktion U.Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8,1 el. B^~5<M ~ Erscheint jeden Freitag . h i ■ .;• ,. ä ,■. . '; svmmmmmmAmmhmh^ 5. WELTKONFERENZ DER ZIONISTEN-REVISIONISTENSonnla0 den m&M&*m?iAjß**^ im Gebäude des Zirkus Rens, Wien II., Zirkusg. 44 i Vladimir Jaboti'nsky und Meer Gf ossmann 1. Die Lage des Zionismus und die Aufgaben der Union 2. Die Politik und Taktik der Union seit Prag Kartellpreis« t Logensitze ö.S 4.—, Parkettsitz ö.S 3.—, I. Rangsitz ö.S 2.—, II. Rang- . sitz ö.S. 1.- . Kartenretervierung: Sekretariat, II. Untere Augattenstr. 38, Tel. A-45-6-34 Vor verkauf «stellen: Sekretariat, Bücherstube, Prof Moses Rath, II, Taborstr.20 Tel. R-43-1-58), Papierfabrik Josef Grubner. IX, Wasag. 7 (Tel.A-ll-0-10),Abraham Schächier, Wien VJI,Burgg.44 (Tel. B-30-6-89) Jüdische Interessen ■Wien, Anfang August. „Juda, verrecke?'4 •j An den Ruf „Juda, verrecke!", den die deutsche Zunge,, soweit sie .reicht,- hinauszischt, hat sich das Ohr sogar des; feinfühligsten Menschen gewöhnt. Er ertönt seit einem Jahrzehnt als Chor durch die Straßen der deutschen Städte,-durch die Hallen der deutschen Universitäten, durch die Höfe deutscher Proletarierhäuser. Man. muß bekennen, daß dieser Ruf auf gewaltige Teile der .deutschen Nation, magische Wirkung übte, daß der Hit^erismus ihm zum., großen.,Tjeil seinen phänomenalen Aufstieg verdankt. Und, man muß hier auch feststellen;, daß die Ungereimtheit in der Koppelung nnt. „Deutschland,, erwache!', der . Wirkung •. des .\\tV$ttfi&&^vils -keineswes Abbruch, tut. Die ungereimteste Verszedle hat siefo zu. einer für Millioneii. de'utsßher Ohren w^hJklA.n-;' gen den Melodie .gewandelt. ... . Die Weltgeschichte, keiint Häßgesänge,^ Haßtaten! „Nieder mit den Juden 1", „Tod den JudenJ" war das Wildeste, das Leidenschaftlichste, das "Völkerhaß an antisemitischen Parolen hervorbrachte. Der deutschen Kuiturnation war es vorbehalten, die gefühlsrohste. und schon' sprachlich ordinärste Vokabel für ihren Judenhaß <zu finden. Man stelle sich vor: Das führende Kulturvolk Europas, die große deutsche 70-Milliorien-Nation gibt ihrem'Wunsch Ausdruckt das kleine, schutzlose jüdische Volk ^verrecken" zu sehen — wie einen räudigen Hund; verrecken zu sehen und zu dieser auf Menschen nicht' anzuwendenden Todesforni beizutragen. Es ist zu bezweifeln, daß ein ähnlicher, untermenschlicher, tierischer Haßruf - des amerikanischen Mob gegen einen de? Lynchjustiz verfallenen Nigger fiel,.' der vielleicht eine Tat begangen haben mochte, welche * die Rache-Instinkte dieses * Mob geweckt hatte. 'Kurz, die Geschichte der Kulturmenschheit wird wohl kaum 'einen' ähnlichen Ruf. gegen 'lebende Menschen/ auf ihreni , ganzen leidyollen Entwicklungsweg zu verzeichnen haben. Nach uns kommende Völkerpsychologen werden an diesem Rätsel menschlicher Verroht- 'heit schwer zu lösen haben.' " •' .PDas vorausgeschickt, die Abstumpfung des. Ohrs .vorweggenommen, -wird die Nachricht überraschen, "daß 'die Parteizentralo : der , österreichischen Nationalsozialisten die Order ausgegeben hätte, den- Ruf „Juda, verrecke!" fürderhm öffentlich lidcht mehr: zu benützen'. Es. sieht so aus, als käme bei .unseren-Nationalsozialisten die Schani über die Schamlosigkeit ihres Treibens auf, die ScEam ob' der-Bloßstellung der Bestie' in; ihrem Menschen. ' . ' .''