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Die neue Welt · 1932-07-15 · Heft 252 (15.7.1932) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 252 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 252 n Intelligente junge Dame mit guter Schulbildung, englischen, französischen Sprachkenntnissen sucht Stalle als Gesellschafterin, evant. Reise* begleiterln. Zuschriften unter „Sympathisch" an die Administration des Blattes könnte. Das Einschlagen von Schaufensterscheiben an jüdischen Geschäften sollte das Signal zum „Losschlagen" sein, eine Ausräumung der jüdischen Geschäfte und Ueberfälle auf die jüdische Einwohnerschaft sollten folgen. In den Pogromplan eingeweiht waren der Thorner Magistratsbeamte Przybojewski, der Präsident des christlichen kaufmännischen Vereins Janus zkie wiez und der Syndikus dieser Organisation B s z e s k i. Einige Arbeitslose, die als Avantgarde der Pogrombrigade fungieren sollten, erhielten für das „patriotische Werk" je 50 Zloty ausbezahlt und stellten hierüber Quittungen an den christlichen kaufmännischen Verein aus. Einer dieser Aribeitslosen, Theodor Symoni, bekam Gewissensbisse und vertraute sich einem ihm befreundeten jüdischen Kaufmann .an, der die Polizei benachrichtigte. Eine durchgeführte Untersuchung bestätigte sämtliche Angaben Symonis. , Massenüberfall auf jüdische Kaufleute Auf der Chaussee R onow-L.odz wurden mehrere jüdische Kaufleute, die zu einem Jahrmarkt fuhren, in der Nacht von etwa 20 Batfernhuligans überfallen und mit Steinen, Messern und Eisenstäben mörderisch miß handelt. Der 30jährige Herschleib Hochspiegel, dir 60jährige Menassc Nissenbaum sowie drei andere R«isende wurden in schwerverletztem Zustande in das nächstgelegene Hospital überführt. Die Polizei verhaf tete am nächsten Morgen vier der Huligans. Sommerfrischen-Pogrom bei Warschau In der Warschau benachbarten großen Sommerfrische Otwock entstand eine ungeheure Panik unter den jüdischen Erholungsuchenden, als eine Bande Huligans unvermutet am Badestrand erschien und aus Revolvern Schüsse auf die Badenden abgab. Als die Badenden unbekleidet in den Ort flüchteten, um sich zu bergen, rannten die Huligans hinterher und gaben Schüsse auf die Flüchtenden ab, von denen mehrere verletzt wurden. Da Polizei nicht rechtzeitig erschien, konnten die Huligans unerkannt entkommen. Die Union der Zionisten-Revisionisten Oester reichs gratuliert herzlichst ihrem Mitgliede, Herrn Dr. O. Teller und Gemahlin, zur Geburt eines Töchterchens. Die Union der Zionisten-Revisionisten Oester reichs gratuliert Herrn und Frau Grabner, Linz, herzlichst zur Vemählung. Aus den »Judenrepubliken« Sowjetrußlands Hunger/ Elend, Massenfludif - Hungernd unter freiem Himmel in Sibirien In der vorigen Nummer hat die „Neue Welt" unter der Spitzmarke „Frivolität" darüber berichtet, daß in Frankreich, Deutschland, Polen, Litauen etc. unter den jüdischen Arbeitern von jüdischen Agenten Moskaus Propaganda für die Auswanderung in die „freien Judenrepuibliken" Sowjetrußlands betrieben wird. Tausende jüdische Arbeitslose fallen dieser Propaganda zum Opfer, lassen sich registrieren und gehen nach Rußland — ins Elen d. Denn das Leben in diesen aus a n t i z i o n i s t ischen Gründen errichteten^Judenk^ipnien ist einfaph^ enise'tzlich. Frivol-aber ist nicht nur das Treiben dieser Agenten. Frivol ist die Haltung eines Großteils der jüdischen Presse, die, aus Kriecherei vot Moskau