Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 253 (22.7.1932)
- Date
- 1932-07-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. m Herrliches Erholungsheim lllilllHIIIIIIlllllllllllllllllll^ Hotelpension Schloß Hattenhof, Eichgraben an der West bahn, Telephon Nr. 4. Erstklassige Küche, auch Diät, großer Park, eigenes Schwimmbad, Autögarage Weekend, mäßige Preise. Unter Leitung des Besitzers Adolf B o j k o. Bowa-Wasser im Hause. Auskunft auch Telephon Nr. A-l3-5-60. sichtige Finanzgebarung (die Budgets der Institutionen waren rechtzeitig bei Ausbruch der Krise um 25 Prozent gekürzt worden) gelang es der Exekutive, die Institutionen vollkommen auf ihrer früheren Höhe zu erhalten, ja sie noch weiter zu entwickeln. Besondere Genugtuung äußerte der Council über die Eröffnung der neuen Mädchenfarm in Nefl Ziona, für die die rumänische Föderation im Laufe des letzten Jahres Pf. St. 5500 aufgebracht hatte, und begrüßte den Anschluß der zionistischen Frauenorganisationen Südafrikas an die Wizo, der eine große ideelle und finanzielle Bedeutung hat und den Frau Dr. Vera Weizmann in Begleitung und Unterstützung ihres Gatten Dr. Chaim Weizmann auf seiner Keren-Hajessod-Kampagne zustande brachte. Ferner ratifizierte mit besonderer Freude der Council den Anschluß der palästinensischen Frauenorganisatdon Histadruth Naschim Ivripth an die Wizo. Zum Tode des Dr. Rudolf SdiwaraHiller . Montag, den 18. Juli, verschied in Wien im Alter von 56 Jahren der bekannte Wiener Politiker und ehemalige Gemeinderat Dr. Rudolf Schwärz-Hiller. Aus denn sogenannten freiheitlichen Bürgertum hervorgegangen, gehörte der Verstorbene zu jenen Wenigen» denen im Rahmen ihrer allgemein politischen Einstellung das Interesse für jüdisches Leben nicht abging; Schwariz-üiHer, der sioh durch seine gewissenhafte Arbeit im Wiener politischen Leben Achtung errungen hatte, gab sich während des Krieges einer großzügigen E ü r s o r g e t ä t i g ke i t für die jüdischen F;l ü c h 11 i n g e aus den Ostgebieten der alten Monarchie hin. Seine hervorragenden Leistungen auf diesem humanitären Gebiete verschafften ihm in den weitesten Kreisen Anerkennung. Kaiser Karl verlieh ihm zum Zeichen des Dankes den Freiherrntitel. . .Dr. Schwarz-Hiller, der vor dem Krieg als liberalassimilatorischer Geiheinderat und auch während des Krieges in dieser Funktion mit der jungen jüdischnationaJen Bewegung ■ in Berührung kam und als Schüler des zionistehgegnerischen Wiener Parlamentariers D.r. Julius Oif ner gegen jene eine kämpferische Haltung einnahm, begann sich nach, dem Umsturz den jüdisch-politischen Bestrebungen zu nähern. In diesem Zusammenhang ist seine mit den Jüdisohnationalen abgeschlossene Waihlgemeinschaft zum 2. Nationalrat nach der konstituierenden Nationalversammlung der österreichischen Republik zu werten. Seither hat sioh Dr. Sohiwapz-Hiller von jeder politischen Tätigkeit zurückgezogen. Der frühzeitige Abschluß seines verdienstvollen Lebens ' hat allenthalben in Oesterreich nachhaltigen Widerhall gefunden. Juden dürfen keine Häuser kaufen Anti jüdische Gesetzesauslegung in Polnisch-Pomwern —Hauskäufe von Juden werden „im Sfaatsinteresse" nicht legalisiert Aus Warschau wird berichtet: Eine Frau Esther Wiener kaufte im Jahre 1929 ein Haus in Brodnitza (Polnisch-Pommern). Gemäß den bestehenden Vorschriften, die aus -dem Jahre 1921 stammen, muß jeder Kaufakt von der Regierung bestätigt werden. Frau Wiener wendete sich zuerst an das Bürgermeisteramt wegen Bestätigung des Kaufes. Das Amt weigerte sich aber, ebenso wie die pommerische Landesregierung, worauf die Hausbesitzerin die Beschwerde beim Obersten Verwaltungsgerichtshof erhob. Diese