.' I '. Es wäre voreilig, einen Reinigungsprozeß nach zehnjährigem' schrankenlosem Wüten?bei \ dieser < Partei konstatieren-zti;,wollen, bei dieser deutschen^ nationalen, sozialistischen *,Volkspartei. ' , / . ..! . ,;!.1 v 50 Prozent? Nein,- keine 5 Prozent In Londontagte das Administrative Komitee der Jewiah' A'gehcy, der- Ausschuß-jener 'Körperschaft, die ' eiph-seit.'ddp.Züricher Kongreß, vom' Jahre 1929 bekannt- : liehzugleichen Tedleu aus.Zionisten und Niichtzionisten zusammensetzt und als solche; das jüdische Volk gegen-'; über dem Völkerbund -undder ' britischen Mandatar-. mapht für Palästina! repräsentiert,; Diese sogenannte: „erweiterte" Jewdsh- . Agency ' hat also, wie gesagt, 50 Prozent Nichtzionisten zu gleichberechtigten Partn$ru,j Groß ist die ^Aufgabe 'dieser Agency. Die1 ganze; schwere Arbeit für den Aufbau eines neuen Landes, für"*, die Sammlung eines zerstreuten Volkes, für die politische, soziale und kulturelle Wiedergeburt einer versklavten und nach Freiheit strebenden Nation, diese ganz« schwere Arbeit ruht auf ihren Schultern. Ein sc&wraejt Kacyif' ej^roftnte «in ihr« JStafolderuaf, eni- Aktionskomitee lehnt Fiendi.Beridtl ab Fortsetzung der Londoner Tagung Die J. T. A. meldet unter dem 7. August , aus London: . Den Vorschlägen der. mit der Behandlung des French - Berichts betrauten Subkommission entsprechend, hat das Zionistische Aktionskomitee in seiner am Sonntag, den 7. August, abgehaltenen Plenar- : Sitzung beschlossen, den French-Berich.t, abzulehnen, da er den und dem Inhalt des 'MacBönald-Bricics widerspreche. Der - Exekutive erteiltedas Aktionskomitee iden Auf trag, als " Antwort auf den French-Bericht der Regierung Einwände gegen dessen Einzelheiten im Sinne einer Ablehnung des Gesamtberichtes zu unterbreiten. Jerusalem, % August. (J. T. A.) Die arabische Exekutive wird in den nächsten Tagen dem High ■ Commissioner ihre Antwort auf den French-Bericht ' überreichen. Es verlautet, daß die Antwort der arabischen Exekutive deren Bereitwilligkeit zum Ausdruck bringen Wird, den Bericht unter der Bedingung anzunehmen, daß erstens im Rahmen des Landentwicklungsplans ausschließlich die Änsiedlung von Arabern durchgeführt und zweitens die jüdische Einwanderung eingestellt werde. . > '. i ■ ' - ■ . Im weiteren Verlauf der Tagung hielt Montag, den 1. August, das Exekutivmitglied Emanuel N e v m a n einen überaus instruktiven Bericht über die gegenwärtige w i r t s c h a f 11 i c h e Lage in Palästina, wobei er ausführte: Seit dem im Jahre 1921 erfolgten Einsetzen zionistischer Aktivität in großem Mafistab ist eine gewaltige 'Ausdehnung der jüdischen Wirtschaftstätigkeit in Palästina erfolgt; Anderseits hat sich der Umfang der von uns mit Hilfe unserer Fonds direkt durchgeführten' Arbeiten im Verhältnis zur Gesamtheit der jüdischen Bemühungen ständig verringert. "Selbst wenn wir die qualitative Bedeutung der nationalen Arbeit, ihren vitalen und einzigartigen Wert entsprechend berücksichtighen, bleibt doch das Mißverhältnis zwischen ihrer gegenwärtigen Aus-, dehnung und dem übrigen Feld wirtschaftlicher Betätigung eine Tatsache, deren Bedeutung bei einer Erwägung unserer künftigen Politik nicht übersehen werden kann. » ■ Nicht nur infolge der in der Diaspora herrschenden Verhältnisse, sondern mehr noch infolge der jüngsten wirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina sind uns außerordentliche Möglichkeiten geboten. Palästina ist eines der wenigen Länder, das unter der Weltkrise nicht schwer zu leiden hat. Dies ist nicht bloß ein oberflächlicher Eindruck, auch bei näherer Untersuchung finden wir, daß Palästina frei ist v.on den er schreckend eh Sympto-. men, die sich in einem g roßen Teile' der Welt zeige n. Die Palästina-Regierung hat bisher keine ernstg}i Sehwie^gkeiten