und der in jüdischen Kreisen leider herrschenden „kommunistischen Mode" huldigend, kritiklos diesen Betrug an jüdischen Arbeitern duldet. Eine fürchterliche Bestätigung der Warnungsrufe der „Neuen W/elt" bieten die nachstehenden, der offiziellen russischen Presse entnommenen Schilderungen. Wie muß erst die Wirklichkeit aussehen! * Die Tageszeitung „E m e s s", das Hauptorgan der jiddischen Kommunisten der Sowjetunion, teilt mit, daß unter den inBiro Bidsch an eingewanderten Juden Hungersnot herrscht. Besonders in den Siedlungen Bira, Icor, Birecan und Nikolajewka fehlt es gänzlich an Brot. „Emess" bringt ein Telegramm aus Biro Bidschan, in welchem mitgeteilt wird, daß die Verwaltung des staatlichen Getreidetrusts für Biro Bidschan definitiv erklärt hat, sie sei nicht in der Lage, die neuen jüdischen Einwanderer zu ernähren, und sie müsse davor warnen, noch Einwanderer in das Land zu bringen. In Stalinfeld wurden jüdische Kolonisten, die sich im Büro des lokalen Getreidetrusts wegen Brotzuteilung eingefunden hatten, aus dem Büro hinausgetrieben. Die gleiche Behandlung wurde dem Vertreter des Komzet (staatliche Gesellschaft zur Förderung der judischen Kolonisten) zuteil, der in das Büro kam, um für die hungernden Siedler .zu intervenieren. Dieser Komzet-Vertreter telegraphierte an die Komzet-Zentrale in Moskau, daß die in Biro Bidschan neu eintreffenden jüdischen Siedler von den lokalen Behörden, an die sie sich mit ihren Angelegenheiten wenden, einfach ausgelacht werden. Es fehlt an allem, viele Neusiedler schlafen unter freiem Himmel, weil die Regierungsbeamten keinerlei Anstalten treffen wollen, die Siedler unterzubringen. „Emess" enthält in einem weiteren Telegramm, daß nicht nur die ueueingewanderten und noch, nicht arbeitenden, sondern auch die arbeitenden Juden schwer hungern müsse». Den jüdischen Arbeitern beim B a. u h o 1 z - T r u s t in Nikolajewka wird eine Nahrungsmittelratibn verabfolgt, die nicht einmal d a. s E r n ä h, r u n g s mini m u m e r r e i c h t. In Bira werden nur die arbeitenden Mähner in der Kantine verköstigt, ihren Frauen und Kindern wird nicht gestattet, die Kantinenküche zu betreten. Die Hungersnot und der Mangel an Unterkunft zwingen viele Juden, Biro Bidschan wieder zu verlassen. „Emess" richtet einen Appell an die Regierungskommission für Zuführung der Juden zur Produktion, Komzet, sofort bei den Behörden in Biro Bidschan dahin zu intervenieren, daß für die Ernährung und Unterkunft der jüdischen Einwanderer gesorgt wird. * Nach einer Mitteilung des „Emess" haben zahlreiche Biro-Bidschan-Wanderer aus Deutschland und aus Argentinien bei ihrem Eintreffen auf dem Jaroslawer Bahnhof in Moskau sich geweigert, die Reise aach Biro Bidschan fortzusetzen, wenn nicht für eine bessere Unterkunft im Eisenbahnzuge und eine verbesserte Ernährung gesorgt würde. „Emess" bemerkt sarkastisch, die Neuankömmlinge hätten wahrscheinlich gedacht, sie würden in Rußland wie „ausländische Touristen mit größtem Komfort" reisen. „Emess" tadelt die ausländischen Organisationen, die nach Biro Bidschan Elemente entsenden, die, kaum daß sie in Rußland eingetroffen sind, sich als Unzufriedene gebärden. Komzet teilt mit, daß. bis jetzt 36 ausländische jüdische Familien und 160 ausländische jüdische Einzelpersonen sich in Biro Bidschan niedergelassen haben; laut der vom Komzet aufgestellten Quote hätten es bis jetzt 900 Familien und 700 Einzelpersonen