höchste Instanz forderte den Grund der Bestätigungsverweigerung von der Landesregierung. Diese übersandte die Akten an den Verwaltungsgerichts-' hof, behielt aber einen Teil derselben zurück, mit der Motivierung, er müßte geheim bleiben, da dies im Interesse des Staates, liege. Der Vertreter der Frau Wiener, Advokat Lesarowitsch, erklärte, daß er im einzelnen eine sachliche Begründung nicht vorbringen könne, da er zu gewissen Akten (eben denjenigen, welche die Landesregierung als im Staatsinteresse für geheim erklärte) keinen Zutritt gehabt habe. Charakteristisch für den Fall sei, daß in der Behandlung des Aktes seitens der Landesregierung speziell angeführt erscheine, daß die Hauskäuferin jüdischer Nationalität sei. Dieser Punkt wäre ganz besonders unterstrichen worden. Dr. Lesarowitsch fragte, ob es. gerade deshalb im Staatsinteresse Hege, weil die Käuferin jüdischer Abstammung sei, und verlangte die Beseitigung dieses Beschlusses, der keinerlei rechtliche Basis habe. Nach kürzer Beratung hat der Oberste Verwaltungsgerichtshof die Entscheidung veröffentlicht, dahin-, gehend, daß. der Rekurs der Frau Wiener laut Art 57 der Vcrwaltungsordnung abgewiesen wurde, die ein Eingreifen im Staatslntercsie gestatte. Somit wurde die Entscheidung der Landesverwaltung bestätigt und dem Hauskauf der Frau Wiener die Ungültigkeit ausgesprochen. Derselbe Fall wiederholte sich in T h o r n, wo zwei Brüder, die die Bestätigung eines rechtlichen Hauskaufes seitens der Landesbehörde verlangten, , von der obersten Instanz zurückgewiesen wurden. Schöne Worte—aber keine Taten Aus Bukarest wird gemeldet: Unter dem Titel „Die eiserne Garde, eine ' Karikatur der 'Hitler- Bewegung... und eine Filiale der ausbeuterischen Plutokratie" veröffentlicht „Dreptatea", das offizielle Organ der nationalzaranistischen Regierungspartei, einen ungemein scharfen Artikel gegen den Führer der Eisernen . Garde Codreanu und die antisemitische Bewegung in Rumänien. Corneliu Codreanu wird in dem Artikel als pathologische Erscheinung im politischen Leben bezeichnet. Nie werde der Mörder des Präfekten Mattciu die Blutspuren von seinen Händen entfernen können. „Eiserne Garde", „Archangelisten" und „Cuzisten" seien nichts anderes als Filia'len der durch den Fortschritt der Demokratie und den Triumphmarsch der Massen zur Eroberung der politischen Macht alarmierten r u m ä n i sc h e n P1 u t ok r a t i e. Ein Beweis hiefür sei die zärtliche Freundschaft zwischen A. C. C u z a und der halb faschistischen Regierung Jorga-Argetoianu gewesen^ Hitlers Erfolg halbe sich nur in dem besiegten Deutschland erzielen lassen. Die Huligan-Doktrin sei eine Doktrin nationaler Verzweiflung, für die in Rumänien kein Boden sei. Codreanu fühle sich als Hitlers Vasall. Von ihm habe er Kostüme, militärische Aufmärsche und eine Demagogie ohne soziologische Grundlage entliehen. Die Rumänen würden sich nicht mit Münchener Bier berauschen lassen. Die „Eiserne Garde" habe nur den politischen Zirkus Rumäniens bereichert. ..■ *■ Schöne Worte, aber wo bleiben die Taten? Ziemlich unbehelligt von seiten der Regierung betreibt Codreanu seine Hetze. Die „Frankfurter Zeitung" „nicht antisemitisch", aber gegen einen „jüdischen Polizeivizepräsidenten1* Außerordentliches Auf sehen hat ein in der „Frankfurter Zeitung" erschienener Artikel des Berliner Korrespondenten der Zeitung, Rudolf Kirchner, hervorgerufen, in dem das Vorgehen der Nationalsozialisten im Preußieohen Landtag im ,/F a 11 W e i ß" kritisiert wird, sodann aber der folgende Satz enthüllten ist: „Ob es anderer<seite''':'i9<pitig ist, in dieser Zeit, wo die Polizei täglich politisch drednsclilagen muß, einen