bei der Aiisbalancieruhg ihres Budgets gehabt.. Export und Import zeigen nicht den rapiden Niedergang, der den Handel in Europa und Amerika charakterisiert. Die Arbeitslosigkeit unter den jüdischen Arbeitern des L a n d es ist g er i n g und unter der Landesbevölkerung dm allgemeinen nicht abnormal hoch. Die Gesöliäftszusamenbrüche haben abgenommen; im Laufe des vergangenen Jahres gab es in der jüdischen Geschäftswelt wenige: folgenschwere Zusammenbrüche. D ie B o;d. e.;npreise sind fest bei einer gewissen Tendenz .zur Steigerung. Die Einlagen in den Banken sowohl auf Sparkonto als in laufender Rechnung haben sich erhöht. Der landwirtschaftliche Ertrag der jüdischen Siedlungen ist b e t r ä c h 11 i c h gestiegen. Insbesondere der Export "von Citrusfrüchten zeigt eine gewaltige Steigerung auf 3l/a Millionen Kisten in der letzten Saison bei Erzielung guter Preise auf den europäischen Märkten. Die jüdische. Industrie als Ganzes hat ihre Position konsolidiert, erfaßt immer nene Märkte und zeigt einen zufriedenstellenden Grad, von Stabilität. Der Hausbau hält mit dieser Entwicklung Schritt. Der bemerkenswerte industrielle Fortschritt der letzten zwei Jahre zeigt sich bei der Verwertung der Mineralschützo des Toten Meeres' durch die Palestine Potash Company, die ihren. Export von Brominen und Pottasche ständig steigert'und für die -kommenden - Jahre gute Erfolge verspricht. Im allgemeinen bietet sich ein Bild des Fortschritts, gesunden wirtschaftlichen Lebens, man möchte sagen von Pjosperity, Darüber hinaus eröffnen sich ausgesprochen ermutigende Aussichten für die Zukunft. 1933 wird der Hafen in Haifa vollendet sein und mit dem.Bau der brannte darüber, ob die von Herzl geschaffene zionistische Weltorganisation, bis 1929 alleinige Trägerin aller Pflichten und Leistungen für das " jüdische Palästina, Partner ■(nichtzionisti^che Partner) für die Durchführung ihrer Arbeit brauche, oder nicht. Jahre hindurch und in der entscheidenden Stunde hieß - es von mancher Seite: „Wir Zionisten sind zu schwach, zu arm, ja,.* zu unerfahren. Wir brauchen Männer, die stark, reich, erfahren. sind — Männer, die Einfluß,' Geld und Reputation haben! Solche Männer müssen „wir'heranziehen, auf daß das ganze jüdische Volk Anteil nehme am großen Aufbauwerk!" Und von anderer Seite vernahm man: „Das ganze jüdische Volk? Das sind wir. Außer uns kein jüdischer Wille. Euere Männer müssen versagen, weil nicht jüdische Sehnsucht sie treibt, die ihren Geldbeutel öffnet, sie ihre Reputation in die Waagschale werfen läßt!" I Und die Stunde der Erkenntnis ist gekommen, Drei ' volle'-J ahre' sind' vergangen.1. Die .Goldfeder, < die den Vertrag der,Erweiterung" unterzeichnete, sie bat kein'Gold gebracht, den 'Einfluß nicht vergrößert, .die; -Reputation nicht erhöht. Ein - Wrack —• liegt , dieerweiterte Agency auf den Wellen des Geschehens. Die Zionistische Organisation, die alte „arme, schwache, unerfahrene", ist wie eh-und; je Trägerin aller Arbeit, Trägerinaller Verantwortung; nur mit dem bescheidenen Unterschied, daß •die Erfüllung der zionistischen Aufgabe schwieriger ge- ..worden ist, weil die, Kollegen1 der nichtzipnistischeji Fakultät ihr politisch-organisatorisch iin Weg stehen. So durfte ein Redner auf der zionistischen Aktionskomitee-Sitzung, die gleichfalls in London tagte, den Ausspruch tun: „Sie sind zwar 50 Prozent, die uichtziondstischen Mitglieder der Agency. Aber neues Blut haben sie unserem Organismus nicht zugeführt, nicht einmal 2 Prozente; '

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