sein sollen. Wie man sieht, werden die Betrogenen überdies verhöhnt. *. Die in Charkow erscheinende jiddisch-kommunistische Tageszeitung „Stern" bringt alarmierende Nachrichten über die steigende Kolonistenflucht aus den jüdischen Kolonien in der Ukraine, die durch den Mangel an Nahrungsmitteln und Unterkunftsmöglichkeit hervorgerufen worden ist. Die Zeitung erklärt, es bestünde keine Hoffnung mehr, daß die 1400 neuen jüdischen Kolonisten-Familien, die laut dem Plan des ukrainischen Komzet spätestens bis zum 15. Juli 1. J. in den Kolonien eintreffen sollten, überhaupt ankommen werden. Der ukrainische Komzet, in dessen Plan es gelegen war, allein im Rayon Kalinindorf in diesem Jahre 1300 jüdische Familien neu anzusiedeln, erklärt heute, daß der Plan auf 600 Ansiedelnde reduziert worden ist. Die Zeitungen aber hegen Zweifel daran, ob es möglich sein wird, auch nur diese reduzierte Zahl Neusiedler in die Kolonien zu bringen; denn — so argumentieren die Zeitungen — so schlimm die Lage in den Kleinstädten ist, in den Kolonienistsie nochschlimmer. Die Moskauer jiddisch-kommunistische Tageszeitung „E m e s s" bringt die aufsehenerregende Mitteilung aus Stalindorf, daß 42 Prozent aller neu/en jüdisohen Kolonisten in den letzten drei Monaten die Kolonien des jüdischen Rayons Stalindorf verlassen haben. 164 Familien und 109 Einzelpersonen kehrten in ihre früheren städtischen Wohnsitze zurück. Auch in der Krim herrscht großer Mangel an Unterkünften; so z. B. teilt „Emess" mit, daß in einer Krim-Kolonie 47 Familien in 32 Räumen untergebracht sind. Verkaufsverbot für antisemitische Zeitungen in der Schweiz Das Bezirksamt St. Gallen hat mit Entscheid vom 8. Mai 1932 verfügt, daß der „Eiserne Besen", ein nationalsozialistisches Hetzorgan, im Straßenhandel nicht vertrieben werden dürfe. Das zuständige Departement sah sich aus Gründen des konfessionellen Friedens, gestützt auf den Art. 6 des Gesetzes über den Hausierverkehr, veranlaßt, zu dieser Maßnahme zu greifen. Rechtsanwalt Dr. Ursprung von Zurzach reichte namens der „Nationalen Front" einen Rekurs an den Gesamtregierungsrat ein. Dieser stellte sich ebenfalls auf den Standpunkt, daß im Sinne des Hausiergesetzes kein Patent erteilt werden darf, wenn mit der Ausübung des Gewerbes in sittlicher Hinsicht Anstoß erregt und durch den hausiermäßigen Verkauf das religiöse Empfinden gröblich verletzt wird. Daß diese Voraussetzung gut für den „Eisernen Besen" zutrifft, wurde an Hand der letzten Nummern erwiesen. 1 üdi'fdie Sport* und llllilililiil Turnbewegung Feiger Ueberfall auf Hakoahner bei den Strommeisterschaften in Krems Hakoah gewinnt alle Meisterschaften und wird disqualifiziert. Vor der Spaltung des OesterreichischenSchwimmverbandes. Was sich vergangenen Sonntag bei den Strommeistersohaften in Krems zugetragen hat, hat mit Sport gar nichts mehr zu tun. Noch nie hat sich der sogenannte „Unpolitische" Scliwimmvenband, der von Ewask dirigiert wird, so deklariert wie diesmal. Die Strommeisterschaften, die bisher immer auf der Strecke Nußdorf—Rotundenbrücke ausgetragen wurden und sich der größten Popularität erfreuten, wurden über Verlangen des hakenkreuzlerischen Ewask nach Krems verlegt, um den dortigen Gesinnungsgenossen Gelegenheit zu geben, für sich Propaganda zu machen. Man wollte schön unter sich sein und rechnete nicht damit, daß die Hakoah starten wird. Da es sich nicht um eine Veranstaltung des