heim Gegner besonders verhaßten jüdischen Vizepräsidenten zu haben, ist eine andere Frage, die man sich längst hätte überlegen müssen . . . etwaige venmeidbare Angriffsflächen müssen beseitigt werden." In jüdischen Kreisen und auch in Kreisen nichtjüddsoher Politiker wird diese Auslassung lebhaft kritisiert; man fragt eich, ob sie nicht eine Schwenkung der Redaktion dieser Zeitung in ihrer bisher gerechten Haltung in der Frage der Belcäimpfiunig des Antisemitismus andeuten soll. Die Frankfurter sozialdemokratische Barteizeitung glossiert die Aeußer,umg Kirohners bereits mit der Uebersohrift: „Juden ra<uslu — ruft „Frankfurter Z e i t u n g"." Der Frankfurter Korrespondent der Jüdischen TeleigraphenrAgentur erhielt von der „Frankfurter Zeitung" die Auskunft, daß diese Ausdeutung der Auslassung Kirchners durch das sozialdemokratische Blatt durchaus fehlgreift; ein Abschwenken der .frankfurter Zeitung" von ihrer gerechten Stellungnahme gegenüber dem Judentum stehe außer jeder Diskussion. Die Zeitung betrachtet den Antisemitismus der Nationalsozialisten nach wie vor als eine deutsche Schande und hat es erst jüngst als unvorstellbar erklärt, daß eine Denkuagsart, die innerhalb der staatsbürgerlichen Sphäre konfessionelle Unterschiede macht, wirklich einmal „offiziell" werden könnte. In diesem Zaisammenhang verweist die Zeitung auch darauf,, daß die Bemerkung Rudolf Kirchners zum „Fall Weiß" eine Stellungnahme nicht gegen, sondern für das Judentum sein solle, und sie bezeichnet es als Wirkung begreiflicher Nervosität, wenn man sie anders verstanden hat. Aus jüdischen Kreisen wird freilich entgegengehalten, daß eine ungesohickt abgefaßte Wendung wie die über „Beseitigung etwaiger unvermeidlicher Angriffsflächen" auch oihne Nervosität mißverstanden werden konnte. Theater, Kunft und iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Li f e f a tu» Abraham Zwi Idelsohn Der Erneuerer der jüdischen Musik — 50 Jahre alt Abraham Zwi Idelsohn wurde am 14. Juli 1882 bei Übau (Kurland) geboren, studierte Musik, wanderte 1905 nach Johannisburg (Südafrika) aus, wo er eine Kantorstelle annahm und übersiedelte 1907 nach Jerusalem, wo er sich speziell der E r f o r s c h u n g j. u d ischer Musik widmete. Von seiner Jugend an beherrschte ihn die Idee, es gäbe eine rein jüdische Musik, die erforscht werden müsse. Die ersten Früchte seiner tiefgehenden Studien sind Aufsätze in Zeitschriften über „Rest a 11 h e b r ä i s c h e r Musik" (in „Ost und West 1912 bis 1913"), dann „Der synagogale Gesang im Lichte der orientalischen Musik"; weiter folgte eine mehrbändige Sammlung „Hebräischorientalische Melodienschätze" (1914, Leipzig). Idelsohn komponierte auch selbst jüdische Musik, besonders Synagogengesänge für Chor und Kantor, die gesammelt unter dem Titel „S c h i r e T e f i 11 o" erschienen sind; wir verdanken ihm auch eine hebräische Oper „Jephta" in fünf Akten, 1912 publizierte Idelsohn ein Liederbuch, enthaltend 100 hebräische Lieder für Schule und1 Haus, es folgte ein „Leitfaden der europäischen und orientalischen M.usik" (1910) und als letzte schöne Frucht seiner eifrigen . Arbeit im Jahre 1922 eine Sammlung von 4000 jüdischen Liedern, die er während fünfzehn Jahren aus allen jüdischen Zentren zusammengetragen hat. Im Jahre 1910 schuf er in Jerusalem ein „I n s t i t u t für jüdische Musik", 1919 eine jüdische Musikschule. In Jerusalem war er Dozent für Midrasch-Literatur an der hebräischen Universität; das Hebrew Union College in Cincinnati berief ihn 1924 als Professor auf den Lehrstuhl für jüdische Musik. Israel Brandmannt Drei palästinensische Hirtenweisen Dieser Tage ist Im Verlag „Jibneh", Wien-Leipzig, ein neues, überaus interessantes Werk des bekannten Komponisten Israel Brandmann erschienen. Es sind dies: Drei palästinensische Hirtenweisen, für gemischten Chor und Klavier (deutsche Uebersetzung von Dr. Ernst Müller). Der Komponist, der durch seine symphonische Dichtung „H echaluz", sein Streichquartett „Variationen über einen palästinensischen Volkstanz" und seine Vertonungen von Bialiks Dichtungen sich einen Namen gemacht hat, notierte bei seiner Anwesenheit in Palästina die Originalmelodien auf und setzte sie mit gewohnter Meisterschaft, bei Beibehaltung des Originalcharakters, in Kunstform. Man kann jetzt schon mit Bestimmtheit sagen, daß diese drei Chöre nicht nur von jüdischen, sondern auch von nichtjüdischen Chorvereinigungen in ihr Repertoire aufgenommen werden. Die Partitur kostet zwei Mark und kann vom Hofmeister-Sortiment, Wien, I., Seilergasse 12, oder Hofmeister, Leipzig, Karlsgasse 10, oder durch sämtliche Musikalienhandlungen bezogen werden. Für Jona Reißmann ~wr Die in der letzten Zeit verbreiteten Gerüchte vom Ableben des jüdischen Schauspielers Jona R eiß mann haben sich zum Glück als irrig erwiesen, Der1 greise Künstler befindet sich zurzeit in schwer kraqkem Zustande im Wiener Rothschild-Spital und. wird in absehbarer Zeit kaum wieder die Bühne betreten können. Seine materiellen Verhältnisse sind derart trostlos, daß dringende Abhilfe erforderlich ist. „Die Neue Welt" erhielt seitens der Freunde dieses populären Charakterkomikers zahlreiche Zuschriften, in denen auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, Jona Reiß mann in seinem Alter vor Not und Existenzsorgen zu bewahren. Wir schließen uns diesem Wunsche an und hoffen, daß unser und der Freunde Appell zur Sammlung eines Fonds für Jona Reiß mann nicht wirkungslos bleiben wird. Die Leitung der Jüdischen künstlerspiele, Theater Reklame, Wien, IL, Praterstraße 34, nimmt Beiträge für den Jona-Reißmann-Fond* entgegen, Judifdie Sport« und iiiliimitHi Tu rn be w cgun» Warum die Polenreise der Hakoah unterblieb Trotz der Proteste Hakoahs und des Einschreitens des Oesterreichischen Fußballverbandes unterblieb die Reise der Hakoah nach Polen, was für den Verein großen Schaden bedeutet. Das Spielverbot Ist nicht, wie der polnische Fußballverband zu verstehen geben will, damit begründet, daß die Spielstärke der Hakoah zu gering, ist, sondern ein antisemitischer Willkürakt sondergleichen. Der polnische Verband hat gegen die Gastspiele der Vereine Wacker (Wien) und Attila (Ungarn) keinen Einspruch erhoben, obwohl Hakoah einem Vergleich mit diesen Vereinen gewiß standhält. Hakoah steht in aussichtsreichen Unterhandlungen wegen einer Wettspielreise durch die Tschechoslowakei. i . Daniel Prenn siegt auch in Italien Die deutschen Davis-Pokal-Vertreter* D an i e l Prenn und v. C r a m m haben am 15. Juli in Mailand die italienischen Meisterspieler Stefani und Palmieri 2:0 besiegt und dadurch für Deutschland wieder das Feld für den Endkampf um den Davispokal freigemacht. Demnächst spielen noch Prenn und v. Cramm gegen Stefani und del Bono, aber niemand zweifelt mehr an dem Sieg der Deutschen, die somit Irland, England und Italien aus dem Endkampf ausgeschaltet haben werden. Der Berichterstatter des „Berliner Tageblatt" stellt fest, daß Prenn, der nun den beidhändig spielenden europäischen Extraklaseenmann Stefani glänzend besiegt hat, zum Sch recken äile'r „Int e rnationalen" geworden ist. Der Berichterstatter der „Vossischen Zeitung" stellt fest, daß der Mailänder Sieg Prenns und v. Cramms nach normalen Gesetzen den deutschen Sieg in der Europa-Runde bedeute. Der Berichterstatter nennt Prenn, „Tennia-Triuinphator^ uwv