Ewask, sondern um eine Veranstaltung des Oesterreichischen. Schwimmverbandes handelte, so war es selbstverständlich Pflicht der Hakoah, teilzunehmen; Einer unserer Mitarbeiter, der die Reise nach Krems mitmachte, teilt folgendes mit: Schon bei der Ankunft am Sonntag früh zeigte es sich, daß die Hakoahner nichts Gutes zu erwarten haben. Funktionäre erschienen größtenteils mit Hakenkreuz binden und jeder, der jüdisch aussah, wurde angestänkert. Es war in Krems kein Geheimnis, daß die dortigen Hakenkreuzler einen Ueberfall auf die Hakoahner planen. „Kein Jude darf Strommeister werden." ~ iFür die Hakenkreuzler, die die Juden als wasserscheu bezeichnen, war es ein harter Schlag, daß Hakoahner überall in Front waren. Es wurde die Parole ausgegeben: „Kein Jude darf Strommeister werden." Als nun Guth in den Herrenwettbewerhen um fast zwei Minuten vor seinen Nachfolgern einlief und Frau Wertheimer ebenfalls um zwei Minuten früher als ihre Konkurrenten am Ziel war, wurden sie ebenso wie der Hakoahner Beck disqualifiziert, mit der Begründung, daß sie nicht genau das Ziel passiert haben. Die Disqualifikation ist und bleibt nichts anderes als ein treudeutscher Dreh der Hakenkreuzler. Nach der Veranstaltung wurden die Hakoahner tätlich angegriffen. Am ärgsten wurde Fritz Lichten stein, hergenommen, auf den sich einige Dutzend Nazihelden stürzten. Auch eine zwölfjährige Schwimmerin wurde feig verprügelt. Die Autos der Hakoah-Anhänger wurden durch Steinwürfe demoliert und mit rotem Eisenlaok beschmiert. Auch die Kleider wurden zerrissen. Herr Dr. Georg Lichtenstein und ich haben den Gendarmerieposten um Hilfe ersucht. Aber in keinem Fall wurde eingeschritten. Hunderte Hakenkreuzler unter Führung von Ewask- Schwimmern gingen auf die kleine Gruppe der Hakoahner los. Es ist nur Zufall, daß sich keine ernsten Verletzungen ergaben. Die gesamte Sportpresse verurteilt auf das schärfste die Skandalszenen in Krems und gibt den Ewask-Leuten die Schuld. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß es zu einer endgültigen Spaltung im Schwimmsport kommen wird, denn es hat sich gezeigt, daß diese sogenannten Sportsleute jede Zusammenarbeit unmöglich machen. Hakoah darf nicht nach Polen Knapp vor Antritt der großen Sommerreise nach Polen wurde die Hakoah verständigt, daß ihre Spiele seitens des polnischen Verbandes mit einem Verbot belegt wurden. Begründung: Hakoah weist zu geringe Spielstärke auf, um eine Anziehungskraft auf das Publikum auszuüben. Diese Ausrede ißt lächerlich. Hakoah hat in der abgelaufenen Saison glänzende Ergebnisse' eraielt, gegen den Meister und Cüpsieger Admira spielten die Blau-Weißen unentschieden und konnten den Zweiten in der Tabelle, Vienna,; sicher schlagen. Auch die Begründung, daß Hakoah keine Anziehungskraft ausübt, ist bei den Haaren herbeigezogen, denn gerade die Gastspiele der Hakoah brachten immer große Massen auf die Beine, Das Vorgehen des polnischen Verbandes stellt nichts anderes als einen antisemitischen Akt dar. Durch den Entfall dieser Reise erleidet Hakoah großen finanziellen Schaden. Hakoah siegte in einem Freundschaftsspiel gegen die spielstarken Rasen Sportfreund el 2 :0. Erfolge bei den Leichtathletikmejsterschaften. Bei den österreichischen Leichtathletikm^isterschaften konnten die Vertreter der Hakoah mehrere schöne Er-» folge erringen. Im SQQrMeter-Jüaufen blieb Deut-

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